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Kategorie Kritik der reinen Vernunft

Rüstungsatlas Bodensee

Kein schöner Land! Unser guter Mittelstand! Da werden Arbeitsplätze gesichert!

Hier der Rüstungsatlas Bodensee.

Weiteres dazu bei der Geheimrätin (via).

Stayin‘ alive in the Wall

Da schlägt mein Herz mal wieder richtig hoch, wenn so ne peinlich-pathetische 70er-Nummer gekonnt verhohnepiepelt aufgewertet wird: Tom alias Wax Audio hat „Another Brick in the Wall“ (eine andere Verhunzung schon mal hier auf Kulturtechno, auch in „Feeds. Hören TV“) mit „Stayin‘ Alive“ gekreuzt. Es ist noch nicht mal mehr ein Hybrid, denn strukturell ist die tonale Musik völlig arm an Haltung.

Merke: Auch ein Weltkrieg endet als Witzobjekt am Stammtisch. (Hat Gottfried Benn sinngemäß gesagt.)

(via Glaserei)

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Harry Lehmanns Antwort auf Reinhard Oehlschlägel

Die Debatte um die digitale Revolution, begonnen in den MusikTexten und mittlerweile in Buchform gebracht, geht weiter – in der aktuellen Ausgabe der Positionen hat sich auch Orm Finnendahl zu Wort gemeldet („Die Digitalisierung begann in der Antike“), meiner einer hat geschrieben und Harry Lehmann hat eine Antwort auf Reinhard Oehlschlägels Editorial der letzten MusikTexte verfasst. Lehmanns Text heißt „Zum Begriff der digitalen Revolution“ und steht nun online:

http://www.harrylehmann.net/neu/wp-content/uploads/2009/05/Harry-Lehmann_Zum-Begriff-der-dig.-Rev.1.pdf

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Tote amerikanische Soldaten

Der Irak-Krieg lässt mich ja nicht los. Im Stück für das Ensemble Modern, „Living in a Box“, geht es um die Erweiterung des menschlichen Körpers, via Instrumente, via Samples. Folglich auch um die Klänge von Prothesen verstümmelter US-Veteranen des letzten Irakkriegs – eine Nussknackersuite.

(via Glaserei)

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Schwabenbahnhöfe

Danke für den Tipp, Gudrun!

Horowith shreds Schubert

Schöner Shred:

(Danke für den Tipp, Arno!)

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Nirvana / Rockin robin – Mashup

Da ich Pathos überhaupt nicht ausstehen kann, sind mir alle Smells-like-Teen-Spirit – Remixe höchst sympathisch. (vgl. auf Kulturtechno: Musikentwertung?)

(via The Daily What)

Musik Ästhetik Digitalisierung – Eine Kontroverse

jetzt ist es raus und bei www.wolke-verlag.de erhältlich:
Das Buch von Harry Lehmann, Claus-Steffen Mahnkopf und mir.

Tageslinks: Waffen & Müll

zwei Links, bei denen mir das Messer in der Hosentasche aufgeht:

Ein Bericht über Mumbai in der – immer hervorragenden – NZZ:

http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/mumbai__eine_stadt_im_ausnahmezustand_1.6550264.html

Und ein Bericht darüber, dass Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur ist. Super!

http://www.heise.de/tp/blogs/8/147253

Musik, Ästhetik, Digitalisierung – Eine Kontroverse

Jetzt ist es amtlich:

Am 17. August erscheint im Wolke-Verlag das Buch „Musik, Ästhetik, Digitalisierung – Eine Kontroverse“. Dem war ein öffentlicher Disput zwischen Harry Lehmann, Claus-Steffen Mahnkopf und mir vorausgegangen (Kulturtechno berichtete).

Das Vorwort des Verlegers:

2009 veröffentlichte der Physiker und Philosoph Harry Lehmann einen kurzen, provokanten Text mit dem Titel „Die Digitalisierung der Neuen Musik. Ein Gedankenexperiment“ in dem er die Folgen der digitalen Revolution für die Neue Musik hochzurechnen versucht, die inzwischen alle Bereich der musikalischen Produktion, Rezeption und Distribution zu erfassen beginnt.
Konkret werden diese Auswirkungen an drei institutionellen Säulen untersucht, auf denen die Neuen Musik ruht: in Bezug auf den Musikverlag, der das Notenmaterial herstellt, das Ensemble, welche die Kompositionen hörbar macht, und die Musikhochschule, welche das für die Neue Musik erforderliche Spezialwissen vermittelt. An allen drei Säulen ließen sich erste Erosionserscheinungen der Institution beobachten, welche so gravierend seien, dass sie – so die weitreichende Vermutung – zu einer Reformulierung der Idee und des Begriffs ‚Neuer Musik‘ führen könnten.
In seinem Beitrag „Zum ‚Materialstand‘ der Gegenwartsmusik“ definiert der Komponist Johannes Kreidler ‚Klang‘ nicht mehr als Zweck, sondern als Mittel des Kompositionsprozesses. Am Ende der vollständigen Digitalisierung allen musikalischen Materials werde einmal eine völlige Bemächtigung alles Klingenden stehen. Ein immenser Pool verfügbaren Klangmaterials eröffne ungeahnte Chancen für eine Semantisierung von Klang in gänzlich neuen Kontextualisierungen und Funktionalisierungen. Die Medienrevolution mittels Internet führe die Neue Musik aus ihrer ästhetischen Isolation. Netzwerke konkurrierten künftig nicht nur mit den traditionellen Aufführungs- und Vermittlungsräumen, sondern verschafften Neuer Musik ein vollständig neues Podium der Wahrnehmung und Kommunikation.
„Neue Technikgläubigkeit“ betitelt der Komponist Claus-Steffen Mahnkopf seine Antwort. Hinter Abspielprogrammen und Klangmischverfahren etwa eines „Soundshops“ verschwänden Mikrorhythmik, die Räumlichkeit des Klangs, Sinnzusammenhänge, ja das musikalische Subjekt – insgesamt der Eros der Musik. Kompositionsprogrammen, seien sie mathematisch noch so ausgereift und ließen sich alle Stile der Musikgeschichte dort programmieren, würden nur mehr oder weniger schlechte und stereotype Kopien hervorbringen und könnten nie so etwas wie künstlerische Kreation schaffen. Fortschritt verenge sich auf ein technisches Verfahren und rein technizistische Konzepte. Eine Computerkomposition gelange bestenfalls zu einem Mischergebnis einer kunstlosen „Musik mit Musik“.
In diesem Buch prallen Welten aufeinander. Die digitale Revolution scheint wie ein Angriff auf den etablierten Musikbetrieb. Dieser gilt nicht nur dem Klangkörper, sondern dem Studium, der Praxis, der Vermittlung, der Aufführung und der Verbreitung neuer wie alter „ernster“ Musik überhaupt. Die hier vertretenen Positionen lassen einen Generationenkonflikt vermuten, derer, die mit der Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Computer als einer „zweiten Welt“ aufgewachsen sind und sich mit der Quantifizierung und Beschleunigung einen Zugewinn an Freiheit versprechen, mit dem, der sich einem emphatischen Werk- und Kunstbegriff verpflichtet sieht und damit dem Immanenzprozess künstlerischer Produktion. Fortschrittsgläubigkeit in der Kunst ist keine neue Sache. Vor gut hundert Jahren formulierte Filippo T. Marinetti sein erstes Futuristisches Manifest einer neuen Maschinenkunst. Es sollte aber hundert Jahre dauern, bis die technischen Möglichkeiten auch einen qualitativen Quantensprung erahnen lassen. An dem Punkt der „Qualität“ scheiden sich nun die Geister. Und: Erschlägt das Konzept die Idee oder geht letztere im ersten auf…
Komposition, musikalische Praxis und musikalische Wahrnehmung stehen an einem Scheideweg. Die rasche Entwicklung der digitalen Welt samt ihrer Vernetzung wird für die musikalische Kreation nicht folgenlos bleiben. Zu lange Zeit war es still um musikästhetische Differenzen in neuer Musik. In der vorliegenden grundsätzlichen Kontroverse werden nun überfällige und drängende Fragen an die Zukunft neuer Musik gestellt und teils polemisch ausgefochten.
Die Kontroverse, die nach Harry Lehmanns Eingangstext zwischen Johannes Kreidler und Claus-Steffen Mahnkopf geführt wird, bleibt schlussendlich ergebnisoffen und wird sicher zu Folgediskussionen Anlass geben. Mit den abschließenden Beiträgen wurden persönliche Texte aus dem erweiterten Umfeld der Debatte vereinbart.

Hofheim, Juni 2010
Peter Mischung

Hier das Inhaltsverzeichnis.

Kreidler / Lehmann / Mahnkopf
Musik, Ästhetik, Digitalisierung
Eine Kontroverse
176 S., pb., € 17.–
978-3-936000-84-9