Gisela Nauck hat für die Zeitschrift „Positionen“ ein Porträt über mich geschrieben.
Die aktuelle Ausgabe mit vielen interessanten Texten zur Gegenwartsmusik kann online bestellt werden – gedruckt oder als ePaper -, für 8€ .
Kreidler-Porträt @Positionen
Kreidler zu TTIP, Umfrage des Goethe-Instituts
Das Goethe-Institut hat verschiedene Künstler zu ihrer Meinung über das geplante Transatlantische Handelsabkommen TTIP befragt, u.a. mich. Ich denke, alle wissen Bescheid, und es dürfte sich auch herumgesprochen haben, dass die Sache reichlich bedenklich ist. Unzählige Initiativen schlagen Alarm; so auch das Goethe-Institut. Danke.
The ratification of the Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) and the anticipated consequences for the cultural sector cause headlines and controversies in Europe, especially among artists. In the United States, however, TTIP is hardly talked about. We asked German and US musicians and composers about their thoughts.
The German musicians and composers are concerned that the quantitative focus on market share, sales figures and financial value might outweigh quality and diversity if culture is treated as a commercial good within TTIP. This could lead to more power and business for big companies and production firms and threaten the current opportunities, market access and conditions. The United States are a big music market and the country of origin of a comprehensive musical repertoire that is in high demand internationally.
Neue Musik durch neue Medien?
Peter Lell hat seine Bachelorarbeit über die Digitalisierungsdebatte geschrieben, die seit einigen Jahren in der Neuen Musik geführt wird.
„Welch ein Text! Welch ein Knall! […]“ urteilt der Komponist Claus-Steffen Mahnkopf und fährt fort: „Hier prallen aufeinander Weltanschauungen, Lebenserfahrungen, Generationen, Materialvorstellungen, Werkbegriffe, Kunstdefinitionen. Artikuliert werden aber auch Missverständnisse und Fehlurteile […]. Diese Kontroverse um Musik, Computer und Internet möge die müde und dekadente Neue – Musik – Welt (so sie müde und dekadent ist) beleben.“ Auch Patrick Frank, ebenfalls Komponist, beginnt seinen Aufsatz mit Lobeshymnen: „Danke! Möchte man den Autoren zurufen. Endlich ein Diskurs, der offenkundig Emotionen hoch kochen lässt. Im ruhigen Fahrwasser der domestizierten Neuen Musik, deren Domestikation am Deutlichsten in der weitgehenden Absenz von Kontroversen sichtbar wird, ist dieser Diskurs belebend.“
Diese Reaktionen auf den Aufsatz „Digital Naives oder Digital Natives?“ des Komponisten Johannes Kreidler können die Motivation, welche zu diesem Thema als Bachelorarbeit geführt hat, treffend beschreiben. Der Aufsatz Kreidlers ist Teil des Diskurses über die Frage, wie sich das heutige Komponieren durch die Einführung der neuen Medien verändert. In den letzten fünf Jahren gab es wenige Diskussionen über zeitgenössische Musik, welche einen ähnlichen Eindruck hinterlassen haben.
https://peterlell.files.wordpress.com/2015/02/neue-musik-durch-neue-medien_peterlell.pdf
Am Ende der Arbeit steht ein Interview mit Claus-Steffen Mahnkopf, das leider vor Unverschämtheiten strotzt. Wenigstens zwei Behauptungen, die mich betreffen, muss ich daher an dieser Stelle leidigerweise berichtigen:
Mahnkopf:
Im Unterschied zur Kontroverse, die nun vier Jahre alt ist, sind wir heute, was die Digitalisierung betrifft, wirklich einen Schritt weiter. Wir haben die NSA und wir haben Snowden und wir wissen eben, dass das Internet nicht die reine Freude ist, wie die Internetfanatiker es uns immer haben glauben lassen wollen.
Tja, auch in dem Buch von vor fünf Jahren hat jemand bereits die Überwachungstendenzen angesprochen und kritisiert. Nur war das freilich nicht Mahnkopf – sondern ich, und zwar gleich drei mal. (Musik, Ästhetik, Digitalisierung – eine Kontroverse, S. 35, 55 und 86)
Und bezugnehmend auf meinen Text „Institutionen komponieren“ sagt Mahnkopf:
Warum schreibt Herr Kreidler dann für Donaueschingen? Er ist angekommen in den großen Institutionen und lässt sich feiern.
Man kann in dem Text lesen, dass ich überhaupt nicht pauschal gegen Institutionen bin, sondern konkrete Punkte problematisiere und am Ende klar sage, dass die meisten Institutionen der Neuen Musik unverzichtbar sind. Außerdem: Feiern lassen tu ich mich gar nicht, wie soll man sich das vorstellen? (Jedenfalls hatte ich ausgerechnet in Donaueschingen vor drei Jahren eine Aktion durchgeführt, aus der nachher das Gegenteil von Feiern resultiert ist. Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal…)
Can Music (Still) Be Critical?
Thom Andrewes hat einen Essay über die Frage geschrieben, ob Musik heute noch kritisch sein kann.
In the second part of the essay, I suggest an alternative approach, using work by Corey Dargel, Lars von Trier/Björk, and Johannes Kreidler, to construct a model which proposes the use of political music’s own immanent contradictions against itself, in a way that inoculates against some of the potential limitations of musical critique. I relate this model to a new theory of aesthetics proposed by Harry Lehmann, in connection to the current possibilities of a new ‘Gehalt-oriented aesthetic’, as a clear escape route from postmodernism and its threatened neutralisation of critique. I conclude with a few further critical thoughts on the limits of this new critical model.
https://thebitingpoint.wordpress.com/2015/02/03/can-music-still-be-critical/
Skizzsm
31.1.15
Neue Musik = Irgendwas mit Musik
Ein Orchesterstück, das nur aus 1 Glissando aller Streicher besteht. Schnell, langsam.
Neue Musik: Andere Saiten aufziehen.
Cellosaiten auf eine Geige ziehen.
Saiten in eine mechanische Schreibmaschine spannen. Texte schreiben.
Lautstärken und -schwächen
fffffffffpffffffffff
Skizzsm
29.1.15
Ein Trakl-Gedicht aufführen, indem sein Binärcode auf zwei beliebige Zustände angewendet wird.
Alle Nullen und Einsen im Computer addieren.
Den Instrumentalisten kitzeln, dadurch neue Rhythmen gewinnen, ohne Darstellungsdistanz.
Ein Sägeblatt als Partitur.
Lauter verschiedene Schlägel, in allen Permutationen hintereinander hängen und pendeln lassen.
Ein Laufband, auf dem sich lauter Schlaginstrumente befinden. Schlagzeuger stehen daneben und machen jeweils Aktionen. Chaplin.
Trommelfail
Jeden Takt einer Lachenmann-Partitur zu einem Akkord zusammenfassen.
Särge ausschütten.
Mikroskopmusik.
Zwei unterschiedliche Tastaturen aneinanderreiben, die dadurch entstehenden Rhythmen (Guero).
Skizzsm
27.1.15
Xenakis hat Versöhnungssex mit Nono. Mikrofoniert.
Mit dem Fuß Gitarre spielen. Und gleichzeitig mit der Hand den Fuß massieren.
Fußmassage, mikrofoniert.
Den Fuß mit Kopfhörern massieren.
Eine Armbanduhr um den Gitarrenhals schnallen.
Halsschmuck um den Gitarrenhals legen.
Verschiedene Fußabdrücke auf den Gitarrensaiten.
Staub als Präparationsmaterial.
Verdrehte Obertöne. Die Untertonreihe als Obertonreihe.
Die Satzmelodien ausschließlich von Fragesätzen hintereinander. Lauter Vordersätze.
Einen innigen Kuss mit zwei Gitarrensaiten nachspielen, sie reiben aneinander, müssen dafür gedehnt werden usw. Mikrofoniert.
Skizzsm
25.1.15
Geige in Waschmaschine
Spiele einen Ton ganz nah, aber unterschiedlich zu c“‘.
Etwas aufs Pauken- oder Trommelfell projizieren. Stadtplan, ein System von Pfeilen.
















