In der neuen Ausgabe der MusikTexte steht nun meine Erwiderung auf Frank Hilberg (Kulturtechno früher / früher).
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Man muss aber einmal feststellen, dass hier auf der einen Seite ernste, aufwändige Texte stehen, die – aus Gründen, die es zu klären gilt – eine andere Seite von sich angegriffen Fühlenden hervorrufen, die aber einzig billige Polemik aufzubieten imstande ist. Statt sich auch nur ansatzweise seriös mit den Ideen und Analysen auseinanderzusetzen, werden aus langen Theoriearbeiten Winzigkeiten herausgepickt, an denen die Gegenseite genüsslich etwas zu beanstanden meint zu finden, da genug Böswilligkeitsdioptrien in den Brillengläsern stecken. Ich möchte wirklich gerne wissen, was jemanden wie Hilberg zu diesem unsäglichen Stil treibt. Dabei hindert ihn seine Spitzfindigkeit einerseits nicht daran, andererseits mir eine Fantasiezahl von „knapp drei Dutzend“ – also über 30 – Lachenmann-Kritiken anzudichten! Er vermisst, dass in dem Diskurs „keine dummen Fragen“ gestellt werden. Dafür haben wir jetzt also ihn, zusammen mit Stefan Drees. Der latente Nazi-Vergleich am Ende („Schlächtervokabeln“) ist dann der Gipfel der Unangemessenheit und in der ganzen Debatte ein Tiefpunkt, von dem ich den Musiktexten gute Erholung wünsche.
Ansonsten findet in der Ausgabe, entgegen der großmäuligen Ankündigung von Hilberg, keine Auseinandersetzung mit der Musik, um die es in der Debatte geht, statt, auch werden keinerlei weitere theoretischen Ideen eingebracht. Schade.
Nun ja, es gibt einen Text von Helga de la Motte mit dem Titel „Konzeptmusik – ein neues Genre?“, der aber überhaupt kein Interesse an der Gegenwart erkennen lässt. Immer wieder sieht man an ihrem Text, dass sie bspw. von Musik im Internet gar keine Ahnung hat, was ihr wohl auch so halb bewusst ist, darum flüchtet sie durchgehend zu den historischen Bezügen, die in den Texten der NZfM erwähnt werden, und die sie nun partout anders gesehen haben will – teilweise mit abstrusen Behauptungen wie die, Fluxus wäre fast nur eine Bewegung aus der Bildenden Kunst gewesen, als Musiker nennt sie Philip Corner und Giuseppe Chiari; der Blick in den Wikipedia-Artikel über Fluxus würde sie eines besseren belehren: „The origins of Fluxus lie in many of the concepts explored by composer John Cage in his experimental music of the 1950s“; es ist auch kein Geheimnis, dass Nam June Paik bei Wolfgang Fortner in Freiburg Komposition studiert hat.
De la Motte kommt zum Schluss, bei der „Konzeptmusik“ handelte es sich um „keinen neuen Musikbegriff“; auf meinen Text in der NZfM, der den Titel „Das Neue an der Konzeptmusik“ hat resp. seine Argumente geht sie mit keiner Silbe ein. Auf Basis solcher Ignoranz kann man sich natürlich nach Belieben was zusammenzimmern, die Stoßrichtung ist durch die konservative MusikTexte-Redaktion ohnehin vorgegeben.
Der Text versucht zwar, sachlich zu sein, bzw. mit diesem Eindruck den Leser zu gewinnen, ist aber in seinem Fokus derart enggefasst und geht letztlich an den wesentlichen Aussagen der Texte in der NZfM so vorbei, dass ich darin keinen ernstzunehmenden Debattenbeitrag sehen kann. Es ist doch keine interessante Auseinandersetzung, sich nur an historischen Hin-und Herdeutungen entlangzumanövrieren, ohne es im Geringsten auf die aktuellen Fragen zu beziehen, um die es eigentlich geht.





























![Claude Closky, ‘Carré préféré [favorite square]’, 1993, ballpoint pen on grid paper, 30 x 24 cm. Claude Closky, ‘Carré préféré [favorite square]’, 1993, ballpoint pen on grid paper, 30 x 24 cm.](http://www.closky.info/images/Closky_Carre_prefere.jpg)