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Gelegenheit macht Diebe

Die Welt schreibt:

In der Abgeschiedenheit überkommen den Mörder Fantasien der Vernichtung. Die Bilder wollen nicht mehr verschwinden, verdichten sich zu einer fixen Idee, die sich einbohrt ins Gehirn. Im Freiraum der Fantasie gelten kein Tabu und keine Zensur. Die Imagination überspringt alle Barrieren. Wer den Amok verhindern will, der müsste den Menschen die kreative Einbildungskraft aus dem Hirn brennen.

Dem gilt es sich entschieden zu wehren. Natürlich können Amokfantasien nie verhindert werden, aber man kann verhindern dass sie in die Tat umgesetzt werden, denn für die Tat braucht es menschengefährliche Waffen. Warum werden in dieser Welt überhaupt Waffen hergestellt? Ok, die Polizei soll welche haben, sie muss im Zweifelsfall der Stärkere sein. Aber nur die. (Und leider gibt gibt es auch Fälle, bei denen sie es wiederum besser nicht wäre..)

Gerne wird ins Feld geführt, man verbiete ja auch nicht Autos, nur weil man mit ihnen Leute totfahren kann (und überhaupt durch Autounfälle jährlich Millionen sterben). Aber Autos sind primär doch dafür nützlich, die Fortbewegung zu beschleunigen, und den Preis der Gefahr bezahlt man konsensuell, und man versucht ständig, ihn weiter zu minimieren. Der (Un)Sinn von Waffen ist allein, dass man mit ihnen auf etwas schießt, was dadurch Schaden erleidet. Bei Gegenständen als Ziele mag es egal sein, aber selbst wenn nur das praktiziert würde wäre es immer noch dämlich genug, um es abzuschaffen.
Meinetwegen darf in Computerspielen das Blut spritzen bis zum Abwinken, aber in physis gilt es, jede körperliche Aggression aus der Welt zu schaffen, koste es was es wolle, z.B. Waffenindustrie-Rendite. (Ok, die Computerspiele können obige Fantasien fördern und Aggression schüren, ist doch auch ein Problem. Tim Kretschmer war allerdings auch begeisterter Tischtennisspieler. Ist das ein Ballerspiel?)

Also: Stoppt von heute auf morgen alle Waffenproduktionen. Dann gibt es zwar noch das Küchenmesser, aber wenigstens sind Massenmorde wie der gestrige damit schwerlich ausführbar.

Innenwolfgang sieht natürlich keinen Grund, Waffen zu verbieten:

Ich hab gerade eine Sauwut im Bauch.

Enjambement und Engagement (Update)

Arno schreibt mir nachts:

Analog zum Titel eines Aufsatzes von Helmut Lachenmann – „Affekt und Aspekt“ – suche ich ähnlich sinnlose Kombinationen von interessant klingenden, aber in keiner Hinsicht verwandten Begriffen, die als mögliche, aufmerksamkeitserheischende Titel langweiliger Symposiumsvorträge dabei sehr wohl jederzeit infrage kämen.

Augmentation und Argumentation
Kolorierung und Kolonisierung
Exposition und Expedition
Topos und Rhodos
Rezession und Rezension
Adoption und Absorption
Bantam und Tamtam
Inthronisation und Intonation
Abszess und Asbest
Transzendenz und Aszendenz
Ekzem und Extrem
Frisur und Fissur
Buddhismus und Bruitismus
Alliteration und Alliiertenstation

Das Verfahren ist, dass man am besten zwei wissenschaftliche Wörter findet, deren Anfang und Ende möglichst gleich klingen, aber inhaltlich möglichst weit voneinander entfernt sind.

Ein paar Exemplare meinerseits:

Orgasmus und Organismus
Material und Madrigal
Winnenden und Wimbledon
Sonologie und Sinologie
Logophilie und Logopädie
Hermetik und Hermeneutik (schon mal von Arno gebracht)
Philatelie und viele Latrinen
Enjambement und Engagement
Sonett und Sorrent
Konsens und Konkav
Holismus und Alkoholismus
Transitiv und Transsibirisch
Konkurrenz und Konfidenz
Erotoman und Retrokram

Update: Paul ergänzt:

Uran und Urin

Und von Anna:

Elektrizität und Eklektizität

Diese Wörtersammlung wurde Ihnen präsentiert von (bitte mehrmals anklicken):

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Verbraucherinformationen @Kulturtechno

Hervorragende Waffen, erwiesenermaßen geeignet für große Blutbäder, gibt es hier zu kaufen.

SpOn
:

Nach Angaben der Polizei ging K. schweigend durch die Gänge der Schule, betrat Klassenzimmer. Feuerte. Die Waffe, es soll sich um eine Pistole der Marke Beretta gehandelt haben, nahm er aus dem legalen Waffenarsenal seiner Eltern.

Alternativ kann man, siehe mein AdSense, die Beethoven Edition kaufen.

By the way: Die Ortschaft, in welcher sich der Täter Tim Kretschmer erschossen hat, Wendlingen, ist der Nachbarort meiner Heimatstadt. In Wendlingen hatte ich Geigenunterricht.

Futurismus: Augmented Reality

Auf der TED-Konferenz wurde ein Gerät vorgestellt, das vom ersten Eindruck her gleich das Gefühl vermittelt, dass Handys noch Kinderfasching sind.

Natürlich auch ein Beitrag zum Thema “Musiktheater der Zukunft”. Die Computerwelt ins 3D gebracht wird die Wahrnehmung von Informationen und auch von Gefühlen enorm verändern, und dass da sehr viel künstlerisch-ästhetisches Potenzial liegt, kann sich jeder halbwegs fantasiebegabte und non-nostalgische denken.

via

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AdSense @Kulturtechno

Wie nicht zu übersehen ist verschandeln verschönern seit Neuestem für ein paar Groschen Google-Werbeanzeigen meinen Blog.
Eigentlich würde ich gerne gleich immer noch die Werbeanzeigen kommentieren, da sie nicht selten schöne Ironien zu den gebloggten Themen bilden. Aber leider ändern sich die Dinger ja immer, darum kann ich erst mal nur ein paar Screenshots kommentieren:

Schöner Treppenwitz – ausgerechnet bei mir werben GEMA-Rechtler ;)

HERRLICH! Werbung für ästhetische Fotos unter dem Duchamp-Pissoir. Da hab’ ich doch genau die richtige Zielgruppe!

Hoffe dass noch mehr solcher Treffer folgen, dann wird das eine eigene Blog-Kategorie *g*

Frage mich gerade, ob ich das eigentlich darf, meine Werbung derart kommentieren. AGB von Google haben sich natürlich gewaschen, darf mich ja auch selber nicht anklicken. Darum Befehl an alle: Alle folgenden Anzeigen eine Stunde lang anklicken!

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Notwendigkeit von Massenmedien

In der NZZ:

Moderne Gesellschaften sind auf die Institutionen der Massenmedien zur Realisierung ihrer öffentlichen Kommunikation angewiesen. Medial vermittelte Kommunikation ist immer eine organisierte Form der Kommunikation – und das setzt Organisationen, Rollenträger und aufseiten des Publikums die Kenntnis ebendieser sozialen Strukturen voraus. Es bedarf also vor allem einer Organisation, und mehr noch: Es bedarf sogar spezifischer Organisationen für die gesellschaftlich anerkannte publizistische Leistungserbringung.

Es darf bezweifelt werden, dass das so sakrosankt ist. Die “moderne” Gesellschaft bedarf vielleicht der Massenmedien, aber es kann sich ja eine nachmoderne Gesellschaft ankünden, die sich ausdifferenziert und deren Kommunikation eben auch neue Technologien nutzrn kann.
Wenn dann sind die Massenmedien ökonomisch begründet: Die Leute wollen Qualität, und die kostet, und diese Kosten können nur an einem Massenmarkt amortisiert werden. Das akkumuliert dann doch große Leserzahlen auf wenige Portale wie Spiegel Online etc. Qualität ist aber nicht nur an nennenswerten monetären Aufwand gebunden, darum können “Memes” und YouTube-Ideen über die vernetzte 2.0-Sphäre andererseits massenwirksam werden, ohne dass aufwändige Zwischenhändlerschritte erforderlich wären.
Zuletzt: Der Mangel an journalistischer Qualität ist mitunter auch erfreulich, denn es liegt leider im Wesen der Bearbeitung, dass sie den Gegenstand ideologisch einfärbt, und zwar unkenntlicher als es der gemeine Mann / die gemeine Frau tut. Gut ist letztlich, wenn es Beides gibt: Bürgerjournalismus und professioneller.

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Ästhetik der großen Zahl 4

Von Unendlich

Die Popmusik kommt mit 12 Tönen und 4 Akkorden aus, während die Avantgardemusik längst gezeigt hat, dass es unendlich viele Töne, Dauern, Farben usw. gibt. Exemplifizierend liegt das im Stück “gegen unendlich” von Mathias Spahlinger vor, das gewissermaßen den Beweis für die Unendlichkeit von klanglicher Differenzierung erbringt.

Mit Beweisen ist es in der Kunst aber nicht getan, es geht um’s Machen, Wahrnehmen, um Erfahrungen, immer wieder neu.

Sammlung:

Mathias Spahlinger: gegen unendlich

Claus-Steffen Mahnkopf: W.A.S.T.E. mit über 100 verschiedenen Oboenmehrklängen

Christoph Schlingensief: 18 Hörspiele pro Sekunde

ps.: Als der Fagottist Robert Buschek mir erzählte, dass er 1000 verschiedene Mehrklänge spielen kann, habe ich ihn gleich dafür verpflichtet, dass ich ein Stück komponiere, in dem 1000 verschiedene Klänge in unter 10 Minuten gespielt werden.

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Tipp des Tages

Wir müssen die Chance als Krise begreifen!

Ästhetik der großen Zahl 3 – Michael Werner

Die großen Zahlen, umgesetzt in sinnliche Erfahrungen sind ästhetisch interessant; von der Motivation und Aussage hat es aber auch etwas sportives und kompetitives. Sehr witzig bringt das “Extremkünstler” Michael Werner auf den Punkt.

Das einfache und sehr einleuchtende Konzept:

Nicht schöpferisches Schaffen, sondern leistungsorientiertes Arbeiten entspricht unserem Gesellschaftszustand. Diese bittere Pille muss auch die zeitgenössische Kunst schlucken.
WERNER ist Gründer einer neuen Kunstrichtung, dem Superlativismus. Er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, berühmte Künstler, entsprechend dem Motto unserer Leistungsgesellschaft “höher, schneller, weiter”, zu übertreffen. Wir leben in einer Epoche, in der Rekorde im Pfahlsitzen und Dominosteinbauen breite Beachtung finden. Der heutige Künstler hat die Verpflichtung, das starke gesellschaftliche Verlangen nach Größtem und Längstem zu reflektieren.

Beispielsweise sein Werk “5 Urinals”:

Marcel DUCHAMP schuf 1917 sein berühmtes Werk “Brunnen”. Er stellte hierzu ein aus Sanitätsporzellan gefertigtes Urinoir provokant in Kunstmuseen aus. Sein Werk kann in der Galerie Schwarz in Mailand begutachtet werden.

Emiko KASAHARA mit “Double urinal” (1994) und Robert GOBER mit “3 urinals” (1988) übertrafen DUCHAMP. Inzwischen erklärte WERNER fünf Urinals zum Kunstwerk und setzt sich damit an die Spitze dieses Genres.

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Ästhetik der großen Zahl 2

Der Futurismus der Digitalen Revolution ist das Gefühl, dass sich auf technologische Weise noch fulminant viel ändern wird (viel mehr als es die Ideologien des 20. Jahrhunderts vermochten), und dass wir im Verhältnis zu dem, was da noch kommen wird, jetzt ungefähr in der Steinzeit leben. Gestern habe ich gezeigt, dass nicht nur die Prozessoren exponentiell schneller werden, sondern ähnlich auch in der Kunst die großen Zahlen hervorkommen. Vom Sampling weiß ich, dass John Oswald Anfang der 90er ein Stück mit 600 Samples komponiert hat; Clarence Barlow hat mir mal Experimente vorgeführt, bei denen er ein Sample mehrere hundert Male pro Sekunde abspielte. Für mich waren anfangs die Werke Iannis Xenakis’ ausschlaggebend, Massenprozesse im Orchester einzusetzen, wozu ich aber Fremdmaterial (tonale Akkorde) verwenden wollte, was ich dann (2006) rückgeführt habe auf die elektronische Musik mit meiner untitled performance #1, die immerhin schon 9000 Samples verwendet, und das Ensemble-Stück 3300 Klänge von 2007 schreibt gewissermaßen die 12-Tontechnik in anderen Dimensionen fort. Die GEMA-Problematik war von Anfang an klar, aber es hat zwei Jahre gebraucht bis zu dem Entschluss, das als Aktion durchzuführen, wozu das Gespräch beim “jour fixe” der Berliner Gesellschaft für Neue Musik beigetragen hat.

Sammlung:

Gustav Mahlers Riesensymphonien und das spätromantische Riesenorchester

Olivier Messiaen: 64 Dauern (aus Livre d’Orgue)

Andy Warhol: Thirty are better than one

Cornelia Sollfrank: NetArt-Generator (mit unendlich vielen möglichen Bildern, wie ich schon bloggte)

Noch zur Unterteilungsarbeit: 7 Äpfel teilt man in 3+4 Äpfel, und bei 7 solcher Gruppen wird auch da wieder unterschieden in 4+3 Gruppen à 3-4 Äpfel usw., und dank unseres Zahlensystems fassen wir wiederum Tausend (Kilo) etc. zusammen, wobei natürlich die Abstraktion überhand nimmt. Darum kann gerade hier die Kunst damit ansetzen, etwas wieder in ursprünglicher Gestalt wahrnehmbar zu machen, was sich hinter ein paar Ziffern verbirgt. Michael Marcovici hat in die Richtung einiges gemacht, zum Beispiel 1 Millarde Dollar skulptiert: