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Futurismus: Augmented Reality

Auf der TED-Konferenz wurde ein Gerät vorgestellt, das vom ersten Eindruck her gleich das Gefühl vermittelt, dass Handys noch Kinderfasching sind.

Natürlich auch ein Beitrag zum Thema „Musiktheater der Zukunft“. Die Computerwelt ins 3D gebracht wird die Wahrnehmung von Informationen und auch von Gefühlen enorm verändern, und dass da sehr viel künstlerisch-ästhetisches Potenzial liegt, kann sich jeder halbwegs fantasiebegabte und non-nostalgische denken.

via

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AdSense @Kulturtechno

Wie nicht zu übersehen ist verschandeln verschönern seit Neuestem für ein paar Groschen Google-Werbeanzeigen meinen Blog.
Eigentlich würde ich gerne gleich immer noch die Werbeanzeigen kommentieren, da sie nicht selten schöne Ironien zu den gebloggten Themen bilden. Aber leider ändern sich die Dinger ja immer, darum kann ich erst mal nur ein paar Screenshots kommentieren:

Schöner Treppenwitz – ausgerechnet bei mir werben GEMA-Rechtler ;)

HERRLICH! Werbung für ästhetische Fotos unter dem Duchamp-Pissoir. Da hab‘ ich doch genau die richtige Zielgruppe!

Hoffe dass noch mehr solcher Treffer folgen, dann wird das eine eigene Blog-Kategorie *g*

Frage mich gerade, ob ich das eigentlich darf, meine Werbung derart kommentieren. AGB von Google haben sich natürlich gewaschen, darf mich ja auch selber nicht anklicken. Darum Befehl an alle: Alle folgenden Anzeigen eine Stunde lang anklicken!

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Notwendigkeit von Massenmedien

In der NZZ:

Moderne Gesellschaften sind auf die Institutionen der Massenmedien zur Realisierung ihrer öffentlichen Kommunikation angewiesen. Medial vermittelte Kommunikation ist immer eine organisierte Form der Kommunikation – und das setzt Organisationen, Rollenträger und aufseiten des Publikums die Kenntnis ebendieser sozialen Strukturen voraus. Es bedarf also vor allem einer Organisation, und mehr noch: Es bedarf sogar spezifischer Organisationen für die gesellschaftlich anerkannte publizistische Leistungserbringung.

Es darf bezweifelt werden, dass das so sakrosankt ist. Die „moderne“ Gesellschaft bedarf vielleicht der Massenmedien, aber es kann sich ja eine nachmoderne Gesellschaft ankünden, die sich ausdifferenziert und deren Kommunikation eben auch neue Technologien nutzrn kann.
Wenn dann sind die Massenmedien ökonomisch begründet: Die Leute wollen Qualität, und die kostet, und diese Kosten können nur an einem Massenmarkt amortisiert werden. Das akkumuliert dann doch große Leserzahlen auf wenige Portale wie Spiegel Online etc. Qualität ist aber nicht nur an nennenswerten monetären Aufwand gebunden, darum können „Memes“ und YouTube-Ideen über die vernetzte 2.0-Sphäre andererseits massenwirksam werden, ohne dass aufwändige Zwischenhändlerschritte erforderlich wären.
Zuletzt: Der Mangel an journalistischer Qualität ist mitunter auch erfreulich, denn es liegt leider im Wesen der Bearbeitung, dass sie den Gegenstand ideologisch einfärbt, und zwar unkenntlicher als es der gemeine Mann / die gemeine Frau tut. Gut ist letztlich, wenn es Beides gibt: Bürgerjournalismus und professioneller.

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Ästhetik der großen Zahl 4

Von Unendlich

Die Popmusik kommt mit 12 Tönen und 4 Akkorden aus, während die Avantgardemusik längst gezeigt hat, dass es unendlich viele Töne, Dauern, Farben usw. gibt. Exemplifizierend liegt das im Stück „gegen unendlich“ von Mathias Spahlinger vor, das gewissermaßen den Beweis für die Unendlichkeit von klanglicher Differenzierung erbringt.

Mit Beweisen ist es in der Kunst aber nicht getan, es geht um’s Machen, Wahrnehmen, um Erfahrungen, immer wieder neu.

Sammlung:

Mathias Spahlinger: gegen unendlich

Claus-Steffen Mahnkopf: W.A.S.T.E. mit über 100 verschiedenen Oboenmehrklängen

Christoph Schlingensief: 18 Hörspiele pro Sekunde

ps.: Als der Fagottist Robert Buschek mir erzählte, dass er 1000 verschiedene Mehrklänge spielen kann, habe ich ihn gleich dafür verpflichtet, dass ich ein Stück komponiere, in dem 1000 verschiedene Klänge in unter 10 Minuten gespielt werden.

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Tipp des Tages

Wir müssen die Chance als Krise begreifen!

Ästhetik der großen Zahl 3 – Michael Werner

Die großen Zahlen, umgesetzt in sinnliche Erfahrungen sind ästhetisch interessant; von der Motivation und Aussage hat es aber auch etwas sportives und kompetitives. Sehr witzig bringt das „Extremkünstler“ Michael Werner auf den Punkt.

Das einfache und sehr einleuchtende Konzept:

Nicht schöpferisches Schaffen, sondern leistungsorientiertes Arbeiten entspricht unserem Gesellschaftszustand. Diese bittere Pille muss auch die zeitgenössische Kunst schlucken.
WERNER ist Gründer einer neuen Kunstrichtung, dem Superlativismus. Er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, berühmte Künstler, entsprechend dem Motto unserer Leistungsgesellschaft „höher, schneller, weiter“, zu übertreffen. Wir leben in einer Epoche, in der Rekorde im Pfahlsitzen und Dominosteinbauen breite Beachtung finden. Der heutige Künstler hat die Verpflichtung, das starke gesellschaftliche Verlangen nach Größtem und Längstem zu reflektieren.

Beispielsweise sein Werk „5 Urinals“:

Marcel DUCHAMP schuf 1917 sein berühmtes Werk „Brunnen“. Er stellte hierzu ein aus Sanitätsporzellan gefertigtes Urinoir provokant in Kunstmuseen aus. Sein Werk kann in der Galerie Schwarz in Mailand begutachtet werden.

Emiko KASAHARA mit „Double urinal“ (1994) und Robert GOBER mit „3 urinals“ (1988) übertrafen DUCHAMP. Inzwischen erklärte WERNER fünf Urinals zum Kunstwerk und setzt sich damit an die Spitze dieses Genres.

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Ästhetik der großen Zahl 2

Der Futurismus der Digitalen Revolution ist das Gefühl, dass sich auf technologische Weise noch fulminant viel ändern wird (viel mehr als es die Ideologien des 20. Jahrhunderts vermochten), und dass wir im Verhältnis zu dem, was da noch kommen wird, jetzt ungefähr in der Steinzeit leben. Gestern habe ich gezeigt, dass nicht nur die Prozessoren exponentiell schneller werden, sondern ähnlich auch in der Kunst die großen Zahlen hervorkommen. Vom Sampling weiß ich, dass John Oswald Anfang der 90er ein Stück mit 600 Samples komponiert hat; Clarence Barlow hat mir mal Experimente vorgeführt, bei denen er ein Sample mehrere hundert Male pro Sekunde abspielte. Für mich waren anfangs die Werke Iannis Xenakis‘ ausschlaggebend, Massenprozesse im Orchester einzusetzen, wozu ich aber Fremdmaterial (tonale Akkorde) verwenden wollte, was ich dann (2006) rückgeführt habe auf die elektronische Musik mit meiner untitled performance #1, die immerhin schon 9000 Samples verwendet, und das Ensemble-Stück 3300 Klänge von 2007 schreibt gewissermaßen die 12-Tontechnik in anderen Dimensionen fort. Die GEMA-Problematik war von Anfang an klar, aber es hat zwei Jahre gebraucht bis zu dem Entschluss, das als Aktion durchzuführen, wozu das Gespräch beim „jour fixe“ der Berliner Gesellschaft für Neue Musik beigetragen hat.

Sammlung:

Gustav Mahlers Riesensymphonien und das spätromantische Riesenorchester

Olivier Messiaen: 64 Dauern (aus Livre d’Orgue)

Andy Warhol: Thirty are better than one

Cornelia Sollfrank: NetArt-Generator (mit unendlich vielen möglichen Bildern, wie ich schon bloggte)

Noch zur Unterteilungsarbeit: 7 Äpfel teilt man in 3+4 Äpfel, und bei 7 solcher Gruppen wird auch da wieder unterschieden in 4+3 Gruppen à 3-4 Äpfel usw., und dank unseres Zahlensystems fassen wir wiederum Tausend (Kilo) etc. zusammen, wobei natürlich die Abstraktion überhand nimmt. Darum kann gerade hier die Kunst damit ansetzen, etwas wieder in ursprünglicher Gestalt wahrnehmbar zu machen, was sich hinter ein paar Ziffern verbirgt. Michael Marcovici hat in die Richtung einiges gemacht, zum Beispiel 1 Millarde Dollar skulptiert:

Ästhetik der großen Zahl 1

Die Moderne wird gerne als das „Zeitalter der Extreme“ bezeichnet. Ein Beispiel dafür veranschaulicht das Gordon-Theorem, wonach sich die Leistung von Computerprozessoren alle 18 Monate verdoppelt. Dem ist ja beispielsweise mein Stück, das in 33 Sekunden 70.200 Zitate unterbringt, zu verdanken. Vor 10 Jahren wäre das noch nicht möglich gewesen. Die digitale Revolution bringt ein neues Gefühl der Extreme, und ich bin überzeugt, dass sie die Welt noch extrem verändern wird; technologisch leben wir in der Steinzeit.

Natürlich sind die Extreme relativ, und in der Zeit relativ zum früher dagewesenen. Der GEMA-Anmeldebogen rechnet noch mit Sampling in Form von Coverversionen oder von „Thema mit Variationen“.

Sammlung:

Johann Sebastian Bach, Goldbergvariationen: 32 Variationen
Ludwig van Beethoven, Diabellivariationen: 33 Variationen
Enno Poppe: Thema mit 840 Variationen

Gerhard Richter: 4096 Farben

Brian Eno: 77 Million Paintings

Damien Hirst: Totenkopf aus Diamanten, Wert 75 Millionen Euro.

Der Komplexismus Ferneyhoughs.

Als einfache Theorie gesprochen: Masse ist eine starke sinnliche Erfahrung. Die Cheopspyramide wirkt nicht durch sonderliche Schönheit, sondern durch Riesenhaftigkeit. Wusste die Nazi-Architektur allerdings auch zu nutzen.
Als Wahrnehmungspsychologie steckt die Teilbarkeit bzw. Unteilbarkeit dahinter. Sehen wir 4 Äpfel vor uns, denken wir unmittelbar: 4 Äpfel. Sind es aber 7 Äpfel, erfasst man sie nicht mehr auf einen Schlag, sondern in Gruppen, wahrscheinlich 4+3. Ab einer bestimmten Größe geht einem aber jede Möglichkeit einer Unterteilung verloren, und man ordnet die Sache einfach als „sehr groß“ ein. Es gibt ja einige Sprachen, die nur ein paar Zahlen kennen und für alles was darüber liegt „viele“ sagen (ein Indianerstamm in Südamerika anscheinend nur 1, 2 und „viele“). Die Zahl 70.200 habe ich derart konzipiert, dass ich erst mal als technische Möglichkeit bis ca. 100.000 Samples zur Verfügung hatte, den Aufwand für die Formularherstellung bis zu ca. 70.000 als machbar hielt. Eine ganz runde Zahl wäre mir aber zu einfach gewesen, eine ganz komplizierte Zahl hätte man sich wiederum nicht merken können und hätte nach irgend einer Bedeutung ausgesehen; darum der kleine Offset von 200.

Was drücken nun die großen Zahlen aus? Die Erfahrung der Komplexität. Luhmann spricht gerne davon, dass Kommunikation „Komplexität reduziert“. Die Kunst dagegen steigert sie gerne, als Konträrform der Kommunikation. Und die Erfahrung machen wir ständig und immer noch stärker. Eine der wichtigsten Erfahrungen und zugleich die, an der ich am meisten zu knabbern habe, ist die riesige Bibliothek, die Verfügung von massenhafter Information. Diese Bibliothek gab’s schon früher, aber nun durch das Internet erst ist es eine kollektive Erfahrung, und Nietzsches „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ wird wieder aktuell, in der Frage ob die Vergangenheit nicht zum „Totengräber der Gegenwart“ wird. (Der Extremfall wäre, dass in der Gegenwart Vergangenheit generiert würde; manchmal denke ich, der Vietnamkrieg wurde von der Filmindustrie initiiert. Demnach was sie daran an Stoff gewann ist sie, womöglich vor der Waffenindustrie, der größte Kriegsgewinnler. )

Tageslink (Update)

Arno Lücker berichtet in der Neuen Musikzeitung von einem Treffen zur Situation der Berliner Orchester im Roten Salon der Volksbühne, und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Als der Weichspül-Avantgarde-Vorwurf von Otten in Richtung Pamela Rosenberg ging, fasste diese erfreulich offen Rattles große Schwächen im Bereich Neue Musik prägnant in einen Satz: „Mein Chef hat keinen Geschmack!“

Es ist traurig, dass gerade der aktuelle Chefdirigent der Berliner Philharmoniker keinen Mut und kein Gespür für wirklich aufregende Neue Musik hat. Stattdessen glaubt er, mit drittklassiger Kuschelmoderne (Thomas Adès, George Benjamin, Matthias Pintscher und bestimmt bald auch der brave Schwiegermuttertraum Jörg Widmann, der auch noch wirklich ernsthaft glaubt, Bedeutendes zu schaffen – und aus dessen Mund man schon Formulierungen wie „Robert Schumann, Gustav Mahler und ich“ vernommen hat) dem Publikum etwas Gutes zu tun.

Angeblich hat bereits eine Stunde nach Veröffentlichung des Artikels (heute morgen) das Pressebüro der Berliner Philharmoniker bei der NMZ angerufen und die Aussage zu Simon Rattle dementiert. Bringt nur nichts, denn die Aussage bestätigt nichts anderes als die Fakten.

Update: Der Artikel ist (vorläufig) vom Netz, die Anwälte drohen.

Loadbang – Programming Electronic Music in Pure Data

Nun ist das Buch, das ich die letzten zwei Jahre dank des Graduiertenstipendiums der Musikhochschule Freiburg geschrieben habe fertig und in print verfügbar. Kaufen! (Wer z.B. wissen will, wie man 70.200 Samples in 33 Sekunden unterbringt und andere Halblegalitäten…)

Pd was initiated by American software engineer Miller Puckette, who previous co-developed the well known and similarly structured software Max/Msp. Pd is not commercial software; i.e., it was not developed by a corporation and is not for sale. Instead, it is “open source”: its source code is not the (patented) property of a corporation, but is rather freely available to all. One drawback to this is that a detailed operating manual for users who lack programming experience has not existed until now. In contrast to a corporation — which has a monetary interest in ensuring that first-time users can easily operate new software — the open source movement lacks such a driving force to make itself accessible. This book is an attempt to fill that gap.

Loadbang is designed for self-study, principally for composers. It begins with explanations of basic programming and acoustic principles then gradually builds up to the most advanced electronic music processing techniques. The book’s teaching approach is focused primarily on hearing, which we consider a faster and more enjoyable way to absorb new concepts than through abstract formulas.

The patches described are available for download.

280 p., Pb., € 29.–, 978-3-936000-57-3

http://www.wolke-verlag.de/musik_u_t/loadbang.html

http://www.amazon.de/Loadbang-Programming-Electronic-Music-Pure/dp/3936000573/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1235853524&sr=8-3

Amazon schreibt noch, dass nicht verfügbar, laut Verlag ist’s aber auslieferungsbereit; ich selbst jedenfalls halte meine Autorenexemplare in der Hand.