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MT-NK-Bullshit-Bingo

Die Mai-Ausgabe der MusikTexte wird sich nun auch der Konzeptmusik widmen. Allen Vorzeichen nach muss man mit dem Schlimmsten rechnen. Darum hier schon mal das zugehörige Bullshit Bingo. Wenn nicht bereits beim Editorial, dann spätestens auf Seite 10 wird die erste Reihe voll sein.

Ligetis “Poème symphonique”, realisiert mit YouTube-Filmen

Schönes Re-Enactment von György Ligetis “Poème Symphonique” für 100 Metronome – so wie ich es verstehe haben Paul Hübner und Niklas Seidl YouTube-Filme mit Metronomen genommen und als Split Screen angeordnet, wobei aus den verschiedenen Dauern der vorgefundenen Filme der Ausdünnungsprozess resultiert, der bei Ligeti durch sukzessives Ausscheiden der entspannten Metronomfedern entsteht.

Online-Noise-Generator

Drüben bei Unique Noise Generators kann man sich im Web ein Rauschen machen:

http://mynoise.net/noiseMachines.php

Ich würde ja die folgende historische Kette bilden:

19. Jahrhundert: Waldesrauschen
20. Jahrhundert: Weißes Rauschen
21. Jahrhundert: Facebook-Rauschen

(via Nerdcore)

Eric Derr spielt “Windowed 1 Version 1″

Eric Derr spielt in einer schönen Interpretation mein Schlagzeugstück “Windowed 1 Version 1“.

DJ Don’ts

(via SpOff)

New Fordist Organization Book Of Fluxus-Style One-Word Verb Pieces

by David Pocknee

for Andy Ingamells

13718 verbs re-imagined as Fluxus one-word text scores, arranged in a random order that will change when the page is refreshed.

Some verbs appear in both English and American spellings. These small differences should indicate a subtle change in the approach to performance.

ANDY (leafing through Yoko Ono’s “Grapefruit”): A lot of these scores seem like you just take a random word from the dictionary, stick “PIECE” on the end of it and then the piece is just that word with a full stop after it and the date…

DAVID AND ANDY: …wait a minute…

(via textscoreaday)

Die ideale Musik für Kompositionswettbewerbe

Im Computer Music Journal hat Nick Collins einen Artikel veröffentlicht über eine Software, die die Gewinnerstücke von Kompositionswettbewerben analysiert, um daraus den präsumptiven nächsten Gewinner abzuleiten.

This article presents Autocousmatic, an algorithmic system that creates electroacoustic art music using machine-listening processes within the design cycle. After surveying previous projects in automated mixing and algorithmic composition, the design and implementation of the current system is outlined. An iterative, automatic effects processing system is coupled to machine-listening components, including the assessment of the “worthiness” of intermediate files to continue to a final mixing stage. Generation of the formal structure of output pieces utilizes models derived from a small corpus of exemplar electroacoustic music, and a dynamic time-warping similarity-measure technique drawn from music information retrieval is employed to decide between candidate final mixes. Evaluation of Autocousmatic has involved three main components: the entry of its output works into composition competitions, the public release of the software with an associated questionnaire and sound examples on SoundCloud, and direct feedback from three highly experienced electroacoustic composers. The article concludes with a discussion of the current status of the system, with regards to ideas from the computational creativity literature, among other sources, and suggestions for future work that may advance the compositional ability of the system beyond its current level and towards human-like expertise.

http://www.mitpressjournals.org/doi/abs/10.1162/COMJ_a_00135#.U0zjcKIoN8E

Morton Feldman Texts

Wer sich für den amerikanischen Abstraktminimalisten interessiert, hier gibt’s eine hervorragende Ressource:

http://www.cnvill.net/mftexts.htm

(via Ali)

Kompositionswettbewerb “Traumtape”

Der Studiengang Mediendesign der Musikhochschule Trossingen ruft einen Kompositionswettbewerb aus:

ZUKUNFTSKOMPONIST,
SOUNDARCHITEKT
ODER KLANGVISIONÄR?

DANN KOMPONIERE DEN
SOUNDTRACK ZU DEINEM TRAUM.

BRINGE DEINEN TRAUM ZUM KLINGEN,
LADE IHN HOCH UND GEWINNE!

http://www.musikdesign.net/Traumtape/

Weitere Infos:
http://blog.teufel.de/news/teufel-unterstuetzt-soundwettbewerb-traumtape/

Ich bringe das hier, weil neben anderen ich in der Jury sitze. Nun ist mein Geschmack so ziemlich das Gegenteil von irgendwelchem Kitsch und sphärischem Gesäusel, das habe ich bei der Anfrage für die Jury-Tätigkeit auch gesagt, aber sie wollten eine kritische Stimme….
Als denn, nehmt Teil, aber bevor ihr überhaupt euer Soundprogramm startet, müsst ihr erst mal die Traumdeutung von Sigmund Freud, die surrealistischen Manifeste und die Lacan-Exegese von Slavoj Zizek durchgearbeitet haben.

Neuer Konzeptualismus – Methoden | Nachwort: Legitimationsprobleme im Spätkonzeptualismus

Erfreulicherweise haben zwei philosophische Schwergewichte sich nun auch dem Neuen Konzeptualismus zugewandt. Theodor W. Adorno hat eine “Ästhetische Theorie der Konzeptmusik” entworfen (leider Fragment geblieben):

Ästhetische Theorie der Konzeptmusik

Zur Selbstverständlichkeit wurde, daß nichts, was die Konzeptmusik betrifft, mehr selbstverständlich ist, weder in ihr noch in ihrem Verhältnis zum Ganzen, nicht einmal ihr Existenzrecht. Die Einbuße an reflexionslos oder unproblematisch zu Tuendem wird nicht kompensiert durch die offene Unendlichkeit des möglich Gewordenen, der die Reflexion sich gegenübersieht. Erweiterung zeigt in vielen Dimensionen sich als Schrumpfung. Das Meer des nie Geahnten, auf das die revolutionären Konzeptmusikbewegungen um 1910 sich hinauswagten, hat nicht das verhießene abenteuerliche Glück beschieden. Statt dessen hat der damals ausgelöste Prozeß die Kategorien angefressen, in deren Namen er begonnen wurde. Mehr stets wurde in den Strudel des neu Tabuierten hineingerissen; allerorten freuten die Künstler weniger sich des neu gewonnenen Reiches der Freiheit, als daß sie sogleich wieder nach vorgeblicher, kaum je tragfähiger Ordnung trachteten. Denn die absolute Freiheit in der Konzeptmusik, stets noch einem Partikularen, gerät in Widerspruch zum perennierenden Stande von Unfreiheit im Ganzen.

Und Jürgen Habermas hat nun endlich auch seine lang erwartete Kunstphilosophie vorgelegt (danke für den Hinweis, Larson):

Legitimationsprobleme im Spätkonzeptualismus

In der Geschichte der bürgerlichen Sozialwissenschaft haben diese Theorien heute eine ähnliche Funktion wie in früheren Phasen der konzeptualistischen Entwicklung die klassische Lehre der Politischen Ökonomie, welche die »Natürlichkeit« der konzeptualistischen Wirtschaftsgesellschaft suggerierte.

Klassenstruktur
Während in traditionalen Gesellschaften die politische Form der Produktionsverhältnisse eine Identifikation herrschender Gruppen ohne Schwierigkeiten erlaubte, ist die manifeste Herrschaft im Liberalkonzeptualismus durch die politisch anonyme Gewalt von Privatrechtssubjekten ersetzt worden (in den durch ökonomische Krisen ausgelösten sozialen Krisen gewinnen/diese freilich, wie die Fronten der europäischen Arbeiter-bewegung zeigen, wieder die identifizierbare Gestalt eines politischen Gegners). Nun werden zwar die Produktionsverhältnisse im organisierten Konzeptualismus gewissermaßen re-politisiert; dadurch stellt sich aber die politische Form des Klassenverhältnisses nicht wieder her. Die politische Anonymisierung der Klassenherrschaft wird vielmehr durch eine soziale Anonymisierung überboten. Die Strukturen des Spätkonzeptualismus lassen sich nämlich als Reaktionsbildungen gegen die endemische Krise verstehen. Zur Abwehr der Systemkrise lenken spätkonzeptualistische Gesellschaften alle sozialitegrativen Kräfte auf den Ort des strukturell wahrscheinlichsten Konfliktes, um ihn desto wirksamer latent zu halten; zugleich befriedigen sie damit politische Forderungen der reformistischen Arbeiterparteien.

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Die gesamte “Neuer Konzeptualismus-Methoden”-Ausstellung kann unterm Tag neuerkonzeptualismus angesehen werden.