Da diese Tage in Halberstadt wieder ein Klangwechsel im auf 639 Jahre angelegten Aufführungsprojekt von John Cages „As Slow as Possible“ stattfind-
Post von Wagner
Lieber Mick Jagger,
Sie haben Donald Trump untersagt, Ihre Musik auf seinen Wahlkampfveranstaltungen spielen zu lassen. In Texas also kein „Heart of Stone“. Alabama ohne „Satisfaction“, und im Wyoming erklingt nicht „Sympathy for the devil“. Ihre Sympathie scheint doch Grenzen zu haben. Dass Sie Ihre Musik aber extra verbieten müssen, finde ich eigenartig. Sie hätten sie gleich so schreiben können, dass sie, die Musik, ästhetisch Widerstand leistet. Ein etwas komplizierterer Akkord, mal ein Wechsel der Taktart, oder eine formale Umstellung, und sie wäre „safe“. Aber wer viel verkaufen will, den kaufen auch die Falschen.
Herzlichst, Ihr F. J. Wagner
Post von Wagner
Lieber Johann Sebastian Bach,
da werden wir mit einem Jahrtausendgenie der Musik beschenkt, und dann vertont es solche Texte. „Ich freue mich auf meinen Tod, ach, hätt er sich schon eingefunden.“ „Ei, wie vergnügt ist mir mein Sterbekasten.“ „Daß ich möge mit Jesulein, dem wunderschönen Bräutgam mein.“
Für mich ist das Stuss. Pietisten-Propaganda. Sektiererisches Zeug. Die Menschen wollen frei sein, mit ihrem Opel rausfahren, in der Eckkneipe ein paar Kurze kippen. Angeln, grillen, tanzen. Lieben auf dem Campingplatz.
Als Chorknabe habe ich Ihre Musik gesungen. Die Rührung bei allen werde ich nie vergessen. Doch zugleich vernimmt man, wie Sie Ihr Talent in den Dienst einer schlechten Sache gestellt haben. Was soll’s, jedes Geschenk ist auch eine Zumutung.
Herzlichst, Ihr F. J. Wagner
