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Die Öffentlich-rechtlichen im Netz

„Von jeder Institution – ob Finanzamt oder Bundestag – erwartet man heute eine vernünftige Internetpräsenz – und ausgerechnet wir sollen die nicht bieten dürfen?“

NDR-Intendant Lutz Marmor zu den umstrittenen Online-Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen Sender.
„Horizont“ 43/2008, Seite 30

Dem schließe ich mich an.

via

„Kadaverkunst“

Druckkopfkino kommentiert den Kreidler/Dostal-Disput:

„Frank Dostal ist ein Dödel. Wem diese Aussage zu beleidigend erscheint, klammere sich an die nächste: Zumindest zeigt sich der Aufsichtsrat der GEMA in einer Debatte über das Urheberrecht wenig intellektuell. Es schmerzt schon ein wenig im Kopf, wenn er in einem Gespräch mit Johannes Kreidler kreative Arbeit, die auf einer oder mehrerer anderer Arbeit/en basiert, als minderwertig einstuft.“

in hyper intervals @Danzig

Nächsten Samstag, 25.10.2008 ist die Uraufführung von in hyper intervals durch das Ensemble Kwartludium. Leider kann ich nicht dabei sein, aber nächstes Jahr dann wenn sie das Stück bei der Media Art Biennale in Breslau wieder spielen.

 

Videos im Web, nicht morgen sondern übermorgen

Ich wundere mich immer wieder über so wenig langfristiges Fantasieren. Mit Erstaunen nimmt man jetzt zur Kenntnis, dass die ersten Verlage zu neuen Büchern auch YouTube-Trailer machen. Ich halte für völlig absehbar: Dass in Zukunft jede geschäftliche Website, gerade von Selbständigen wie Juristen, Ärzte oder Handwerker, auch Werbefilme haben wird. Erstens kann man sich mit WebFilmen ein technisch niedriges Niveau erlauben (die ästhetischen Gewohnheiten wandeln sich dahingehend), zweitens kann man sein Video eben im Web platzieren und braucht nicht unbezahlbare Fernseh-Werbeplätze, und drittens ist das Web ein stark (audio-)visuelles Medium. Sicher wird’s dann auch wieder den Gegentrend geben und puristische Sites gewinnen an Wertschätzung, vorerst aber wird der Konkurrenzkampf bestimmt jedes Mittel heranziehen, und das nächste ist WebVideo.

“’Piano Piece #5′ is reminiscent of distant artillery fire.“

Die Besprechung eines Konzerts von Sebastian Berweck in der Harvard University ist schon fast ein Jahr alt, fiel mir aber jetzt beim product-placements-Linkssammeln wieder in die Hände und ist bemerkenswert ob der bellizistischen Konnotation, die meine Musik für den Schreiber offenbar hat.

http://www.news.harvard.edu/gazette/2007/11.08/15-piano.html

Product Placements Linkliste

Endlich habe ich für die englischsprachige Version der „product placements“-Seite die internationale Linkliste zu Berichten über die Aktion zusammengestellt:

Selected Reviews

Videos / Photos:
Video by Moritz R („Der Plan“) // Video by 3Sat Kulturzeit // Video by Neue Musikzeitung // Photos 1, Photos 2, Photos 3.

German:
Bericht in der Neuen Musikzeitung // Film der Neuen Musikzeitung // Der Kreidler/Dostal – Disput // Dooload // WDR3 TonArt // DeutschlandRadio Kultur // julia-seeliger.de (Die Grünen) // Darstellung der Diskussion (news godot.de) // Video der Diskussion // gulli // Freie Radios // diesellog // Bilanzierendes Interview mit der Piratenpartei // Videoregister // TAZ-Interview // Berliner Zeitung-Interview // Telepolis // Sueddeutsche Zeitung // DIE ZEIT // Piratenpartei-Interview // NMZ-Diskussion // Heise-Diskussion // freie Radios // BR3 // DeutschlandRadio // Nerdcore-Diskussion // Ni siuiera // Gulli-Diskussion // Henusode // Lumperladen // laut.de // Robs Blog // sozlog // Fraktal.log

English:
crawdaddy // createdigitalmusic // ZeroPaid I // zeropaid II // wired // Ircam – Centre Pompidou // eZee // Oca Research Review // P2P Blog // Play the Web // AudioCookbook // torrentlog // READYdot // boingboing // Make:

French:
Numerama // L’Oreille en Feu // Vacarm // soundtrack of my life // digiboy // Manufacture francaise d’harmonie de précision // zik’n’blog

Spanish:
Remixtures // Music Check // monofonicos // Ningunterra // ivalladt // SLF Musica 2.0

Japanese:
P2P Blog // toysgadget // Technorati // tumblr.sabii // aikaimg // Hatena:Diary

Dutch:Marco Raaphorst // trendbeheer // simuze // Mcast.fm

Italian:Punto Informatico // Zonix 88

Swedish:Copyriot // Realtid

Russian:Livejournal

Finnish:Piraattiliitto

Polish:nowamuzyka

Portuguise: Producoes Ficticias

Czech:kulturni tydenik

Hungarian: midi.blog

Bulgarian:dot.cult

Fotos vom Jour Fixe am 26.5.2008

Klaus Schmidt, die gute Seele der Berliner Neue-Musik-Szene, hat mir einige seiner Fotos vom Jour Fixe der Berliner Gesellschaft für Neue Musik am 26.5.2008, zu dem ich eingeladen war und über „Musik mit Musik“ mit Arno Lücker gesprochen habe, überlassen. Danke, Klaus!

Zur Frage der Klangregie

Thomas Gerwin, künstlerischer Leiter des Internationalen Klangkunstfestes hat mir auf meinen Blogeintrag nach der Uraufführung von „Farben: Untersagt“ hin geschrieben und seine Platzierung der Klangregie mit Hinweis auf seinen interessanten Artikel in Positionen 60 erläutert. Ich zitiere daraus:

„Das Lautsprecher Setting, das ich in der Regel bei elektroakustischen Konzerten finde, versucht, den Zuhörer Raum akustisch so homogen wie möglich auszuleuchten. Das heißt, meistens acht oder sechzehn möglichst gleiche Lautsprecher möglichst in Ohrenhöhe in möglichst gleichen Abständen rund um die Zuhörer. Der akustische Raum wird vorher im Computer oder auf andere Weise konstruiert und dann durch die möglichst neutralen Lautsprecher während der Performance dargestellt. An dieser Raumdarstellung sind idealerweise immer alle Lautsprecher irgendwie beteiligt und es gibt, wie bei der Stereophonie, gute und schlechte Hörplätze. Die Güte einer Hörposition mißt sich daran, wie exakt sie ermöglicht, den vorher komponierten akustischen Raum zu hören und nachzuvollziehen. Es handelt sich dabei, überspitzt ausgedrückt, um eine Art »Rundum Stereophonie«. Dies ist in extremer Weise auch so bei der Wellenfeldsynthese; auch wenn dort zum Beispiel mit dem Joystick virtuelle Klangquellen relativ frei bewegt werden können, fungieren die Lautsprecher wie ein (Rundum )Monitor, der eine räumliche Illusion erzeugt. Der akustische Raum selbst wird im Rechner erzeugt und von den Lautsprechern dargestellt.

Demgegenüber verfolge ich einen prinzipiell anderen Ansatz. Ich gebe die übliche Zentralperspektive des Hörens einfach auf – zugunsten einer multivektorialen Rezeption. Anstatt zu versuchen, jedem Hörer das gleiche (als optimal definierte) Erlebnis im Brennpunkt der Lautsprecher Konfiguration zu verschaffen, erbaue ich eine Klanglandschaft, die ganz verschiedene Perspektiven bietet und jeden Hörer in die Lage versetzt, seine eigenen Erlebnisse zu bekommen bzw. sogar selbst zu kreieren.“

Tatsächlich ist für diese Art Elektronischer Musik der Platz der Klangregie freier wählbar. Die von mir in Anspruch genommene „Zentralperspektive“ hingegen erfordert einen Klangregisseur genau in der Mitte des Raumes. Ich finde Thomas Gerwins Ansatz plausibel und werde in Zukunft meine Musik vielleicht auch in diese Richtung öffnen; bislang aber ist mein kompositorischer Fokus schlicht auf ganz andere Dinge denn auf den Raum gerichtet. Spatialisierung hat mich bislang in meiner Musik, von Klavierstück 5 abgesehen, noch nicht interessiert, bzw. halte ich es für meine bisherigen Werke sogar für unerlässlich, dass der Klang nicht räumlich diffundiert wird.
In dem Zusammenhang kann ich meine Bemerkung zum Ende der Fortschrittslogik in der Kunst aus meinem Essay Medien der Komposition anbringen:

„Rüttelten viele Werke in der Kunst des 20. Jahrhunderts an den überkommenen Abgrenzungen der ästhetischen Wahrnehmung, müssen nachfolgende Werke, die in puncto Avanciertheit im Schatten jener Erfahrungen stehen, ihre alten Grenzen wiederum verteidigen. Da ist beispielsweise die Bühnensituation, Tableau zur konzentrierten Wahrnehmung allen klanglichen Geschehens, um deretwillen die „Magie“ nicht zerstört wird; womöglich lässt man auch die Mechanik der Instrumente, die Kompliziertheit ihrer Spielweise unkenntlich, doch erzielt man dafür innerhalb dieses Rahmens etwa mit Parametrik, allusiven Einsprengseln und formalen Querverweisen mannigfaltige Bezüge und Ausdifferenzierungen. In einem solchen Dilemma steckt politische Musik: Sie kann auf verschiedenen Ebenen in ihrem Sinne wirken, aber nie auf allen zugleich; und tut sie es auf der einen, benutzt sie andere in konventionellerer Form.“

Insofern bekenne ich mich zur Nutzung der „Zentralperspektive“ und hätte mir dafür den optimalen Klangregieplatz gewünscht, der umgekehrt der „multivektorialen“ Konzeption nicht im Wege gestanden hätte. Ich will hier aber bestimmt keinen Streit vom Zaun brechen, schon aus logistischen Gründen wäre mein Wunsch im Teehaus des Tiergartens nicht so leicht zu erfüllen gewesen und das Stück wurde, so wie es nun vor Ort eingerichtet war, auch nicht substanziell beeinträchtigt. Vielen Dank an Thomas Gerwin und Robin Hayward!

Minderheitenprogramm zur kulturellen Zwangsbeglückung der Massen

Ich gebe den Originalwortlaut eines Kommentars zu Elke Heidenreichs Auslassung zum Fernsehen wieder:

„Sorry für meinen kulturellen Unverstand, mag sagt so was nicht und wird jetzt sicher als fürchterlicher Kulturbanause beschimpft: Aber das Fernsehen, insbesondere das öffentlich-rechtliche, wird aus Zwangsgebühren der Zuschauer finanziert. Also hat es dem Geschmack des Publikums gerecht zu werden, von dessen Geld es lebt. Und der ist nun einmal so, wie er ist, Gottschalk, Volksmusik und Superstars im Dschungelcamp. Man mag das beklagen, ich könnte mir auch anspruchvolleres vorstellen, nur Minderheitenprogramm zur kultrellen Zwangsbeglückung der Massen ist keine Alternative. Selbstgerechte Überheblichkeit einer selbsternannten Kulturelite – wie Frau Heidenreich es postuliert – ist nicht angebracht, solange diejneigen, die solches propagieren, es nicht vermögen Kultur ansprechend und unterhaltsam zu vermitteln. Die sogeannten Kultursendungen gehen jedenfalls am Zuschauer völlig vorbei und haben deshalb so grottenschlechte Quoten, dass selbst die – statt des früheren Testbilds gesendeten – Führerstandsmitfahrten im Nachtprogramm Straßenfeger dagegen sind.“

Mehr schlechtes Fernsehen fordern!

Wie sich jetzt abzeichnet, verpufft Marcel Reich-Ranickis Fernseh-Kritik. Nicht, dass Fernsehen doch gut wäre, aber für Reformforderungen ist es nicht schlecht genug.

Was dann, wo doch die Kanzlerin selbst ununterbrochen davon redet, dass Bildung oberstes Staatsziel sei? Die ästhetisch-politische Methode ist jetzt, mehr schlechtes Fernsehen zu fordern, sich die andere Seite zu eigen zu machen, sie ins Extreme führen. Als Schlingensief bei seiner Neonazi-Hamletinszenierung in Zürich zu hören bekam, dass man für so etwas keine Subventionen ausgeben dürfe, organisierte er eine Demo FÜR die Streichung SÄMTLICHER Theatersubventionen.

Fassbinder ist der Satz zugeschrieben, was man nicht ändern könne, dass solle man versuchen zu beschreiben. Es hat seine tieferen Gründe, warum Fernsehen so ist wie es ist. Der Arbeitnehmer will abends unterhalten werden und sich entspannen können, Fragen nach dem Sinn des Lebens oder dem des Kapitalismus würden nur das System destabilisieren. Das ist alles lange bekannt („Kulturindustrie“) und droht langweilig zu werden, muss aber einfach immer wieder repetiert und aktualisiert werden, eben: wieder beschrieben werden, so lange es sich nicht ändert.

„Lebensqualität als Krise“ könnte der Zustand genannt werden. Für die Masse erübrigen sich die Fragen nach woher wir kommen woher wir gehen und s. weiter oder werden vom „perfekten Promidinner“ beantwortet, wenn das Einkommen geregelt ist und die Arbeit erträglich. Dumm sein und Arbeit haben, das ist Glück. schreibt Benn in einem Gedicht, und was zetern dann Künstler und Intellektuelle subventionsgebauchpinselt von besserer Welt mit Denksportaufgaben. „Hören Sie auf zu Grinsen, wir haben 6 Millionen Arbeitslose“ lässt von Stuckrad-Barre Schlingensief im „Soloalbum“ brüllen. Das ist zu Ende, jetzt sollten alle Zwangsgrinsen. Letztes Zitat für heute: Heiner Müller erzählte gerne die Geschichte vom Marxisten, der in Indien Coca-Cola verkauft, denn seiner Meinung nach kann der Marxismus erst beginnen, wenn der Dritten Welt das Coca-Cola zu den Ohren rausläuft.  So gesehen sind die wohldosierten Kultursubventionen dafür gut, zu verhindern, dass den Leuten das Cola zu den Ohren rausläuft und der Marxismus ausbricht. Dem entspricht die Eigentümlichkeit, dass die kunstaffinste Partei Deutschlands die CDU ist.