irgendwann sind Sie auf die Idee verfallen, alle Vogelgesänge aufzuschreiben, die Sie ergattern können. Man spielt diese Aufschriebe auf dem Klavier, auf der Kirchenorgel, ja sogar mit dem Orchester. Der Teichrohrsänger. Die Zwergseeschwalbe. Der Wachtelkönig. Die Alpendohle. Der Steinsperling. Die Mönchsgrasmücke. Das hört sich auf Musikinstrumenten ulkig an, und hätten Sie nicht verraten, woher Sie diese verrückten Melodien her haben, man würde Sie für noch origineller halten, als Sie es schon sind. Doch jahrzehntelang Vögel instrumentieren, stundenlange Werke kreieren, in denen auf dem Klavier rauf und runter getschilpt wird – nein, das geht mir schnell auf den Wecker. Herr Messiaen, Ihr Spätwerk ist überflüssig.
in einem Fernsehportrait haben Sie geäußert, dass Sie sich ungern waschen. Morgens keine Dusche, am Sonntag kein heißes Bad, und nicht einmal vor dem Schlafengehen eine Katzenwäsche. Auch ich verspüre des öfteren den Unwillen, einen Waschlappen in die Hand zu nehmen oder Seife anzureiben. Wir kommen alle aus dem Staub und gehen dorthin zurück. Von Ihrer Musik verstehe ich nicht viel. Der Soundtrack zu „A Space Odyssee“ hat mir irgendwie gefallen. Ihre Haltung zur Körperhygiene imponiert mir jedenfalls. Als Künstler haben Sie ein ursprünglicheres Verhältnis zum Schmutz. Statt dem Duschen höre ich jetzt morgens Ligeti.
Herzlichst, Ihr F.J. Wagner
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unsere Musik ist eine Hinterlassenschaft aus dem Rascheln der Bäume, dem Seufzen der Meere und der Hoheit der Berge. Aber es ist der Mensch, der sieht, der hört und spricht. Ohne den Menschen ist der Ozean nicht groß, er hätte gar keinen Maßstab. Das Echo der Berge bliebe ungehört. Ihr macht mit Musik Begriffskunst, Ideenkunst. Legt an das Klingende eine konzeptuelle Perspektive. Das finde ich beglückend. Es ist der Mensch. Er ist die Größe. Ihr Musikkonzeptualisten, ich liebe euch.
Herzlichst, F.J. Wagner
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-Die Musik-Akademie Basel begrüßt mich als neuen Mitarbeiter
-Anlässlich meines Stellenantritts als Professor für Komposition und Musiktheorie an der Musik-Akademie Basel hat mich die russische Zeitschrift muzlifemagazine interviewt.
-Jesper Klein bespricht mein neues Musiktheater „Selbstauslöser“:
„Selbstauslöser“ heißt die zweistündige theatralische Musikinstrumentengeschichte, die Johannes Kreidler und Arno Lücker unter vollem Körpereinsatz auf die Volksbühne bringen. Da werden Instrumente zum Leben erweckt, es gibt eine Seilspringeinlage, Wortspiele und Witze bis zum Abwinken. Nein, beim Flügel kann man die Tastentöne leider nicht wie beim Handy ausstellen. In der „Sammlung der Instrumente kollektiven Unterbewusstseins“, im Video an die Wand projiziert, finden sich eine Posaune mit schier unendlich langem Zug und absurd miteinander verschmolzene Violoncelli. Dazu bewegen sich Klaviaturen wie Raupen durch den Raum. Wie wunderbar durchgeknallt!
-Mit meinem Klavierstück „Steady Shot“ bin ich beim Projekt „Phones:On“ dabei – hier ein Teaser
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Wer Beethovens „Ode an die Freude“ musikalisch maximal verhunzt, bekommt 3 Jahre Knast!
„Wer die EU-Flagge oder -Hymne verunglimpft, soll künftig zu einer Geldstrafe oder 3 Jahren Haft verurteilt werden können. Das beschloss der Bundesrat. Der Gesetzentwurf geht nun an den Bundestag.“ (MDR Aktuell 20.9.19)
Wer also die Ode an die Freude nicht ordnungsgemäß instrumentiert, intoniert, oder im richtigen Tempo spielt, kommt in den Knast! Im Zweifelsfall holt sich das Gericht Gutachten von der Musikwissenschaft und Musiktheorie ein.