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Kategorie Kritik der reinen Vernunft

Jenseits von Engagement und Agitprop. Tendenzen der Politisierung in der jüngsten Musik.

Jemand hat das Radiofeature von Florian Neuner, das am 27.9.2011 auf DeutschlandRadio Kultur ausgestrahlt wurde, online gestellt. Es kommen uA zu Wort: Mathias Spahlinger, Martin Schüttler, Maximilian Marcoll, Gerhard Stäbler und meiner einer.

„Fratres“ von Arvo Pärt auf dem No-Input Mischpult

Ich elitärer Sack finde den archaistisch-wabernden Arvo Pärt erwartbarerweise ziemlich kitschig, anbiedernd, ja, reaktionär, und weltanschaulich erst recht zum Davonlaufen, aber ihn auf einem No-Input-Mischpult zu spielen hat doch was, zumal ich hier ja immer wieder Re-enactments der historischen Avantgarde bringe; also, dann eben auch die Kuschelmoderne. Nerdig interpretiert isses ok.

Danke für den Hinweis, Dubius!

Früher auf Kulturtechno:
Das Mischpult als No-Input-Instrument
Pärtomat

Der Tatort-Algorithmus

(via interweb3000)

Das hässlichste Musikstück der Welt

„Ich bin auf der Suche nach dem Dümmsten“ sagte Beuys, und wenn es in der Kunst darum geht, alle Bereiche des Ästhetischen auszuloten, dann dürfen auch die untersten Schubladen und das Unkünstlerischste nicht fehlen. Lachenmann betont immer, dass man eine „Nicht-Musik“ schaffen müsse, und Duchamp fragte sich: „Wie machen wir ein Kunstwerk, das kein Kunstwerk ist?“ Mein alter Lehrer Spahlinger pflegte zu sagen: „nur das ist eine neue musik, bei der man sich fragt, ob es sich überhaupt um musik handelt.“
Etwas populärer formuliert es Scott Rickard, wenn er in diesem Talk das „hässlichste Musikstück der Welt“ mathematisch konstruieren will. Seine – sorry, dämliche – Prämisse ist, dass Schönheit durch Wiederholung entstünde, und entsprechend will er nun – jetzt wird es wieder interessant – eine gänzlich wiederholungslose Musik herstellen. Das ist erst mal als mathematische Frage faszinierend, ich gehöre ja zu den Nerds, denen beim Anblick einer Formel Tränen kommen können.
Also Nerds, zieht’s euch rein; wer dagegen nur das „Musikstück“ hören will, springe zu 7’47“.

Von der dümmlichen ästhetischen Wertung ganz abgesehen muss man zu dem Resultat allerdings sagen: FAIL. Die Oktaven stechen so als Gestalten heraus, dass der gewünschte Effekt einigermaßen ausbleibt. Zum anderen, wenn es nur um Tonhöhen geht, sollte das ein mechanisches Klavier spielen, denn beim menschlichen Pianisten entstehen natürlich noch artikulatorische und dynamische Feinheiten, die die Wahrnehmung ablenken.

Das Mathematik ein probates Mittel ist, ästhetische Konventionen zu durchbrechen, hat zB Tom Johnson öfter gezeigt, und ein paar Sachen, die er ausgelassen hat, habe ich umgesetzt, etwa die sämtlichen möglichen 680 Dreiklänge im Ambitus einer Duodezim.

(via Bad Blog of Musick)

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Unser Kulturtechno-Karikaturist veranschaulicht das Dilemma des TED-Talks mit zwei Zeichnungen:

Jean Zieglers nicht gehaltene Salzburger Festspielrede

Globalisierungskritiker Jean Ziegler hätte die Eröffnungsrede der diesjährigen Salzburger Festspiele halten sollen – dann wurde er wieder ausgeladen. Man munkelt, auf Druck der Sponsoren.

Wie dem auch sei –

Sehr verehrte Damen und Herren,
alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. 37.000 Menschen verhungern jeden Tag und fast eine Milliarde sind permanent schwerstens unterernährt. Und derselbe World-Food-Report der FAO, der alljährlich diese Opferzahlen gibt, sagt, dass die Weltlandwirtschaft in der heutigen Phase ihrer Entwicklung problemlos das Doppelte der Weltbevölkerung normal ernähren könnte.

Schlussfolgerung: Es gibt keinen objektiven Mangel, also keine Fatalität für das tägliche Massaker des Hungers, das in eisiger Normalität vor sich geht. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.

Hier kann man die Rede nachlesen.

Wenn doch jetzt nur Marshall McLuhan da wäre

..damit er dem Typen da hinter uns sagen könnte, dass er von McLuhan keine Ahnung hat.

Marshall McLuhan, der gerne mit seiner Berühmtheit und seinen Slogans („The Medium is the Message“) kokettierte („The Medium is the Massage“), in einem Auftritt in Woody Allens „Annie Hall“.

Deutsch für Nazis

 

Miro Jennerjahn, Mitglied des Sächsischen Landtags für Bündnis 90/Die Grünen, entgegnet in dieser Rede dem NPD-Antrag „Deutsch statt ‘Denglisch’“ im Rahmen der 42. Sitzung des Sächsischen Landtags am 12. Oktober 2011.

(via Spreeblick)

Onlinepetition der freien zeitgenössischen Musikszene Berlins zur Situation der Senatsförderung

Ich muss mich immer noch an die Petirerei im Netz gewöhnen, an die „Petition der Woche“ und den nächsten guten Zweck, für den ein schneller digitaler Karl-Otto ja wohl nicht zu viel verlangt ist.
(Mir ist allerdings weiterhin nicht klar, wie bei Online-Petitionen Mißbrauch ausgeschlossen wird, denn da kann man doch das Telefonbuch oder andere Datensätze zur Hand nehmen und Namen übertragen.)

Aktuell geht folgende Petition in Berlin um:

liebe Freunde und Kollegen,
normalerweise bin ich kein Freund solcher Petitionen, aber es erscheint mir wichtig,
entschuldigt bitte auch wenn ihr das eventuell mehrfach bekommen werdet,

einige von euch dürften es vielleicht schon mitbekommen haben,
seit einer Woche gab es vermehrt diverse Gerüchte und Warnsignale, dass die bisherige Förderstruktur in Form von Projekt- und Künstlerförderung des Berliner Senats im Bereich Musik ernsthaft in Gefahr sein könnte!

Im Zuge der derzeitigen Koalitionsverhandlungen ist eventuell auch eine Neuordnung bzw. Umstrukturierung im Bereich Musik und u.a. die Einrichtung eines „Music Boards“
geplant.

Vorsorglich und um den Senat davon zu überzeugen, dass die freie zeitgenössische Musikszene Berlins eine starke Lobby hat und etwaige Änderungen an den Fördersystemen nicht ohne die Beteiligung der in Berlin aktiv produzierenden Künstler möglich sein darf, haben wir uns entschlossen eine Onlinepetition zu starten!!

Wir möchten den Senat dazu aufrufen, die bisherige Form der Musikförderung der freien zeitgenössischen Szene beizubehalten und auszubauen – vor allem aber, diese direkte Künstler- und Projektförderung nicht in die Hände von kommerziell tätigen Unternehmen der Musikwirtschaft zu legen. Ihr findet die Petition unter folgendem Link: Onlinepetition zur Situation der Förderprogramme des Senat Berlin.

Wenn ihr gleicher Meinung seit so unterzeichnet doch bitte diese Petition so rasch wie möglich und leitet den Link an möglichst viele Kollegen, Bekannte und Freunde weiter.

Ich danke Euch allen für euer Engagement und bin mir sicher, wenn wir viele Stimmen sammeln, dass wir uns so Gehör verschaffen können!

mit herzlichen Grüssen

Ignaz Schick

noch einige Links zur Thematik:

aber auch:

 

Ich habe – noch – wenig Einblick in die strukturellen Hintergründe der freien Neuen-Musikszene Berlins, aber ich weiß dass sie wunderbar reichhaltig ist, getragen von leidenschaftlichen und großartigen Musikern und in dieser Form weltweit bewundert. Jede Bedrohung dieser kulturellen Leistung muss abgewehrt werden. Traurig genug, dass schon vorab verteidigt werden muss, wobei aus den Links für mich so nicht richtig hervorgeht, wie die Bedrohung eigentlich aussieht. Es hat auch etwas den Anschein von vorauseilendem Ungehorsam; aber dafür fehlen mir einfach die Hintergründe. Nun ja, man kann sich natürlich schon denken, dass die Ökonomie an der subventionierten Kultur fressen will, also: Alle unterzeichnen!

http://www.openpetition.de/petition/online/onlinepetitition-der-freien-zeitgenoessischen-musikszene-berlins-zur-situation-der-senatsfoerderung

Wenn ich dann trotzdem noch intern nörgeln darf, der Ausdruck „zeitgenössische Musik“ ist Bullshit – zeitgenössisch ist auch Dieter Bohlen. Richtig: „zeitgemäßge Musik“, „aktuelle Musik“ oder die gute alte „Neue Musik“.

Occupy Dollar Bills

Passende Intervention: Die Gruppe Occupy George stempelt Infografiken auf Dollarnoten.

Money talks, but not loud enough for the 99%. By circulating dollar bills stamped with fact-based infographics, Occupy George informs the public of America’s daunting economic disparity one bill at a time. Because money knowledge is power.

(via Nerdcore)

Occupy Wall Street, 1920

On September 16, 1920, an explosion at the corner of Wall and Broad Streets in downtown Manhattan killed 39 people and wounded hundreds more. It would be the deadliest terror attack on American soil until the Oklahoma City bombing 75 years later. Despite its proximity to the attacks on New York on September 11, 2001, the Wall Street bombing of 1920 has more in common with the public sentiment at the Occupy Wall Street protests in lower Manhattan today—with one notable exception. Today’s protesters are committed to nonviolence. The anarchists of yesteryear were not. They largely failed in their attacks on capitalism and Wall Street—and their tactics turned public sentiment against their cause.

Den jetzigen Demonstranten wünsche ich mehr Erfolg.

(via Neatorama)