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Kategorie Theorie

LoFi-Sounds erklärt in acht Minuten

(via kfm)

Dean Rosenthals Text über Musikstücke, die versuchen, komplett zu sein

Ein schöner Text von Dean Rosenthal über Musikstücke, die versuchen, innerhalb ihrer Setzung komplett, restlos, voll ausgeschöpft zu sein (zB der vollständige Turnus in Steve Reichs „Clapping Music“). Was natürlich in schlagender Dialektik die Unvollkommenheit der Welt umso stärker zum Ausdruck bringt….

Dean Rosenthal
Approaching Completeness (about the new tradition of musical catalogues)

A musical catalogue is a musical work that contains all of the instances or possibilities of a compositional design, progression, melody, harmony, rhythm, or other parametrically constrained musical object.

„Wer betreibt konzeptuelle Fotografie?“ (Essay von Wolfgang Ullrich)

#Feiertagslektüre
Ein schöner Essay von Wolfgang Ullrich über die Konzeptualisierungstendenz der Fotografie. Man könnte vieles davon direkt ummünzen auch auf die Musik / auf Klang.

Künftig werden sich Künstler, sofern es sie dann überhaupt noch gibt, von anderen Menschen darin unterscheiden, dass sie keine Bilder machen. Zumindest aber werden sie sich von anderen dadurch unterscheiden, dass das Bildermachen für sie keine alltägliche Sache ist. Da die Digitalisierung dazu führt, dass erstmals in der Geschichte der Menschheit kein Mangel, sondern ein Überfluss an Bildern herrscht, verändert sich vielmehr die Rolle und das Selbstverständnis von Künstlern: Sie müssen nicht den Mangel zu mindern, sondern den Überfluss zu bewältigen versuchen.

https://ideenfreiheit.wordpress.com/2018/08/28/sentimentale-buerokraten-beschaemte-aristokraten-oder-wer-betreibt-konzeptuelle-fotografie/

Dialektik

(via kfm)

Labels der Philosophie

(via FB)

Künstliche Intelligenz in Kunst und Musik – Vortragsvideo von Harry Lehmann

Vortrag auf dem X. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik am 17.2.2018 an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main Siehe das Kapitel „KI-Ästhetik“ in Harry Lehmann: Ästhetische Erfahrung – Eine Diskursanalyse, Paderborn: W. Fink 2016, S. 112-123

Atlas of Plucked Instruments

http://www.atlasofpluckedinstruments.com/index.htm

Schönes Online-Lexikon.

Oder siehe auch
http://www.mimo-international.com/MIMO/accueil-ermes.aspx

Welcome to the world’s largest freely accessible database for information on musical instruments held in public collections. Our database now contains the records of 59761 instruments.

Michael von zur Mühlens Essay „Free Oper!“

Ein schöner Beitrag von Regisseur und Dramaturg Michael von zur Mühlen in „Theater der Zeit“.

Das Problem der zeitgenössischen Oper kann nur durch eine intensivere Praxis von Ur- und Nachauführungen gelöst werden. Bei aller Liebe zur Ausgrabung und der damit verbundenen musikgeschichtlichen Bereicherung: Es gibt mehr als genug bei noch lebenden Komponisten zu entdecken! Komponisten müssen langfristig an die Häuser gebunden werden. Es fällt kein Opernkomponist vom Himmel, aber heute sollen immer sofort Meisterwerke geschrieben werden. Es darf nicht mehr bei einmaligen Versuchen bleiben. In Literatur, Dramatik und der bildenden Kunst arbeiten die Produzenten in ständigem Fluss und stehen im kontinuierlichen Austausch mit Publikum und Institutionen. Wir müssen radikal fragen, in welchen Prozessen zeitgenössisches Musiktheater entstehen kann, jenseits der Trennung von Werk und Inszenierung.

https://static1.squarespace.com/static/52931a02e4b0a535daf24bd1/t/59cac787f9a61e6ef350957b/1506461586803/TdZ_05-2017_Free+Oper.pdf

Daniel Feiges Text über >Entgrenzung und Rekonstitution in der Musik<

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift >Musik & Ästhetik< steht ein Aufsatz von Daniel Feige, in dem dieser ausführlich auf meinen Text >Der aufgelöste Musikbegriff< eingeht.

Sollten wir aus der Tatsache, dass eine inhaltliche Definition der Ausdrucksmöglichkeiten der Künste dadurch unmöglich ist, dass die Medien und Materialien der jeweiligen Künste nichts anderes sind als das, was aus ihnen im Rahmen der jeweiligen Werke vor dem Hintergrund früherer Werke gemacht worden ist, schließen, dass es gar keine Künste im Plural gibt sondern nur die Kunst im Singular? Johannes Kreidler scheint jüngst etwas Entsprechendes in der Musik & Ästhetik behauptet zu haben. Unter Rekurs unter anderem auf Arbeiten von Jeppe Ernst, Kaj Duncan David und Nevin Aladag schlägt er vor, den Begriff der Musik insgesamt fallen zu lassen, da er in ihm letztlich eine willkürliche Grenzziehung sieht, die die Produktion ästhetisch relevanter Gegenstände eher verhindert denn begünstigt. Auch wenn der Text in Teilen diagnostisch daherkommt, ist er in Wahrheit Ausdruck einer Regelpoetik. Polemisch könnte man sagen, dass egal wie oft man die durch die Digitalisierung herbeigeführten Umbrüche zitiert auch im Reich des Ästhetischen kein Sollen aus dem Sein folgt. Freundlicher formuliert könnte man sagen, dass der Text sich zu Recht gegen einseitige und verengte Verständnisse der Praxis von Komponierenden wendet und dabei zugleich gegen den Gedanken, dass die Entwicklung des musikalischen Materials einem prospektivteleologischen Gradienten folgt. Ich möchte festhalten: Kreidlers Überlegungen gehen in eine Richtung, die dem, was ich hier entwickele, durchaus verwandt ist.

http://www.academia.edu/33689762/Zwischen_den_K%C3%BCnsten._Entgrenzung_und_Rekonstitution_in_der_Musik

Der Text macht hilfreiche geschichtliche Einordnungen; er geht teilweise kritisch mit dem meinen ins Gericht, ist aber selber sicherlich auch angreifbar, insbesondere da er die >institutionellen Aprioris< ignoriert. Die Frage des >aufgelösten Musikbegriffs< wird demnächst in den Positionen Thema des Heftes sein, mit einem Streitgespräch zwischen Gisela Nauck und mir. Auch von Harry Lehmann steht ein Text in der Pipeline, der zu diesen Fragen Stellung bezieht.
Schon Anfang des Jahres erschien in den MusikTexten das Gespräch zwischen Hannes Seidl und mir zum Thema „Auflösen / Erweitern“.
Nächstes Jahr werde ich einige >Nachbemerkungen zum aufgelösten Musikbegriff< veröffentlichen, die wiederum den auf den Text Reagierenden antworten wird.

Buch „Zahl und Moral“

Heute ein Buchtipp, da dieses Werk wohl bislang wenig Beachtung gefunden hat: Eine sehr, sehr tolle Lektüre, essayistisch-aphoristisch (aber knapp 900 Seiten) über ein Thema, von dem man einerseits denkt, das gibt es gar nicht, andererseits längst darüber gebündelte Reflexionen erwartet. Hier sind sie, 2014 erschienen, von dem Philosophen Albert Breier, der auch Komponist ist. Ein sehr gut lesbarer literarischer Stil, reif in seiner Kohärenz, von stupender Belesenheit, Originalität und Tiefe. Die Sätze beanspruchen vielmehr ästhetische als wissenschaftliche Wahrheit, das macht das Buch so schön. Einzig ein konservativer Zug des Autors stört bisweilen. Nuja, man ist ja nie 100% mit etwas in Einklang. Dafür wiederum so bewundernswert, wie viele Jahre der Autor für dieses Opus Magnum nahm, und formuliert dabei mit eleganter Bescheidenheit.

Das lockere Neben- und Nacheinander der Addition weicht zunächst dem Zwang der Subtraktion, dann dem Gedränge der Multiplikation und schließlich den harten Schlägen der Division.

Jede Division, jeder Bruch bedeutet eine Verletzung.

Die Subtraktion ist eine Buße, die Division eine Strafe.

Vor der Einführung der 0 war die Division gewissermaßen harmloser; erst ihre Verbindung (oder besser gesagt ihr Zusammenstoß) mit der 0 offenbart ihre ganze zerstörerische Kraft.

Die Grundrechenarten sollen zu philosophischen Kategorien werden.

Wenn der Einsame den Mut zur Nacktheit hätte, wäre er aus seiner Einsamkeit erlöst – oder selbst in seiner Einsamkeit erlöst. So aber steht er beständig im Dialog mit seinen Kleidern, denen er seine sinnlosen Geheimnisse anvertraut.

Suggeriert die Multiplikation mit Null Zerstörung, so gibt die Division durch Null gleichsam die Ahnung einer jenseitigen Welt.

Eine der bekanntesten Denkdissonanzen der Mathematik ist der Satz „Minus mal Minus gleich plus.“

Der Eins wurde der Zahlcharakter oft ganz abgesprochen, die Zwei ist weniger Zahl als Bezeichnung eines Gegenüber, mit der Drei aber beginnt die mathematische Komplexität.

Die Addition ist eine freie Jagd nach Zahlenbeute, die Multiplikation eine reiche Ernte aus planvoller Pflanzung.

Auf die subtrahierende Reformation reagiert die Gegenreformation mit der gewaltigen Anstrengung einer Multiplikation.

Bei einigen Indianerstämmen Südamerikas war es anscheinend üblich, von Zwillingskindern jeweils eines sofort nach der Geburt zu töten.

Das, was Kierkegaard die „Unmittelbarkeit nach der Reflexion“ nannte.

https://www.amazon.de/Zahl-Moral-Entwurf-Passagen-Philosophie/dp/3709201322