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Mein Text „Zum komponierenden Subjekt“ jetzt online

Mein Text „Zum komponeirenden Subjekt“, zuerst erscheinen im Sammelband „Musik und Subjektivität“, steht jetzt online.

http://www.kreidler-net.de/theorie/kreidler__zum_komponierenden_subjekt.pdf

Die Dialektik vom Subjektiven und Objektiven des Künstlers ist legendär und wird in einschlägigen
Sentenzen überliefert. Einerseits ist der Künstler das schiere Objekt der ›Welt‹, wenn Beethoven bei
als unspielbar geltenden Noten grimmig zu verstehen gibt, ihm käme eben »der Geist«, wenn
Schönberg postuliert, im historischen Auftrag zu handeln, denn Kunst komme »nicht von Können,
sondern von Müssen« und Jonathan Meese folgerichtig die »Diktatur der Kunst« ausruft, die
tatsächlich zu befehlen gebe, dass die rechte obere Ecke gelb zu malen sei. »Die Freiheit des Künstlers
ist, dass er keine hat. Versteh’s wer kann«, so Ernst Barlach in einem Anflug von Komik. Für Martin
Walser ist das Schreiben »die passivste Tätigkeit«, die er sich nur vorstellen könne, und Elfriede Jelinek
hält die Totenrede auf den Dichter: Er wäre notwendig »abgelebt, der immer nur anderes beleben
kann«. Das komponierende Ich ist nicht nur nicht Herr im eigenen Haus, es will diese Rolle tunlichst gar
nicht einnehmen, will das musengeküsste Sprachrohr höherer Mächte verkörpern. Das Verdienst des
Künstlers ist, eigentlich keines zu haben.

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