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Johannes Kreidler: Studie für Klavier, Audio- und Videozuspielung

Habe jetzt ein Video von meiner „Studie für Klavier, Audio- und Videozuspielung“ erstellt, die letzten November im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) Karlsruhe beim Festival „Immatronics“ von Rei Nakamura uraufgeführt wurde. Klangregie führte Sebastian Schottke, den Audiomix machte Anton Kossjanenko. Noten gibt es hier.

Erased Erased de Kooning

‘Deleted Rauschenberg’ (2011), ein schönes digitales Re-Enactment des berühmten Erased De Kooning-Bildes, von Adam Cruces.

(via pietmondriaan)

Umkehrlast

(via hgn)

Komponieren heute

 

Ich habe längst aufgehört, alleine zu komponieren.

Meine Ansprüche an das Kunstwerk sind derart gestiegen, und die Welt heute ist so komplex, dass  ich auf einige Hilfe angewiesen bin. Man sollte sich ja keiner technischen und menschlichen Hilfsmittel enthalten, denn sonste würde das ja nur bedeuten, sich künstliche Probleme zu schaffen. So wie ich ein Instrumentalensemble zur Aufführung brauche, nehme ich eben eine Legion an Arbeitskräften für die Komposition in Dienst.

 

1. Marktforschung. Mein Recherche-Team besucht Festivals, hört Radiosendungen, außerdem Kunstausstellungen und Theaterpremieren, aber vor allem durchforstet es das ganze Internet, also Podcasts und Musikblogs weltweit, nach neuesten Trends und Techniken, sprich: nach dem Zeitgeist. Des weiteren werden Facebook-Umfragen durchgeführt, Ideen an Probanden getestet, Hochleistungscomputer ermitteln mit Algorithmen statistische Trends und evaluieren Ästhetiken.

Es geht hierbei nicht darum, die Formel für das „perfekte“ Stück zu ermitteln, sondern schlichtweg um Weltaneignung.

2. Ein Kreativteam entwickelt Ideen – Originalität ist Pflicht!; alle möglichen Kreativitätstechniken (Brainwriting, Edison-Prinzip, Kopfstandtechnik, Mind Mapping, Galeriemethode, KJ-Methode, Bisoziation, Zufallstechniken, Tilmag-Methode usw.) kommen zum Einsatz. Ein eigenes Büro ist allein für Titelfindung und Programmtext zuständig.

3. Ein Team an Soft- und Hardwareentwicklern bleibt auf dem aktuellen Stand der Audio-Technik, besorgt Lizenzen von Fremdtechnologie (vielleicht betreiben sie auch Industriespionage, ich überlasse das ihnen) und entwickelt selber Software und Geräte.

4. Die Ausarbeitungsfirma schreibt die Partitur und erstellt die Elektronik. Den Großteil übernimmt hierbei maschinelle Intelligenz. Längst wäre all das nur von Menschenhand und -hirn nicht mehr umsetzbar.

5. Die „Special-Effects“-Abteilung optimiert die ganze Partitur und löst klanglich schwere Aufgaben.

6. Ich bin bei all dem der Chef, der das Ganze koordiniert, am Ende die Verantwortung übernimmt und die „Marke“ bildet. Machen wir uns nichts vor: Die Kunstproduktion ist diktatorisch. Es gibt „Schwarmintelligenz“, aber keinen Kunstkommunismus. In der Kunst braucht es viele Hände und Hirne, jedoch einen Mastermind, der alles zusammenhält, der den Produktionsgeist wach hält, der bezahlt und der überhaupt die richtigen Leute findet und versammelt.

 

Ich beschreibe dies, weil es darum geht, möglichst bewusst zu praktizieren, was subkutan als Prinzip ohnehin immer mehr waltet. Das alles soll ins Werk gesetzt werden. Sowieso ist solche Arbeitsteilung in der Bildenden Kunst Jahrhunderte alt (Rembrandts Atelier war bereits eine Fabrik).

Es geht überhaupt nicht darum, Geld zu erwirtschaften – das ist in der Neuen Musik ja fast nicht möglich. Tatsächlich sind die Produktionskosten ungleich höher als die Einnahmen aus dem Kunstwerk. Fundraising gehört darum gleich an den Beginn des Produktionsplans.

Es geht darum, ein hypermodernes Kunstwerk zu schaffen.

 

Gelegentlich arbeite ich übrigens auch bei anderen Komponisten im Team, ohne Namensnennung.

Bewerbungsmappe verdorben

Ach, warum macht die Neue Musik nicht viel mehr Quatsch?

(via Kotzendes Einhorn)

Swimming Pools auf Google Earth

Jenny Odell sammelt Motive auf Google Earth, zB alle Basketballplätze von Manhatten oder leere Parkplätze. Erinnert an einen Klassiker der Moderne, die Wassertürme von Bernd und Hilla Becher.

(via it’s nice that)

Und wo wir bei Draufsicht sind:

(via Nercore)

Alte Medien: CDs

Audioaufnahmen von vor über 125 Jahren

Voices recorded by inventor Alexander Graham Bell more than 125 years ago are being heard now, thanks to digital imaging technology.

„It’s not high fidelity, but you can definitely figure out what they’re saying,“ said Carl Haber of Lawrence Berkeley National Laboratory, one of the scientists working on the project in a laboratory at the Library of Congress.

The early audio recordings were made during an intensely competitive time, when scientists were racing to improve on Thomas Edison’s phonograph, which was invented in 1877.

(via the verge)

Worüber kann man sich in der Neuen Musik noch streiten? Über Geld.(#2)

Kürzlich hatte ich hier einen Text mit der gleichen Überschrift, ihn dann aber nach einem Tag wieder vom Netz genommen. Es tut mir leid und kommt hoffentlich nicht wieder vor, aber ich hatte den Eindruck, der Text ist mißverständlich. Darum habe ich ihn teilweise noch mal anders formuliert, jetzt bleibt er aber:

Worüber kann man sich in der Neuen Musik noch streiten? Über Geld.

Mit dem Wechsel der Leitung bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik 2010 wurde ein neues System installiert, der sogenannte Open Space: Räumlichkeiten stehen nahezu unbegrenzt allen zur Verfügung, jeder kann seine Lecture, seine Präsentation, seine Probe oder was auch immer halten im Rahmen des medial Möglichen. Damit ist es offiziell: Nie wieder wird es die „großen“ Diskussionen in Darmstadt geben, denn die Teilnehmer verstreuen sich in alle Windrichtungen. Statt der alljährlichen Diskussion über den ‚Materialstand’ sucht jeder den Raum auf, der ihn am meisten interessiert.

„Wenn das für Sie keine Musik ist, dann nennen Sie es eben anders.“ (John Cage). Dem wäre noch hinzuzufügen: Wenn das für sie keine Neue Musik ist, dann nennen Sie es eben anders.

Jeder kann heute in der Kunst machen, was er will, solange er sich an die Gesetze des Landes und an die Allgemeinen Menschenrechte hält; so hat es den Anschein, und das klingt völlig vernünftig. Zwar habe ich meinen persönlichen Geschmack und finde vieles schlecht, aber mir steht ja gottseidank nicht zu, für andere darüber zu bestimmen. Freilich soll es auch die Musik geben, die ich nicht mag – es lebe die Vielfalt!

Nur lässt sich dann eigentlich gar nicht mehr debattieren. Mit dem simplen Satz „Ok, du machst einfach deins und ich mach meins“ ist jede ästhetische Diskussion im Keim erstickt, oder mit einem beherzten „Lass ihn doch!“. Wer heute noch für „die Neue Musik“ etwas fordert, wünscht oder verwünscht, macht sich eigentlich lächerlich – denn jeder Komponist kann und soll doch machen, was er will, es wird sich schon jemand finden, dem’s gefällt, und letztlich wird die Geschichte entscheiden. Auch in der Digitalisierungsdebatte zwischen Mahnkopf und mir hat sich bald abgezeichnet, dass man einander überhaupt nichts anhaben kann, jeder mache eben seins. Exemplarisch kommentierte Reinhard Oehlschlägel in den MusikTexten (Hervorhebung von mir):

Jeder Komponist hat die Freiheit „Digitale Revolution“ oder irgendetwas sonst qua artifizieller Setzung für seine kompositorische Arbeit allgemein oder für eine bestimme Komposition zu seinem kompositionsästhetischen Fokus zu machen. Hätte Kreidler das im Sinn, hätte er diesen Zusammenhang als an seine Person geknüpfte Kompositionsästhetik dargestellt, die den nächsten Komponisten gerade nicht betreffen muss.

Jeder hat die Freiheit, und verbindlich ist gar nichts!
Es lief in dem Buch bei den Texten zwischen Mahnkopf und mir dann auch darauf hinaus, dass jeder sich selbst darstellte und hoffte, der Leser findet dann einen besser als den anderen. Lauter subjektive Meinungen also, aber keine harten Kriterien, anhand derer man sich wirklich auseinandersetzen kann, keine Diskussion darum, ob das nun Musik sei, ob das fortschrittlich sei, ob das pädagogisch wertvoll sei, ob das zeitgeistig relevant sei, was auch immer für Werte man da anbringen mag – es darf und soll in der Kunst einfach alles geben, Pluralismus ist das einzige Gebot der postmodernen Stunde. Das ist eigentlich auch keine ganz neue Erkenntnis mehr.

Nun wird aber doch noch diskutiert, in Kneipen und Blogs. Und was gibt es für Argumente jenseits des persönlichen Geschmacks?

– Pädagogisch nicht wertvoll genug

-> aber wie lässt sich das bemessen? Und muss Kunst überhaupt der Erziehung dienen? Erziehung zu was? Zu Kommunisten?

– das ist keine Kunst

-> aber wie lässt sich das bemessen? Und ist nicht gerade das die stets neue Herausforderung an die Kunst, den Kunstbegriff zu provozieren?

– nicht fortschrittlich

-> aber wie lässt sich das bemessen? Kompositionstechniken? Aber woran lässt sich das festmachen? Gibt es etwa irgendwo ein Klischee-Verzeichnis, mit dem abgeglichen wird? Wer verwaltet dieses Verzeichnis? Ansonsten: Fortschrittlichkeit könnte vielleicht an technischen Geräten festgemacht werden. Ich neige tatsächlich zu dieser Argumentation. Aber natürlich kommen hier die Konter a) das sei eine oberflächlich-materialistische Argumentation b) Wo sei denn vorn? Des weiteren trüge Fortschritt natürlich die Dialektik der Aufklärung in sich, der Fortschritt impliziere doch auch wieder Rückschritt. Und außerdem: Kunst dürfe alles! Wer will darf auch Fugen schreiben.

– nicht relevant

-> aber wie lässt sich das bemessen? Relevant für wen??

– irgend eine Art von Musik, eine Stilistik oder Thematik, kommt zu kurz

->jetzt kommen wir der Sache schon näher…

– zu teuer

-> das lässt sich bemessen! Es gibt Einkommensstandards, es gibt zu verteilende Geldtöpfe, ohne Geld geht fast nichts und da hört bekanntlich die Freundschaft auf.

->> Hinter all den ästhetischen Debatten steht ein anderes, ganz einfaches, nur meist unausgesprochenes, letztes hartes Kriterium: Geld.

Warum fordert Moritz mehr zugängliche, mehr lebensnahe Kunst, wenn ihm selber doch niemand vorschreibt, was er zu komponieren hat, er sich also tonnenweise lebensnahe Musik schreiben kann? Wieso stimmt Oehlschlägels Aussage, dass jeder Komponist die Freiheit zu irgendwelcher Setzung hat, nicht? – die Sache kostet Geld, viel Geld. Geld, das die Musik nicht selber erwirtschaften kann, das aus anderen Quellen zufließen muss. Darum erst kommen die ganzen Relevanz-Debatten auf. Welche Musik ist die Subventionsgeld-Verbratung wert? Niemals gibt es genug Geld, um den möglichen Pluralismus vollständig abzubilden, auch wenn Festivals so tun als ob. In dieser Welt kann nicht jeder Komponist komponieren, was er will, sofern er nicht mit der Schublade oder mit rein elektronischer Musik Vorlieb nehmen will, und mit dem Urteil der Geschichte. Es gibt in der Postmoderne bei der Kunst kein gut oder schlecht mehr jenseits subjektiver Meinung; jeder hat Recht – nur hat nicht jeder Geld.

Ich fände es wünschenswert (um ein altmodisches, nicht-monetäres Argument anzubringen), dass diese Wahrheit wenn dann auch ausgesprochen wird: Dass ästhetische Debatten heute in Wirklichkeit Gelddebatten sind.

(Das Problem ist dann noch, dass die, die das Geld ausgeben, den Debatten selten zur Verfügung stehen. Darum sind die meisten ästhetischen Diskussionen erst recht Scheindiskussionen.)

P.S. Und nun ist der Leser hoffentlich dazu provoziert, einmal zu überlegen, ob es nicht doch heute noch mehr Werte in der Kunst gibt als Geld.

Musikblogs

Aktuell geht die Initiative um, dass sich deutschsprachige (Klassik-)Musikblogs mal gegenseitig bekannt machen, in Form eines „Musik-Blogger-Award“. Im BadBlog wird schon abgelästert, kann ich etwas verstehen, was soll die Kür?! Ich habe eine Linkliste rechts. Das sind beileibe nicht alle Blogs oder sonstige www-Seiten, die ich lese, aber Tipps („Wenn Sie Kulturtechno-Leser sind, könnte Sie auch das interessieren…“).

Wenn’s aber um Musikblogs geht, geb ich an der Stelle einfach mal _alle Musikblogs durch, die sich aktuell in meinem RSS-Reader tummeln. Ich hab‘ nicht zu viel Zeit, aber man muss als Komponist halt heute informiert sein, so gut es geht. Über weitere Tipps bin ich dankbar! Die Reihenfolge impliziert keine Wertung. Es kann sein, dass ich im Reader was übersehen habe, es geht dort nicht allzu übersichtlich zu.

http://newdissonance.com/
http://acousmata.com/
http://www.therestisnoise.com/
http://www.atonality.net/
http://audiolemon.blogspot.com/
http://anaphoriasouth.blogspot.com/
http://rgable.typepad.com/aworks/
http://blogs.nmz.de/badblog/
http://blog.zeitgenoessische-musik.de/
http://blog.califaudio.com/
http://www.musicradar.com/computermusic
http://createdigitalmusic.com/
http://designingsound.org/
http://www.everydaylistening.com/
http://www.musicradar.com/futuremusic
http://blog.gema.de/blog/
http://hknme.org/hongkongartsblog/
http://blog.david-stingl.de/
http://johnstrieder.blogspot.com/
http://jaegerundsampler.wordpress.com/
http://musicmachinery.com/
http://musicalperceptions.blogspot.com/
http://turbulence.org/networked_music_review/
http://netnewmusic.net/reblog/
http://www.newmusicbox.org/
http://noiseforairports.com/
http://www.noisejockey.net/blog/
http://renewablemusic.blogspot.com/
http://www.sequenza21.com/
http://silentlistening.wordpress.com/
http://www.sonicsystem.de/
http://audity-agentur.com/auditory-display/
http://soundisgrammar.wordpress.com/
http://www.stefanbeyer.com/
http://www.strauchcomposer.de/serendipity/
http://www.synthgear.com/
http://www.synthtopia.com/
http://blogs.nmz.de/szenemusik/
http://www.musicofsound.co.nz
http://www.therestlessmachine.de
http://www.weirdvibrations.com
http://www.newyorker.com/online/blogs/alexross/
http://zukunftdermusik.wordpress.com/
http://londonsinfonietta.wordpress.com/
http://research-institute.blogspot.com/
http://tonmoebel.blogspot.com/
http://usoproject.blogspot.com/
http://dcmusicaviva.blogspot.com/
http://www.soundplusdesign.com/
http://aestheticcomplexity.wordpress.com/
http://www.anthropologyofsound.info/
http://audiogeekzine.com/
http://audioarchiv.blogsport.de/
http://aulacontemporanea.blogspot.com/
http://avantmusicnews.com/
http://avantgardemusicblog.blogspot.com/
http://www.neural.it/
http://heavylistening.org/
http://modernmusic.blog.de/
http://elrestoesruido.blogspot.com/
http://www.musikland-niedersachsen.de/
http://www.nonpopmusic.com
http://433rpm.blogspot.com/
http://noiseforairports.com/
http://taktgefuehle.com/
http://avantgardepop.tk/
http://www.kritische-masse.de/blog/
http://dorothee-hahne.de/category/news/
http://weblog.laurenredhead.eu/
http://www.nmz.de/
http://schahed.blog.de/
http://stefanhetzel.wordpress.com/
http://usernamealreadyexistsalreadyexists.wordpress.com/
http://mehrlicht.twoday.net/
http://musikfabrik-blog.eu/
http://www.fsk-hh.org/blog
http://www.degem.de/news/
http://de-bug.de/mag/
http://www.brainpickings.org/
http://glareanverlag.wordpress.com/

Als nächstes wäre dann mal Twitter fällig, da schließe ich mich aber erst mal peh an und verweise nur auf den fantastischen Musikfabrik-Feed.