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Courses in Basel 11

Gezeichnete Schallwellen

#Studio

Fantasies of Downfall

Vgl.-

Post von Wagner

Lieber Johann Sebastian Bach,

manchmal übertrifft ein Genie sogar sich selbst. Jupitersymphonie, Appassionata, Boléro: Meisterkomponisten wuchsen da noch über sich hinaus. Mona Lisa, Sternennacht, Le Déjeuner sur l`herbe: Malen im Zenit. Das Leben des Brian, Und täglich grüßt das Murmeltier, Unterm Dirndl wird gejodelt, na, lassen wir das… Auch Sie sind in diesen Kreis getreten. Ihr Wohltemperiertes Klavier, das ist musikalische Raketenwissenschaft. Ein Tastenwerk am neuesten Gerät, wo kein Präludium dem anderen gleicht, ein Riesenrad von Charakterstücken, und jede Fuge eine kontrapunktische Spitzenleistung. Da haben Sie eine unübertreffliche Marke gesetzt. Doch die Krönung kommt gleich zu Beginn.
Ein Konzeptstück. Gounods „Ave Maria“, aber ohne die Melodie. Nur die Begleitung. Ein „Minusavemaria“. Das ist überirdisch. Das ist titanisch. Das ist vernichtend.
Ich bin es nicht wert, Ihnen die Füße abzulecken.

Herzlichst, Ihr Franz-Joseph Wagner

Re-Post von Wagner

Liebe Komponisten,

der Sommer geht zu Ende. Man sitzt noch einmal im Schlosspark, raucht eine Lucky Strike. Ihr arbeitet an eurer Musik. Dafür wünsche ich euch viel Glück. Aber seht euch auch mal den Sonnenuntergang an, die Enten im Tegeler See. Brauchen die Enten eure Musik?

Herzlichst, F.J. Wagner

Post von Wagner

Lieber Ludwig van Beethoven,

Sie sind der Berserker-Meister, das wissen wir. Ein tauber Desperado, der die Welt in Grund und Boden stampft mit seinen Akkorden. Das Jahrtausendgenie der Musik, dem der Weltgeist persönlich Noten in die Feder flößt.
Aber in Einem vergreifen Sie sich: Als Spätwerk nun auch noch der Fugengott sein wollen, Johann Sebastian vom Thron stoßen, das ist etwas zu viel bemühter Meisterlichkeit.
Ihre Fugen taugen nicht. Wirres Zeug, ungenießbar wie morscher Apfelwein. Hammerklaviersonate, Diabellivariationen, Große Fuge: Diese Polyphonie geht so schlecht ins Ohr wie ein halbvergammeltes Gummi übers Glied. Kontrapunktik hat in der Spätklassik nichts verloren. Oder sind Sie am Ende gar Postmodernist?!

Herzlichst, Ihr Franz-Joseph Wagner

Post von Wagner

Lieber Joseph Haydn,

als Hofmusiker sind Sie der komponierende Diener. Spielen Sie eines Ihrer Streichquartette, schreit der Fürst: „Nicht so laut, Joseph“, und Sie spielen es leiser. Intonieren Sie ein Haydnsches Divertimento
zum Frühstück, schreit der Fürst: „Nicht so viele Töne, Joseph“, und Sie wechseln zum langsamen Satz. Begleiten Sie musikalisch das Fürstenpaar beim Ehevollzug, schreit der Fürst: „Schneller, Joseph!!“ und Sie gehen zum Presto über.
Wie oft sagen Sie innerlich: „Leck mich am Arsch, Fürst“?

Herzlichst, Ihr Franz-Joseph Wagner

Post von Wagner

Lieber Felix Mendelssohn-Bartholdy,

in meiner Jugend musste ich um 4 Uhr morgens Bierfässer verladen, im Regen Zeitungen austragen und nach Betrieb im Pornokino durchwischen. Die 351 Mark Miete waren stets sauer verdient. Mein Rücken ist heute noch davon krumm.
Sie fragen sich bestimmt, warum ich Ihnen das schreibe. Ihnen wurde von früh an alles auf dem Silbertablett serviert. Hatten nie einen Kampf, nie einen Widerstand, keine einzige existenzielle Sorge.
Das neide ich Ihnen nicht. Aber Ihr riesiges Talent wurde dadurch verdorben. Sie konnten dann nicht mehr als gehobene Unterhaltungsmusik schreiben. Kommt an keinen Takt von Chopin heran.
Gute Komponisten können nur aus der Art gefallene Kleinbürger sein, keine bourgeoisen Musterknaben.
Ihre Musik klingt immer wie ein 1,0-Abituraufsatz. Von mir kriegen Sie dafür keinen Applaus.

Herzlichst, Ihr Franz-Joseph Wagner

Zum Naturbegriff

Eine eigene Untersuchung.

Noch mal Werbung für mich: Ausstellung „Ghost Notes“ in Stuttgart

Mit einigen Arbeiten von mir, darunter meine große Installation „All Synthesizers“ – außerdem in der Stadt auch auf einer Litfasssäule, und auf einem Banner wird meine „Aura“ zu sehen sein. Kommt zur Vernissage am 23.9.!

https://www.kunststiftung.de/programm/ghost-notes.html