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Sätze über musikalische Konzeptkunst

  1. Ein Konzeptstück wird von einer pointierten Idee determiniert.
  2.  

  3. Die Idee ist eine Maschine, die das Kunstwerk produziert. Der Prozess sollte keinen Eingriff nötig haben, er sollte seinen eigenen Verlauf nehmen. (LeWitt 1967)
  4.  

  5. Die Konzeptmaschine heute ist vor allem der Algorithmus.
  6.  

  7. Das Verarbeitungsmaterial der Maschine heute ist das totale Archiv.
  8.  

  9. Details, rhetorische Mittel und formale Gestaltung sind meistens nur adäquat in Form von Readymades oder per Zufallsgenerator.
  10.  

  11. Zu jedem Kunstwerk, das physisch ausgeführt wird, gibt es viele unausgeführte Varianten. (LeWitt 1967)
  12.  

  13. Die sinnliche Erscheinung ist nur ein Aspekt des Werks, dem mehr oder weniger Wert zugebilligt werden kann.
  14.  

  15. Jedes Stück Neuer Musik hat konzeptuelle Anteile. (Spahlinger 2009)
  16.  

  17. Nicht alle Ideen müssen verwirklicht werden. (LeWitt 1967)
  18.  

  19. Aus vielen verschiedenen Konzeptvarianten oder -stücken kann man aber wiederum eine detaillierte Form komponieren. Anreicherung mit Witzen ist auch ok.
  20.  

  21. Eine belanglose Idee kann man nicht durch eine schöne oder expressive Ausführung retten. Hingegen ist es schwierig, eine gute Idee zu verpfuschen. (LeWitt 1967)
  22.  

  23. Eine gute Idee kann man durch eine schöne oder expressive Ausführung verpfuschen.
  24.  

  25. Ideen sind das Expressivste und Schönste überhaupt.
  26.  

  27. Improvisation ist selten musikalische Konzeptkunst, erst recht nicht, wenn die Improvisation gut ist.
  28.  

  29. Musikalischer Konzeptualismus ist eine Art Minimalismus.
  30.  

  31. Die Musik muss nicht selbsterklärend sein. Andermediale Zusatzmittel (Text, Video, Performance) braucht der Komponist-Konzeptualist nicht zu scheuen, sie sind sogar konsequent zu artikulieren (keine wichtige Information im Programmheft verstecken).
  32.  

  33. Trau dich, noch die kleinste Idee zu veröffentlichen, wenn du glaubst, dass an ihr irgendwas dran ist. Aber setze sie in einen verhältnismäßigen Aufwand (für eine kleine Idee nicht mehr als ein kleiner Text).
  34.  

  35. Ein Konzeptmusikstück muss nicht ganz angehört werden.
  36.  

  37. Nur diejenige Musik ist Neue Musik, bei der die Frage gestellt wird, ob es sich überhaupt um Musik handelt. (Spahlinger 1992)
  38.  

  39. Je unmusikalischer, desto besser.
  40.  

  41. Auf die Konzeptualisierung folgt die Kontextualisierung. (Weibel 1993)

      Johannes Kreidler

      ‚Das Schwarze Quadrat‘ als Musik

      Dieses Jahr feiert das „Schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch hundertsten Geburtstag. Dazu habe ich ein kleines Musikstück gemacht, eine klangliche Umsetzung desselben:

      Das Quadrat erklingt als Rechteckschwingung („Square Wave“);
      die Farbe „Signalschwarz“ hat den CIEL-Wert 28.66, darum als Frequenz 28.66 Hertz;
      die Frage nach der Dauer, die Peter Ablinger für ein klingendes Quadrat gestellt hat, beantworte ich subjektiv mit 8 Sekunden.

      Mein Programmtext für die Uraufführung bei den Wittener Tagen für Neue Kammermusik

      Johannes Kreidler

      Shutter Piece

      für 8 Instrumente, Zuspielung und Video

      Dauer: 16’

       

      Als „Musik mit Musik“ kombiniere ich seit 2005 vorgefundene Soundfiles, verschiedentlich bearbeitet (zerschnitten, transponiert, geschichtet, etc.), mit live gespielten Instrumenten. Damit die Lautsprecherklänge auch eine Performativität bekommen, ziehe ich teilweise Video hinzu.

      Im Shutter Piece konzentriere ich mich auf ein Verfahren: Ein ganz regelmäßiger An-Aus-An-Aus-Rhythmus der Zuspielung, der die Instrumente teilweise maskiert oder mit ihnen alterniert. Mit diesem strengen Prinzip lassen sich divergente Klangmaterialien – hier: Sportübertragungen, ein Hollywood-Soundtrack und die Instrumente der Neuen Musik – aufeinander beziehen. Das Video verstärkt in dem Fall den Charakter der Fußball-Zuspielung; Public Viewing im Konzertsaal.

      Der Shutter (= Verschluss) steht für den Lidschlag, die Nutzung des Stroboskops in der Wissenschaft und in der Disko, für Penetration, Digitalisierung, Gitter und für die Ausschnitthaftigkeit von Wahrnehmung.

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      Hier ist das komplette Programm der diesjährigen Wittener Tage für Neue Kammermusik

      Steal this Piece

      Auf Steal this Piece.com kann man mit gegebenen Parametern ein individuelles Musikstück generieren lassen. Programmiert hat es William Burnson, und es stellt sich die Frage, wer dann der Autor des resultierenden Musikstücks ist und bei wem dann die Urheberrechte davon liegen.

       

      Ähnlich hat es Cornelia Sollfrank bereits in den 90ern mit dem net.art generator praktiziert, da allerdings wird eine Collage von Bildern aus dem Netz erstellt.

      (via Malte auf FB)

      Update: Hier gibt es weitere Music Generators (danke, Niclas!).

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      Aphorismen des Tages:

       

      Schrecken schmunzelt

      Beethoven auch ein Verlorener

      D-Dur zwölf

      Zielsetzung gelingt auf Gegenstand

      Die Arabeske Arithmetik

      Materie ab)

      Dialektisch stehlen

      „Nicht Musik über Musik, sondern mit Musik“ – Radiosendung online

      Die Radiosendung von Christoph Reimann über die Ästhetik der „Musik mit Musik“, mit Werken von und Interviews mit Johannes Kreidler, Stefan Prins, Alexander Schubert und Martin Schüttler, gesendet auf HR2 Kultur am 26.2.2013, hat jemand hochgeladen.

      Kulturtechno-Leser, benutzt RSS-Feeds!

      Ich möchte mal wieder dafür werben, RSS zu nutzen. Da ich in letzter Zeit öfter gefragt wurde, ob man irgendwie per Mail oder so Hinweise auf neue Blogeinträge bekommen könne bzw. was es denn mit dem “RSS”-Dingens da auf sich habe: Leider hat sich immer noch nicht genügend herumgesprochen, dass es die wunderbare Einrichtung namens “RSS-Feeds” gibt; damit kann man Blogs und alle möglichen News-Webseiten abonnieren, Spiegel Online oder Spiegel Offline, Zeit.de oder Kulturtechno (oder auch Tweets). Man braucht dafür einen RSS-Reader, der beste ist wohl (oder übel) der von Google; da kann man alle Blogs etc. eintragen, die man gerne lesen möchte, und ebenda dann alle deren neuen Beiträge wie in einer bunten Zeitung untereinander lesen, ohne kreuz und quer durchs Netz navigieren zu müssen und ohne was zu verpassen.

       

      Um ein Blog zu abonnieren, klickt man in dem Reader links oben auf „Abonnieren“ und da gibt man dann die RSS-Adresse des Blogs ein. Diese Adresse findet sich bei vielen Blogs hinter diesem Icon:

      Und so auch bei Kulturtechno rechts oben, oder ich nenne die Adresse einfach mal hier:

      http://www.kulturtechno.de/?feed=rss2

      Und wer auch die Kommentare alle im Reader lesen will, dann noch diese Adresse ebenfalls abonnieren:

      http://www.kulturtechno.de/?feed=comments-rss2

      Einmal damit angefangen, kann ich mir ein Netz-Leben ohne RSS-Reader nicht mehr vorstellen, und ich ärgere mich, dass es nicht schon viel früher genutzt habe.

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      Aphorismen des Tages:

       

      Errungenschaften fixieren uns

      Tektonik werden

      Fenster
      Viertelpaare
      Einzelnes

      Terzruhm

      Kultur mit Blurbs

      Das eigentliche Mikrologische

      Berlin
      Weltumseglung
      Baudelaire

      Zeichentrick-Dramolett über computergestütztes Komponieren

      Stefan Hetzel hat 1998 ein Dramolett über zentrale Fragen des computergestützten Komponierens verfasst, und nun als Comicfilm inszeniert.

      Vor Jahren hab ich auch mal mit Xtranormal eine kleine (berühmte) Szene spielen lassen.

      Früher auf Kulturtechno: This is my composition, it will make us famous

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      Aphorismen des Tages:

       

      Alle Winde im Tiefpassfilter

      Rom dis-cis

      Sozialforschung
      Stilproblem
      Komponist

      Tendenzkleid

      Strukturelles außerhalb verschränken

      Schöpfungskraft braucht Josquin

      Wertungsfrage Tod

      Hanns Eisler über ePlayer, 1940

      Hanns Eisler beschreibt im „Statement über die Untersuchungen von Musik und Film“ 1940 schon die Vision einer universell einsetzbaren ePlayer-Instrumentensample-Datenbank.

      Es gelänge durch Laboratoriumsarbeit, sich eine Kartothek von den graphischen Darstellungen unseres Tonsystems anzufertigen. Wir würden dann also alle Töne unseres Klaviers so wie die Buchstaben in einer Setzmaschine in unserem Archiv haben, und es ließe sich mit Hilfe dieses ‚Alphabets‘ ein Musikstück herstellen, das dann photographiert und auf dem Filmband entwickelt und gespielt eine Musik ergeben würde, die nicht mehr von Menschen durch das Mikrophon produziert worden ist, sondern synthetisch hergestellt wird. […] Dies wäre von der ungeheuerlichsten Bedeutung für die Musik, denn alle Unzulänglichkeiten der menschlichen Darstellungskraft wären überwunden. […] Eine Präzision der Darstellung, wie sie vom besten Orchester nicht erreicht werden kann.

      (via Ole auf FB)

      Früher auf Kulturtechno: ePlayer – über das Komponieren mit Instrumentensamples

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      Aphorismen des Tages:

       

      Arbeit
      Songs
      Ich

      Krebs ergänzen

      Ich*

      freigeworden
      unabhängig
      Gehör

      Logische Spontaneitäten

      Schlagzeugerverhältnisse

      Prozesslose Reflexzonen

      Mikrofonlautsprecher-Skulpturen

      Shilpa Gupta verwendet Mikrofone als Lautsprecher (man kann alles auch in die andere Richtung schicken!) und gestaltet aus einer großen Zahl von solchen Mikrofon-Lautsprechern Skulpturen.

      Singing Cloud
      Object built with thousands of microphones with 48 multi
      channel audio, 2008-09
      9min 30sec audio loop
      180x24x60 in | 457x61x152 cm

      I keep falling at you
      Thousands of microphones and with multi channel audio, 2010
      3min 12sec audio loop
      149x51x79 in | 380x130x200 cm

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      Aphorismen des Tages:

       

      Zusammenhänge schwarzer Tempi

      Pussy New York

      Melodik gilt a.a.O.

      Ausdruck den Damen

      Antikriegs-Fremde

      Ideen amerikanischer Bauernprügler

      radikale Firma

      Plagiat Deutsche Nationalhymne

      Hartmut Fladt schreibt in seinem neuen Buch „Der Musikversteher“ (S. 87/88):

      Wenn ich jetzt behaupte, dass bei Joseph Haydn in einem Originalwerk, dem Streichquartett C-Dur Op. 76,3, im langsamen Satz die Grenzen zwischen originaler Volksmusik und eigener artifizieller Musik überschritten werden, dann muss der Einwand kommen: Das ist doch Haydns eigene KAISERHYMNE (1997), die er hier im langsamen Satz des Quartetts als Variationsthema einsetzt und die unsere deutsche Nationalhymne geworden ist? Ja, und Haydn zitiert dabei, vier Takte lang, ein kroatisches Volkslied, „Vjutro rano“ („Früh am Morgen stehe ich auf“), das er vermutlich schon in seiner Kindheit gehört hatte. Er hat diese Melodie auch in anderen Werken verwendet, so in einer Messe von 1766 und im langsamen Satz seines Trompetenkonzerts. Ist sie nicht schön, diese Grenzüberschreitung? Unsere Nationalhymne, ein kroatisches Volkslied. […] Sie können das Volkslied [auf YouTube] hören, allerdings nur in einem grausam dummen Arrangement von Ziga i Bandisti.

      Ein Kommentator auf YouTube schreibt:

      haydn wuchs ca. 100 kilometer südlich von wien in einem kleinen dorf auf. es gab (und gibt) dort immer noch sogenannte „burgenlandkroaten“, eine kroatische minderheit, die damals hauptsächlich als feldarbeiter beschäftigt war. es gibt die theorie, dass er diese arbeiter singen gehört oder evtl. feste der burgenlandkroaten gesehen hat, bei denen dieses lied gespielt wurde.

      (Und der Dichter des Textes der Deutschen Nationalhymne war Antisemit.)

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      Aphorismen des Tages:

       

      Aporie Rock genauso

      ehrlich 5/6

      Sportkanäle für Hirten

      Büchlein über meine Anschauung

      Nutzloser Hörer

      Der Hilfsdiskurs von Besonderheiten

      Menschenfresser Original-Abbild