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Charts Music @Deutschlandfunk

Heute, 8.1. um 15.05h strahlt Deutschlandfunk die Sendung „Töne und Fakten – Der Forschungszweig Sonifikation zwischen Kunst und Alltagsnutzen“ von Torsten Möller aus. Darin komme auch ich zu Wort und mein Stück „Charts Music“ wird besprochen.

Es sind hübsche Melodien, die der Komponist Johannes Kreidler dem Ohr bietet. Weniger hübsch sind die Informationen, die dahinter stecken: Börsenkurse zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise sind in den Tonhöhen-Verläufen zu hören oder auch die Anzahl toter Soldaten im Irak-Krieg.

Kreidlers „Charts Music“ ist nur eine mögliche Form der Sonifikation, der Umwandlung von Daten in Klänge. Fernab der Musik- und Klangkunstsphäre informiert das Ticken des Geigerzählers über radioaktive Gefährdung. Und der Handwerker ist längst auf die Idee gekommen, Hohlräume durch Wandklopfen zu erkunden. Am Bielefelder Forschungsinstitut CITEC arbeiten Wissenschaftler verschiedener Disziplinen an akustischen Darstellungen von Gehirnströmen, an einem tönenden Stuhl zur Vorbeugung von Haltungsschäden oder auch an wortlosen „Wettervorhörsagen“. Man ist sich nicht nur in Bielefeld darüber im Klaren, dass Musik, Klänge oder Geräusche Wort und Schrift nicht ablösen werden. Aber auch darüber, dass viele Möglichkeiten und Perspektiven des Hörens brachliegen.

Livestrom:
http://www.dradio.de/streaming/dlf.m3u

Radiosendung über Schöpfungsprozesse online

Jemand hat die Radiosendung „Träumen, rechnen, konstruieren, würfeln – Von Schöpfungsprozessen und kreativen Strategien“ von Martina Seeber, ausgestrahlt am 14.11.2011 auf SWR 2 (Kulturtechno berichtete), online gestellt. Es sprechen darin uA Sofia Gubaidulina, Enno Poppe, Robert Ashley, Mark Andre und Kreidler.

SWR2 JetztMusik Träumen, rechnen, konstruieren, würfeln

Von Schöpfungsprozessen und kreativen Strategien

Sendung am Montag, 14.11.2011, 23.03 bis 0.00 Uhr

Von Martina Seeber

Ein Klang, schillernd in sämtlichen Farben und Tönen, so beschreibt Sofia Gubaidulina die kurz aufblitzenden akustisch-visuellen Initialzündungen ihrer Kompositionen. Der Rest sei harte Arbeit, kein Spaß. Giacinto Scelsi meditierte und improvisierte, während John Cage würfelte, um sich allzu persönlichen Entscheidungen zu entziehen. Kreative Prozesse lassen sich in der zeitgenössischen Musik auf keinen gemeinsamen Nenner bringen. Manche Methoden haben mehr mit experimenteller Physik, Malerei oder Kochkunst zu tun als mit der Ausarbeitung akustischer Einfälle. Komponieren ist eine Kulturtechnik und damit dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen. Darin liegt der Hauptgrund, weshalb die Hirnforschung der Entstehung von Musik bis heute nicht auf die Schliche gekommen ist. Die höchst individuellen Strategien und Schöpfungsprozesse verraten dafür umso mehr über die Künstler und ihre Zeit. Es gibt nicht eine, sondern tausende von Antworten auf die Frage: Wie kommt die Musik in die Welt?

Laptop als Instrument – jetzt vollständig online

Die Radiodiskussion „Laptop als Instrument?“ (Kulturtechno berichtete) steht nun auch vollständig online, danke Dir, Mathias!

Kreidleragenda 2012 (so far)

Bevor am 21.12.2012 die Welt untergeht, gibt’s noch bissel was zu tun. Herausheben möchte ich die Uraufführung eines neuen Werks für Ensemble, Audio- und Videozuspielung bei den Donaueschinger Musiktagen, die Uraufführung eines neuen Werks für Ensemble und Elektronik bei den Darmstädter Ferienkursen, beide gespielt vom Nadar Ensemble, ein Porträtkonzert beim Spor-Festival Aarhus gespielt vom Ensemble Scenatet, ein Doppelporträtkonzert NA Huber / Kreidler beim Borealis Festival Bergen gespielt vom Ensemble Plus Minus, Aufführungen von Fremdarbeit bei der International Computer Music Conference in Ljubljana und bei den ISCM World New Music Days in Ghent sowie mein im Sommer erscheinendes Buch „Musik mit Musik“ im Wolke Verlag.

31.10.2012
Fremdarbeit
ISCM World New Music Days, Nadar Ensemble / Gent, Belgien

10.2012
Neues Werk
Uraufführung / Nadar Ensemble, Donaueschinger Musiktage

9.9.2012
Fremdarbeit
ICMC (International Computer Music Conference) / Ljubljana, Slowenien

7.2012
Studie für Klavier, Audio- und Videozuspielung
Rei Nakamura, Klv / Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik

7.2012
Neues Werk
Uraufführung / Nadar Ensemble, Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik

6.2012
Virtuelle Diskussion junger Komponisten
Sendung von Bernd Künzig / SWR2

6.2012
Porträtsendung
von Bernd Künzig / SWR2

5.2012
Musik mit Musik. Texte 2005-2011
Buchveröffentlichung / Wolke-Verlag

13.5.-9.9.2012
Charts Music
A House Full of Music – Strategien in Musik und Kunst 1912-2012 (Screening) / Ausstellung im Institut Mathildenhöhe Darmstadt

10.5.2012
Porträtkonzert & Screening
SPOR-Festival Aarhus / Dänemark

28.4.2012
Studie für Klavier, Audio- und Videozuspielung
Rei Nakamura, Klv / Leeds University

27.4.2012
Musik als Material
Tagung / Universität Witten. Mit einem Beitrag von Johannes Kreidler

4.2012
Stil 1d
Uraufführung / Carola Schaal, Bassklarinette; Leopold Hurt, Zither. Hamburg

16.3.2012
Money, Charts Music (instrumental version), untitled performance #3 (plus-minus Version), slot machines
Uraufführung / Doppelporträtkonzert mit Nicolaus A. Huber, ensemble plus-minus, Borealis Bergen / Norwegen

27.+28.2. / 10.3.2012
sampling workshop
Handelsbeurs / Belgien

24.2.2012
untitled performance #3 (Ning Version)
Uraufführung; Ning Ensemble, Ny Musikk Oslo / Norwegen

Musik-Konzepte 155 „Mathias Spahlinger“
mit dem Aufsatz „Mathias Spahlingers Zumutungen“ von Johannes Kreidler / erscheint im Januar 2012

8.1.2012
Charts Music
In der Sendung „Töne und Fakten – Der Forschungszweig Sonifikation zwischen Kunst und Alltagsnutzen“ von Torsten Möller / Deutschlandfunk, 15:05h

Darmstädter Beiträge zur Neuen Musik
mit dem Aufsatz „COIT“ von Johannes Kreidler / erscheint 2012

Musiktheorien heute 4
mit dem Aufsatz „Sinnhubermanifest“ von Johannes Kreidler / erscheint 2012

New Music and Aesthetics in the 21st Century, vol. 6
mit dem Aufsatz „Die Stilmelodie“ von Johannes Kreidler / erscheint 2012

25 Most Surprising Rock Formations From Around The World

Bin seit gestern im Urlaub, somit wünsche ich allen Kulturtechno-LeserInnen einen guten Rutsch! Natürlich ist die Pipeline weiterhin gefüllt mit täglichem Kulturtechno-Stuff. Kommentare kann ich allerdings erst wieder nach dem Urlaub beantworten, und die Posts werden wahrscheinlich meist nicht auf Facebook und Twitter erscheinen.

Ko Tapu Island, Thailand

 

Stone Forest National Park, Yunnan, China

 

Mushroom and Chicken Rocks, White Desert, Egypt
 

Mono Lake, California
 

Devil’s Marbles, Australia
 

Cappadocia, Turkey

 

Rock Formation, Namibia

 

(via BuzzFeed)

Johannes Kreidler: Zwei konzeptuelle Stücke (2011)

Wie letztes Jahr fasse ich auch dieses Jahr (somit ist’s ab jetzt Tradition) kleinere konzeptuelle Arbeiten zusammen; letztes Jahr waren’s vier, dieses Jahr sind’s zwei.

 

#1 John Cage, 4’33” divided by 16

Ich wollte auch noch eine Splitscreenfassung von La Monte Young’s „To be held for a long time“ erstellen, bin aber nicht mehr dazugekommen; wird nachgereicht.

 

#2 Klaviermusik von Beethoven, taktweise komprimiert

Für Elise

Klaviersonate C-Dur Op.53 “Waldsteinsonate”, dritter Satz

Hier gibt’s noch die Mondscheinsonate und die Sonate Op.10,1.

Verleser, Versprecher, Vertipper & Verhörer 2011

Aus der Facebookserie auch dieses Jahr wieder fürs Blog ein paar eingesammelt:

 

Verleser: „Überragende Rede von Harald Schmidt auf dem SPD-Parteitag.“

Verleser: „Stockhausen“ statt „Steakhäuser“ und „Hautbürste“ statt „Hautbois“.

Verhörer: „tamponisiert“ (statt „tabuisiert“)

Verleser: „Todesliste“ statt „Todoliste“

Verleser: „Deutscher Musikrat veröffentlicht Dokumentation des Kirchenmusik-Prozesses“ (statt „-Kongresses“)

Verleser: „Beischlafwagen“ statt „Bereitschaftswagen“

Verleser: Zehntausende feiern Abschuss-Messe mit Benedikt XVI. (statt „Abschluss-Messe“)

Verleser: „…die von Sandalen gebeutelte Regierung Sarkozy“ (statt „Skandalen“)

Bei dem Wort „subtitles“ lese ich immer zuerst „subtil“.

Verleser: „ROFL“ statt „PROFIL“

mistyping: „pitch shit“ instead of „pitch shift“

Verleser: „…muss zu Kompositionsvorwürfen Stellung nehmen“ (statt „Korruptionsvorwürfen“)

misreading: „catholic tube“ instead of „cathodic tube“

Verleser: „Tweet wird gesegnet“ (statt „Tweet wird gesendet“)

(mal wieder) verlesen: „Wehrmacht“ statt „Weihnacht“

Verleser: „Stundenlang sendeten ARD und ZDF heute Idiotisches“ (statt „Identisches“) – am Tag der britischen Prinzenhochzeit.

Verleser: „Frauenmelder“ statt „Feuermelder“

Vertipper: „Fortschrott“

chronischer Verleser: „ungern“ statt „Ungarn“

Verleser: „traurig“ statt „trauring“

Verhörer: „Tupperkapitslismus“ statt „Turbokapitalusmus“

Verleser: „fake well“ statt „fare well“

Verleser: „Kanonenfutter“ statt „Kaninchenfutter“

Verleser: „frisch gestresster Orangensaft“

Versprecher: „Steuerbrater“

Verleser: „negativ“ statt „nie aktiv“

Verhörer: „Ableckungsmanöver“

Verleser: „entnazifizieren“ statt „identifizieren“

Verleser: „Gendermarkt“ statt „Gendarmenmarkt“

Vertipper: „Frankfurz“

Verhörer: „bumstätig“ statt „berufstätig“

Verleser: „Furzschluss“ statt „Kurzschluss“

Verleser: „sägt“ statt „sagt“

Verleser: „Geschlechtsunterricht“ statt „Geschichtsunterricht“

Versprecher (von Leo): „Süßamerika“

Strg+Alt+Entf – Der Computer und die Avantgarde Über die kontroverse Rolle der Digitalisierung in der Neuen Musik

Der Text von Björn Gottstein über die Computerkontroverse (Kulturtechno berichtete) steht nun vollständig und frei online.


http://frieze-magazin.de/archiv/kolumnen/strgaltentf-der-computer-und-die-avantgarde/

Jenseits von Engagement und Agitprop. Tendenzen der Politisierung in der jüngsten Musik.

Jemand hat das Radiofeature von Florian Neuner, das am 27.9.2011 auf DeutschlandRadio Kultur ausgestrahlt wurde, online gestellt. Es kommen uA zu Wort: Mathias Spahlinger, Martin Schüttler, Maximilian Marcoll, Gerhard Stäbler und meiner einer.

Stil 1c

Die Aufnahme der Uraufführung vom 7.10.2011, Akademie der Künste, Kammerensemble Neue Musik Berlin.

“Stil 1” ist ein Baukastensystem und kann mit verschiedenen Instrumentationen realisiert werden (bislang in den Realisationen 1a für Zither, Cello und Zuspielung, 1b für piccolo Flöte, Akkordeon, Bassklarinette und Zuspielung, 1c für piccolo Flöte, Vibraphon, Baritonsaxofon und Zuspielung sowie 1d für Zither, Bassklarinette und Zuspielung). Das Grundkonzept ist, große Zahlen von Varianten abfolgen zu lassen, seien es musikalische Stile, Transpositionen, Sprechmelodien oder unlimitierte Oktavierungen. Als Medien dienen dafür vor allem Samples aus den Massenmedien; ich nenne diesen Ansatz „Musik mit Musik“.

Stil 1 ist außerdem eine Übung in Minimalismus.

 

Derzeit schreibe ich an dem Text Die Stilmelodie für den Band New Music and Aesthetics in the 21st Century, vol. 6. Darin komme ich auch auf Stil 1c zu sprechen:

In Stil 1 für variable Besetzung erklingen in konsequenter Reihung bis zu 100 verschiedene Stile hintereinander; zum Beispiel beginnt Stil 1 Version für piccolo Flöte, Vibraphon, Baritonsaxofon und Zuspielung mit diesem Takt,

der dann 30 mal leise und 55 mal sehr laut wiederholt wird, jedesmal in einem anderen Stilarrangement:

Die Musiker spielen immer zu Taktbeginn einen Akzent, wie der Mausklick, der die Dateien startet.

In Anlehnung an Schönbergs Klangfarbenmelodie nenne ich dies also eine „Stilmelodie“. Der Melodie-Begriff ist hier, nach Schönberg, abstrahiert zu verstehen; gemeint ist der Wechsel an musikalischen Qualitäten in einem definierten Medium – ursprünglich im Medium der Tonleiter, hier nun im Medium der stilistischen Palette von Band in a Box.