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Kurze Unterbrechung der Sommerpause: Offener Brief an den Kultursenator der Stadt Berlin

Geht heute mit der Post raus. Schreibt ihm auch – die Lage ist ernst. (Mehr dazu)

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Herrn
Dr. Klaus Lederer
Senator für Kultur und Europa
Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Abteilung Kultur
Brunnenstr. 188-190
10119 Berlin

Klangwerkstatt Berlin – Offener Brief

Sehr geehrter Herr Dr. Lederer,

mit Bestürzung habe ich davon erfahren, dass das Festival Klangwerkstatt Berlin, das seit 28 Jahren jährlich eine einzigartige kulturelle Leistung Berlins darstellt, dieses Jahr mangels finanzieller Förderung nicht stattfinden kann. Kein mir bekanntes Festival für Neue Musik betreibt – deutschlandweit – in einer solchen Intensität Nachwuchsförderung für alle Formen des experimentellen Musizierens und Komponierens, wie es ebenso diese vereint mit erstklassigen Aufführungen und wichtigen Kompositionsaufträgen an die bedeutendsten Komponistin*innen Berlins, was im Bereich der Neuen Musik bekanntlich nicht weniger heißt als: die bedeutendsten Komponist*innen der Welt.

Um nur ein Beispiel zu geben aus vermutlich über 500 Konzerten, die die Klangwerkstatt seit 1989 auf die Beine gestellt hat: 2010 durfte ich die Erfahrung als Zuhörer machen, einem Konzert von Kindern und Jugendlichen aus Marzahn-Hellersdorf beizuwohnen, in dem diese mit Autohupen eine spektakuläre ›Symphonie‹ von Moritz Eggert darboten. Nicht nur war es ein großer Spaß für alle Beteiligten, zugleich öffnete es allen die Ohren für die Feinheiten, die – ich habe es auch erst geglaubt, nachdem ich es gehört habe – eine Autophupe hat; sie kann nämlich durchaus auch leise und zart klingen!

Schauen Sie doch mal auf der Website www.klangwerkstatt-berlin.de ins Archiv, was hier 28 Jahre lang mit großem Idealismus und Fleiß für Berlin getan wurde. Unmessbar bleiben darüber hinaus all die Wirkungen, Erinnerungen, Erweiterungen des Fühlens und Denkens, Freude an Klang und seiner gemeinsamen Hervorbringung in allen nur erdenklichen Facetten, die von der Klangwerkstatt ausgingen.

Dass die Klangwerkstatt nun nicht stattfinden kann, zeigt das grundsätzliche Manko, dem das Festival ausgesetzt ist: Von Jahr zu Jahr ist es auf projektbezogene Fördermittel angewiesen; die Klangwerkstatt ist aber kein singuläres Projekt, sondern eine der wichtigsten Institutionen des Berliner Konzertlebens seit 1989. Darum möchte ich Sie dringlich bitten, alle Möglichkeiten zu prüfen, der Klangwerkstatt endlich eine kontinuierliche, langfristige Förderung zu geben, damit dieses traurige Jahr ein absoluter Einzelfall bleibt. Wenn jetzt nicht die bestehende Wo*Manpower und das über mehr als ein Vierteljahrhundert gewachsene Publikum der Klangwerkstatt gesichert wird, bricht etwas weg, was sich schwerlich – wie sollte es auch – wiederherstellen ließe. Berlin wäre um eines seiner wunderbarsten Basiskulturprojekte ärmer. Ich bitte Sie, zu handeln.

Es grüßt so bekümmert wie herzlich
Johannes Kreidler

Announcement: Film 1

Film 1
The #film series will be films with musicians, composed like tape pieces, but with visuals; to be shown in concert hall or movie theater. Presentations will be limited to venue events – except these excerpts and some stills/gifs, it won’t go online.

Film 1 with Decoder Ensemble will be premiered on 1st/2nd september in Hamburg, Big Data Weekend, duration 17′.
Film 2 with Ensemble LUX:NM will be premiered at Ultraschall Festival Berlin, january 2018.
(to be continued)

Damit geht Kulturtechno in die Sommerpause bis Mitte September.

Website übers Notenschreiben

Schöne medienhistorische Ressource: http://www.musicprintinghistory.org

Es werden Zwillinge

(via Tumblr)

Politisch-ästhetische Fehlentscheidung

Das Wahlvolk wird ihm schon noch die Quittung ausstellen!

(via Tumblr)

Alexander Graham Bell’s Tetrahedral Kites

Sehr kunstig, sehr radikal, sehr modern.
Ähnelt teilweise meinen neuesten Filmen.

Bell began his experiments with tetrahedral box kites in 1898, eventually developing elaborate structures comprised of multiple compound tetrahedral kites covered in maroon silk, constructed with the aim of being to carry a human through the air. Named Cygnet I, II, and III (for they took off from water) these enormous tetrahedral beings were flown both unmanned and manned during a five year period from 1907 until 1912.

(via Publicdomainreview)

Xylophonimitat

(via BoingBoing)

Mein Text “Das Shutter-Prinzip” online

Mein Text “Das Shutter-Prinzip”, in dem ich eine Kompositionstechnik beschreibe, die bei mir manchmal Anwendung findet, publiziert im Tagungsband der Darmstädter Frühjahrstagung 2015 (erschienen im April 2016), steht jetzt online.

http://www.kreidler-net.de/theorie/kreidler__das_shutter_prinzip.pdf

Snip:

In meinen Collage-Arbeiten zwischen 2006 und 2012 („Musik mit Musik“) kommt vereinzelt das Verfahren vor, dass die Aufnahme einer bestehenden Musik, gerne Popmusik, im Hintergrund ständig läuft, dabei aber im periodischen Rhythmus von ungefähr einer halben Sekunde abwechselnd an/aus/an/aus… geschaltet wird. Man hört also nur 50 Prozent des Soundfiles‘; die Lücken werden von den Live-Instrumenten besetzt, oder versetzt erscheint in ihnen eine andere Musikdatei im selben Rhythmus, an-aus-an-aus. Deutlich nachvollziehen lässt sich das beispielsweise am Ende des ersten und des letzten Teils von in hyper intervals oder in Der Weg der Verzweiflung (Hegel) ist der chromatische ab 7‘45“ .
Dieses durchgehende An-aus-an-aus könnte man in Analogie sehen zu Erfahrungen des Lidschlags und der Penetration, erinnert an derartige Verfahren als Meßinstrument mit dem Stroboskop in der Wissenschaft oder als Effekt in der Disko, die Binarität verweist auf die Digitalisierung, das akustische Gitter steht schlechthin für die Ausschnitthaftigkeit der menschlichen „Wahrnehmungsmittel“ (Peter Rühmkorf).
Für das Shutter Piece, uraufgeführt bei den Wittener Tagen für Neue Kammermusik 2013, habe ich dieses Prinzip isoliert, minimalisiert und medial verstärkt: Nun ist an/aus monothematisch für das ganze Stück, statt einer Popmusik findet es mit Rauschen mit Sprachanteilen statt, und dazu wird der charakteristische Rhythmus auch als Video artikuliert. Ausgangspunkt war die musikalische Idee, dass die harten an/aus-Schnitte der Elektronik ermöglichen, säuberlich getrennt, innerhalb einer Sekunde sowohl eine laute wie auch eine leise Ebene zu haben, ohne dass das eine das andere gänzlich zudeckt. Hier ergibt sich etwas, das mich interessiert: Lässt man sehr lautes weißes Rauschen an/aus gehen, und live-Instrumente spielen dazu sehr leise ausgehaltene Töne, dann hört man diese leisen Töne nur in den Lücken zwischen den Rauschblöcken, welche ansonsten die feinen Linien maskieren.

http://www.amazon.de/%C3%9Cberblendungen-Ver%C3%B6ffentlichungen-Instituts-Musikerziehung-Darmstadt/dp/toc/3795710693

Darragh Kellys Text über (post)konzeptuelle Musik von Walshe und Kreidler

Darragh Kelly hat einen Text über die konzeptuellen Ästhetiken von Jennifer Walshe und mir geschrieben, (auch online) veröffentlicht in Writings About Music Volume IV.

Snip:

This paper will analyse works by the two composers Johannes Kreidler and Jennifer Walshe, drawing comparisons and distinctions between them, in an attempt to illuminate the compositional praxis and philosophy of music found in each. Kreidler and Walshe are both recipients of the prestigious Darmstadt International Summer Course for New Music’s Kranichstein Music Prize for Composition (in 2012 and 200, respectively), and remain at the forefront of the conceptual music movement and the wider experimental music world.

Bahn stellt neues Zugkonzept vor

(via Tumblr)