Wer es noch nicht getan hat, hier und hier unterzeichnen für den Erhalt der beiden Orchester des SWR, dann hier den offenen Brief gegen die “Umstrukturierung” beim WDR3 und hier die Petition der Freien Szene Berlin.
Und dann will ich, dass jetzt alle mal über Klang nachdenken.
“Ich bin auf der Suche nach dem Dümmsten.” Joseph Beuys
Folgenden Clip hat die Bundeswehr – steuergelderfinanziert – als Werbung für sich online gestellt. Das also ist politische Musik. Fehlt nur noch der “Sieg Heil”-Ruf.
Der Anwärter auf die US-Präsidentschaftskandidatur Rick Perry hat vor wenigen Tagen diesen Spot veröffentlicht:
I’m not ashamed to admit that I’m a Christian, but you don’t need to be in the pew every Sunday to know there’s something wrong in this country when gays can serve openly in the military but our kids can’t openly celebrate Christmas or pray in school.
Das YouTube-Urteil:
Gefällt 15.422, gefällt 543.034 nicht
wovon wohl einige Gefälltmirse noch ironisch gemeint sein werden. Die geballten Hasskommentare darunter wurden mittlerweile gelöscht. Trotzdem kann der Ächtung nicht genug sein. Folgendes Video drückt es am besten aus:
Das Ding hat also das Zeug zum Meme. Beispielsweise wurde bemerkt, dass Perry dieselbe Jacke trägt wie ein Protagonist in dem oscarprämierten Schwulenwestern “Broke Back Mountain”, Remixer drehen ihm die Worte um – Version 1 – Version 2 – Version 3. Der Hitlervergleich ließ natürlich auch nicht lange auf sich warten. Richtig so!
Genoel von Lilienstern hat einen sehr lesenswerten Text über das Ende der Neuen Musik als Avantgarde in den 1970er Jahren geschrieben, auch formal schön mit begleitenden YouTube-Videos:
Ein bemerkenswertes Fundstück darin sei auch hier eingebettet: Veit Harlan, Regiesseur von NS-Filmen wie “Jud Süß”, widerstand jeder Entnazifizierung und produzierte auch 1957 noch einen Film wie “Anders als Du und ich”, in dem er entartete Kunst elektronische Musik und sexuelle Perversion Homoerotik als wesensverwandte Irrungen des jungen Protagonisten darstellt. Am Ende des Films ist der Zögling nach Genoels Auskunft geheilt heterosexuell verbandelt und hört Chopin.
1. Das ist das musikalisch dämlichste, was ich in Jahren gehört habe. Ein dämliches Seventies-Lied ultradämlich von peinlich angezogenen Blasmusikern getutet.
2. Das ist die dämlichste politische Veranstaltung, die ich in Jahren gesehen habe. Wo bleibt da die Bundeswehrreform?? Versagen auf ganzer Strecke. Unkulturflatrate!
Grausig: Da tut dieser NDR-Beitrag so, als wolle er mal den Schwierigkeiten der Neuen Musik auf den Grund gehen, und dann wird es blanken Verhöhnung und am Ende möge man doch ja wieder zum Alten zurückkehren. Hurra! Ich nehme fast alle hier geschworene Treue zu den Öffentlich-Rechtlichen wieder zurück. (Um es kurz zu machen: Das einzig Gute an den Öffentlich-Rechtlichen sind die Kulturradios und ein paar ganz, ganz wenige Fernsehsendungen.)
… für die Abschlussdisko. Ich habe für die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik ein kleines Präsent zu Ehren des eingeladenen Brian Ferneyhough: Sein zweites Streichquartett speiste ich in die Software “Band in a Box” ein, die versucht, Harmonien aus einer Vorlage zu erkennen und dann eine Begleitung zu generieren. Es funktioniert!!