Der von mir geschätzte Komponistenkollege Ulrich Kreppein hat eine umsichtige Analyse / Kritik am gegenwärtigen Konzeptualismus in der Neuen Musik geschrieben, veröffentlicht in den MusikTexten.
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Die Bedeutung allerdings, die konzeptueller Kunst momentan zukommt, ist nicht nur Phänomen, sondern auch Symptom eines bestimmten Kunstverständnisses. Konzeptkunst kommt nämlich – und man mag darüber diskutieren ob das nur ein Missverständnis ist – dem oben beschriebenen Bedürfnis, einer komplexen, langwierigen Kunsterfahrung eine weniger mühsame Alternative entgegen zu setzten, allzu bereitwillig entgegen: der Verkürzung eines großen, widersprüchlichen Ganzen. Nur, dass in diesem Fall ein kulinarischer Ausschnitt durch eine spannenden Idee ersetzt wird. In beiden Fällen aber bleiben Parzellen statt Erfahrungen, und das ist eben doch mehr als nur eine zufällige Gemeinsamkeit.
(Der Text steht online: http://musiktexte.de/WebRoot/Store22/Shops/dc91cfee-4fdc-41fe-82da-0c2b88528c1e/MediaGallery/Kreppein.pdf)
Ich teile/bin einverstanden mit/interessiere mich für viele der Beobachtungen, weniger aber deren Wertung. Mit Kreppeins Argumentation könnte man auch die Aphoristik Weberns oder die Fragmentästhetik Nono’scher Provenienz als „Häppchenkultur“ verunglimpfen.
Mir fehlt bei dem Ganzen eine Dimension, die sich aufzeigt, wenn man den Text mit der lakonischen Antwort konfrontiert: „Einigen wir uns darauf, du machst einfach deins und ich mach meins, okay?“ Hindert jemand Kreppein an der Ausübung seines Musikideals? Wenn ja, wer? Oder warum schreibt er eigentlich über eine Musik-/Kunstrichtung, die sehr weit von seiner eigenen Arbeit entfernt ist?
(Siehe auch meine Fußnote 27 in Der erweiterte Musikbegriff)