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Neuer Konzeptualismus – Methoden 1b) geometrische Sonifikation

Sonifikation

Existierende Daten werden nach einer bestimmten Idee in Klänge umgesetzt. Die Umsetzung erzeugt einen Kommentar zu der Datenvorlage, von der Übertreibung bis zum Kontrapunkt. Die Sonifikation ist eine technische Umsetzung von Daten, anders als eine expressive Ausdeutung von etwas. Es lassen sich mehre Sonifikationsmethoden unterscheiden.

 

1 b) geometrische Sonifikation

Ein direktes Verfahren, bei dem grafische Vorlagen als Koordinatensystem betrachtet werden, dem die übliche Verteilung von Tonhöhe und Zeit auf y- und x-Achse entspricht. Xenakis hat darauf hingewiesen, dass die Notenschrift ein kartesianisches Koordinatensystem bildet – aber bereits vor Descartes entwickelt wurde.

In meiner „Charts Music“ habe ich Aktienkurse zum Höhepunkt der Finanzkrise 2009 als Melodien in eine Kinderkompositionssoftware eingespeist, wodurch ein Widerspruch entsteht zwischen Desasterdaten und Happysound. Das Konzept wird in vielen Varianten durchgeführt, aus diesen Varianten habe ich dann eine Form komponiert – ein Verfahren, das ich oft anwende, „zusammengesetzter Konzeptualismus“.

 

 

In meinen „Scanner Studies“ werden Buchstaben und andere Zeichen streng geometrisch gelesen, im Widerspruch zur normalen semantischen Erfassung beim Lesen. Wiederum ein zusammengesetztes Stück.

 

 

 

 

Ähnlich (aber unabhängig von mir) hat Alberto Bernal Komponistenportraits oder Protestschilder von Demonstrationen in Spanien sonifiziert (“NO-Studies“):

 

 

 

 

In meinen „Kinect Studies“ sind beispielsweise Alltagshandlungen zur Klangsteuerung umfunktioniert (bei 3’16″):

 

 

bei 3’10″:

 

Oder auch eine Erhängung, in dem Fall ist die x-Achse die Tonhöhenachse, wie auf der Klaviatur (2’50″):

 

In „Eine Art Verlust“ wird das Scannen von der Notationserkennungssoftware „Cappella Scan“ bewerkstelligt, Vorlage waren sämtliche Gedichte von Ingeborg Bachmann, mit Notenlinien versehen:

 


(Bei Stücken wie diesem ist natürlich völlig klar, dass das kein Mensch sich ganz anhört – ich habe es jedenfalls ist. Ist ja auch nur ein YouTube-Video, ich nenne so was eine “YouTube Installation”.)

 

Jens Brand hat gleich die ganze Erde als Satellitendaten genommen und die Berge und Täler als Schallrillen eines virtuellen Riesenplattenspielers sonifiziert:

http://www.g-turns.com/

 

In meinen „Irmat Studies“ (wieder eine zusammengesetzte Form) sind es Menschen auf der Straße (1’54″), die Linien eine Fingerkuppe (6’21″), ein Zahlenblock (13’53″) oder menschliche Gesichter (22’17″), die partiell sonifiziert werden: