So alt und neu das Thema des Menschen zur Umwelt ist, so liegt das Neue auch im Wie. Denn ich erfasse die Natur nicht durch das Auge des Malers oder die Feder des Tondichters, sie erklingt hier im Zugriff des Materialen und in den Lesarten der Algorithmen. Das ist Teil der Sache. Wir Heutigen beziehen uns auf die Natur überhaupt übers Modell, die Messung, die Simulation, die Berechnung — wir kennen das Wetter als Prognose, als Farbfeld auf einer Karte, das Beben als Kurve, die Welle als Funktion. Das Klima, diese Größe, ist niemandem je erschienen — es ist ein Mittelwert, ein Konstrukt aus Millionen Messungen, und doch das vielleicht mächtigste Subjekt des Jahrhunderts. Wenn ich also die Naturkraft formalisiert, codiert und prozedural in die Skulptur einführe, dann zeige ich die Natur vor und zugleich die kalkulatorisch-potenziale Weise, in der wir überhaupt mit ihr stehen. Die Frage, ob es regnen wird, ist eine Frage an ein Differentialgleichungssystem.
Ausgerechnet hohe maschinelle Prozessorleistung und die robotische Präzision, Gipfelpunkte menschlicher Künstlichkeit, erlauben der Skulptur zum ersten Mal, so unberechenbar, unerbittlich und lebendig zu werden wie die Natur selbst. Der Motor des zwanzigsten Jahrhunderts konnte nur seinen Kreis. Nun, aus brachialer Chipleistung, emergiert es schließlich. Der Maler des neunzehnten Jahrhunderts malte das Gewitter, wie das Auge es sah; ich baue das Gewitter, wie die Gleichung es kennt, und lasse es dann auf Bleche los, die Druck ausüben.
