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Kreidler liest Nietzsche

23.7.2015 Nemtsov & Nemtsov Raum für Kunst und Diskurs, Berlin

Damit verabschiedet sich Kulturtechno in die Sommerpause bis Mitte September.

Anfanglosigkeit

L’Origine de la musique

Immaterial

“So einfach ist es nicht. Es ist viel einfacher.”

»Man glaubt gar nicht, wie schwer es oft ist, eine Tat in einen Gedanken umzusetzen!«
Karl Kraus

Das Konzept soll keinen Eingriff nötig haben, es soll seinen eigenen Verlauf nehmen. (LeWitt). Aber was heißt das. Sehnsucht nach Objektivität, nach der Kraft des Außerindividuellen, etwas größeres, der Wahrheit des Kollektivgeistes, der geschichtlichen Bewegung selbst. Meese: Die Diktatur der Kunst.
Die schöpferische Kraft des Intersubjektiven, die Kraft des bereits Vorhandenden, aber noch nicht Angezapften. Das Bereits Existierende ist der Künstler / die Künstlerin. Jedes Kunstwerk, das geschaffen wird, hat schon kurz davor existiert, aber ward noch nicht gesehen.
Krise der Gestaltung seitens des Künstlers, der Form, des Rhythmus’, der Zeit, der Expressivität.
Kritik der Krise

Bei den frühen Atonalen hieß es: „Ist das noch Musik“
Beim der Konzeptmusik heißt es „Wird das noch Musik“

Die Konzeptmusik ist Kunst mit Musik, also Kunst mit den Elementen der Musik, oder Kunst über Musik, Kunsttätigkeiten (Performance, Video, Objekte) die von Musik handeln. Wird das noch Musik? Bei Audioguide lasse ich sagen: A Music theater about Music is also a Music theater.
So wie man sagen kann, dass Nietzsches Philosophie eine Psychologie der Philosophie war.

‚Wenn ich über die Musik reden könnte, bräuchte ich sie ja nicht mehr komponieren‘. Man kann aber über Musik reden, und vielleicht muss man alles durch Sprache ersetzen, was sich durch Sprache ersetzen lässt. Belastungstest, konzeptuelle Reinigung. Konzeptuelle Befreiung.

Vergleichen mit Variation: Im Gegensatz zur Variation eines Themas / entwickelnde Variation sind die Realisierungen von Konzepten die Realisierung eines nur abstrakt, ideell vorhandenen Themas (vgl. Platon). Varianten.

Bewusste Verwässerung des Kunstanspruchs

Etwas konzeptualisieren: Versteifung / Aufsteifung

Prozeptualismus

Gadgetism

indirektal

Abstraktion als Folge von Trauma (Serialismus, Stockhausen)

Der Minusbolero ist dekadent. (H.L.)

“Alle Ideen sind Kunst, wenn sie sich auf Kunst beziehen” (LeWitt, Sätze über konzeptuelle Kunst)
Alle Ideen sind Musik, wenn sie sich auf Musik beziehen.

Da Konzeptualismus das Wesen der Abstraktion ist, kommen immer welche, die Konzepte schon überall in der Musikgeschichte entdecken – sie nutzen eben die Macht der Abstraktion.

Was ist das tolle, das Phänomenale, das Beglückende am NK.

 

Rigoroser als Kant hat jedoch Husserl Zugangsweisen und Gegebenheitsweisen miteinander identifiziert und damit jeden Dualismus vermieden. Jenseits unschuldiger Präsenz formuliert die Phänomenologie eine aufs Kategoriale gerichtete Anschauungslehre und schlägt insofern eine ähnliche Richtung ein wie Cassirers Symboltheorie: Inferiorisierung der Sinne gegenüber dem Bewußtsein. Was dann erscheint, bildet nichts Vorgegebenes mehr, nicht einmal die negative Auszeichnung eines Unverzichtbaren, vielmehr ist das Gemeinte immer schon das Kategoriale, was davon entbindet, überhaupt noch von einer Selbstgegebenheit der Dinge zu sprechen. Wahrnehmen bedeutet entsprechend eine in Modalitäten erfassende Aufmerksamkeit:

Farben entstehen im Akt des Sehens, wie Klänge im Prozeß des Hörens oder Topographien von Oberflächen im Moment ihres Ertastens, und zwar so, daß ihnen eine »Bedeutung« beigelegt wird. Noch in der schlichtesten Wahrnehmung liegt ein Abzielen und Vermeinen, eine »Zuwendung [...] auf das Seiende«, wobei die Struktur der Wahrnehmung das Wahrgenommene in einer »unendlichen Erfüllungssteigerung« allererst konzeptualisiert.

Nicht Dinge kommen in die Sicht, sondern »Abschattungen« und »Ansichten«, die sie darstellen. So tritt die sinnliche Anschauung gegenüber der Vorstellung zurück: Sehen entspeicht Akten des Bedeutens, und Wahrnehmen heißt Entwerfen. Husserl nimmt auf diese Weise die analytische These von der Konstruktivität der Wahrnehmung phänomenologisch vorweg. Die Position gilt programmatisch bereits für die Logischen Untersuchungen: »Fingieren wir ein Bewußtsein vor..; und ingHchenJ^ an, wahr, nicht den Flug des Vogels oder das Bellen des Hundes: Einem solchen. Bewußtsein bedeuten die Empfindungen nichts, sie gelten ihm nicht als Zeichen; sie werden schlechthin erlebt, ermangeln aber einer J…] objektivierenden Deutung.. « Favorisiert wird das »Als-was«: Wahrnehmung geschieht intentional; sie meint immer ein auf »etwas als etwas« fokussiert, mithin von Anbeginn an mit einer konstitutiven Als-Struktur. Nicht das »Daß« (quod) von Eindrücken zählt, sondern ihre lesbaren Attribute. Evidenzen ohne Bedeutungen oder Vermittlungen sind dem Wahrnehmenden verwehrt: »Sprechen wir von Tieren, von Pflanzen, von Städten, Häusern usw., so meinen wir damit von vornherein Dinge der Welt [...]. Die Dinge sind erfahren als Baum, Strauch, Tier, Schlange, Vogel; im besonderen als Tanne, als Linde, als Holunderstrauch [...] usw.«

Die auf diese Weise antizipierte Semantisierung der Wahrnehmung läßt jede auratische Gewährung obsolet erscheinen. Wie sich ihr Konstruktivismus nach Paul Virilio einer durchgängigen Technisierung verdankt, spiegelt sich umgekehrt in ihrer Semantisierung eine tiefgreifende Mediatisierung der Lebenswelt. Das Sinnliche zeigt sich immer schon als sinnhaft erschlossen und von den Registern der Interpretation, ihren Lektüren und Relek- türen beherrscht. Unterstellt wird ein Zeichenuniversum, dem alles zur Kodierung, zur Kommunikation, zum Diskurs oder zum Medium wird: Triumph einer Immaterialisierung, die aus Sehen und Hören selbst noch eine Textur macht und das Sichtbare wie Hörbare in eine diskrete Reihe von Schnitten zerlegt, die sie zuletzt der Schrift anähneln. Dann betreibt der Sehende oder Hörende nur mehr Symbolisierungen: Wesentlich erscheinen allein die manipulativen Effekte, das Spiel von Signifikanzen oder die Muster ihrer Inszenierung, die zwar deren prinzipielle Variation und Veränderbarkeit konstatieren, die gleichwohl ihr Aisthetisches so weit entsinnlichen, daß es, wie schließlich bei Derrida, in eine generelle Absenz gerät: »Nun ich weiß nicht, was Wahrnehmung ist, und ich glaube nicht, daß es so etwas wie Wahrnehmungen gibt.« Entsprechend erweisen sich die Zeichenketten als »dicht«; ihnen eignet eine Undurchdringlichkeit, aus der Blick und Ohr sowenig herauszuführen vermögen wie die taktile oder haptische Sensibilität; vielmehr erblicken, hören oder fühlen diese immer nur schon Gesehenes, Gehörtes oder Ertastetes, das heißt Wahrgenommenes im Modus von Wiederholung und Verspätung.

Folglich erscheinen auch das Ereignis der Wahrnehmung, die Augenblicke der Affektion, des Eindrucks selbst nachträglich. Es setzt die rückhaltlose Totalisierung von Signifikation bereits voraus: Aisthetik nimmt einen Platz inmitten der unabschließbaren Serien von Differenzen und Vermittlungen ein, unterliegt ihrer Struktur, partizipiert an der Selbstreferentialität der Marken, die nicht einmal elementare Erfahrungen wie Ekel oder Schmerz als zerreißende und jede signifikante Ordnung sprengende Kraft zulassen. Dem korreliert ein Verschwinden von Materialität.Angezeigt wäre somit eine Krise der Aisthesis, die mit dem Regime des Symbolischen, seiner Formate und Gewebe zusammenfällt und die auch da noch besteht, wo auf die vermeintliche Authentizität von Wahrnehmungen ausdrücklich wieder gepocht wird.
Dieter Mersch

 

Der Konzeptualist schafft auf jeder Größenordnung Rahmen, nicht nur im Standard-Werk. Der Konzeptualist ist viel flexibler als alle anderen. Und er löst den Werkbegriff nicht auf, sondern verstärkt ihn. Werk ist jetzt viel mehr, viel mehr kommt zu Werkwürde.

Auch: etwas zum Gegenstand der Spekulation machen (den Konzeptualismus stark machen / zum Objekt der Spekulation machen)

Das Unverständliche – nicht das Unbegreifliche — ist die Empfängnis (conception), die Entstehung des Begriffs (concept) ausgehend von der reinen besonderen Eigentümlichkeit, die Er­ zeugung des besonderen Eigentümlichen (unendliche Bestim­ mung) ausgehend vom Begriff, das Objektwerden des Subjekts, das Subjektwerden des Objekts.

Trauerarbeit als Arbeit der Zunge/Sprache (langue), der Zähne und des Speichels, auch des Schluckens, der Assimilation und des Rülpsens. (Derrida)

 

Das ist also das Gründungsmanifest des Neuen Konzeptualismus:

“Mit der Musikförderung des Bundes will die Koalition den Ansatz einer konzeptorientierten Kulturförderung weiter- entwickeln. Die Gründung eines Musikfonds auf Bundes- ebene für die Entwicklung der zeitgenössischen Musik- kultur hilft, eine Lücke im Fördersystem zu schließen.”

(Koalitionsvertrag der CDU/CSU/SPD Bundesregierung 2013, S. 92)

Immaterial

Hegel
“Das bloß Flüssige ist nicht klingend.”
„Die Schwingungen sind die Erzitterungen der Materie in sich selbst, die sich als klingend in dieser Negativität erhält, nicht vernichtet wird.“
Aufhebung durch Wärme.
„Nicht nur der Musikus wird warm, sondern auch die Instrumente.“
Hegel

Konzept als Geste. Eine prinzipiell übertragbare Tätigkeit / Krankheit. Ein Konzept hat eine gewisse Unabhängigkeit vom Gegenstand. Jede Realisation ist nur ein Beispiel, „nur ein Gleichnis“.
Und auf einmal ist alles Konzeptmusik.

 

Hartkern-Pornografie

Die Stimulation des Anus durch Finger-, Zungen- und Lippenberührung, Benetzung und Massage. Der After als Mund und Rose.

Ihren Kitzler lecken und sie zieht mit ihren Fingern noch die Schamlippen hoch, dass ihr inneres rotes Fleisch zu sehen ist und ihre Perle noch mehr leckbare Fläche anbietet.

Sorge um die sexuelle Gesundheit des Publikums.
Änderung des Sexualverhaltens nach dem Erleben eines Kunstwerks.

 

Zum Unästhetischen / Unsinnlichen.

Claus-Steffen Mahnkopf, „Über das Hören“. Er beschreibt, wie wichtig die technisch hohe Qualität bei Musik sei, die vollendete Akustik usw.. Genauso könnte man auch schreiben, wie toll Ölfarben leuchten und darum nichts als Ölmalerei gelten lassen. Aber wieviel gilt Ölmalerei tatsächlich heute.

Ähnlich könnte man bei Rainer Nonnenmann, der immerzu postuliert, dass Musik strukturell gut sein muss, auch fragen, warum er nicht gleich noch fordert, dass sie schöne Melodien haben muss.

Das Paradigma der Struktur, das mal ein Gegenbegriff zum musikalischen Thema war – hier gibt es keine Melodie und Begleitung mehr, keinen Vordersatz und Nachsatz, sondern eine Struktur von Tönen – das dient aus. Es gibt nicht mehr viele Tonsatzmusik (Parametermusik): Haas, teilweise Spahlinger. Jetzt gibt es die Poststruktur, die Struktur von Semantik in der Musik, der skelettartige Zusammenhalt unter dem Fleisch. “Structures for Orchestra”: der Minusbolero entkleidet die Struktur von Orchester, von Hierarchien. Eine Poststruktur kann man nicht komponieren, man kann sie nur freilegen. Poststrukturen sind bereits existierende Strukturen, die aber noch nicht sichtbar sind. Eine Struktur ist per definitionem etwas Verborgenes, etwas Ummanteltes (vom Fleisch der Vulva oder von der Membran des Darms). Der Ummantel der Struktur, wird er entfernt, entblößt sich die Poststruktur.

Poststruktur: Kunst der Interpretation. Interpretation muss Komposition werden.

Antworten auf Kritiken am NK
Antworten auf Kritiken am NK

Immaterial

„Die Bedeutung des einzelnen Bildes tritt gegnüber der Formensprache, in der sie zum Ausdruck kommen, zurück.“

Distanz (der Witz)
und
Distanzlosigkeit (Trennung von Kunst und Leben aufgehoben, Rahmen entfernen)
Distanz als Aufhebung der Trennung. Mit der Entfernung vom Gegenstand schwindet die Grenze.

Konzepte stehen in einem Verhältnis zu bereits bekannten, etablierten Vorstellungen, Traditionen, unhinterfragen Konzepten.

Etwas konzeptualisieren: die Klangfarbenmelodie kommt auch schon im Tristanvorspiel kurz vor, Schönberg hat sie konzeptualisiert, also zum einzigen Thema gemacht.

Etwas konzeptualisieren: Ein Prinzip abstrahieren und dann in vielen Varianten exemplifizieren; es durch viele Varianten ausdrücken.
Konzeptualisieren heißt, Varianten/Exemplare bilden

Eine Ideengeschichte der Musik, der Musikerfindung – wann kam zum ersten, zum allerersten Mal jemand auf den Gedanken, den Dreiklang repetitiv zu brechen; wann entstand der erste komplett homophone 4stimmige Choral. Eine Geschichte der ersten Male. Wo also eine Vereinigung, eine versteckte Zeugung, eine Stimulation zum Orgasmus, zum Samenausstoß und –empfang, eine Schwangerschaft und Geburt stattgefunden hat mit allem Ruch und aller Grenzüberschreitung, also Gewalt und Liebe der Sexualität, Eindringendes und Hurendes. „Und dann küssten wir uns“ / „Und dann küsste er mich“.

Eine Idee ist das „kleinste mögliche Ganze“ (Musil, 1916). Der Konzeptualismus kommt aus dem Ersten Weltkrieg.
Umdefinition des Schönheitsbegriffs: So wie man auch sagen kann „Die wilde Schönheit der Gefahr“.

„Er hatte selbst, mit der Hilfe seiner Mutter, Gäa, seinem Vater die Hoden abgeschnitten. Und es ist nochmals Gäa, sie bereits,die die Sichel in die Hände des Sohnes legte. Vielleicht ist sie es, nochmals, die sich mit Zeus, ihrem Enkel, gegen Kronos, ihren Sohn, verbündete und ihn ein Pharmakon einnehmen ließ, das ihn zwang, all die Kinder zu erbrechen, die er gegessen hatte.“

 

So wie der Digitalcode das Scharnier zwischen allen Medien ist, ist der Konzeptualismus das Scharnier zwischen allen Medien.

Wenn das Konzept, ähnlich wie der digitale Code, die Schnittstelle, das Medium hinter den ästhetischen Medien ist, was führt dann dazu von „Musik“ zu sprechen. Es ist der Bezug zu Klang und „Musik“, wie wir sie bislang kannten mit all ihren Kontexten (Noten, Aufführung,  die Kultur…)

Wesenhafte Verwandtschaft von Digitalcode und Konzepten – jenseits der medialen Manifestation.

Immaterial

Übermorgen abend, 23.7. um 20h mache ich in der Galerie Nemtsov & Nemtsov, Witzlebenstraße 38 14057 Berlin, eine einstündige Lecture-Performance + Ausstellung grafischer Arbeiten von mir; u.a. mit Lesung aus dem Immaterial.


Einladung

Immaterial

Dispression

Thomas von Aquin: Ordnung und Geheimnis, darin das Wort „Sinnzusammenhang“ mit dem Wort „Konzeptualismus“ ersetzt.

 

Was in der Schöpfung auf die höchste W e i s e gut ist, das ist das G u t der O r d n u n g des A l l s , das, wie der P h i l o soph [Aristoteles] sagt, auf die höchste W e i s e v o l l k o m m en ist; dazu stimmt die göttliche Schrift, w e n n sie sagt: »Es sah Gott alles, was er gemacht; u n d es w a r sehr gut«, während sie v o n d e n e i n z e l n e n W e r k e n e i n f a c h h i n gesagt hatte: »sie w a r e n gut«.

V o n j e vollkommenere r W i r k k r a f t etwas ist und je höher es steht auf der Stufenleiter der G u t h e i t , um so a l l gemeinsamer ist sein Streben nach dem G u t e n u n d um so mehr sucht u n d w i r k t es das Gute in dem, was f e r n von i h m ist.

Das Zeichen der V o l l k o m m e n h e i t in den niederen W e s e n ist dieses: daß sie etwas sich selber Ähnliches zu schaffen vermögen.

Was v o n Gott stammt, ist geordnet. D a r i n aber besteht die O r d n u n g der D i n g e , daß die einen durch die a n deren zu G o t t geführt werden.

Zwischen der Schöpfung u n d G o t t ist e i n zwiefacher B e z u g zu gewahren: einer, gemäß welchem die Geschöpfe durch Gott verursacht werden u n d v o n i h m als v om U r g r u n d ihres Seins abhängen. U n d s o gesehen, berührt G o t t, wegen der U n b e g r e n z t h e i t seiner Kraft, unmittelbar j e g liches D i n g , i n d em er es verursacht u n d im S e i n bewahrt: h i e r a u f bezieht es sich, daß G o t t auf u n m i t t e l b a r e W e i s e in a l l e n D i n g e n ist — durch W e s e n h e i t , G e g e n w a r t u n d Macht. Der andere B e z u g ist der, gemäß welchem die D i n g e zurückgeführt w e r d e n z u G o t t als z u i h r em Z i e l . U n d s o gesehen, findet sich e i n M i t t l e r e s zwischen G o t t u n d dem Geschöpf: w e i l die n i e d e r e n Geschöpfe z u G o t t geführt w e r d e n durch d i e höheren, w i e D i o n y s i u s [ A r e o p a g i t a ] sagt.

Zur V o l l e n d u n g der V o l l k o m m e n h e i t des A l l s war es notwendig, d a ß es geschaffene W e s e n gebe, die zu G o t t z u rückkehrten, nicht a l l e i n gemäß der A b b i l d l i c h k e i t ihres Wesens, sondern auch durch i h r W i r k e n . Dies aber k a nn nicht anders geschehen als im A k t der Vernunft und des

 

Nietzsche, Der Fall Wagner, „Wagner“ durch „Konzeptualismus“ ersetzt.

Ich mache mir eine kleine Erleichterung. Es ist nicht nur die reine Bosheit, wenn ich in dieser Schrift Bizet auf Kosten des Konzeptualismus lobe. Ich bringe unter vielen Spässen eine Sache vor, mit der nicht zu spassen ist. Konzeptualismus den Rücken zu kehren war für mich ein Schicksal; irgend Etwas nachher wieder gern zu haben ein Sieg. Niemand war vielleicht gefährlicher mit der Konzeptualismus verwachsen, Niemand hat sich härter gegen ihn gewehrt, Niemand sich mehr gefreut, von ihm los zu sein. Eine lange Geschichte! – Will man ein Wort dafür? – Wenn ich Moralist wäre, wer weiss, wie ich’s nennen würde! Vielleicht Selbstüberwindung. – Aber der Philosoph liebt die Moralisten nicht … er liebt auch die schönen Worte nicht….

Was verlangt ein Philosoph am ersten und letzten von sich? Seine Zeit in sich zu überwinden, “zeitlos” zu werden. Womit also hat er seinen härtesten Strauss zu bestehn? Mit dem, worin gerade er das Kind seiner Zeit ist. Wohlan! Ich bin so gut wie der Konzeptualismus das Kind dieser Zeit, will sagen ein décadent: nur dass ich das begriff, nur dass ich mich dagegen wehrte. Der Philosoph in mir wehrte sich dagegen.

Was mich am tiefsten beschäftigt hat, das ist in der That das Problem der décadence, – ich habe Gründe dazu gehabt. “Gut und Böse” ist nur eine Spielart jenes Problems. Hat man sich für die Abzeichen des Niedergangs ein Auge gemacht, so versteht man auch die Moral, – man versteht, was sich unter ihren heiligsten Namen und Werthformeln versteckt: das verarmte Leben, der Wille zum Ende, die grosse Müdigkeit. Moral verneint das Leben … Zu einer solchen Aufgabe war mir eine Selbstdisciplin von Nöthen: – Partei zu nehmen gegen alles Kranke an mir, eingerechnet Konzeptualismus, eingerechnet Schopenhauer, eingerechnet die ganze moderne “Menschlichkeit”. – Eine tiefe Entfremdung, Erkältung, Ernüchterung gegen alles Zeitliche, Zeitgemässe: und als höchsten Wunsch das Auge Zarathustra’s, ein Auge, das die ganze Thatsache Mensch aus ungeheurer Ferne übersieht, – unter sich sieht … Einem solchen Ziele – welches Opfer wäre ihm nicht gemäss? welche “Selbst-Überwindung”! welche “Selbst-Verleugnung”!

Mein grösstes Erlebniss war eine Genesung. Konzeptualismus gehört bloss zu meinen Krankheiten.

Nicht dass ich gegen diese Krankheit undankbar sein möchte. Wenn ich mit dieser Schrift den Satz aufrecht halte, dass Konzeptualismus schädlich ist, so will ich nicht weniger aufrecht halten, wem er trotzdem unentbehrlich ist – dem Philosophen. Sonst kann man vielleicht ohne Konzeptualismus auskommen: dem Philosophen aber steht es nicht frei, Konzeptualismus zu entrathen. Er hat das schlechte Gewissen seiner Zeit zu sein, – dazu muss er deren bestes Wissen haben. Aber wo fände er für das Labyrinth der modernen Seele einen eingeweihteren Führer, einen beredteren Seelenkündiger als der Konzeptualismus? Durch Konzeptualismus redet die Modernität ihre intimste Sprache: sie verbirgt weder ihr Gutes, noch ihr Böses, sie hat alle Scham vor sich verlernt. Und umgekehrt: man hat beinahe eine Abrechnung über den Werth des Modernen gemacht, wenn man über Gut und Böse beim Konzeptualismus mit sich im Klaren ist. – Ich verstehe es vollkommen, wenn heut ein Musiker sagt “ich hasse Konzeptualismus, aber ich halte keine andre Musik mehr aus”. Ich würde aber auch einen Philosophen verstehn, der erklärte: “Konzeptualismus resümirt die Modernität. Es hilft nichts, man muss erst Konzeptualist sein … “

Immaterial

Es gibt in der Wahrnehmung von Klang Momente der Abstraktion.

Wir fassen zusammen. Wie abstrahieren. 1000 Töne = 1 Ton.
1 Ton = 1001 Töne.

Konzeptualismus drückt aus, dass es in der (ästhetischen) Wahrnehmung Abstraktionen, übergeordnete Instanzen, Zusammenfassungen, Hierarchien, dahinterliegende Konzepte gibt; dass man manchmal nur einen Parameter ändern braucht, um das Ganze zu ändern (Warhols Verwendung von Zeitungsfotos zB, Ferneyhough in Band in a Box – die Umwertung aller Werte, die Änderung der Vorzeichen.) Ein Musikstück hat Vorzeichen, diese können geändert werden. Konzeptualismus ist die Komposition der Vorzeichen. Konzeptualismus ist der neue Quintenzirkel. Quinzeptualismus.

Samenentnahme
Der Urinstrahl der Frau als ihr Phallus, mit dem sie in den Mund des Mannes spritzt.
Beim Sex kommen und entkommen.

Sexualität der Trauer

Anstatt die Beine außen zu lagern, schließen Sie die Beine. So stößt er mehr von oben, gleitet intensiver über Venushügel und Klitoris. Fehlen ihm für die Position einige Zentimeter, legen Sie Ihre Hände auf seinen Po und bedeuten ihm, mit seinem Becken eher eine Auf- und Abbewegung als eine Rein-Raus-Tour zu machen.
Legen Sie das linke Bein auf seiner Schulter ab, das rechte ziehen Sie an und lassen es zur Seite fallen. So können Sie bequem selbst Hand oder Minivibrator anlegen. Oder er den Daumen, den er zuvor mit geschmeidigem Öl getauft hat – das gleitet besonders schön auf der anspruchsvollen Klitoris.
Die meisten Betten haben zwar ein Kopfteil, sind aber am Fußende offen. Legen Sie sich also mal umgekehrt drauf, dann kann Ihr Liebhaber seine Fußballen gegen die stabile Rückfläche stemmen und sein Schambein fest gegen Ihre Vulva kreisen lassen.
Wenn Sie kommen, lassen Sie bewusst alle Muskeln locker, sobald die erste Welle rollt: Die Arme fallen zur Seite, die Knie auch … Durch die Entspannung werden Sie die Kontraktionen im Becken sehr viel intensiver spüren. PS: Wenn Sie noch denken können vor lauter Lust, dann denken Sie daran, Ihre Zehen hochzubiegen, wenn es so weit ist – der Sehnenzug stimuliert die Vagina enorm.
Legen Sie Ihren gespreizten Zeige- und Mittelfinger über Ihre Scham – dort, wo die beiden in die Hand übergehen, liegt Ihre Klitoris, in der Spitze des Finger-Vs. So kann er sie nicht mehr verfehlen!
Ziehen Sie Ihren Venushügel mithilfe des Victory-Vs nach oben Richtung Bauchnabel – der Zug legt die Klitoris frei und macht sie total empfindsam.
Bitten Sie ihn, seine Faust sanft gegen Ihre Schamlippen zu pressen und den Daumen nach oben auszustrecken, sodass die Daumenfläche gegen Ihre Klitoris drückt. Mit kreisenden Massage-Bewegungen kann er dann seine Zunge unterstützen.
Warum sollte Ihre Perle nicht auch wie sein Penis auf Saugen reagieren? Dazu umschließt er den wesentlichen Bereich mit den Lippen, zieht die Luft ein (die Wangen wölben sich nach innen) und bewegt sanft den Kopf.
So wird’s für ihn ein Genuss: Essen Sie frische Ananas, die „versüßt“ Ihr natürliches Aroma, oder trinken Sie täglich frischen Zitronensaft in Wasser.
Lassen Sie sich im Stehen von ihm lecken, während er zwischen Ihren Beinen kniet und mehr von unten als von vorne kommt. Der veränderte Winkel ist berauschend!
Ihr Venushügel mag es vermutlich wie 007: Ihr Geliebter möge seinen Daumenballen auf ihn legen und ihn ein wenig rütteln, während er seine Zunge leicht angespannt gegen Ihre Klitoris drückt.
Je leichter der Druck Ihrer Faust oder des Daumen-Finger-Rings, desto mehr Gas können Sie geben – bleiben Sie dann nur im oberen Drittel der Erektion. Je fester der Druck, desto langsamer können Sie sein und schön komplett von oben nach unten massieren. Insgesamt ist die erregendste Handarbeit jene, bei dem Sie die Kombination zwischen seinem bevorzugten Zufassdruck und Takt finden. Bitten Sie ihn, seine Faust um Ihre zu legen und zu zeigen, wie er das Fingerspiel an und für sich liebt.
Probieren Sie mal einen Klassiker der Erotikmassage: die „Zitronenpresse“. Dabei umfassen die Fingerspitzen seine Eichel und streicheln sie in einer drehenden Bewegung – schön sanft, bitte!
Die schönste Befriedigung ist die, die kunstvoll herausgezögert wird. Sobald Sie spüren, dass er bald kommt, halten Sie inne, umschließen den Schaft mit bewegungslosem Griff, etwa fünf Herzschläge lang. Wiederholen Sie die Verzögerung dreimal, beim vierten Mal halten Sie nur zwei Sekunden inne und bringen die Sache dann mit einer Explosion zu Ende.

Neuer Konzeptualismus, permanente Sexualfantasien

Immaterial

Konzeptualismus – ein Konzept-Dualismus

1822: Ludwig van Beethoven entdeckt die 9. Symphonie.
Das schwächste Glied im Kompositionsprozess ist die Komponistin/der Komponist.

Psychologisierung des Konzeptualismus – Welche Traumatisierung liegt dahinter.

Diesmal wollte sie nicht umkehren,wollte ihm nicht ent-
kommen. Leidenschaftliche Erregung hatte sie ergriffen,
eine Vorahnung, daß sie nun jenen Gipfel des Entzückens
erreichenwürde,dersieeinfürallemalaussichselbsther-
ausschleudern und einem Unbekannten überlassen wür-
de. Sie kannte nicht einmal seinen Namen, noch er den
ihren. Die Unverhülltheit seiner Augen war wie ein Ein-
dringeninihrefieberndeFotze.AufderTreppezittertesie.
Als sie beide in dem Zimmer standen mit dem riesigen,
geschnitzten Bett, ging sie zunächst auf den Balkon. Er
folgte ihr. Sie war gewiß, daß er nun nach ihr greifen, eine
Besitzergeste machen würde, der sie nicht ausweichen
konnte.Siewartete.Wasdanngeschah,hattesienichtvor-
ausgesehen.
Denn nicht sie war die Zögernde, sondern der Mann, des-
sen Wille sie hierhergebracht hatte. Er stand vor ihr, schlaff,
verlegen, mit verwirrtem Blick. Dann sagte er mit einem
entwaffnenden Lächeln: »Ich muß Ihnen gestehen, daß Sie
die erste richtige Frau sind, die ich jemals kennengelernt
habe – Sie sind eine Frau, die ich lieben könnte. Ich habe
Sie gezwungen, hierherzukommen. Nun möchte ich sicher
sein, daß Sie auch hier sein möchten. Ich…«
Dieses unerwartete Geständnis berührte sie tief. In ihr
stieg eine Zärtlichkeit auf, die sie noch nie zuvor empfun-
den hatte. Seine Stärke beugte sich vor ihr, zögerte, ehe sich
der Traum, der zwischen ihnen entstanden war, verwirk-
lichte.Zärtlichkeitüberflutetesie.Undsiewaresauch,die
den ersten Schritt tat und ihm den Mund bot.
Er küßte sie, er legte die Hände auf ihre Brüste. Sie spürte
seine Zähne. Er küßte ihren Hals, in dem die Adern klopf-
ten, ihre Kehle, die er jetzt mit beiden Händen umspannt
hielt,alswollteerihrenKopfvomRumpftrennen.Sietau-
melte vor Begierde, ganz von ihm besessen zu werden.
Währendersieküßte,zogersieaus.DieKleiderfielenauf
den Boden. Sie standen immer noch da und küßten sich.
Ohne ihr ins Gesicht zu sehen, trug er sie auf das Bett, er
ließdenMundnichtvonihremGesicht,ihremHals,ihrem
Haar.SeineZärtlichkeitenwarenmerkwürdig:Manchmal
waren sie weich und schmelzend und dann wieder heftig,
wie die Liebkosungen, die sie erwartet hatte, als sein Blick
auf sie gerichtet war, die Liebkosungen eines wilden Tieres.
Etwas von einem wilden Tier war auch in seinen Händen,
mitdenenerjedenTeilihresKörpersbedeckte,mitdenen
er sich im lockigen Delta ihres Schoßes festgekrallt hatte,
alswollteeresihrvomKörperreißen,alshätteerErdeund
Gras gleichzeitig ergriffen.
Wenn sie die Augen schloß, kam es ihr vor, als hätte er
unzählige Hände, die sie überall berührten, unzählige
Münder, die rasch über sie fuhren und die sich wie mit
Wolfszähnen in die fleischigsten Stellen gruben. Er war
jetztnacktundhattesichinseinerganzenLängeaufsiege-
legt. Sie fand es herrlich, sein Gewicht zu tragen, herrlich,
unter seinem Körper zermalmt zu werden. Sie gierte da-
nach, vom Mund bis zu den Füßen an ihn geschweißt zu
werden. Schauder schüttelten ihren Körper. Manchmal gab
erihrgeflüsterteAnweisungen.SiesolltedieBeineheben,
wiesieesnochniezuvorgetanhatte,bisihreKniedasKinn
berührten.Erbatsie,sichumzudrehen,underspreiztemit
beiden Händen ihre Hinterbacken. Er ruhte sich in ihr aus,
legtesichzurück,wartete.Dannentzogsiesichihm,setzte
sich halbwegs auf, das Haar aufgelöst und wirr, der Blick
wiebetäubt.WiedurcheinenNebelschleiersahsieihnauf
demRückenliegen.Sierutschtenachunten,bisihrMund
seinen Schwanz erreichte. Sie küßte ihn rundum, und bei
jedem Kuß erbebte er. Der Mann sah ihr zu. Seine Hand
lagaufihremKopf,underdrückteihnherunter,sodaßihr
MundsichschließlichüberseinenlüsternenKolbenstülp-
te.Erhieltsiefest,währendsiesichaufundabbewegte,bis
sie sich schließlich mit einem Seufzer unerträglicher Wol-
lust auf seinen Bauch fallen ließ und dort liegenblieb und
mit geschlossenen Augen ihre Wonne auskostete.
Sie vermochte es nicht, ihn so anzusehen, wie er sie an-
sah. Ihr Blick trübte sich, so hatte die Leidenschaft sie ge-
packt. Als sie ihn endlich wieder ansehen konnte, wurde sie
magnetisch von seinem Fleisch angezogen. Sie wollte es
mit Mund, Händen, mit dem ganzen Körper berühren.
Mit einer Art animalischer Sinnlichkeit rieb sie ihren gan-
zen Körper an dem seinen. Dann fiel sie auf die Seite und
berührte seinen Mund, als formte sie ihn immer wieder,
wie eine Blinde, die die Umrisse von Mund, Augen, Nase,
dieHaut,dieLängeundKonsistenzdesHaaresundseines
Ansatzes hinter den Ohren ertasten will. Zuerst waren die
Finger leicht, aber dann wurden sie drängender, leiden-
schaftlicher. Sie gruben sich in sein Fleisch, sie taten ihm
weh. Es war, als wollte sie sich mit Gewalt von seiner Wirk-
lichkeit überzeugen.
Dies waren die äußeren Gefühle der Körper, während sie
einander entdeckten. Vor lauter Berührung waren sie wie
betäubt.IhreGestenwurdenschwererundtraumhaft,die
Hände wurden träge. Sein Mund schloß sich nicht mehr.
Wie der Honig aus ihr floß! Liebevoll verweilend tauchte
erdenFingerhinein,dannseinenSchwengel,zogsieüber
sich, bis sie über ihm lag, die Beine über seine geworfen.
Er nahm sie, er konnte sehen, wie er in sie eindrang, auch
sie konnte es sehen. Beide sahen, wie sich ihre Körper
wanden, wie sie dem Höhepunkt zutaumelten.
Weil sie aber nicht schneller wurden, wechselte er ihre
StellungundlegtesieaufdenRücken.Erkauertesichüber
sie, um sie mit noch mehr Kraft zu nehmen, zu dem tief
innen liegenden Mund vorzudringen, immer wieder die
fleischigenWändeihrerFotzezuspüren.Dafühltesie,wie
in ihren innersten Falten neue Zellen zum Leben erwach-
ten, neue Finger, neue Münder, die auf sein Eindringen
reagierten,sichseinemRhythmustausendfältiganpaßten.
DasSaugeninihrwurdeimmerlustvoller,alshättedieRei-
bunginderTatungeahnteTiefenderVerzückungbloßge-
legt.Siebewegtesichschneller,umdenHöhepunktzuer-
jagen.ErmerkteesundsteigerteseinTempoebenfallsund
feuertesiemitWorten,Händen,liebkosendenGestenund
mitseinemMund,derwieangeschweißtaufihremwar,an,
gleichzeitig mit ihm zu kommen. Zungen, Höhle und Glied
bewegtensichnunimgleichenRhythmus.WellenderLust
breiteten sich aus zwischen ihrem Mund und ihrem
schmatzendenGeschlecht,Gegenströmungenvonfastun-
erträglicher Verzückung schüttelten sie, bis sie, halb
schluchzend, halb lachend, aufschrie.