Die Moderne raste rotierend. Das Getriebe, der Propeller, die Schallplatte, die Filmrolle, der Ventilator, das Uhrwerk, der Revolver, Duchamps Fahrradrad und Rotorelief, eine eigene mythische Apparatur. Doch so, wie heutige Computer mehr als nur schnellere Taschenrechner sind, in ihnen vielmehr neuronale Netze nachgebildet sind, so in der Robotik organische Körper. KI imitiert Organisationsformen der Kognition, Robotik modelliert Bewegungen, die die Evolution hervorgebracht hat. Beide verdanken ihre Gestalt dem Umstand, dass der Fortgang der Technik sich über die Mechanik hinaus von der Natur inspirieren lässt, denn das Umdrehungsprinzip war für die Industrie zwar ungemein produktiv, gelangt aber an seine Grenzen – elastischere Gebilde, lernfähigere Operateure werden nun gefragt. Wie KI Neuronen, Synapsen und das Lernen in mathematische Architekturen transferiert, so übersetzt Robotik Muskeln, Gelenke und Reflexe als technische Formen. Die Maschine wird biologisiert: komplexer, feinfühliger, elastischer.
Die klassische kinetische Kunst war euklidisch; die neue kinetische Kunst wird morphologisch. Statt der industriellen Bewegung die postindustrielle – pendeln, atmen, kriechen, wachsen, zittern, brechen, strömen, oszillieren, schwingen, flattern, vibrieren, kippen, kreisen, wirbeln, Flug- und Schwimmbahnen, das nervöse Durchzucken, der energetisierende Stoß; Natur in ihrer vielgestaltigen, unausdenkbaren Potenz.
