31.1.15
Neue Musik = Irgendwas mit Musik
Ein Orchesterstück, das nur aus 1 Glissando aller Streicher besteht. Schnell, langsam.
Neue Musik: Andere Saiten aufziehen.
Cellosaiten auf eine Geige ziehen.
Saiten in eine mechanische Schreibmaschine spannen. Texte schreiben.
Lautstärken und -schwächen
fffffffffpffffffffff
Skizzsm
Skizzsm
29.1.15
Ein Trakl-Gedicht aufführen, indem sein Binärcode auf zwei beliebige Zustände angewendet wird.
Alle Nullen und Einsen im Computer addieren.
Den Instrumentalisten kitzeln, dadurch neue Rhythmen gewinnen, ohne Darstellungsdistanz.
Ein Sägeblatt als Partitur.
Lauter verschiedene Schlägel, in allen Permutationen hintereinander hängen und pendeln lassen.
Ein Laufband, auf dem sich lauter Schlaginstrumente befinden. Schlagzeuger stehen daneben und machen jeweils Aktionen. Chaplin.
Trommelfail
Jeden Takt einer Lachenmann-Partitur zu einem Akkord zusammenfassen.
Särge ausschütten.
Mikroskopmusik.
Zwei unterschiedliche Tastaturen aneinanderreiben, die dadurch entstehenden Rhythmen (Guero).
Skizzsm
27.1.15
Xenakis hat Versöhnungssex mit Nono. Mikrofoniert.
Mit dem Fuß Gitarre spielen. Und gleichzeitig mit der Hand den Fuß massieren.
Fußmassage, mikrofoniert.
Den Fuß mit Kopfhörern massieren.
Eine Armbanduhr um den Gitarrenhals schnallen.
Halsschmuck um den Gitarrenhals legen.
Verschiedene Fußabdrücke auf den Gitarrensaiten.
Staub als Präparationsmaterial.
Verdrehte Obertöne. Die Untertonreihe als Obertonreihe.
Die Satzmelodien ausschließlich von Fragesätzen hintereinander. Lauter Vordersätze.
Einen innigen Kuss mit zwei Gitarrensaiten nachspielen, sie reiben aneinander, müssen dafür gedehnt werden usw. Mikrofoniert.
Skizzsm
25.1.15
Geige in Waschmaschine
Spiele einen Ton ganz nah, aber unterschiedlich zu c“‘.
Etwas aufs Pauken- oder Trommelfell projizieren. Stadtplan, ein System von Pfeilen.
Sätze zur Guantánamo-Playlist
Im Jahr 2008 wurde dank der Menschenrechtsorganisation Reprieve der Weltöffentlichkeit bekannt, dass die USA im Gefangenenlager in Guantánamo Bay, einem Stützpunkt auf Kuba, außerhalb des US-Staatsgebietes und daher außerhalb der eigenen Justiz, Häftlinge unter anderem mit dem unablässig wiederholten Abpielen lauter Musik folterten. Die Liste der verwendeten Stücke findet sich online.
Die Guantánamo-DJs haben den Neuen Konzeptualismus verstanden.
Die Guantánamo-Disko ist die ästhetische Antwort auf die Ästhetik der brennenden Türme.
Die Guantánamo-Playlist vollendet Bernhard Langs Differenz/Wiederholung-Reihe und Ravels Bolero.
Die Guantánamo-Musik macht Unhörbares hörbar.
Die Guantánamo-Playlist ist neben Punk-Gebet von Pussy Riot das einzige relevante Musikstück der Neuen Musik der letzten Jahre.
Die Guantánamo-Disko steht in der Reihe der klassisch-modernen Ballettmusiken; das Frühlingsopfer des 21. Jahrhunderts.
Das einzige Musikstück, das nicht auf der Guantánamo-Liste steht, ist 4‘33“.
Die Guantánamo-Playlist ist das Komplement zu 4‘33“.
Spiele die Guantánamo-Playlist so leise wie möglich ab, dass du sie gerade noch hörst.
Die Kategorien Dissonanz, Geräusch, Struktur, Material sind beinahe obsolet.
Der wichtigste Parameter des Neuen Konzeptualismus ist die Lautstärke.
Spiele die Playlist ab, mit der Lautstärke 0.
Es bräuchte einen Mitschnitt des Guantánamo-Konzerts. Er sollte auf CD, Schallplatte und als Mp3 käuflich erworben werden können.
Alle außer den Gefolterten kennen die Guantánamo-Musik nur als Konzept. Ihre Unhörbarkeit für uns ist das Komplement ihrer Lautstärke im Lager.
Der Rahmen / die Form der Guantánamo-Musik ist das Gefängnis und die Insel.
Inversion der Sirenen, deren Musik lockt – die Folterer binden die Gefolterteten an, damit sie die Musik nicht fliehn; ihnen soll etwas entlockt werden.
Das Geständnis ist der Applaus samt Bravo-Rufe. „Er hat gesungen.“
Diese Sätze sind der Versuch, das Bekanntwerden der Guantánamo-Playlist zu konzeptualisieren.
Johannes Kreidler Januar 2015
Essay über meine „Sheet Music“
Sophia Gustorff hat einen Text für die Schweizer Musikzeitung geschrieben, der sich mit meinen Sheet Music – Arbeiten befasst.
Kreidler aber hat seine Noten im Griff: Er verrückt Zeichen absichtlich, um Bewusstsein zu schaffen. Er komponiert, nur keine Klänge. Ist sheet music denn überhaupt Musik? Eine fast philosophische Frage, zu der Kreidler klar Stellung bezieht: «Musik muss auch mal raus aus der time-base. Musik ist nicht nur akustisch, sondern hat auch seine [sic!] visuellen Kontexte. Es ist dann immer noch Musik.» Tatsächlich suggerieren nur wenige der Bilder ein akustisches Moment. Kreidlers Antwort täuscht über die Komplexität der Sache hinweg, ebenso wie manches sheet über die seriösen Gedanken ihrer Verwandten: Eine Notenzeile, die sich über die gesamte Breite einer Leinwand zieht. Im vierten Zwischenraum liegt eine kreisrunde Note, sonst ist sie leer. «Asshole», lautet die Überschrift.
https://www.musikzeitung.ch/de/smz/aktuell/2014/12/stille/kreidlers-sheet-music.html#.VL7AxC6RhqF
Kreidler @Landesjugendensemble für Neue Musik Ba-Wü
Vergangenen Herbst fand das Gründungskonzert des Landesjugendensembles für Neue Musik Baden-Württemberg statt, bei dem u.a. mein Stück „Kantate. No future now“ gespielt wurde. Hier ein Trailer. Bei der Aufnahme ist allerdings die Elektronik viel zu leise.
Radiosendung über Diesseitigkeit & Neuer Konzeptualismus
Die Amateur-Radioshow Klingding hat sich letzten Sommer mit den Schlagworten „Diesseitigkeit“ und „Neuer Konzeptualismus“ beschäftigt – der Ankündigung nach jedenfalls. Ich hab nicht mehr als ein paar Minuten geschafft, weil ich den Sprecher unanhörbar finde. Aber euch Hardcore-Konzeptualisten kann man’s ja vorsetzen.















