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Toccatas for Organ

Interview über meine neue Oper “Mein Staat als Freund und Geliebte” in der Neuen Zeitschrift für Musik

Anna Schürmer hat mich zu meiner neuen Oper “Mein Staat als Freund und Geliebte”, Premiere am 27.4.2018 an der Oper Halle, für die Neue Zeitschrift für Musik interviewt. Die Ausgabe hat “Heimat” zum Thema. Darin u.a. noch interessante Texte von Patrick Frank und Genoel von Lilienstern.

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Anna Schürmer: Beginnen wir mit dem assoziationsreichen Titel: „Mein Staat“ assoziiert Besitzansprüche an ein politisches Konstrukt, dass für Kollektive geschaffen wurde, also keinem Individuum gehören kann. Inwieweit reflektiert die Oper diese de facto dis-faktische Besitzergreifung?

Johannes Kreidler: Der Titel spricht vom Individuum (»mein«), weil unsere Welt so strukturiert ist, dass – theoretisch – jeder Mensch Bürger*in eines Staates ist und damit identifiziert wird; ein Sortier- und leider auch ein Klassifiziersystem, denn verschiedene Staatsangehörigkeiten sind sehr unterschiedlich viel wert.
Seit der Finanzkrise wird jedenfalls wieder verstärkt nach dem Staat gerufen, ebenso wie durch die Flüchtlingskrise die Wertigkeit der Staatsangehörigkeit sehr präsent geworden ist. ›Staat‹ ist von Platon bis zur Gegenwart ein Thema.

Weihnachtsgeschenk-Tipp: Konzeptmusik zum an die Wand hängen!

Das Fest der Liebe naht,
und was schenken sich alle Musikbegeisterten? Notationsgrafiken von Kreidler!

Als Poster (hochwertiger Druck auf Karton) (signierte Edition, ab 45€) oder als Leinwand (signierte Unikate, ab 500€). Gibt aber auch T-Shirts oder für Größenwahnsinnige die ganze Wandinstallation.
Einfach mal durchklicken und mich kontaktieren (siehe Impressum). Bitte beachten, dass Druck und Versand mindestens eine Woche dauert. Es wird Zeit!

http://www.sheetmusic-kreidler.com/

Sonst tut’s natürlich immer auch ein gutes Buch – Musik mit Musik. Texte 2005-2011.

Trailer LIPPENSTIFT

LIPPENSTIFT
an 80-minute vocal essay / Premiere 5.12. Heimathafen Neukölln with PHØNIX16, Timo Kreuser Cond.
Also works of Kagel and Levinas. Come!

Guitar Piece (from: Diminuendo by Shame), played by Matteo Ciacchi

Ein professioneller Gitarrist macht das natürlich souveräner als ich.

Links in eigener Sache

-In den aktuellen MusikTexten steht ein Text von Julia Mihály über Computerspielmusiken in Neuer Musik, darin kommt sie auch auf mein Requiem zu sprechen.

-Die Portraitsendung auf SWR2 Tandem Rakete über mich (Kulturtechno früher) hat jemand mitgeschnitten und hochgeladen.

-Monika Pasiecznik hat einen Text zum Konzertprojekt “Série Rose” geschrieben, in dem es um Neue Musik und Sex geht. Mit dabei meine Arbeit London.

-Benjamin Sprick hat fürs das Big-Data-Weekend” des Decoder Ensembles, bei dem auch ich beteiligt war, im September einen Text geschrieben.

-Für flämisch Lesende: Für die Kunsttijdschrift Vlaanderen hat Christine Dysers den Text “Muziek ten tijde van internet en digitalisering. De ‘conceptuele muziek’ van Johannes Kreidler” geschrieben.

-Für polnisch Hörende: Hanna Szczęśniak hat mich im September in Warschau fürs Radio interviewt.

-Für italienisch lesende: Gianluigi Mattietti hat einen Text über Musik & Urheberrecht geschrieben, in dem er auch auf meine Aktion product placements zu sprechen kommt.

-Für schwedisch lesende: Andreas Engström hat was über Neue Musik und Filterbubble geschrieben, darin geht es auch um meine Arbeit.

-Meine Performance in Linz 2016 wurde mitgeschnitten

Streitgespräch Gisela Nauck / Johannes Kreidler erschienen

In der neuen Ausgabe der “Positionen” ist ein >Streitgespräch< zwischen Herausgeberin Gisela Nauck und mir erscheinen, in dem es um meinen Text “Der aufgelöste Musikbegriff” geht.

Snip:

Johannes Kreidler: Thesen
1. Ausgehend von Adornos Schlagwort der »Verfransung der Künste« habe ich in meinem Text festgestellt, dass mittlerweile in einem nicht da gewesenen Ausmaß der Begriff der Musik (wie auch die herkömmlichen Einteilungen anderer Kunstsparten, was schon Juliane Rebentisch oder Peter Osborne beschrieben haben) zur Disposition steht, da in der innovativen künstlerischen Praxis Elemente verschiedener Künste nicht nur verfransen, sondern vielmehr sich durchmischen.
2. Es hat natürlich auch seinen Reiz, weiterhin das Label Musik zu verwenden, obwohl ein darunter präsentiertes Werk diverse andere Medien inkorporiert. Aber ab einem gewissen Ausmaß wird dieses Etikett einfach unzulänglich, beschneidend, wenn nicht albern.
3. Man kann diesen Prozess als Auflösung beschreiben: Parameter verschiedener Medien lösen sich aus traditioneller Spartenzugehörigkeit und treten neu zusammen – ein musikalischer Rhythmus kann mit Licht artikuliert werden, ein Instrumentalist kann im Ausstellungsraum statt auf der Konzertbühne agieren, Noten können Teil eines Videos sein, usw. Der ›Musik‹-Begriff ist dann ein historischer.
4. Es wird aber nicht alles irgendwie ›Medienkunst‹. Anhand basaler Unterscheidungen wie räumlich/zeitlich, visuell/auditiv, materiell/immateriell, verkäuflich/unverkäuflich lassen sich wiederum künstlerische Praktiken differenzieren und verschiedenen Darbietungsformaten, also auch Institutionen, zuordnen. Gleichfalls wandeln sich diese aber, gerade auch was die Ausbildung betrifft.

Gisela Nauck: Angesichts der Entwicklung der musikalischen Moderne in den letzten fünfzig Jahren habe ich mich gefragt, warum Du heute von dem veralteten, Adornoschen Verfransungsbegriff von Musik aus den 1960er Jahren ausgehst und nicht vom Cageschen Musikbegriff, der ja längst nicht nur die Autonomie des Werkbegriffs an seine Grenzen geführt hat, sondern selbst schon in positivem Sinne den Auflösungsbegriff enthält? Deine These von der Auflösung bricht in sich zusammen, wenn dieser Cagesche Musikbegriff zugrunde gelegt wird, der die musikalische Entwicklung des letzten halben Jahrhunderts ja enorm beeinflusst hat.

Auch sonst bietet das Themenheft zur >Entgrenzung< viele interessante Beiträge-

Patrick Frank, Die gedemütigte ernste Musik • Gisela Nauck/Johannes Kreidler, Aufösung von Musik oder Transformation? Quo vadis hybridisierte neue Musik • Anton Wassiljew, Gegen Musik. Ein sehr persönlicher Bericht über Agonie, Ideologie und die Erschöpfung der negativen Logik der Kunst • Antoine Beuger/Nikolaus Gerszewski, Was Musik sein kann. Gespräch zweier Komponisten über 4‘33‘‘, die Konsequenzen und »Musicking« • Malte Giesen, Video killed the string quartet. Zum Einsatz von Video in neuer Musik • Sarah Nemtsov, Warum noch Orchester? • Thomas Gerwin, Demokratisierung der klingenden Kunst • Hans-Ulrich Werner, Angewandte Medienwissenschaft • Martina Seeber, New Disziplin • Gisela Nauck, Musik als Skulptur. Dmitri Kourliandskis Weg vom Kunstwerk zur Wahrnehnehmung • Maximilian Marcoll, Der Schritt ins Visuelle • Thomas Nückel, Ein Wolf im Schafspelz? Das Tripel: Künstler – Werk – Hörer unter algorithmischen Bedingungen • Cornelius Schwehr, Klaus Huber, eine Erinnerung • Katja Heldt, Die Kampagne feld notes. Ein Marketing-Konzept für die Berliner zeitgenössische Musik • Jim Quilty/Karim Haddad/Ziad Nawfal, Die Szene neuer Musik im Libanon •

Vor einem Monat ist in Musik & Ästhetik auch Daniel Feiges Antwort auf meinen Text erschienen (Kulturtechno früher). Schon Anfang des Jahres erschien in den MusikTexten das Gespräch zwischen Hannes Seidl und mir zum Thema “Auflösen / Erweitern”. Auch von Harry Lehmann steht ein Text in der Pipeline, der zu diesen Fragen Stellung bezieht.
Nächstes Jahr werde ich einige >Nachbemerkungen zum aufgelösten Musikbegriff< veröffentlichen, die wiederum den auf den Text Reagierenden antworten wird.

Radiosendung über die Herausforderungen für die Musikkritiker*innen durch multimediale Kunstmusik

Torsten Möller geht in seinem SWR2-Feature der anstehenden Frage nach, wie denn angestammte Musikkritiker*innen mit den heutigen Arbeiten im Bereich von >erweitertem< oder gar >aufgelöstem Musikbegriff< umgehen.
Darin kommt u.a. auch mein Stück Minusbolero vor.
Zur Bemerkung gegen Ende, dass eine >Kritik der Kritik< noch ausstünde, wäre etwa auf diesen Text zu verweisen.

Sendung steht bis Sonntag noch in der Mediathek zum Anhören.

Konzept, Diesseitigkeit, Klanginstallation – Was nun, Herr Kritiker?

Musikkritik ist angreifbar. Sie ist abhängig vom Standpunkt des Kritikers, von dessen Vorlieben, somit auch von dessen “musikalischer Sozialisation”. Gerade in Zeiten eines musikalischen Konzeptualismus oder multimedialer Werke versagen solche technischen Bewertungsmaßstäbe wie formale Geschlossenheit, Instrumentation oder harmonischer Reichtum. Wie sieht Kritik heute aus? Und: Wie sind erhellende Schneisen zu schlagen im Dickicht des derart wuchernden Musikschaffens? Torsten Möller sucht in seinem Feature Antworten.

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/jetztmusik/swr2-jetztmusik-konzept-diesseitigkeit-klanginstallation-was-nun-herr-kritiker/-/id=659442/did=20339028/nid=659442/pfoe86/index.html

Es gibt übrigens den sehr schönen Service der Neuen Musikzeitung eines wöchentlichen Überblicks über das Radiogeschehen rund um neue Musik.

Daniel Feiges Text über >Entgrenzung und Rekonstitution in der Musik<

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift >Musik & Ästhetik< steht ein Aufsatz von Daniel Feige, in dem dieser ausführlich auf meinen Text >Der aufgelöste Musikbegriff< eingeht.

Sollten wir aus der Tatsache, dass eine inhaltliche Definition der Ausdrucksmöglichkeiten der Künste dadurch unmöglich ist, dass die Medien und Materialien der jeweiligen Künste nichts anderes sind als das, was aus ihnen im Rahmen der jeweiligen Werke vor dem Hintergrund früherer Werke gemacht worden ist, schließen, dass es gar keine Künste im Plural gibt sondern nur die Kunst im Singular? Johannes Kreidler scheint jüngst etwas Entsprechendes in der Musik & Ästhetik behauptet zu haben. Unter Rekurs unter anderem auf Arbeiten von Jeppe Ernst, Kaj Duncan David und Nevin Aladag schlägt er vor, den Begriff der Musik insgesamt fallen zu lassen, da er in ihm letztlich eine willkürliche Grenzziehung sieht, die die Produktion ästhetisch relevanter Gegenstände eher verhindert denn begünstigt. Auch wenn der Text in Teilen diagnostisch daherkommt, ist er in Wahrheit Ausdruck einer Regelpoetik. Polemisch könnte man sagen, dass egal wie oft man die durch die Digitalisierung herbeigeführten Umbrüche zitiert auch im Reich des Ästhetischen kein Sollen aus dem Sein folgt. Freundlicher formuliert könnte man sagen, dass der Text sich zu Recht gegen einseitige und verengte Verständnisse der Praxis von Komponierenden wendet und dabei zugleich gegen den Gedanken, dass die Entwicklung des musikalischen Materials einem prospektivteleologischen Gradienten folgt. Ich möchte festhalten: Kreidlers Überlegungen gehen in eine Richtung, die dem, was ich hier entwickele, durchaus verwandt ist.

http://www.academia.edu/33689762/Zwischen_den_K%C3%BCnsten._Entgrenzung_und_Rekonstitution_in_der_Musik

Der Text macht hilfreiche geschichtliche Einordnungen; er geht teilweise kritisch mit dem meinen ins Gericht, ist aber selber sicherlich auch angreifbar, insbesondere da er die >institutionellen Aprioris< ignoriert.
Die Frage des >aufgelösten Musikbegriffs< wird demnächst in den Positionen Thema des Heftes sein, mit einem Streitgespräch zwischen Gisela Nauck und mir. Auch von Harry Lehmann steht ein Text in der Pipeline, der zu diesen Fragen Stellung bezieht.
Schon Anfang des Jahres erschien in den MusikTexten das Gespräch zwischen Hannes Seidl und mir zum Thema “Auflösen / Erweitern”.
Nächstes Jahr werde ich einige >Nachbemerkungen zum aufgelösten Musikbegriff< veröffentlichen, die wiederum den auf den Text Reagierenden antworten wird.

Ankündigung meines Solo-Konzerts beim Eclat Festival Stuttgart 2018 / >Musik-Begriff

Ankündigung des Stuttgarter Eclat-Festivals 2018, u.a. mit meinem Performance-Konzert “Infinissage”.

http://mdjstuttgart.de/newsleser/eclat-festival-neue-musik-stuttgart-2018-ist-online.html

Irgendwie fällt mir noch die Formulierung davor auf:

KomponistenInnen von stock11 befragen und kritisieren in ihren Beiträgen den Musik-Begriff.

Hat das vielleicht mit Theorien zu tun, die ich in den letzten Jahren publiziert habe? Ich wüsste jedenfalls keinen anderen, der über den >Musikbegriff< ausdrücklich sich Gedanken gemacht hat derzeit.
Siehe
Der erweiterte Musikbegriff
Der aufgelöste Musikbegriff