Bang and twang! In Six Shot – Six String, Canadian artist Maskull Lasserre created an acoustic stringed instrument for use with the Smith & Wesson 357 Magnum revolver. Pull the trigger, and the strings will resonate passively to serenade your shot.
Mit dem Kinect hat die 3D-Sensorik einen Quantensprung vollführt, und ich habe mit Bewegungen in der Luft auch schon Klänge angesteuert. Miha Ciglar hat die Technologie jetzt noch weiterentwickelt: Obwohl man sich völlig frei in der Luft bewegt, bekommt man ein taktiles Feedback.
Kürzlich hatte ich hier die Notensuchmaschine peachnote. Auf noteflight.com wiederum kann man Noten eingeben, und in Zugriff auf die Notensuchmaschine wird ein „Autocomplete“ durchgeführt, die selbständige Fortsetzung, je nach gewähltem historischen Stil.
Tatsächlich arbeite ich auch in COIT mit einer Autocomplete-Funktion. Ich komponiere ein paar Takte, die Software komponiert dann selbständig weiter.
Mein Komponistenkollege Patrick Frank hat mit seinem Team eine super Idee realisiert: Eine Plattform, auf der Menschen per Videotelefonie Informationen anbieten. Zum Beispiel könnte dort ein Zeitzeuge der 40er Jahre berichten, oder ein Sachkundiger im Bereich australischer Steppengräser erzählt Interessierten aus seinem nerdigen Nähkästchen, usw.
Meiner einer bietet dort nun Unterricht in Komposition Neuer Musik / elektronischer Musik / Medienkunst / Musiktheorie / Medientheorie an. Schaut mal rein, ich finde die Idee großartig und die Umsetzung ist perfekt:
Und just heute abend findet im Soupanova, Stargarder Str. 24 in Berlin-Prenzlberg die Eröffnungsparty statt, ab 20.30h. Dort werden die Macher ihr Projekt beschreiben und einige Early Adopter, zum Beispiel der Philosoph Harry Lehmann, ihre Kluuu-Offerte vorstellen.
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Erscheint irgend ein neues Gadget oder ein neuer Google-Dienst, fangen auch gleich die Leute an, Fehler zu finden, vollgekackte Kameras bei Google Streetview, absurde Dialoge mit Siri. Die „Finde-den-Fehler“-Strategie ist einfach Usus. Ähnlich ist mittlerweile Samuel Becketts „Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.“ zu Tode rumzitiert, ich kann’s nicht mehr hören.
Musik findet auf Gerätschaften statt, und die sollten auch gründlich durchgecheckt werden, keine Frage, wurde auch viel gemacht und immer noch, gut. Man mag sich mit dem eigenen Medium beschäftigen, aber das ist nur ein Thema unter unzähligen anderen; es droht die Gefahr der sterilen Selbstreferentialität.
Medien sollen uns dienen. Sie haben ihre eigenen Bedingungen, und so dienen wir auch ihnen. Trotzdem wäre es borniert, nur noch die medialen Normen zu sehen. Man kann freilich im Film auch mal die Tatsache fokussieren, dass Film nur die Simulation von Bewegung durch 24 schnell ablaufende Einzelbilder erzeugt, aber wo kämen wir dahin, wenn jeder Spielfilm sich dem zuwenden müsste? Ein Fassbinderfilm, bei dem auf einmal die Filmrolle artifiziell hakt? Albern.
„Zeigen, wie’s gemacht ist“ ist so eine Parole, die ich oft gehört habe in Kunstkreisen. Das ist ok, aber es ist auch höchst willkürlich, weil unendlich. Was denn nun zeigen? Wie die Filmrolle läuft? Wie das Celluloid hergestellt wird? Wie der Strom aus dem Kraftwerk kommt? Was die Darsteller zum Frühstück gegessen haben?
Zum Abschluss ein Harald und Eddi – Film für alle Gegner des E-Books, die so gerne auf die materiellen Vorzüge des gedruckten Buches bestehen:
Folgendes Zitat von Rolf Großmann hatte ich schon mal kritisiert, an dieser Stelle wird es erneut fällig:
Künstlerische und kulturelle Sampling Techniken können Innovation und SubVersion des Scratching oder der Tape Music nur fortsetzen, wenn sie den geordneten und ordentlichen Zugriff des digitalen Sampling (ich schließe das Frame-Grabbing der Bildwelten mit ein), seine saubere Programmverarbeitung durchbrechen und die Programme selbst zum Gegenstand des Zugriffs machen […] seine Verarbeitunsgsstrukturen [sollen] in einer neuen Stufe der direkten Programmzugriffe und Parameterzugänge […] ästhetisch produktiv werden…
Seit den Menschen bewusst ist, dass sie mit Gerätschaften (Medien) zu tun haben, klopfen sie diese auch nach ihren Limits und Fehlern ab, das schafft einen umfassenderen Blick auf sie, es zeigt Chancen und Grenzen und hält die humane Souveränität hoch gegen vermeintliche maschinelle Perfektion und Verheißungen des Kapitalismus.
Erscheint irgend ein neues Gadget oder ein neuer Google-Dienst, fangen auch gleich die Leute an, Fehler zu finden, vollgekackte Kameras bei Google Streetview, absurde Dialoge mit Siri. Lachenmann untersucht den ‚hässlichen‘ Geräuschanteil der ‚edlen‘ klassischen Instrumente, die abtrünnigen Popchargen scratchen und glitchen rum, entlaufene Designer pixeln hoch – der Fehler wird gefeiert. Aber das funktioniert nur, weil man sich auf ein Regelsystem bezieht, das Fehler haben kann; rigide Systeme also wie die tonale Musik.
Wer sich aber tief genug einarbeitet, zB in Digital Signal Processing, der kennt kein Regelwerk mehr. Eine Audiosoftware wie puredata oder Max/Msp hat keine Fehler, es sei denn, sie würde nicht ordentlich die Einsen und Nullen rechnen. Alles andere obliegt dem Programmierer. Der Digitalcode ist, anders als Großmanns Linienziehung suggeriert, keine Fortsetzung der alten Medien, sondern ein universelles Medium, das die alten schluckt.
Lachenmann oder die Glitches beziehen sich auf tonale Musik, also strikte Regelsysteme, in denen der Fehler auffällt und aufklärend wirkt – Aber: Sind diese Gegenbilder so relevant? Tatsächlich halte ich es da (als puredata-Programmierer) elitärer: „Nur wenige sind es wert, dass man ihnen widerspricht.“
[Aber zumindest die Fehlerästhetik generell ist es mir wert, widersprochen zu werden.]
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Wieder eine meines Erachtens ziemlich überholte Medientheorie – aus einem Spiegel-Artikel von Norbert Bolz aus dem Jahr 2000:
Kommunikation kommuniziert Kommunizieren. Reden wir miteinander. Kommunikationsverhältnisse sind offenbar erklärungs- und begründungsunbedürftig. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man als Außenstehender den Chat im Netz, die Fans des CB-Funk, aber auch ganz alltägliche Telefonie beobachtet – Gesprächsthema Nummer eins: Es funktioniert! Es geht vor allem um die Lust an der Fortsetzung, um das Glück der Anschließbarkeit.
(Norbert Bolz, Wirklichkeit ohne Gewähr, in: Der Spiegel 26 (Juni 2000), S. 130f., zitiert nach Reclam, Texte zur Medientheorie)
Keiner staunt heute mehr darüber, dass Skype funktioniert, sondern benutzt es einfach. Das Medium selbst ist nicht DIE Botschaft, sondern nur ein Aspekt. Das Medium hat seine Bedingungen, Vorzüge und Unzulänglichkeiten, und in unserer volltechnisierten Welt normieren sie kräftig. Trotzdem: Das weiß heute jedes Kind.
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Bei einem Medium die inhärenten Fehler hervorkehren, um eben das Medium erst so richtig sichtbar zu machen, ist ein gängier Topos geworden und zentrales Argument der „Fehlerästhetik“. Ich will allerdings meinen: Mittlerweile kennen wir unsere Medien ziemlich gut. Folgenden Passus in einem Text der Musikwissenschaftlerin Marion Saxer erscheint mir ich nicht mehr aktuell:
Wenn auch die Frage, was ein Medium ist, bis heute nicht eindeutig geklärt werden kann und die Bestimmung des Begriffs bis auf weiteres »chronisch prekär« bleibt, sind sich dennoch alle medientheoretischen Ansätze – so unterschiedlich sie auch sein mögen — in einer Grundüberzeugung einig. Gemeint ist der »unbewusste Charakter der Medien«, ihre eigentümliche Tendenz, bei selbstverständlicher Nutzung aus der Wahrnehmung zu verschwinden. Diesen Aspekt betont z. B. bereits Marshall McLuhan als einer der Väter der Medientheorie in seinem Schlüsselwerk Understanding media aus dem Jahr 1964, wenn er von der »unterschwelligen Magie der Medien« spricht, die es zu erkennen gilt. Gleiches fordert z. B. der Medienwissenschaftler Hartmut Winkler in seiner Mediendefinition: »Mediengebrauch ist weitgehend unbewusst. (…) Es bedarf einer fast künstlichen Abstandnahme, um die Medien selbst in den Blick zu nehmen.«
(Musik-Konzepte XI/2008, S. 174f)
Die ganze Geisteswissenschaft und gerade die Zeitungen befassen sich seit ca. vier Jahren dermaßen intensiv mit der Digitalisierung und allen angeschlossen Medien, dass die in dem Text postulierte ‚Terra incognita‘ so nicht mehr vorhanden ist.
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