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Digital naives oder digital natives?

In der neuen Ausgabe der MusikTexte habe ich eine Replik auf Claus-Steffen Mahnkopfs in derselben Zeitschrift erschienenes Pamphlet „Neue Technikgläubigkeit?“ geschrieben (Link: http://www.musiktexte.de/contents/de/d277.html).

Damit ist die Kontroverse über die Digitale Revolution, wie sie andernorts, bspw. in der FAZ auch geführt wird, freilich nicht zu Ende. Auf den Disput aufmerksam geworden, hat der Verleger Peter Mischung nun initiiert, dass ein ganzes Buch dazu erscheinen soll. So wird also im Oktober im Wolke-Verlag das Buch „Musik, Ästhetik, Digitalisierung – Eine Kontroverse“ erscheinen, mit alten und neuen Texten von Harry Lehmann, Claus-Steffen Mahnkopf und mir.

Hier ein Auszug aus meinem Text „Digital Naives oder Digital Natives?“, der jetzt in den MusikTexten abgedruckt ist:

„Aber auch im Konzertsaal ist die Lautsprechertechnik sehr potent, ich erlaube mir, Mahnkopf eines besseren zu belehren: Lautsprecher können verschiedene Richtungscharakteristika haben, ebenso wie Instrumente. Ein gutes Beispiel ist die Staatsoper unter den Linden, deren Raumakustik so miserabel ist, dass mit unscheinbaren Lautsprechern in den Ecken ein schöner Raumklang nachgebildet wird; der technophobe Barenboim gab sich nach kritischer Erprobung überzeugt. Man wird nur endlich anfangen müssen, den Umgang mit Lautsprechern in die Disziplin der Instrumentation einzugliedern und den Klangregisseur als vollwertigen Musiker aufzufassen, dann ist ein hervorragendes Klangbild mit Live-Elektronik sehr wohl möglich. Sicher kommt hinzu, dass sich unsere Gesellschaft immer mehr an Lautsprecher gewöhnt – zur Zeit verbreiten sich die Surroundsysteme fürs Wohnzimmer -, was nicht per se regressiv ist. Prinzipienreiter oder Nostalgiker mögen weiter genau das aufsuchen, was Computer und / oder Lautsprecher nicht können; dem ist nur der Gegenvorschlag zu machen, statt dass immer noch kompliziertere Fünftel- und Siebteltonleitern auf dem ‚verübergeschichtlichten‘ Cello eingeübt werden man besser einen Saitenkontroller übt, den man auf jede Stimmung applizieren kann – aber wer den sportiven Wettkampf mit der Maschine unbedingt aufnehmen will, der wird Deep Fritz noch eine Weile in Schach halten. Die Aura des menschlichen Spielers ist unersetzbar, aber die Instrumente sind erweiterbar um Kombinationen von Kontrollern und Lautsprechern, da finden die größeren Innovationen statt, sicher auch im Widerspruch zur Technik, aber in dialektischem Bezug aufeinander. Der Mensch ist nun mal mit Technologie verbunden, mit Brille und Herzschrittmacher (wen interessieren nackte Menschen?).“

(Sorry für die schwache Verlinkung, das ist mein erstes Mal mit der WordPress-iPhone-App.)

Email an Deutschlandradio

Am 10.6. um 0.05h kam auf Deutschlandradio Kultur eine Sendung über meine Aktion „Fremdarbeit“. Jetzt reicht mir die Redaktion eine Hörerreaktion weiter:

„Hallo,

ich höre, seit ich meinen Fernseher aus verständlichen Gründen abgeschafft habe, und wenn ich zu Hause bin, von 23-1 Uhr den Deutschlandfunk, so auch Fazit.
So auch heute, am MIttwoch, d. 9.6.
Ich würde Ihnen empfehlen, dem „Komponisten“, der sich in Indien und China für 15 Euro zuarbeiten läßt, in meinem Namen eins in die Fresse zu hauen.
Solche sogenannte Kreative und Selbstdarsteller gibt es hier in Berlin zu hauf, denen muß man nicht auch noch ein Podium bieten.
Weiteres findet sich im Buch „Die Welt als Wille und Design“ von Robert Kurz
und in einem Artikel von mir: XXXX
Außerdem würde ich mich freuen, wenn Sie in Fazit weniger ständig von der Hochkultur berichten würden, interessante Künstler gab es und wird es immer geben.
Siehe auf meiner Website: XXXXX
Sie treiben mir sonst das Interesse an Künstlern aus. Gehen Sie doch z.B. mal zu einer Lesung im XXXX in Kreuzberg, da kann man andere Künstler erleben, und nicht sogenannte Kreative, wie ihren „Komponisten“.

Aufgrund ihres „Künstlers“ hatte ich gerade ein Bedürfnis, Kritik zu üben.

Es grüßt XXXXXXX“

Kreidler @..

So, der heiße Sommer beginnt, ich werde viel rumreisen und, von kurzen Zwischenstopps abgesehen, erst wieder in der zweiten Oktoberhälfte in der Homebase aufschlagen. Byebye, Berlin!

Darum werden in nächster Zeit die Posts etwas dünner gesät sein; in der Zeitschaltuhr sind auf jeden Fall noch einige vom üblichen Kulturtechno-Stuff. Vielleicht gibt’s aber auch mal einen Bericht aus Gelsenkirchen, Brüssel, Darmstadt, Marseille, Amsterdam, Oslo, Esslingen, Dresden, Ljubljana oder Straßburg.

best, derweil-
Johannes

Fremdarbeit @ DeutschlandRadio Kultur & Oslo

Unser Lied für Oslo! Das Ultima Festival kündigt die Aufführung von Fremdarbeit am 9.9. an:

http://www.ultima.no/nb/nyhetsarkiv/203-musikalsk-utbytting

Und heute Nacht, am Donnerstag, 10.6. um 0.05h kommt auf DeutschlandRadio Kultur eine Sendung über das Stück von Carolin Naujocks. Hier der Stream.

[A radio feature on „Fremdarbeit“ will be broadcasted this night at 0.05h on DLR]

Tageslink: Blühende Landschaften

Vom Fachmann für Kenner:

http://www.titanic-magazin.de/vffk_1005.html#c10236

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Kulturtechno

ist Festival für Neue Musik, ästhetische Theorie und einfache Unterhaltung.

Feeds

Mein diesjähriges Musiktheater ist konzeptionell fertig, fast alle gewünschten Gäste haben zugesagt und so weiter. Somit ist jetzt die Ankündigung offiziell publik:

Feeds. Hören TV
Eine Web-TV-Show in fünf Teilen

von Johannes Kreidler, Leowee Polyester und Justyna Jaszczuk

Liebe, Sex und Technik, das ist Twitter und Isolde, das ist eine Arie vor dem Nacktscanner und Tristan Superstar, der sich der schäbigen Kunstkritik mit einem Friedenslied opfert − da singt Isolde lieber Karaoke. Einem Patienten wird der Gehörgang observiert, ein Stimmphysiologe diagnostiziert krankhafte Kehlkopfmutationen beim Bundeswolfgang, die musikpsychologische Beraterin von Angela Merkel packt aus. Und was entlarvt der Chor der Lügendetektoren? Neues Musiktheater, das sind moderierte Schallwellen in MP3-Qualität und melodisierte Aktienkurse, das ist poser metal auf Power Point und eine Applauscollage. Porno Adorno!

Musikalische Leitung: Askan Geisler
Musik und Inszenierung: Johannes Kreidler
Text: Leowee Polyester und Johannes Kreidler
Raum/Ausstattung: Justyna Jaszczuk
Produktion: Hendrik Unger
Dramaturgie: Anna Melcher und Thomas Witzmann

—Johannes KreidlerDer junge Berliner Komponist Johannes Kreidler, der nicht zuletzt mit der theatralen GEMA-Aktion »Product Placements« mediales Aufsehen erregte, beschwört mit seinem orgiastisch arrangierten Themenmix rund um Musik und Hören das Ende der Postmoderne herauf. Das zeitgenössische Musiktheater inszeniert Kreidler als den Ort, an dem die separierten Teildisziplinen der Neuen Musik, Konzert, Lehre und Wissenschaft, mit dem Kunstwerk verschmelzen. Es öffnet sich ein erweiterter theatraler Spielraum für Aktionen, Installationen, Informationen, Live-Elektronik und Talk. Der Abend als Web-TV-Show in fünf Teilen wird von der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM) als Live-Stream ins Internet übertragen.—Eine Kooperation des MiR und des Fonds Experimentelles Musiktheater des NRW KULTURsekretariats und der Kunststiftung NRW in Zusammenarbeit mit der KHM. Premiere: 18. September 2010 am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.

http://www.nrw-kultur.de/nrw-kultur/projekte/fonds-experimentelles-musiktheater/produktionen/2010-feeds-hoeren-tv.html#0

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product placements @HR2

Auf folgende Radiosendung möchte ich hinweisen:

Dienstag, 13.04.2010 von 22:00 – 23:00 Uhr, hr2-kultur
Cluster – Leben Sie vom Komponieren?
von Susanne Laurentius

worin auch ich zu Wort komme und das Stück zur GEMA-Aktion product placements gespielt wird.

Doku „Music for a solo Western Man“ online

Programming Electronic Music in Pure Data

Von meinem Buch über Programmierung Elektronischer Musik in Pure Data gibt es nun eine spanische Übersetzung. Ich wurde selber gar nicht direkt informiert, wenn ich es richtig verstehe zeichnet sich dafür ein Raúl Lacabanne verantwortlich. Das freut mich natürlich! Es waren auch schon Übersetzungen ins Französische, Portugiesische und Chinesische im Gespräch, aber davon scheint es noch keine Endergebnisse zu geben.

Für alle spanisch sprechenden PD-Interessenten:

http://www.filefront.com/16053499/Johannes-Kreidler-Tutorial-PD.zip/

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