Helmut Lachenmann’s Gran Torso explanations, signs replaced by emoticons.
Perform iPhone chats (with string quartet).
Score example:

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Heute abend um 22.05h strahlt der Deutschlandfunk eine neue Portraitsendung über mich aus, Autorin ist Gisela Nauck.
11.10.2014, 22:05 Uhr
Neues in der Musik von Johannes Kreidler Polymediales KomponierenVon Gisela Nauck
Livestrom:
http://srv.deutschlandradio.de/themes/dradio/script/aod/index.html?audioMode=2&audioID=4
Johannes Kreidler, Jahrgang 1980, gehört zu jener Komponistengeneration, die in die technologische Revolution per Digitalisierung mitten hineingewachsen ist. Als Student von Mathias Spahlinger und Orm Finnendahl in Freiburg hat er sich das notwendige Rüstzeug angeeignet, darauf kompositorisch zu reagieren.
Kritisches Denken und den Umgang mit elektronischen und digitalen Medien führte zu Um- und Neuorientierungen in Kreidlers Musik. Wichtig wurde für ihn dabei die gleichwertige Verfügbarkeit sowohl akustischer, musikalischer als auch visueller Materialien aller Art als Datenfile. Autorin Gisela Nauck erörtert in ihrer Sendung die Konsequenzen für sein Komponieren: Was verbirgt sich hinter der kompositorischen Strategie einer ‚Musik über Musik‘? Was versteht man unter ‚Neuem Konzeptualismus‘? Warum ist es Kreidler wichtig, eher vom Sound als vom Klang seiner Musik zu sprechen? Und warum ist das Internet möglicherweise künftig der geeignete Präsentationsraum für derartige neue Musik?
Die aktuelle Ausgabe der „Pop-Zeitschrift“ enthält einen Text von Diedrich Diederichsen über „Konzeptuelle Musik, konzeptuelle Popmusik“, in dem ich die Ehre habe, erwähnt zu werden.
Snip:
In letzter Zeit sind Entwicklungen in der Bildenden Kunst und der Musik wieder häufiger parallelisiert worden. Hilfreich war das gerade für Arbeiten wie die von Christian von Borries oder Johannes Kreidler, weil der Begriff und die Methoden der >Conceptual Art< und insbesondere der >Institutional Critique< es ermöglichten, den Umgang mit verschiedenen Ebenen der Kunstproduktion (Material im engeren Sinne; Bestimmung der Abspielorte, Produktionsbedingungen, Zugänge etc. durch den Künstler/Komponisten; Soziologie des Publikums und der Institution; Musikmarkt) von einer weiteren Abstraktionsstufe aus zu beschreiben und dies zu operationalisieren. Institutionelle Aspekte, Konzerthallenarchitektur, Habitus des Publikum und kompositorische Entscheidungen können so mit gleichem Recht als Material im weiteren Sinne begriffen werden, wenn man sich aus solcher Kunst Verfahren und Begriffe leiht, die geeignet sind, den Komponisten und/oder den Dirigenten aus den Fallen der institutionellen Arbeitsteilung und Genrefixierung, aber auch aus den Beschränkungen der Arbeit auf das unmittelbar klangliche und sensuelle Material zu lösen - Beschränkungen, aus denen sich Bildende Kunst schon lange befreien konnte.
Der Text ist eine erweiterte Fassung dieses Textes von 2008.
Mit Dank an Lilli, meine Liebste Leo und an Stefan!
Wer’s noch nicht gesehen hat, gerade macht dieses faszinierende Video die Runde, in dem Anna-Maria Hefele zweistimmig mit Obertönen singt:
Und hier erklärt Mathias Kaul seine Triangel mit Obertoneffekten, die wie elektronische Musik klingen:
Früher auf Kulturtechno: Die Frau, die Akkorde singt.
Man ahnt es: Die Fahrradklingel wird nun auch digitalisiert. Dann mal loskomponiert – Musik zum Leute erschrecken.
(via Neuerdings)
Berlin
Welt-All-Tag
Einen Countertenor immer nur tief singen lassen.
Egal ob Island, Australien oder Argentinien: Die Künstler sind links. Und überall wird Rauchen wirksam bekämpft, in Australien am heftigsten, eine Packung Zigaretten kostet über 20Euro. Vergangenheitsaufarbeitung: In Australien wird der Aborigine-Genozid immer noch in der Schule verschwiegen, während Argentinien reinen Tisch mit der ehemaligen Militärdiktatur macht. Dennoch schaute ein Argentinier im Gespräch etwas verächtlich auf Bolivien, weil dort Nazis wie Klaus Barbie unterkamen. Nunja, Eichmann und Mengele waren in Argentinien. In Bolivien gibt es Menschen, die „Kreidler“ heißen – diese Verwandte sind aber schon 1908 hierhergekommen.
Island wie Argentinien hatten in diesem jungen Jahrhundert bereits einen Staatsbankrott. Und beide vor nicht so langem einen Krieg mit England – Argentinien den Falklandkrieg, Island den Kabeljaukrieg, mit zwei Toten (Isländern). + +
Sowohl in Australien wie in Argentinien hatte es erst den Anschein, als ob ich locker mit dem Jetlag zurechtkäme, erst ab dem dritten Tag ging biorhythmisch alles drunter & drüber. War halt doch etwas faul im Staate. Modulation zum falschen Zeitpunkt.
Sehr schön sind in Buenos Aires die Restaurants, in großen, weiten Räumen mit viel Licht und großen Fenstern.
Leider hat’s die letzten Tage so geregnet, dass nicht viel mehr an Visite möglich war.
Dachte, die ewiglangen Flüge würden eine Tortur werden, aber das ging ziemlich easy, dank guter Vorbereitung. Für so was immer Fensterplätze reservieren.
Und zu guter Letzt am Flughafen von Buenos Aires: Kein Laptopauspacken, kein Gürtelabschnallen, eine viertelsherzige Leibesvisitation; ich hätte da eine Schusswaffe oder mehrere Messer durchgekriegt.
So, genug exhibitioniert. Das nächste Reisetagebuch wird dann ein reines Sextagebuch.
Gewaltsästhetische Hände
Es sind insgesamt 73 Stunden in der Luft bei dieser Reise. Ökologischer Fußabdruck: knietief. „Flying kills poor people“ hat im Juli in Berlin ein Aktivist bei einer Podiumsdiskussion des Theaterfestivals Foreign Affairs mit sichtlichem Vergnügen an der moralischen Überlegenheit postuliert. Das hat gesessen. Er lebt in einer Kommune in Frankreich, Kunst besteht für ihn weniger im Bemalen von Leinwänden als im gemeinschaftlichen Kartoffelanbauen. Wie er stattdessen reist, hat er nicht gesagt. Ein Mac stand trotzdem vor ihm auf dem Tisch.
Vorschlag: Im Flugzeug auf den Displays Aufklärungsfilme über Praktiken der Erdölkonzerne in Nigeria zeigen, oder gleich eine Live-cam von den Pipelines, die immer wieder mal explodieren beim Versuch der Einheimischen, etwas von „ihrem“ Öl abzuzapfen. Da sterben dann oft über 100 Menschen. Flugzeuge töten arme Menschen.
So ist es: Unsere Kultur, unser Lebensstandard, gründet auf Gewalt.
Ich hör jetzt noch aus dem Spätwerk von Carl Orff.
Google-Fotos aus dem Sündenpfuhl:
„Wenn ein Ereignis eintreffen soll, so muß es, jenseits jeder Herrschaft, auf eine Passivität treffen. Es muß auf eine exponierte Verletzlichkeit stoßen.“ (Derrida)
Short Cuts
Ein Klang, den man sich nicht merken kann. Statisch und trotzdem total flüchtig.
>das geht wirklich, hab ich mal gehört (auch aufgezeichnet) in einem Internetradio, ein elektronisches Gemisch, halb öde, auch deshalb nicht zu merken. Ein permanentes Diminuendo, ohne zu verklingen.
Inkommensurabilität, Inkomparabilität. Nahezu nichts auf der Welt ist vergleichbar, die wenigsten Sachen lassen sich in Zahlen messen. Das wird allerdings vom Geld so krass verschleiert, dass man auch die nicht oder noch-nicht mit einem monetären Preis taxierten Dinge ebenfalls meint, vergleichen zu können. Am allerübelsten ist dann die Devise „Was keinen Preis hat, hat keinen Wert“.
In Australien eine Flasche Wein klauen: to liberate a bottle of wine.
– She didn’t clear the map of Tasmania –
Tagebuch führen = sich an die Gegenwart erinnern.
Es gibt das MALBA, das MAMBA und das MACBA: das Museo de Arte Latinamericano de Buenos Aires, das Museo de Arte Moderno de Buenos Aires und das Museo de Arte Contemporáneo de Buenos Aires. Im MAMBA eine tolle Ausstellung des ortsansässigen Konzeptualisten Fabio Kacero. Lässt Kinder eine Ausgabe der Phänomenologie des Geistes vollmalen, macht ein Buch aus lauter gesammelten Widmungen in Büchern, oder eine Liste tausender erfundener Wörter (bei denen interessanterweise aber fast keines dabei war, das wie ein fiktives deutsches Wort aussah).
Eine subtil-komponierte Audio-Collage aus lauter Tagesschau-Stellen, in denen das Wort „Instrument“ als politische Metapher verwendet wird.
Evaluation – Ein Instrument zur Qualitätssicherung in der Gesundheitsförderung.
Six Sigma – ein Instrument zur Qualitätssteigerung
Work-Life-Balance: Ein Instrument zur Mitarbeiterbindung
50 Jahre entwicklungspolitische Länderprüfungen (Peer Reviews) der OECD: ein Instrument der Qualitätssicherung und des gemeinsamen Lernens.
Rüstungsboard – ein Instrument der Transparenz.
Unirankings – ein Instrument der Hochschulwahl?
Selbstbestimmung – Ein Instrument der Spaltung
Mikro-versicherungen sind daher ein Instrument der sozialen Sicherung
Eugenik – Ein Instrument der herrschenden Klasse
Sprache als ein Instrument der Macht. Strategien der arabischen politischen Rhetorik
Sex als Machtinstrument – wenn die Kommunikation nicht mehr stimmt.
Provozierter „Konfessionskrieg“ als Machtinstrument.
Giorgio Agamben im Gespräch Die endlose Krise ist ein Machtinstrument.
Zeitungspresse als NS-Machtinstrument
„Angst und Schweigen als Machtinstrument – Was können wir aus der Vergangenheit lernen?
Sämtliche möglichen Akkordgriffe innerhalb eines Gitarrenbundes.
Jede Feldaufnahme ist eine Schlachtfeldaufnahme.
Sämtliche Werktitel der aufgeführten Stücke in Donaueschingen 1921-2014 auf Melodien von Soldatenliedern singen.
Noch mal zur Weltsprache: Nicht Englisch, sondern Technik wird zur Weltsprache (Jünger). Auf Smartphones wischen sie alle rum. Dazu gehört dann auch, dass hier in Buenos Aires in der Kneipe Warsteiner gezapft wird. Die Einheimischen trinken es, also hab ich’s auch. Was soll’s, Praktikabilität ist auch ein Argument, Prioritäten. Minimalismus, Simplify your Life – Google, Apple, McDonald’s.
Professohr an der Musikhorchschule.
Die Notre-Dame-Schule hat deratige Ohrwürmer komponiert, ich hab einen Perotinnitus.
Kugelschreier.
Die Treffer Nr. 46-52 (die Jahre Evitas als First Lady) bei der Bildersuche mit dem Begriff „Buenos Aires“:
Weltsprache. Ich hatte vor ein paar Monaten mal auf Facebook einen Text verlinkt, in dem es hieß, man könne eigentlich getrost 6 Sprachen weltweit behalten, der Rest kann sterben gehn. Das hat eine meiner hitzigsten FB-Diskussionen ausgelöst. Was ich an dem Artikel als Impuls durchaus berechtigt fand: Im Zustand der Globalisierung, der weltweiten Vernetzung, braucht es nun wirklich eine (1) Lingua Franca. Die gibt es ja, Englisch. Ich finde: Jeder Erdenbürger hat die Pflicht, im Dienste der Völkerverständigung, des Weltfriedens, Englisch zu lernen. Zwei oder noch mehr Sprachen wäre natürlich besser, aber ist zu ressourcenraubend, solange die Gentechnik dem Menschen nicht IQs im satten dreistelligen Bereich beschert, lieber eine Fremdsprache, aber die dann doch über 20 Wörter hinaus; und zwar wirklich _jeder Mensch auf dieser Erde. Dass das Englisch ist, ist halt so, haben die Amis Glück gehabt und können sich was drauf einbilden. Na gut, vielleicht wird es irgendwann so viele Chinesen geben, dass Mandarin Überhand nimmt.
In Island konnte ich mich auf dem Land in der Bäckerei fließend auf Englisch mit dem Verkäufer unterhalten; in Buenos Aires kann so gut wie niemand Englisch, selbst in der Tourist Information (!) war die einzige Verständigungsmöglichkeit die mit Händen und Füßen. Man könnte ja annehmen, die Argentinier können Englisch halt nicht, weil sie es so gut wie nie brauchen – aber warum kann es dann der Isländische Landbäckereiverkäufer? Alle Vielfalt und Diversität nutzt nichts, wenn es nicht auch ein Medium des Austauschs gibt. Ich finde, es ist ein Affront an die Demokratie, an die Freiheit weltweiten Reisens und Kommunizierens, an den möglichen Fortschritt durch kulturellen Austausch, kein Englisch zu können. Eine Unverschämtheit gegenüber jedem Fremden. Nicht ich habe Spanisch zu lernen, wenn ich (temporär) nach Argentinien komme, sondern die Argentinier wenigstens elementar die Sprache, auf die sich alle Menschen einigen könnten, Englisch. Ich hab mir ja auch die verdammte Mühe gemacht, es zu lernen, bin nicht gut in fremden Sprachen, kostet viel Lebenszeit (es ist immer noch viel zu schlecht für mein Empfinden). Sorry, dass das Journal mitunter so’n Nörgelforum ist – BESTEUERT ENGLISCH-SPRACHDEFIZITE!