Credits stehen ggf. bei dem einzelnen Foto (draufklicken).
RIP Brother HL-2140
Die Idee, einmal die veraltete Regularien der GEMA-Anmeldungen mit einer Aktion kenntlich zu machen, trug ich schon lange mit mir rum und hatte sie bereits allen möglichen Leuten erzählt; als ich dann im Sommer 2008 einfach nichts mehr zu tun hatte, hab ich dieses Video veröffentlicht, was prompt bei den Medien durchgereicht wurde; nur musste ich dann aber schleunigst auch das zugehörige Stück komponieren und 70200 Formulare ausdrucken. Dass das mit dem Tintenstrahldrucker, den ich damals noch verwendete, wohl nicht durchführbar sein würde, war dann auch klar, also bin ich den Elektronikladen nebenan und hab den erstbesten Laserdrucker gekauft. Den hier.
Der hat mir nicht nur in den folgenden 6 Wochen 70200 Formulare ausgedruckt, sondern tatsächlich noch weitere 6 Jahre treu gedient. Nur zuletzt wurde er altersschwach und wollte das Papier nicht mehr so recht ziehen.
Ich schreib das deshalb, um hier mal wieder die Fahne des Positiven hochzuhalten – nicht alles ist durch „planned obsolescence“ einen Tag nach Ablauf der Garantie Schrott. Auch mein Smartphone hat mittlerweile 5 Jahre auf dem Buckel und weist nur die Schäden auf, die ich ihm durch unsachgemäße Behandlung hab angedeihen lassen. Und wenn ich sehe, wie ineffizient an den Flughäfen beim Sicherheitscheck immer noch gearbeitet wird und wie unpraktisch bei den meisten Supermärkten die Kassenanlagen gebaut sind, dann weiß ich wenigstens, dass der Turbokapitalismus noch nicht in den letzten Winkel vorgedrungen ist. Der nächste Drucker wird wieder ein Brother.
Bye bye, Bruder, es war auch dein Werk.
Wenn das mit den Drucker nicht schon schlimm genug wäre, läuft demnächst auch noch die Lizenz meines Virenschutzes ab. Mit welchem netten Programm ich mich absichern soll steht aber weiterhin im Raum, vermutlich werde ich mir den Kundensieger Panda Internet Security näher anschauen und hoffen das meine lieben Mitmenschen mich bei der doch so positiven Bewertung nicht ganz enttäuschen.
Animated Scores
In meinem Weltreisetagebuch habe ich aus Island von der „Animated Scores“-Bewegung berichtet; habe mittlerweile auf der Sammel-Website mir einiges angehört/angesehen, drei Highlights:
Das „Konzept“ des 11. Septembers
Herrje, in meinem Musiktheater „Audioguide“ ging es im ersten Talk-Teil um 9/11; habe dazu viele Texte gelesen und eingearbeitet, bezüglich der ästhetischen Effekte der Aktion, der Avantgarde-Logik, die Stockhausen als erster darin erkannte, der hypermodernen Zahlengewalt, die Wolfgang Ullrich in der Gegenwartskunst beschreibt.
Im Stück fällt zB der Satz:
Unlike other symbolic events such as the sinking of the Titanic, 9/11 is a work of art because it was intended and deliberately executed, the realisation of a concept. No nature and no destiny involved here.
(bei 5’30“)
(Hervorhebung nachträglich)
Und jetzt erst sehe ich, dass ich ein Buch sträflich übersehen habe: Der Dialog zwischen Derrida und Habermas zu diesem Ereignis – Titel: Le ‚concept‘ du 11 septembre.
Aber war der Riecher da. *schulterklopf*
Außergewöhnliche Hörgeräte
Eine schöne Sammlung findet sich auf:
http://www.oobject.com/category/incredible-listening-devices/
(via ./mediatelepolis))))
Geschlechtergerechte Sprache
Michael Seemanns mit Spannung erwartetes Buch „Das neue Spiel“ ist jetzt heraus und hier umsonst zu haben:
http://www.ctrl-verlust.net/buch/
Abgesehen vom Titel – den „Spiel“-Begriff finde ich, genauso in der Musik, zu harmlos – ist es sehr lesenswert; der erste Teil bringt zwar für die, die den Netzdiskurs schon länger verfolgen vor allem Zusammenfassungen von bereits bekanntem, aber der zweite Teil wartet wirklich mit neuen Analysen und Ideen auf.
Unabhängig davon finde ich an dem Buch eine weitere Sache bemerkenswert: Die Lösung für geschlechtergerechte Sprache. Ich finde den heutigen Feminismus ganz berechtigt, und ein Problem ist nach wie vor die Praxis geschlechterungerechter Sprache. Nur führt die bisherige Lösung, jeden Fall für alle Beteiligten gerecht zu schreiben – „Netzfeminist_innen“ – zu einer Entstellung des Schriftbildes, manche Satzkonstruktionen werden dadurch nahezu unlesbar, es hat nicht den Anschein, dass man sich daran gewöhnen könnte. Seemann hat eine andere Lösung gefunden: Er wechselt einfach ab. zB:
Während die klassischen Institutionen versuchen, das jeweilige »Problem« direkt und in Vertretung für ihre Klienten zu lösen, stellt die Plattform ihren Teilnehmerinnen die dafür nötige Infrastruktur zur Verfügung.
Das will ich ab jetzt auch auf diesem Blog und in meinen gedruckten Texten versuchen zu praktizieren, in einer Variante: Das Geschlecht wird nicht abwechselnd, sondern per Zufallsgenerator dekliniert.
P.S. Das Wörtchen „man“ mag ausgesprochen zu diesem Problemkreis gehören, geschrieben halte ich es für ok.
P.P.S.: Siehe auch das Ende des Eintrags im Weltreisetagebuch #21
Streichelsoundfetischvideos auf YouTube
Es knistert. In Darmstadt habe ich von dem perversen Trend auf YouTube erfahren, Aktionen von mikrofoniertem Bürsten/Streicheln hochzuladen. Auch wenn die Community (noch) nicht sehr groß zu sein scheint – das Internet gebiert neue abartige Neue-Musik-Genres. Das notgeile Hashtag lautet #ASMR. Wir warten auf den ersten SauSoundtrend, der nur noch auf YouPorn einsehbar ist.
Die Hände bleiben auf dem Tisch. Viel Spaß beim Hörgasmus. Ihr Ferkelchen.
Jennifer Walshe hat auch schon einen Beitrag zur Erotik am Instrument erstellt:
Demnächst könnt ihr dann die Sexorgie mit 100 Geigen aus „Audioguide“ hier sehen.
Mein Text „Das Neue am Neuen Konzeptualismus“ online
Mein Text „Das Neue am Neuen Konzeptualismus“, der in der Neuen Zeitschrift für Musik 1/2014, die „Konzeptmusik“ als Thema hatte, erschienen war, steht nun online:
http://www.kreidler-net.de/theorie/Kreidler__Das_Neue_am_Neuen_Konzeptualismus.pdf
Snip:
Der Neue Konzeptualismus, der seit Beginn des neuen Jahrtausends zunehmend in der Neuen Musik auftritt, greift diese Denkweise wieder auf. Wiederum prägt eine übergeordnete Idee das ganze Werk: Peter Ablinger deckt die live spielenden Musiker passgenau mit Rauschen zu, Kirill Shirokov verstärkt die Stillen an den Track-Anfängen von Klassik-CDs, Trond Reinholdtsen zweckentfremdet Musiktheoriebücher als Blasinstrumente, Jarrod Fawler begreift die Kapitelnummerierung in Wittgensteins Tractatus als musikalische Proportionsangaben, Seth Kim-Cohen ersetzt die Bass Drum-Fußmaschine mit einem Wagenheber, der den Bühnenboden immer stärker anwinkelt bis zum Weggleiten des ganzen Drumsets, Alexander Grebtschenko lässt kleine Lautsprecher crescendieren bis sie bersten, Hans W. Koch bringt Computer durch fortlaufende Oszillatoraddition zum Absturz, ein anonymes holländisches Kollektiv veröffentlicht täglich auf Twitter kurze Instruktionen wie die, eine Partitur längere Zeit in der Erde zu vergraben, um sie danach auszubuddeln und als klingendes „Tombeau“ spielend zu entziffern.
Eigenlinks
Ein paar Meldungen in eigener Sache-
Am 10. Juli war ich bei der Wikimedia eingeladen zum Thema Urheberrecht – also im Haus, in dem die deutsche Wikipedia zu Hause ist! – hier ein Link zur Veranstaltung, hier gibt’s Fotos, hier der Videomitschnitt.

Der australische Radiosender ABC hat eine Sendung über den „Stutterances“-Abend beim Liquid Architecture-Festival in Melbourne gemacht, hier die Website der Sendung, hier die Sendung (ab 27’47“ wird Kreidler besprochen).
Dem Radiosender AZZZFM habe ich in Melbourne ein Interview gegeben, hier die Website, hier der Podcast.
Die Pianistin Rei Nakamura tourt im November mit einem Programm, das auch meine Study enthält, hier ein Ankündigungsvideo ihrer Tour.
Das Chicagoer Studentenensemble Mocrep hat mein Stück „Der ‚Weg der Verzweiflung‘ (Hegel) ist der chromatische“ vergangenen Juni aufgeführt, hier ein Video der Aufführung.
Dan Tramte hat sein Rotations-Diskontinuitätskonzept (Kulturtechno früher) als Hommage an „Audioguide“ in eine 7-Stunden-Version gebracht / gebracht.
In der Schweizer Musikzeitung Nr. 7/8/2014 steht ein Artikel über meine Aktion „product placements„.

Martin „Hufi“ Hufner hat ein Darmstadt-Kreidler-Photobomb-Meme gemacht. Böse Zungen meinen, das käme der gefühlten Wahrheit über Darmstadt ziemlich nahe.
Die Darmstädter Frühjahrstagung für Neue Musik 2015 wird „Überblendungen. Neue Musik und Film“ zum Thema haben, ich werde dabei sein, hier der Flyer.
In der aktuellen „Titanic“ ist ein Fachmann-Beitrag von mir abgedruckt.
Lecture on Belgian Solutions
David Helbichs herrliche Fotoreihe (früher auf Kulturtechno), von David Helbich präsentiert.




