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Audioguide Programmtext / Kulturtechno Sommerpause

Am 4.8. ist es so weit, mein neues Musiktheater “Audioguide” hat Premiere bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. 19h, Centralstation Darmstadt.

Das ist der Programmtext:

 

Johannes Kreidler (1980)
Audioguide (2013/14)

Musiktheater
(Fortsetzung von “Feeds. Hören TV”)

für 4 Schauspieler, 6 Musiker, Video und Gäste

 

Tammo Messow, Tom Pilath, Andrea Seitz, Peer Blank
Ensemble neoN: Heloisa Amaral, Inga Byrkjeland, Karin Hellqvist, Ane Holen, Yumi Murakami, Kristine Tjøgersen
Felix Dreher
Eric Moreira, Ruben Mattia Santorsa
Stefan Fricke, Johannes Kreidler

 

Audioguide ist eine inszenierte Talkshow über ästhetische Effekte des Terrorismus, turbokapitalistische Kunstproduktion, hypermoderne Zahlen, Musikpsychologie, Feminismus, die Kreisbewegung, Hass auf Altes, Sozialnetzwerkdiskussionen politischer Kunstaktionen,  Schönheitsideale, Waldgang, Geld, virtuelle Fremdarbeit, Macbeth, Stockhausen, Derrida, und über die funktionale Differenzierung der Gesellschaft.
Zeitgleich ist es eine Konzeptualismus-Oper, Sonatas and Interludes für präpariertes Hören, Formatexposition und Praxis des erweiterten Musikbegriffs.

Triggerwarnungen:
Eine große Menge Geigen wird zerstört
FSK 18

Das Stück dauert 7 Stunden, es gibt keine Pause (Ein- und Ausgehen ist möglich).

 

Eine Co-Produktion der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, des Ultima Festival Oslo und des Fonds Experimentelles Musiktheater NRW

 

Hier gibt es einen Zeitungsartikel, der die Kurse und auch mein Stück ankündigt.

Damit verabschiedet sich Kulturtechno in die Sommerpause bis Mitte August!

N 5∆° $’ h3,s“ – unmögliche GEMA-Titel

Aktuell gibt es den Fall, dass das Frankfurter Klangkünstler-Duo CLUBbleu eine CD aufgenommen hat, deren Titel lauten:

1. N 5∆° $’ h3,s“
2. E H° ¥8’ r!,d“
3. N 5D° µ’ Bs,8“
4. E S° ©r’ 49,eR5“
5. W 5@° 1’ !3,n“
6. A 0° $c’ ¡1,l“
7. L Ïn° 5’ ∑,<†§“
8. L S° 7ø’ N€,d“
9. A T®° ∆’ ƒ,F!¢“
10. N B° 3¥’ 0n,D“
11. L 5R° ¡’ o,+“
12. A 4° Ωv’ @7,iç“
13. G 5P° µ’ 1¿,a√“
14. E D° øW’ n†,!m3“
15. N Cr° 0’ $5,În6“

“Unsere Werktitel bestanden aus einem wohl durchdachten System aus GPS-Daten ausgewählter Orte der Stadt Frankfurt/Main sowie Übersetzungen ins Leetspeak.” schreiben die Künstler. Bei der GEMA hingegen nahm man erst mal eine Formatierungspanne an, und nachdem die Richtigkeit der Titel von den Urhebern bestätigt wurde, hat die GEMA erklärt, dass solche Titel bei ihnen nicht gehen und hat alle 15 Tracks stattdessen mit dem Titel “-” versehen. Die Künstler sehen hier einen unangemessenen Eingriff in ihre künstlerische Freiheit, gegen den sie protestieren:

“Spiel & Spaß mit der ‪#‎GEMA‬ !!! EDV-Konzeptualismus. Danke, liebe GEMA, für’s Mitkomponieren! Am 16.7.2014 führen wir unsere Komposition „DARK ENERGY – frankfurt album“ urauf, die aus 15 Einzelsätzen besteht, von denen mittlerweile offiziell jeder Satz den Titel „ – “ trägt. Diese äußerst kreativen und genial ausgeklügelten Namen erhielten unsere Kompositionen von der GEMA, die sich weigerte, unsere Werktitel zu übernehmen. Nachdem wir einen panischen Anruf einer überforderten GEMA – Schreibkraft bekamen, die nach Anmeldung unserer Komposition massive Formatierungs-Unfälle befürchtete, teilten wir der GEMA mit, dass die von uns eingereichte Liste genau so, wie sie ist, ihre Richtigkeit hat. Unsere Werktitel bestanden aus einem wohl durchdachten System aus GPS-Daten ausgewählter Orte der Stadt Frankfurt/Main sowie Übersetzungen ins Leetspeak. Die Titel der Einzelsätze hatten einen für uns inhaltlich unerlässlichen Bezug zur Gesamtkomposition. Doch leider ist das anscheinend in höchstem Maße eingeschränkte und absolut veraltete Verarbeitungssystem der GEMA nicht in der Lage, solche Werktitel aufzunehmen! Das bedeutet: Entweder man benutzt seine Computertastatur möglichst ohne die „alt“ – Taste, oder die GEMA beteiligt sich ungefragt am kompositorischen Prozess. Wenn es einen Sinn gemacht hätte, alle Einzelsätze mit „ – “ zu betiteln, liebe GEMA, dann hätten wir das gerne selbst gemacht! Wir betrachten das als eine Form von Zensur und damit verbunden als eine künstlerische Einschränkung, die absolut untragbar ist! Das wäre ja so, als ob ein Verlag sagen würde „Leider können wir Ihre Komposition so nicht abdrucken, weil sie Sonderzeichen enthält, die in unserem Notenprogramm nicht vorhanden sind. Daher haben wir diese durch Pausen ergänzt.“ Da fragen wir uns ernsthaft, wie es sein kann, dass DIE Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte in Deutschland nicht in der Lage ist, uneingeschränkt auf wie auch immer gewählte Werktitel der Künstler einzugehen, die sie selbst vertritt??!! Ganz ehrlich, wir dürfen einem Stück keinen Werktitel wie L Ïn° 5’ ∑,<†§“ geben, aber wenn wir es stattdessen „FICK MICH MIT EINER GABEL IN DEN ARSCH“ genannt hätten, wär’s super gewesen, weil es ins EDV-System passt????!!!

Wir nehmen die Ankündigung unserer Uraufführung zum Anlass, öffentlich auf diesen Missstand aufmerksam zu machen! Wer Lust hat auf einen ganzen Abend voller „ – “, ist herzlich eingeladen, am kommenden Mittwoch (16.7.) im historischen museum frankfurt vorbeizuschauen. Konzertbeginn 19:00 Uhr. Live – Electronix, Live-Visualz, Lounge-Atmo & „-“ !”

Vor einigen Jahren hat Alexander Grebtschenko ein Stück mit dem Titel “durchgestrichen” komponiert, den hat die GEMA damals auch nicht akzeptiert.

Das rührt – mal wieder – an dem grundsätzlichen Problem der GEMA: Dass sie die Musik formalisieren muss. Auf dem Werkanmeldebogen wird beispielsweise nach “Anzahl der selbständig geführten Stimmen” oder nach “Opuszahl” gefragt, Kategorien, die irgendwie nicht mehr so ganz einiger gegenwärtiger Musikproduktionen entsprechen. Ich hatte seinerzeit ja an dem Passus über Fremdanteile („Originaltitel von verwendeten Volksweisen oder anderer im Original urheberrechtlich freier Werke sind hier zu nennen. Wurden urheberrechtlich geschützte Werke verwendet, ist generell die Genehmigung der Rechteinhaber der geschützten Werke in Kopie beizufügen. Die immer noch weit verbreitete Ansicht, dass acht oder auch vier Takte ohne Zustimmung benutzt werden dürfen, ist falsch.“) eine ganze Aktion aufgehängt.

Hier scheint das Problem aber schlichtweg in der EDV zu liegen – Sonderzeichen in Musiktiteln sind bei der GEMA nicht vorgesehen. Ob das nun künstlerisch beschneidend / praktikabel ist, die Zwangsumbenennung in der Datenbank, die dann immer mit den eigentlichen Titeln abgeglichen werden muss, wird sich noch zeigen, peinlich ist es jedenfalls für die GEMA schon ein bisschen, dass derlei Zeichen nicht kompatibel sind und dass sie kurzerhand diese ‘kreative’ Umbenennung vornimmt.

(via couldn’t find a bomb)

Siehe auch Alexander Strauchs Artikel zu dem Fall im Bad Blog.

Talk über “Audioguide” online

Der Talk auf Voice Republic mit Patrick Frank über mein kommendes Musiktheater “Audioguide” (4.8. Darmstadt, 15.9. Oslo) steht jetzt online:

Früher auf Kulturtechno:
Audioguide – Parental Advisory
Audioguide Trailer
Audioguide WTC
Audioguide Weiwei

John Cage über Filesharing, 1985

Letzten Endes muss man dahin kommen, daß man nicht nur gedruckte Veröffentlichungen abschafft, sondern auch den Bedarf an Photokopien, und ein Telefonnetz einrichtet, mit dem jeder jederzeit auf alles, was er will, Zugriff hat.

Aus: Richard Kostelanetz, John Cage im Gespräch zu Musik, Kunst und geistigen Fragen unserer Zeit, S.216.

Früher auf Kulturtechno: John Cage über Filesharing, 1972

Lecture von Klarenz Barlow

Er ist ein wesentlicher Vertreter aus der ‘Vatergeneration’ des Neuen Konzeptualismus: Klarenz Barlow. In der Lecture stellt er seine Arbeit vor.

Drüben in der Weltsicht bespricht Stefan Hetzel dann auch einen Kommentar aus dem Publikum (bei 1°17′), der auf den Bezug zu meiner Arbeit hinweist.
Notabene: Stefan Hetzel macht gerade ein Blogfestival mit Arbeiten Barlows.

(Danke für den Tipp, Stefan!)

Die Vorträge der Darmstädter Frühjahrstagung für Neue Musik zum Nachhören

Eeeeendlich gibt es eine Vortragsveranstaltung der Neuen Musik, die auch online nachgehört werden kann. Die diesjährige Darmstädter Frühjahrstagung für Neue Musik ist auf Voicerepublic.com archiviert.

Audio production, explained by bunnies

(via FB)

Brasilienspiel ohne Brasilien

Wer’s nicht schon gesehen hat: Leo Praça hat die eher abwesende Brasilianische Mannschaft im Halbfinale rausgeshopped. Kommt der Wahrheit sehr nahe.

Update: Die FIFA hat’s natürlich rausgenommen. Momentan gibt es noch diesen Upload, wer weiß wie lange:

Oder hier:
http://www.youtube.com/watch?v=sJFKhKXIsVg

Ich bringe das hier auch deshalb, weil ein konzeptuelles Orchesterstück, das nächstes Jahr in Stuttgart (Eclat Festival) aufgeführt wird, eine ähnliche Idee verfolgt.

(via Schlecky)

Nicht-vegane Musikinstrumente

Öfter ist mir in der letzten Zeit das Thema auf den Schirm gekommen – nicht-vegane Musikinstrumente. Es ist eine Tatsache, dass beim Instrumentenbau (früher noch mehr als heute) tierische Materialien zum Einsatz kommen.
Rein aus Interesse habe ich mal bisschen recherchiert und konnte folgendes in Erfahrung bringen:

Klavier: Früher waren die Tasten aus Elfenbein, noch immer gibt es mehrere hundert (Klein)Teile aus Leder und (evtl. Woll-)Filz.
Streicher: Spielen mit Rosshaarbögen, die Instrumente der alten Musik haben Darmsaiten. Einzelne Teile sind mit Knochenleim verbunden (auch bei anderen Instrumenten).
Trommeln und Pauken: Höherwertige sind mit Tierhaut/fell bespannt.
Dudelsack: Sack ist aus Leder.
Viele Blasinstrumente haben Dichtungen aus Leder. Zur Querflöte schreibt Wikipedia: “In den Klappen sind so genannte Polster eingebaut. Diese bestehen aus elastischem Material (aus einem Karton, einer Schicht Filz und so genannter Fischhaut aus hauchdünnem Schafsdarm)”. Auch Bienenwachs kommt in Oboenmundstücken zur Abdichtung vor.
Gitarren: Der Sattel ist bei hochwertigen Instrumenten aus Knochen.

Ich bin kein Veganer, und ich weiß, dass Veganer zu Recht genervt reagieren, wenn man ihnen Inkonsequenz vorhält – man kann in dieser Welt nicht konsequenter 100%-Veganer sein. Die Liste ist nicht dafür da, Veganern das Hören von Musik mit diesen Instrumenten vorzuwerfen.

Vorher:

Nachher:

Bil Smith <3

Seit geraumer Zeit ist auf Facebook jemand unterwegs, den mittlerweile jeder aus der Neuen Musik kennen dürfte, der auf FB ist: Bil Smith, aka Laboratie New Music und diverse weitere Identitäten, die wohl auf ihn zurückzuführen sind. Smith veröffentlicht grafische Partituren, verlinkt, schreibt über ulkige Instrumente und verweist auf sein Blog, in dem er etwas merkwürdige Posts bringt, die teilweise zusammencollagiert zu sein scheinen. Manche seiner Accounts hat er schon ein paar wüste Sachen sagen lassen, nun ja. Eine seiner grafischen Partituren enthält Noten von Richard Barrett, die er ungefragt verwendet hat, was Barrett ihm wohl nie verzeihen wird. Manche Behauptungen, die er auf FB streut, sind wohl eher dem Reich der Fantasie zuzuordnen.
Und genau deswegen mag ich ihn. Erst mal finde ich seine grafischen Partituren gut, hab sie hier ja auch schon ausgestellt. Seine Umtriebigkeit ist herzerfrischend, seine Provokationen mögen die Spießer nerven, ich mag ihn nicht missen. Er wird von einigen angefeindet (siehe Bad Blog), ich wüsste überhaupt nicht, was es da zu beschweren gibt: Auf FB ist jeder sein eigener Hausherr und kann bei Nichtgefallen Leute aus seiner Timeline oder aus der Freundesliste schmeißen (generell: Es heißt auf FB immer noch “Freunde”, wem jemandes Äußerungen dort mißfallen, soll den einfach aus seiner Liste werfen, fertig). Wer das nicht tut aber stattdessen immer weiter rummosert, ist halt so ein dämlicher Honk wie Barrett. Leute, es ist Kunst, muss euch nicht gefallen, aber es ist Kunst, und er ist ein Künstler. Bil, mach weiter so, du bist ein Original!