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Kategorie Sonstiges

Life

(via Tumblr)

Post von Wagner

Lieber György Ligeti,

in einem Fernsehportrait haben Sie geäußert, dass Sie sich ungern waschen. Morgens keine Dusche, am Sonntag kein heißes Bad, und nicht einmal vor dem Schlafengehen eine Katzenwäsche. Auch ich verspüre des öfteren den Unwillen, einen Waschlappen in die Hand zu nehmen oder Seife anzureiben. Wir kommen alle aus dem Staub und gehen dorthin zurück. Von Ihrer Musik verstehe ich nicht viel. Der Soundtrack zu „A Space Odyssee“ hat mir irgendwie gefallen. Ihre Haltung zur Körperhygiene imponiert mir jedenfalls. Als Künstler haben Sie ein ursprünglicheres Verhältnis zum Schmutz. Statt dem Duschen höre ich jetzt morgens Ligeti.

Herzlichst, Ihr F.J. Wagner

Logik

(via FB)

Post von Wagner

Liebe Konzeptmusiker,

unsere Musik ist eine Hinterlassenschaft aus dem Rascheln der Bäume, dem Seufzen der Meere und der Hoheit der Berge. Aber es ist der Mensch, der sieht, der hört und spricht. Ohne den Menschen ist der Ozean nicht groß, er hätte gar keinen Maßstab. Das Echo der Berge bliebe ungehört. Ihr macht mit Musik Begriffskunst, Ideenkunst. Legt an das Klingende eine konzeptuelle Perspektive. Das finde ich beglückend. Es ist der Mensch. Er ist die Größe. Ihr Musikkonzeptualisten, ich liebe euch.

Herzlichst, F.J. Wagner

Post von Wagner

Liebes Publikum,

in New York hat Greta Thunberg eine wütende Rede gehalten. Sie forderte zum Handeln auf, direkt ins Gesicht der Politiker, in das von Merkel, Macron, Johnson. Doch was geschah, als Greta mit ihrer Ansprache fertig war? Schauen Sie an das Ende des YouTube-Videos: Applaus der dort Zuhörenden, großer Applaus, ja sogar Gejohle. Was hat Gejohle nach so einer Rede verloren? Nichts. Greta geht es nicht um Händeklatschen, sondern darum, dass ihre Gedanken Wirklichkeit werden. Und gibt es nicht noch viel mehr Anlässe, wo Applaus verkehrt ist? Wäre nicht auch die Kunst, die in Konzertsälen und Theaterhäusern dargeboten wird, etwas, das man aufnehmen und weitertragen sollte, statt dass man sie stets mit Applaus beendet? Schafft das Klatschen ab!

Herzlichst, Ihr F.J. Wagner

Mahl

(via Tumblr)

Post von Wagner

Liebe Komponisten,
der Sommer geht zu Ende. Man sitzt noch einmal im Schlosspark, raucht eine Lucky Strike. Ihr arbeitet an eurer Musik. Dafür wünsche ich euch viel Glück. Aber seht euch auch mal den Sonnenuntergang an, die Enten im Tegeler See. Brauchen die Enten eure Musik?

Herzlichst, F.J. Wagner

Horizontaler Sonnenuntergang

oder: Meeresspiegelei

(via FB)

Post von Wagner

Liebe Avantgarde,

vor 100 Jahren war Musik auf einmal nicht mehr Dur oder Moll, sondern dissonant. Ein falscher Akkord der Gitarre, eine schräge Klarinette. Aber das galt nicht mehr als falsch oder schräg, sondern war „atonal“. Mittlerweile ist Musik nicht mehr nur etwas Klingendes, sondern hat Video, Performance, Konzepte dabei. Ihr Medium ist nicht mehr nur das Hörbare. Sie machen Videomusik, Musiktheater, Konzeptkunst. Vor 100 Jahren wurde der Musikbegriff als tonaler, heute wird er als medialer aufgelöst. Das muss wohl so sein. Aber es macht mir auch Angst.

Herzlichst, Ihr F.J. Wagner

Das nächste Mal spiele ich nur konzeptuelle Musik

„Next time I’ll only play conceptual music.“