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Mein Text über >Musik und Kapitalismus<

Habe für die Neue Musikzeitung was zum Thema geschrieben.

https://www.nmz.de/artikel/kastriert-kapitalismus-kreativitaet-johannes-kreidler

Ich habe einmal das Gedankenexperiment aufgestellt, was für eine Musik wohl herauskäme, wenn es analog zum „Bedingungslosen Grundeinkommen“ eine „Bedingungslose Aufführungsgarantie“ gäbe, Komponist*innen sich alle Zeit der Welt nehmen könnten und komponieren dürften, was und wie sie wollten. Es gibt zwar Projekte wie Open-Source-Software und Wikipedia, doch allergrößtenteils ist der Kapitalismus so omnipräsent und stark verinnerlicht, dass kaum abzusehen ist, was bei dem Experiment herauskäme.

Zu dem Thema haben sich auch einige andere Kolleg*innen dort geäußert-
https://www.nmz.de/tags/kastriert-kapitalismus-kreativitaet

Hanno Ehrlers Radiofeature “Zurück in die Gegenwart” – über >diesseitige< Musik

Im Sommer strahlte Deutschlandfunk dieses Feature von Hanno Ehrler aus, in dem auch meiner einer vorkommt. Jemand hat die Sendung mitgeschnitten und hochgeladen.

Diesseitigkeit
Zurück in die Gegenwart

Urplötzlich ist zeitgenössisches Komponieren aus dem Dornröschenschlaf aufgewacht. Mit einem Mal will sie sich nicht mehr im Elfenbeinturm verbergen. Man möchte “diesseitig” sein, Gegenwart am eigenen Leibe verspüren und sich in dieser tummeln. Wie aber kommt es zu dieser plötzlichen Aktivität?

Von Hanno Ehrler

Jüngere Komponistinnen und Komponisten sind mit dem Neue-Musik-Betrieb unzufrieden. Sie wollen ein größeres Publikum ansprechen, und eine zeitgenössische Musik, die auf ihre Lebenswelt reagiert. Mit Begriffen wie “Diesseitigkeit”, “neuer Konzeptionalismus” und “neue Disziplin” umschreiben sie ihren Wunsch, mit ihrer Musik die Gegenwart zu reflektieren. Solcherlei gab es in der Geschichte der Neuen Musik schon einmal. In den 1960er Jahren ging es darum, “politische Musik” schreiben, die sich mit der aktuellen Situation der Welt beschäftigt. Autor Hanno Ehrler wirft in seinem Feature die Frage auf, ob der derzeitige Aufbruch der neuen Musik wirklich so neu ist, wie er sich gibt?

http://www.deutschlandfunk.de/diesseitigkeit-zurueck-in-die-gegenwart.1990.de.html?dram:article_id=387338


Mein Text “Der aufgelöste Musikbegriff” online

Mein Text “Der aufgelöste Musikbegriff”, erschienen im Herbst 2016 in Musik & Ästhetik, steht jetzt online.
Der Text ist komplementär zu meinem Text “Der erweiterte Musikbegriff“. Er wurde bereits Gegenstand der Diskussion mit Hannes Seidl in den MusikTexten (Kulturtechno früher), und mehrere weitere Kommentator*innen werden sich demnächst dazu äußern, Kulturtechno wird berichten.

abstract:

Musik sieht sich heute umfassend vor der Ausweitung ihrer medialen Möglichkeiten, ähnlich wie es schon seit einiger Zeit in den Bildenden Künsten der Fall ist und von Peter Osborne als »transmedial« charakterisiert wird. Andererseits fixieren institutionelle Strukturen die traditionelle, mediengebundene Definition der Kunstsparten. Doch mittlerweile zeichnet sich ab, wie diese Fixierung überwunden wird, und dann treten auch die Musik und alle Künste in den transmedialen Zustand. Es gibt aber weiterhin Kriterien, nach denen sich verschiedene Praktiken abgrenzen.

http://www.kreidler-net.de/theorie/kreidler__der_aufgeloeste_musikbegriff.pdf

Bernd Künzigs Text zur Debattenkultur

In den aktuellen MusikTexten steht ein Text von Bernd Künzig zur Debattenkultur, der bitter nötig war nach den jüngsten Streitereien, die nicht zuletzt eben die Editorials der MusikTexte ausgelöst haben und die auch mich zum Gegenstand hatten. (Kulturtechno früher)

Snip:

Ein Gespenst geht um in der Neue-Musik-Szene – das Gespenst heißt Streitkultur. Oder sollten wir von einer Unkultur sprechen? Vereinfacht gesagt, ist der Gegenstand des Streits der sogenannte Neue Konzeptualismus. Andere sprechen von Diesseitigkeit oder einem Neuen Realismus. Am Ausgangspunkt der Debatte steht wohl die Bedeutung, die der sogenannten Digitalen Revolution für das gegenwärtige Komponieren beigemessen wird. Die Propagandisten sprechen gerne von einem Paradigmenwechsel, der sich hier ereignen würde, angesichts der vielfältigen Möglichkeiten, die die gespeicherten Musikdaten, jederzeit und an jedem Ort abrufbar, bieten würden. Der überlieferte Materialbegriff der Neuen Musik sei obsolet und hinfällig geworden – was er spätestens schon seit den Siebzigerjahren ist –, vor allem im Hinblick auf seine fortschrittliche Dynamik. Oder wie es Johannes Kreidler, einer der Protagonisten dieser Richtung, salopp formuliert hat: „Wer für Geige schreibt, schreibt ab.“ Solcher Tonfall mag provokativ wirken, man kann das so empfinden, muss es aber nicht. Dies kann einige der heftigen Gegenreaktionen erklären, die solche Standpunkte hervorrufen.

Der Text steht online.

(Mit Dank an JZ)

Mein Text “Die Fotokraft” in der ÖMZ erschienen

Eine schöne Ausgabe der Österreichischen Musikzeitschrift rund ums Thema >Musik und Video<, mit Texten von Ciciliani, Erbe, Ermen, Günther, Knessl, Kreidler, Künzig, Müller, Reininghaus u.a.-

Snip aus meinem Beitrag “Die Fotokraft”:

Die Erfindung der Fotografie wurde nicht nur für die Bildende Kunst zum Problem, sondern auch für die Musik. 1829 begann vielleicht schon ein Vorsprung des Bildlichen vor dem Klanglichen, der erst heute, durch die Digitalisierung und Konzeptualisierung aller Kunstpraktiken, wieder eingeholt wird. Als Konzept steht jede Kunstidee hinter der materiellen Manifestation; und im Code werden alle Sparten in dasselbe Medium transformiert, dadurch mindestens technisch angeglichen zur ›Medienkunst‹. Sicherlich kann man die Geschichte auch anders sehen und erzählen, doch mir erscheint der Bogen plausibel: Vom Foto zur Synthese.

Außerdem befasst sich Bernd Künzig mit meinen >22 Music Pieces for Video<:

Da wird ein Ball auf eine Platte fallen gelassen und hüpft, sich verlangsamend, auf und ab. Der dabei zu hörende Ton ist perfekt im Bewegungsrhythmus des Tischtennisballs synchronisiert. Der Klang selbst allerdings kaum, denn zu hören ist ein federnder Klavierklang, der nichts mit dem Geräusch eines auf und ab hüpfenden Tennisballs zu tun hat. Ganz im Sinne der semiotischen Lehre werden Bezeichnendes und Bezeichnetes als arbiträres Verhältnis akzentuiert, also als eines der willkürlichen Vereinbarung. Bei dieser Serie handelt es sich nicht um 22 Videostücke für Musik, sondern – so der korrekte Titel – um 22 Musikstücke für Video. Das heißt, die Videotechnik mit ihren Schnittfunktionen, ihren Möglichkeiten der Synchronisation von Ton und Bild und die Multiplikation des Bildes in zahllose Bildfelder sind die neuen Kompositionstechniken, die in der Tat nichts mehr mit dem traditionellen, arbiträren Zusammenhang von Schrift und Klang einer Komposition mit Partitur und deren akustischer Umsetzung zu tun haben.

http://www.oemz.at/?page_id=2978

Jan Kopps Text “Über das Anrecht des Hörers am Werk” / zu “Minusbolero”

Jan Kopp hat aus seiner Radiosendung (Kulturtechno früher) einen interessanten Text über die Hörerperspektive gemacht, der nun in den Positionen erschienen ist. Darin auch eine ausführliche Reflexion zu meinem Orchesterstück >Minusbolero<.

Snip:

Der Minusbolero versetzt die experimentelle Hörsituation einer Probe mithilfe einer Partitur in den Aufführungskontext. Kreidler nutzt sein Privileg als Komponist, den Kompositionsauftrag, um sich als Hörer Gehör zu verschaffen. Er macht den Hörern im Konzertsaal eine Perspektive zugänglich, die ihnen normalerweise vorenthalten bleibt. Damit eröffnet der Minusbolero die Möglichkeit eines spekulativen Hörens, das für den gemeinen Hörer so nicht vorgesehen ist.

Die ZEIT über das Opernhaus Halle und mein neues Bühnenstück

Die ZEIT mit einem schönen Artikel über die Oper Halle und mit Ankündigung meines neuen Bühnenstücks >Mein Staat als Freund und Geliebte< - "Die Oper in Halle ist eines der aufregendsten Musiktheaterhäuser Deutschlands".

http://www.zeit.de/2017/39/opernhaus-halle-wiedereroeffnung

Neue Musik im Spannungsfeld

Announcement: Film 1

Film 1
The #film series will be films with musicians, composed like tape pieces, but with visuals; to be shown in concert hall or movie theater. Presentations will be limited to venue events – except these excerpts and some stills/gifs, it won’t go online.

Film 1 with Decoder Ensemble will be premiered on 1st/2nd september in Hamburg, Big Data Weekend, duration 17′.
Film 2 with Ensemble LUX:NM will be premiered at Ultraschall Festival Berlin, january 2018.
(to be continued)

Damit geht Kulturtechno in die Sommerpause bis Mitte September.

Mein Text “Das Shutter-Prinzip” online

Mein Text “Das Shutter-Prinzip”, in dem ich eine Kompositionstechnik beschreibe, die bei mir manchmal Anwendung findet, publiziert im Tagungsband der Darmstädter Frühjahrstagung 2015 (erschienen im April 2016), steht jetzt online.

http://www.kreidler-net.de/theorie/kreidler__das_shutter_prinzip.pdf

Snip:

In meinen Collage-Arbeiten zwischen 2006 und 2012 („Musik mit Musik“) kommt vereinzelt das Verfahren vor, dass die Aufnahme einer bestehenden Musik, gerne Popmusik, im Hintergrund ständig läuft, dabei aber im periodischen Rhythmus von ungefähr einer halben Sekunde abwechselnd an/aus/an/aus… geschaltet wird. Man hört also nur 50 Prozent des Soundfiles‘; die Lücken werden von den Live-Instrumenten besetzt, oder versetzt erscheint in ihnen eine andere Musikdatei im selben Rhythmus, an-aus-an-aus. Deutlich nachvollziehen lässt sich das beispielsweise am Ende des ersten und des letzten Teils von in hyper intervals oder in Der Weg der Verzweiflung (Hegel) ist der chromatische ab 7‘45“ .
Dieses durchgehende An-aus-an-aus könnte man in Analogie sehen zu Erfahrungen des Lidschlags und der Penetration, erinnert an derartige Verfahren als Meßinstrument mit dem Stroboskop in der Wissenschaft oder als Effekt in der Disko, die Binarität verweist auf die Digitalisierung, das akustische Gitter steht schlechthin für die Ausschnitthaftigkeit der menschlichen „Wahrnehmungsmittel“ (Peter Rühmkorf).
Für das Shutter Piece, uraufgeführt bei den Wittener Tagen für Neue Kammermusik 2013, habe ich dieses Prinzip isoliert, minimalisiert und medial verstärkt: Nun ist an/aus monothematisch für das ganze Stück, statt einer Popmusik findet es mit Rauschen mit Sprachanteilen statt, und dazu wird der charakteristische Rhythmus auch als Video artikuliert. Ausgangspunkt war die musikalische Idee, dass die harten an/aus-Schnitte der Elektronik ermöglichen, säuberlich getrennt, innerhalb einer Sekunde sowohl eine laute wie auch eine leise Ebene zu haben, ohne dass das eine das andere gänzlich zudeckt. Hier ergibt sich etwas, das mich interessiert: Lässt man sehr lautes weißes Rauschen an/aus gehen, und live-Instrumente spielen dazu sehr leise ausgehaltene Töne, dann hört man diese leisen Töne nur in den Lücken zwischen den Rauschblöcken, welche ansonsten die feinen Linien maskieren.

http://www.amazon.de/%C3%9Cberblendungen-Ver%C3%B6ffentlichungen-Instituts-Musikerziehung-Darmstadt/dp/toc/3795710693