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Kategorie Museum für moderne Kunst

Georg Hajdus Online-Oper „Der Sprung“

Wenn zur Zeit oft die Rede vom „Neuen Konzeptualismus“ ist und dass das stark mit der Digitalen Revolution zusammenhängt, dann soll nicht übersehen werden, dass es natürlich schon Computerkomponisten gab, bevor jeder eine Audio-Video-Factory in Form des Apple-Laptops bei sich stehen hatte, und die nicht zufällig mindestens teilweise konzeptuelles Denken in ihrer Musik praktizierten und praktizieren. Zu nennen wären da zum Beispiel: Clarence Barlow, Orm Finnendahl, und: Georg Hajdu.

Es gäbe viel zu schreiben über Hajdu, der konsequent als Komponist auch Software-Entwickler und Wissenschafter ist. Auf seiner Website gibt es dazu viel zu erfahren.
Diesbezüglich will ich hier einen Aspekt herausgreifen: Seine Oper in Zusammenarbeit mit Thomas Brasch „Der Sprung“ ist online sehr ausführlich dokumentiert, mit Klangbeispielen nicht nur des fertigen Werks, sondern auch der kompositorischen Grundlagen, dazu Texte zur Entstehung und begleitende Reflexionen, Videos usw. Multimedia heißt ja nicht notwendig, dass da Musik und viele bunte Bilder einen bombardieren. Auch diese Online-Dokumentation der Oper ist eine Realität dieses Stücks; „Beschreibung einer Oper“.

http://georghajdu.de/dersprung/

(Nicht alle Links auf der Seite funktionieren, ist ein „Work in Progress“..)

Neue Augenmusik-Arbeiten von Bil Smith

Man kommt kaum nach mit den tollen Stücken von Bil Smith. Schade, dass das wohl nur die eingefleischten Nerds mögen können und von denen auch nur ein Bruchteil, weil Smith so ein Facebook-Schelm ist.

Hier ein Werkverzeichnis.

Das MoMa New York erwirbt Alvin Luciers „I am sitting in a room“

Eine interessante, komische, bemerkenswerte Neuigkeit. Das MoMa nimmt den Rekursionsklassiker von Alvin Lucier in seine Sammlung auf.

How does a museum acquire an experimental music performance? What does the museum actually receive? And if the museum doesn’t acquire a physical object, what is the value of adding this work to the collection? In consultation with Lucier himself, the curatorial team decided that the acquisition would include both the ability for others to perform the work in the future and an archival recording of the composer performing the piece himself at MoMA.

Also wenn es (hoffentlich) nicht darum geht, urheberrechtlich eine Vitrine drumzustülpen, dann kann es sich hier wohl mehr um einen symbolischen Akt handeln, denn das Stück ist kein Objekt, das sich im Depot verstauen ließe. Das ist vielleicht gar keine schlechte Sache, so eine offizielle ‚Adelung‘, die Aufnahme an in den Kanon. Und das muss dann wohl ein Museum machen, auch wenn es sich um etwas immaterielles wie Musik handelt.

http://www.moma.org/explore/inside_out/2015/01/20/collecting-alvin-luciers-i-am-sitting-in-a-room?utm_source=social&utm_medium=twitter&utm_campaign=012315c

43000 Jahre alte Musik

Ich hatte hier mal den Bericht von dem prähistorischen Flötenfund in einer schwäbischen Höhle – Erfindertum hat im Ländle wahrlich Tradition. Im folgenden geht’s um eine Flöte, die evtl. sogar noch älter ist, und hier auch der Versuch, wie die Musik darauf geklungen haben könnte. Gleich mal sampeln.

It is perhaps possible that the much-underestimated Neanderthals made their own flutes. Or so a 1995 discovery of a flute made from a cave bear femur might suggest. Found by archeologist Ivan Turk in a Neanderthal campsite at Divje Babe in northwestern Slovenia, this instrument (above) is estimated to be over 43,000 years old and perhaps as much as 80,000 years old. According to musicologist Bob Fink, the flute’s four finger holes match four notes of a diatonic (Do, Re, Mi…) scale. “Unless we deny it is a flute at all,” Fink argues, the notes of the flute “are inescapably diatonic and will sound like a near-perfect fit within ANY kind of standard diatonic scale, modern or antique.” To demonstrate the point, the curator of the Slovenian National Museum had a clay replica of the flute made. You can hear it played at the top of the post by Slovenian musician Ljuben Dimkaroski.

(via openculture)

Anton Wassiljews »Gehörbildung«

Diverse Sonifikationen von Anton Wassiljew. FSK 18.

Arnold Schönbergs Notenschreibmaschine als Eisskulptur


Claudia Märzendorfer hat die von Schönberg angedachte, aber nie gebaute „Notenschreibmaschine“ mit Tinteneis nachempfunden; das Eis schmilzt über einem Block Notenpapier und erzeugt dadurch eine Partitur.

1909 entwirft Schönberg „meine Notenschreibmaschine“, das Patent reift zwar bis hin zur Patentschrift, wird aber aus formalen Gründen am Patentamt abgelehnt und nie gebaut. Eine Vorstudie für eine „elektrisch betriebene Schreibmaschine“ (1909) ist im Schönberg Catalogue raisonné (Cr 224) als solche bezeichnet, unter anderen Konstruktionen, Möbelentwürfen und Kuriositäten wie einem Schachspiel für 4 Personen. Welche Funktion diese Skizze mit Handschrift eigentlich hat, ist hingegen schwer zu deuten. Dass es sich wirklich um einen elektrischen betriebenen Apparat handelt, scheint unwahrscheinlich; die Skizze lässt eher auf ein pneumatisches Gerät aus Gummischläuchen schließen. Die Einschätzung Dr. Peter Donhausers vom TMW bestätigt diese Vermutung. Möglicherweise zeigt die Skizze ein Rastral zum Zeichen von Notenlinien.


http://claudiamaerzendorfer.com/musictypewriter/

Werktitel Hello / Hallo

Wieder mal ein schönes Stück von Alexander Schubert, das Videopiece „Hello“, gespielt vom Decoder Ensemble.

Von David Helbich gibt es wiederum die Werkreihe „Hallo“ für Gitarre, hier #4:

Rasurpartitur

Schöne Arbeit von Celeste Oram – das Video einer Nassrasur wird musikalisch synchronisiert. Ähnlich wie meine Sync-Konzepte in Audioguide – Weight Levels und im Intermezzo.

mirror #1 is a bit like a graphic score, except more concrete and literal, and a bit like tableture, except the score itself is temporal, just like the performance. You could even say the score itself is a performance. I like to think of it as a bit like a live-action video game: how often is a score just as visible to the audience as it is to the players, drip-fed to them in nerve-wracking real-time?

The task set to the performers seems straightforward, yet in actual fact, it’s impossible. But of course, watching people attempt to achieve the impossible is quite gripping – especially as the difficulty level creeps up towards absurdity.

ja/nein als Schallwellenskulptur

Kürzlich hatte ich hier den französischen Schallwellenbildhauer, gleich hinterher: Carsten Nicolai hat mal die Wörter „yes“ und „no“ skulptural gebannt.

yes/no

2008
two aluminium sculptures on rubber mounting
100 x 15 x 15 cm each

both elaborately produced sculptures are conceived of acoustic wave forms of the spoken words ‚yes‘ and ’no‘. they reperesents the attempt to materialize the sculptural chararcteristics of sound when flowing through space into a respective visual effigy. the semantic content of the sculptures give answers to unasked questions and hence open up a wide range of interpretation and association. yes/no could additionally be considered a very special portrait of laurie anderson, who originally spoke the two words that have been solidified here.


http://www.carstennicolai.de/?c=works&w=yes_no

Danke für den Hinweis, Martin!

Die Architektur von Stonehenge akustischen Phänomenen entsprungen

Steven Waller stellt die Theorie auf, dass die Steine von Stonehenge derart aufgestellt wurden, wie es Auslöschungen von Schallwellen gibt, wenn zwei Flötisten nebeneinander auf einem Feld spielen. An gewissen Punkten im Raum hört man durch die Interferenzen fast nichts – wie wenn ein Stein vor einem stünde, der das Hören dämmt.

He has been able to show how two flutes played in a field can produce an auditory illusion that mimics in space the position of the henge’s pillars.

Mr Waller presented the idea at the AAAS meeting in Vancouver, Canada.

He told the BBC: „My theory is that the ancient Britons, when they were hearing two pipers in a field, were experiencing sound wave interference patterns, where in certain locations as you walked around the pair of pipers, you would hear loud or quiet zones.

„If you could look at it from an overhead view, it would look like the spokes of a wheel. And, as you walk around the circle, every time you come to one of these sound-wave cancellation points, it feels like there is this massive invisible object in front of you.

http://www.bbc.co.uk/news/science-environment-17073206

Bislang galt der Florenzer Dom, dessen Architektur einhergeht mit den Proportionen der Motette „Nuper Rosarum Flores“ von Guillaume Dufay als ziemlich altes (1436) Beispiel der Kombination von Architektur und Musik. Was nach dieser Theorie dann aber doch noch zeitlich gut getoppt würde.