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Mendelssohn

Die klassische Musik und ihre Theorie kommen in hier immer etwas zu kurz, dabei ist das eine fester Bestandteil meiner Arbeit. Gerade als betonter Avantgard, der den Anspruch hat, dezidiert Neues in die Welt zu setzen, ist mir unerlässlich, die ganze Musikgeschichte und -Theorie zu kennen, und ich unterrichte sie auch sehr gerne. Außerdem sind es schlicht Geschenke, die die großen Meister hinterlassen haben, und jeder der Musik mag ist dumm, wenn er diese Geschenke ausschlägt.

An dieser Stelle sei jetzt auf das heute beginnende Mendelssohn-Festival der Musikhochschule Rostock verwiesen mit einem sehr schönen Programm.

Felix Mendelssohn Bartholdy ist ein Phänomen. Er hat wunderbare Musik geschrieben, und war zu Lebzeiten schon weltberühmt; trotzdem nennt man ihn erst in der zweiten Reihe, etwa hinterm Zeitgenossen Schumann. Was ist an Schumann besser? Ich glaube es war zunächst die ökonomische Situation, Mendelssohn war von Haus aus steinreich, während Schumann zwar nicht so schlecht situiert, aber doch nicht derart gut gebettet war. Später musste er auch noch acht Kinder durchbringen. Schumann kämpfte außerdem gegen Psyche und Körper zeitlebens an, und diese Spannungszustände fehlen in der durch und durch bürgerlichen Musik Mendelssohns, das vermisst die Musikgeschichte offenbar. Schumann hingegen verkörpert in Reinform den romantischen Geist in Höhen und Tiefen. Nichtsdestotrotz gibt es einige Werke Mendelssohns, die sich daran messen lassen können, etwa die “Variations sérieuses” oder den “Sommernachtstraum”, den “Elias” und das Violinkonzert.

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Digitale Nachinszenierung #2 (Update)

Unlängst hatte ich es von der Möglichkeit, digital Filme zu inszenieren. Hier ein gelungenes Beispiel für die Nachinszenierung von “How not to be seen” von Monty Python, realisiert mit EgoShooter.

Danke, Martin, für den Tipp!

Update:

Und hier noch das Video, das gerade durch alle Blogs geht, bei dem ein Maler seine Werke als Ausstellung in einem Ballerspiel platziert hat. Das ist das Museum für moderne Kunst:

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Anziehung

Ein Thema, dem ich auch immer offener begegne: Das Gesetz der Anziehung, wie mal wieder weiland Goethe schon ansprach:

Wir wandeln alle in Geheimnissen. Wir sind von einer Atmosphäre umgeben, von der wir noch gar nicht wissen, was sich alles in ihr regt und wie es mit unserm Geiste in Verbindung steht. So viel ist wohl gewiß, daß in besonderen Zuständen die Fühlfäden unserer Seele über ihre körperlichen Grenzen hinausreichen können und ihr ein Vorgefühl, ja auch ein wirklicher Blick in die nächste Zukunft gestattet ist.“

[...]

„Wie gesagt, wir tappen alle in Geheimnissen und Wundern. Auch kann eine Seele auf die andere durch bloße stille Gegenwart entschieden einwirken, wovon ich mehrere Beispiele erzählen könnte. Es ist mir sehr oft passiert, daß, wenn ich mit einem guten Bekannten ging und lebhaft an etwas dachte, dieser über das, was ich im Sinne hatte, sogleich an zu reden fing. So habe ich einen Mann gekannt, der, ohne ein Wort zu sagen, durch bloße Geistesgewalt eine im heitern Gespräch begriffene Gesellschaft plötzlich still zu machen imstande war. Ja er konnte auch eine Verstimmung hineinbringen, so daß es allen unheimlich wurde.“

„Wir haben alle etwas von elektrischen und magnetischen Kräften in uns und üben wie der Magnet selber, eine anziehende und abstoßende Gewalt aus, je nachdem wir mit etwas Gleichem oder Ungleichem in Berührung kommen. Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß, wenn ein junges Mädchen in einem dunkeln Zimmer sich, ohne es zu wissen, mit einem Manne befände, der die Absicht hätte, sie zu ermorden, sie von seiner, ihr unbewußten Gegenwart ein unheimliches Gefühl hätte, und daß eine Angst über sie käme, die sie zum Zimmer hinaus und zu ihren Hausgenossen triebe.“

Die Anziehungs-Theorie impliziert, dass eben auch die schlechten Sachen bis zum Tod in der eigenen Verantwortung liegen. Das mag ja noch zutreffen, Todessehnsucht und so, fragt sich allerdings doch, wie’s zu ganzen Genoziden kommen konnte. Wobei ich mal hörte von der Theorie eines KZ-Überlebenden (!), der sagte dass die Juden kollektiv sich die Opfer-Rolle selbst zu eigen gemacht hätten.

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Plädoyer für’s ReadyMade

Was in “Good morning, Vietnam” zur Hälfte inszeniert wurde, kann man auch komplett selber remixen, und das finde ich noch besser.

Good morning, Vietnam:

Und hier ein Beispiel von Inappropriate Soundtracks:

Andere Favoriten meinerseits:

http://www.youtube.com/watch?v=mmrVlGgPum8&feature=player_embedded

http://www.youtube.com/watch?v=N2Fj9BgCHM4&feature=player_embedded

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Bücher online

Scribd ist YouTube für Bücher. Man kann Texte hochladen und hochgeladene in die eigene Seite einbinden oder auch downloaden. Bin gespannt, wie sich das entwickeln wird. Meines Erachtens fehlt es der Display-Technologie noch an Innovationen. Monitore müssten viel beweglicher sein, statt nur immer frontal vor einem zu stehen. So einen Text will man schräg unten vor der Nase haben, dann wird’s gleich viel angenehmer zu lesen.

Zur Demo ein (lesenswerter!) Vortrag von John Cage:

Niblock

Herrmann Kretzschmar, Pianist vom Ensemble Modern, hat mich auf Phil Niblock hingewiesen, der ein Ensemble gerne mal eine Stunde lang nur einen Ton spielen lässt. Das ist eigentlich nicht nach meinem Geschmack, aber dass er die Eintönigkeit mit Filmaufnahmen eintöngier Arbeit verbindet macht das einfach prima.

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Pro Schwan

Auf Carta gibt’s einen schönen Text: 10 gute Gründe, am 23.Mai eine Frau zu wählen. Dem schließe ich mich an. Den Bundeshorst mit seinem debilen dritte-Zähne-Grinsen konnte ich, leider im Gegensatz zum Volksgroßteil, nie leiden.
Repräsentanten haben eine ästhetische Funktion – sie sind personifizierte, also wahrnehmbar gemachte Macht. Ich plädiere insofern für eine ästhetische Betrachtung der Politik, als das ja nicht heißen muss, hier nur einer Oper zu frönen, sondern die Ästhetik auf reale Machtverhältnisse und politische Fragen zu beziehen. Rainald Goetz gelingt das immer wieder großartig in “Klage”.

Das Amt des Bundespräsidenten ist in diesem Land praktisch per Definitionem ästhetisch, wobei unser Bundeshorst allerdings überflüssigerweise immer wieder meint, auch mal aktiv Politik machen zu müssen, wahrscheinlich weil er selber weiß dass er ästhetisch unter aller Kanone ist. (N.B.: Seine Haltung zum Regiertheater.) Die Ästhetik von Horst Köhler gehört weg und Gesine Schwan an seiner statt wäre prima. Sehr schade, dass daraus nichts wird.

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Akufen Playlist

Akufen, von dem ich zuletzt gebloggt habe, hab ich mal genauer durchgehört und folgende Tracks finde ich auch noch interessant bezüglich der “Mircosampling”-Idee. Und danach noch die Mutter von all dem, John Cage, mit meinem Lieblingsstück von ihm, “William’s Mix” aus den Fünfzigern, zu dem jemand auch ein nettes Video gemacht hat (Man achte da noch auf den Schlussapplaus; da weiß man, warum Cage auf die Idee kam, das Publikum einfach ganz die Musik machen zu lassen in 4’33″).

Remix Sampling Mashup

Soweit ich das erfahre und schlicht fühle sind mittlerweile haufenweise Kultur- und andere Theoretiker damit beschäftigt, Begriffe wie Remix, Mashup, Sampling, Cut-Up, Appropriation Art etc. hochdifferenziert zu definieren. Tenor ist dann meist: Eigentlich sei all das so alt wie die Menschheit, kopiert wurde immer, etc.ppp. Dem stimme ich bei. Trotzdem nervt es, wenn immer wieder dahergeredet wird, dass schon mein Opa gesampelt hätte, das geradezu altmodisch sei, etc.pppp. Denn der quantitative Fortschritt der Medientechnologie in Sachen Rechnerleistung und Speicherkapazität bringt auch einen qualitativen Sprung (oder man bedenke, wie die API-Technik, das Einbetten von externen Inhalten, das Gesicht des Web in den letzten drei Jahren stark verändert hat). Der DJ hatte 2 Turntables und 100 Platten, jetzt hat die Festplatte praktisch die gesamte Musikgeschichte parat. Die große Menge ist keine Frage der Auswahl, sondern der Filterung. “Reduktion von Komplexität” propagiert Luhmann, wobei ich für die Kunst auch die umgekehrte Strategie probieren möchte: Komplexität zulassen. In meiner Blogpost-Reihe Ästhetik der großen Zahl habe ich Beispiele gebracht.

Zur Festplatte: Wenn die Musikgeschichte derart präsent ist (physisch in Form der Festplatte), dann hat das einerseits den Aspekt der Erdrückung (inhaltlich, so viel und die “großen Meister”), andererseits der krassen Vereinfachung (formal – alles kleine Dateien). In diesem Gegensatz befindet sich Remix etc.ppppp. heute. Die Darstellung davon wäre, dass es viel verschiedenes gibt, aber verkleinert.

Martin Schüttler hat mich auf Akufen hingewiesen (Danke, Martin!), der mir blöderweise entgangen ist. Er hat das treffende Stichwort geprägt: Mircosampling. Die Musik finde ich teilweise großartig, anderenteils ist sie mir allerdings doch wieder zu sehr Standard-Clubsound (aber – musikalisch – immer noch 1000x besser als der gehypte Kutiman). Jedenfalls ist sie sehr gutes Beispiel für das, was ich “Hyperintervalle” nenne. Akufen macht keine Melodien aus einzelnen Tönen, sprich aus Intervallen, sondern aus Samples – dann sind es Hyperintervalle.

In meiner eigenen Musik habe ich die Technik entwickelt, normale Töne durch kurze Samples zu ersetzen. Das kann man dann praktisch auf jeden Stil, der mit “normalen Tönen” arbeitet, anwenden; ich ziehe fast alle Techniken der Neuen Musik der letzten 50 Jahre dafür heran und das habe ich nun auch fast erschöpft. Als nächstes wäre Popularmusik dran, aber natürlich doch avantgardisiert. Wie auch immer, abwarten.

Hier zwei Tracks von Akufen:

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