Skip to content
 

Tageslink: Eine Polemik gegen die Institutionen der Neuen Musik

In der Wiener Zeitung steht eine Polemik gegen die Neue Musik, die ich größtenteils unterschreiben kann; vor allem die mediale Situation (alte Instrumente) und die institutionellen Strukturen, die mit Kompositionen gefüttert werden wollen, sind mehr als bedenklich (siehe auch meine Texte Membranmanifest und Institutionen komponieren).

Wie kommt es, dass Musik, deren zentrales Merkmal laut Eigendefinition ihre Neuheit ist, sich zum allergrößten Teil mit Instrumenten und in Konzertsälen des 19. Jahrhunderts ereignet? [...] So zeichnet sich Neue Musik heute weniger durch besondere strukturelle Eigenschaften ihrer Werke aus, als vielmehr durch die Entschlossenheit, medientechnisch rückwärtskompatible Musik für bestehende Strukturen wie Konzert- und Opernhäuser, Orchester und Notenverlage zu sein. Um es ein wenig überhöht zu zeichnen, ist Neue Musik eine Bewegung, die sich zwar als streng revolutionär definiert, die sich aufgrund ihrer Glaubensgrundsätze und der Gegebenheiten des Betriebes aber darauf beschränken muss, ihre Revolutionäre bei den Sängerknaben zu rekrutieren, um ihre Schlachten in der Kapuzinergruft zu schlagen.

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/klassik/479587_Angegraute-Riten-der-Neutoener.html

Eine lange Version steht auf der Website des Autors, Volkmar Klien:
http://www.volkmarklien.com/text/VolkmarKlien_NeueMusikUndDieVerteidigung.pdf

Allerdings unangenehm ist mir mittlerweile die Verallgemeinerung. DIE “Neue Musik” gibt es nicht (mehr), es gibt unendlich viel an unendlich vielen realen und virtuellen Orten. Es wäre an der Zeit, statt der Verallgemeinerung konkret Namen zu nennen, denn nicht alle Institutionen sind gleich träge, gerade in der letzten Zeit passiert mancher Umbruch. Es soll auch nicht alles Alte abgeschafft werden, aber die Vielfalt, gekoppelt an Innovationsbereitschaft, in allen Bereichen umgesetzt werden. Denn es geht, das wird in dem Text auch deutlich, um öffentliche Gelder; hinter allen ästhetischen Diskussionen stehen Gelddiskussionen.

(via E-Mail)