Heute nacht um 0.05h strahlt DeutschlandRadio Kultur eine Sendung von Florien Neuner über aktuelle Tendenzen der Politisierung in der Neuen Musik aus, worin unter anderen auch ich interviewt werde.
DeutschlandRadio Kultur,
27.9.2011, 00:05 Uhr
Neue Musik
Jenseits von Engagement und Agitprop
Tendenzen der Politisierung in der jüngsten Musik
Von Florian Neuner
In den 60er-/70er-Jahren gab sich die neue Musik von Luigi Nono bis Hans Werner Henze klassenkämpferisch. Nach Jahren der Entpolitisierung schenken einige jüngere Komponisten dem gesellschaftspolitischen Kontext ihres Tuns heute wieder zunehmend Beachtung.
Jeff Yorkes schneidet bekannte US-Kinofilme auf wenige Minuten zusammen und unterlegt sie mit passenden Songs. Hier zB The Shining, wozu John Lennon „we all shine on“ brüllt.
Hier ist sein Vimeo-Kanal mit allerlei sehens- und hörenswerten „Cinemashups“.
Kommentare deaktiviert für Cinemashups| Kategorie: Sonstiges
Adib Fricke kreiert neue Wörter und stellt sie aus.
Ich kann mich wirklich an jedem einzelnen erfreuen. So leicht ist es, etwas Neues in die Welt zu setzen. Und die Deppen rufen gleich: Ja, aber das Prinzip ist nicht neu.
Futurismus: Wissenschaftler der University of California, Berkeley, rekonstruieren mit Hirnstrommessgeräten visuelle Reize im Gehirn.
Imagine tapping into the mind of a coma patient, or watching one’s own dream on YouTube. With a cutting-edge blend of brain imaging and computer simulation, scientists at the University of California, Berkeley, are bringing these futuristic scenarios within reach.
Using functional Magnetic Resonance Imaging (fMRI) and computational models, UC Berkeley researchers have succeeded in decoding and reconstructing people’s dynamic visual experiences – in this case, watching Hollywood movie trailers.
As yet, the technology can only reconstruct movie clips people have already viewed. However, the breakthrough paves the way for reproducing the movies inside our heads that no one else sees, such as dreams and memories, according to researchers.
“This is a major leap toward reconstructing internal imagery,” said Professor Jack Gallant, a UC Berkeley neuroscientist and coauthor of the study published online today (Sept. 22) in the journal Current Biology. “We are opening a window into the movies in our minds.”
Interessant an der Methode ist desweiteren, dass zur Re-Synthese Material aus dem ‚totalen Archiv‘ benutzt wurde, also ein gigantisches Mashup (SpOn):
Die Testpersonen sahen sich neue Filme an, die sich von dem Material des ersten Durchlaufs komplett unterschieden. Allein auf Basis der Daten zur Gehirnaktivität rekonstruierte das Programm die gesehenen Filmszenen. Es griff dazu auf einen Pool aus 18 Millionen Sekunden willkürlich ausgewähltem YouTube-Material zurück und suchte nach Filmszenen, die den zuvor gelernten Hirnaktivitätsmustern am ehesten entsprachen.
Einmal mehr zeigt sich, wie die heutige Quantität an verfügbaren Daten im Netz neue Technologie erst ermöglicht.
Jetzt wäre natürlich auch interessant, was da klanglich rüberkäme.
Björn Gottstein hat einen ganz guten, kurzen Text über den derzeit etwas paradoxen Zustand von Musik auf CDs und als Verlagsnoten einerseits und dem Internet andererseits geschrieben, worin auch ich zitiert werde:
Noten und Aufnahme kann man im Netz kriegen, trotzdem hat die CD und die Verlagsausgabe einen Wert, nämlich einen symbolischen. Was natürlich irgendwie schief ist – man achtet einen Komponisten ob seines renommierten Verlags, bittet ihn dann aber doch, die Partitur einfach als pdf zu schicken; man schaut, was auf CD rausgekommen ist, um es sich dann als Mp3 runterzuladen, oder kauft die CD, um sie dann als Mp3 umzukopieren (ich weiß nicht wie’s anderen geht, aber ich habe keine CDs mehr und fange damit auch nicht wieder an). Da gibt es mindestens in Deutschland einfach ein Defizit an Qualitätsfiltern online, also vor allem Blogs, die das übernehmen.
Gottstein hätte allerdings noch erwähnen können, dass die Lobby-Arbeit von Verlagen nicht nur positiv ist, und dass eine Inverlagnahme in erster Linie nicht die Auszeichnung einer Ästhetik ist, sondern die Auszeichnung der ökonomischen Verwertbarkeit; denn Verlage präferieren zB aus rein wirtschaftlichen Gründen Instrumentalmusik.
Erstaunliche Aussagen von Karlheinz Stockhausen über „geistiges Eigentum“, in dem Vortrag „Vieldeutige Form“ von 1960:
Geistigen Diebstahl gibt es nur so lange wie man geistiges Eigentum gelten läßt. Wem gehören die Ideen? Sind meine Ideen meine Ideen? Nein, ja, nein, ja, nein.
[…]
Wenn ich keine Ideen hab, ist nichts zu machen. Ich muß warten, bis sie kommen. Wenn ich mich auf die faule Haut lege und gar nicht mit ihnen rechne, kommen sie und halten mich vom Schlaf ab. Gehören sie mir also, diese Tauben, die einem in den Mund fliegen?
Gibt es denn meine Musik? Deine Musik? Seine Musik? Eure Musik? Kann ich was für meine Einfälle? Welcher Verdienst macht mich zum geistigen Eigentümer?
Mich berührt es nicht – nicht mehr – wenn jemand mir etwas stiehlt; wenn einer musikalische Gedanken wiederholt oder neu anstreicht, so, wie man bei einem geklauten Auto die Farbe wechselt; und wenn ein anderer musikalische Formulierungen verwendet, die ich vorher gefunden habe. Kurz: Wenn jemand nachher tut, was ich vorher tue.
Sollte das Prinzip des Eigentums vom Vorher und Nachher bestimmt sein? Wer zuerst kommt, mahlt am besten? Dann interessiert es mich überhaupt nicht. Wenn ein Gedanke oder eine Sache etwas für mich sein soll, muß es mir sein, was es für mich ist, ganz unabhängig vom Früher oder Später, vom Vorher oder Nachher. Aber das gibt es ja nicht. Ich hab es ja gleich gesagt: geistiges Eigenrum interessiert mich nicht.
Abgesehen davon interessiert mich das Problem des geistigen Eigentunis natürlich sehr, seit es mich nicht mehr interessiert. Je mehr Ideen man nämlich verschenkt und unachtsam herumliegen läßt, je weniger man sich um sie kümmert, um so mehr bekommt man. Das unökonomischste Prinzip, das mir je durch den Kopf gegangen ist: Je mehr du vergibst, umso mehr du kriegst. Ich kenne eine ganze Reihe Komponisten, die Angst haben, ihre Ideen mitzuteilen, bevor sie sie fixiert oder gar gedruckt und mit ihrem Firmennamen versehen haben. Sie sagen mir: wenn ich die Einfälle mitteile, bevor ich sie fixiert habe, verliere ich die Lust und die Ausdauer, sie noch zu behalten und auszuarbeiten. Ich habe diese Angst mit Stumpf und Stiel aus mir herausgerissen. Was mir durch die Lappen geht, ist mir gleichgültig, und jeder kann von mir wissen, was mir einfällt – zu jeder Zeit.
Abgedruckt in: Karlheinz Stockhausen, Texte zur Musik Band 2, S. 257f.
Den Hinweis verdanke ich Michael Iber, der diesen Ausschnitt als O-Ton (vorgetragen von Heinz-Klaus Metzger) in einer HR2-Radiosendung über Stockhausen in Darmstadt bringt.
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