Zur Form der Theorie-Einträge: Der Blog erfordert Kürze, was gut ist. Vielleicht gibt’s manchmal auch einfach nur Stichworte. Ein Thema werde ich sicher mehrmals beackern; dass ich Einträge revidiere kommt eh dauernd vor, denn Blogtext ist erst mal stream-of-consciousness. Gerade habe ich z.B. einen Eintrag vom 10.10. bearbeitet, weil der ganze Blog ja nicht nur tagesaktuell sein, sondern Bausteine zur Musik-,Medien-, Gott- und Welttheorie darstellen soll, die zu meiner Arbeit als Komponist und Musiktheoretiker gehört. Allzu geschliffene Formulierungen braucht man hier nicht zu erwarten, Blog ist salopp; für die Printpublikation wird dann alles verfeinert. Ich weiß selbst noch nicht, wie das so aussehen und sich lesen wird.
Theoriebildung
In der nächsten Zeit soll Kulturtechno neben den gewohnten Schlaglichtern auch verstärkt der Ort für Theoriebildung sein. Das betrifft die eigene Arbeit wie allgemeine Reflexionen zur Musik der Gegenwart, auch mit Exkursen in die Vergangenheit. Das alles ist Vorarbeit zur geplanten Essaysammlung „Einträge“, die eben die Kompilation von Blogeinträgen zur Musiktheorie sein soll und in Print voraussichtl. 2011 erscheinen wird.
Demnächst dazu der erste Eintrag, Thema: Theorie der Provokation.
Futurismus 2 / Musiktheater der Zukunft 3
In dem vorgestern verlinkten Vortrag kommt ein kurzer Aussschnitt vor, der einen Roboterhund zeigt. Damit nicht der Eindruck entsteht, ich sei zu technologieaffirmativ, hier das ganze Video:
Ich finde es ziemlich beängstigend, denn man assoziiert doch gleich düstere Zukunftsthriller wie Matrix und Minority Report. Ich glaube weniger, dass die Dinger intelligent werden, als dass die Gefahr eben ist, dass sie nicht intelligent sind und algorithmisch auf alles schießen, was sich bewegt.
Wie dem auch sei, Roboter gehören natürlich zum Musiktheater der Zukunft. Sie sind das theatralische Pendant zur Elektronischen Musik. Genoel Rühle hat in die Richtung schon einiges gearbeitet.
Das dritte Auge
Soeben mache ich die neue Blogrubrik „Futurismus“ auf, denn Vorträge wie der folgende über künstliche Augen die noch viel mehr Lichtfrequenzen sehen können usw. begeistern mich.
A propos sind die Gazetten heuer natürlich gefüllt mit Artikeln zu 100 Jahre Futurisme. Besonders erwähnenswert der große Telepolis-Artikel, der mir nur in den Details übertrieben erscheint (Marinetti wurde im Ersten Weltkrieg nicht schwer verletzt) und ein bisschen zu oft toll findet, wie nicht-langweilig die heroischen Futuristenjahre waren. Insgesamt aber sehr lesenswert. Und bei Heise erfährt man endlich auch mal, wie es Marinetti mir nichts dir nichts auf die Titelseite des Figaro geschafft hat.
Dann gibt es da noch ein „Akustisches Manifest„, das antifuturistisch den Verkehrslärm geißelt und ein menschenfreundliches Stadtbild äh einen menschenfreundlichen Stadtklang fordert. Ist ja nicht so verkehrt, aber allein in Punkto artistischer Kühnheit ist es als Antwort auf das futuristische Manifest recht erbärmlich.
Alle wissen, wo der Futurismus Marinettis endete, und ob Augen die noch mehr Lichtfrequenzen sehen können wirklich dem Allgemeinwohl dienen werden, ist nicht gewiss. Also Augen auf!
World of Warcraft real
Wunderbare Arbeit von Aram Bartholl: Man trägt im wirklichen Leben seinen Namen gut sichtbar mit sich rum, dem Computerspiel World of Warcraft nachgebildet. Das Wesen kann man aus dem Namen lesen! (Goethe, Faust)
Kein Kino über Politik! (Update)
Ein bemerkenswerter Artikel zum Abschluss der Berlinale in der FAZ, bei dem es am Schluss heißt:
Allerdings sollte man sich dann in Erinnerung rufen, dass Menschen, wenn die Lage draußen ernst wird – jedenfalls war das bei allen bisherigen weltweiten Erschütterungen so – im Kino Eskapismus suchen. Das wissen die Produzenten natürlich auch. Also können wir erwarten, dass in den nächsten Jahren das politische Kino, das sich über seine Inhalte definiert, vielleicht ein wenig in den Hintergrund tritt. Und Platz macht für ein Kino der visuellen Abenteuer, der verwegenen Wendungen, sinnlichen Überraschungen und Entdeckungen. Das jedenfalls hoffen wir. Und vertrauen darauf, dass die Berlinale dann erkennt, dass auch in solchen Filmen etwas Politisches liegt, und zwar in einer Weise, wie nur das Kino es hervorbringen kann. Wir brauchen also das politische Kino. Aber nicht unbedingt Filme über Politik.
Ein filmsprachliches „Esperanto“, das man auf jederlei Inhalt anwenden kann, fordert in der Tat zum Widerspruch. Bestes Beispiel: Steven Spielbergs Stil nutzt für „Jurassic Park“ ebenso wie für „Schindlers Liste“. Und in der Musik habe ich immer mehr den Eindruck, dass die Komponisten abertausende Melodien in C-Dur schreiben und ihre Fantasie darin auspressen, statt die Fantasie einmal auf die Frage anzuwenden, was es statt C-Dur geben könnte.
Dazu passt auch die Urheberrechts-Gräuelpropaganda, die immer behauptet: Ohne Urheberrecht können Neonazis und Kinderschänder eure Musik für ihre Inhalte mißbrauchen! Klar, wer ein musikalisches Esperanto produziert, wird mißbrauchbar. Darum darf sich ein Komponist, dessen Musik von Neonazis gebraucht wird, getrost selber fragen, was für eine Allerweltsästhetik er da produziert hat, die sich von Neonazis vor den Karren spannen lässt.
Ich bin dafür, dass die Kunst selbst mißbraucht, was dafür eignet. Songsmith.
Charts Music @ Theaterkapelle
In der rappelvollen Theaterkapelle in Berlin-Friedrichshain lief das Stück heute zur Einstimmung auf die Vorstellung des Finanzkrisenbuchs „Wahnsinn mit Methode“ [Bericht von dem Abend in „Der Freitag“]. Außerdem war Neela Richter vom RBB Inforadio da, die Material für einen Bericht aufgenommen hat, Sendung nächste Woche Donnerstag.
Gedanke in der U-Bahn: Darf man Koranverse bei Songsmith ver-songen? Und wenn das ein Sakrileg ist, ist dann der Anwender oder Microsoft dran? (Bei den ganzen aktuellen Urheberrechts-Diskussionen wird ja immer nur auf den Fall abgehoben, dass Güter statt gekauft kopiert werden; aber das Urheberrecht soll ja auch davor schützen, dass Inhalte überhaupt in andere Kontexte kommen, die der Urheber nicht intendierte. ‚Heilige‘ Texte wären der Extremfall davon.)
Shitlist
Reihungen interessieren mich schon lange, großen Zahlen interessieren mich schon lange, fremdes Material zu nehmen interessiert mich schon lange. Folglich interessiert mich der ästhetische Effekt von Folgendem:
(Und Provokation interessiert mich ja auch, aber davon kann man hier eigentlich nicht mehr sprechen, oder?)
(via)
Maschinen in den Knast!
Arno macht mich auf einen interessanten Vorstoß des Philosophen Andreas Matthias aufmerksam: Er sieht eine Lex Machina aufkommen und plädiert für sie. Zu deutsch:
Roboter werden immer intelligenter und können lernen wie Menschen oder Tiere. Der Philosoph Andreas Matthias fordert deshalb eine Art Strafrecht für Maschinen: Sie sollten für angerichtete Schäden geradestehen.
(Spiegel Online)
Nun, das geht in die Richtung, in der ich mit Call Wolfgang provozierte: Ein automatisch generiertes Terroristengespräch.
Siehe auch ein aktueller Artikel auf Telepolis zu ballernden Robotern.

