Von Banksy Kreidler. Via.
Tageslinks
Peter Kirn bespricht auf Create Digital Music Compression Sound Art, Martin Hufner auf der NMZ-Seite und Christian Schmidt-David auf Gulli bzw. Christian Hufgard auf dem Piratenportal.
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GEMA!
Die GEMA schafft es schon wieder, Unmut zu stiften, und diesmal ganz ohne Urheberrechte: Im Bad Blog of Musick berichtet Moritz Eggert, dass wegen technischer Umstellung viele der 2009 anstehenden Ausschüttungen erst 2010 erfolgen werden. Jaja, da geriert sich die GEMA immer als die Schutzhülle der armen Komponisten, aber die können jetzt mal zusehen wie sie ihre Miete bezahlen. So viel Verlass auf die GEMA. Man hielt es ja noch nicht mal für angebracht, die Mitglieder zu informieren, da geht nur, nachdem alle schon auf die Ausschüttung warten, so ein Brief an die Komponistenverbände.
Theo Geissler von der NMZ im Kommentar dazu:
…bei dem “Rückstand” soll es sich um eine höhere fünfstellige Zahl von nicht abgerechneten Programmen handeln. Der Vertrag von Heker [GEMA-Chef] ist vom “alten” Aufsichtsrat im Vorfeld der Wahlen bei der Mitgliederversammlung demnächst sicherheitsalber um fünf Jahre verlängert worden. Ein trefflicher Beitrag zur “System-Stabilisierung”…
Nur nebenbei: Unter der „höheren fünfstelligen Zahl“ sind natürlich auch alle meine Aufführungen.
Dass die Information erst jetzt, nach der Jahrespressekonferenz herausgegeben wird, wird auch kein Zufall sein.
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Tageslinks
Es geht los – Kalifornien erkennt als erste Instititution den E-Reader als Sparmöglichkeit. Dass es auf dieser Welt noch ein paar andere Institutionen gibt, die ebenfalls sparen müssen dürfte bekannt sein und jeder kann nun 1+1 zusammenzählen.
http://turi-2.blog.de/2009/06/10/heute2-schwarzenegger-gedruckte-schulbuecher-abschaffen-6276330/
http://www.heise.de/tp/blogs/4/139937
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Filme, die man besser noch ohne Ton anschaut (1)
So was in der Art hat Werner Herzog in dem sehr schönen Film „Die große Eksatse des Bildschnitzers Steiner“ gebracht, nach 2/3:
Analyse Neuer Musik mit der Medium-Form – Unterscheidung
Für die Hartgesottenen jede Menge Fachsimpelei aus meinem Mund, gestern vorgetragen beim sehr interessanten und anregenden Dritten Treffen des „Netzwerk für Musiktheorie Nord“ an der Musikhochschule Lübeck. Meinen Dank an Organisator Oliver Korte!
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Online-Petition zur GEMA-Reform
Gulli berichtet über eine gestartete Online-Petition zur Reformierung der GEMA. Ich habe unterzeichnet, trotz grundsätzlicher Bedenken zu Online-Petitionen, und in dem Fall trotz meiner Skepsis, was der Gesetzgeber da richten soll, die GEMA ist zunächst ein selbstorganisierter Verein (bei dem allerdings nur die gut Verdienenden abstimmen dürfen; nicht zuletzt darum habe ich mit anderen Mitteln mich bei der GEMA zu Wort gemeldet *g* ). Außerdem kann ich einfach nicht glauben, dass sich nötige 50 000 für die GEMA interessieren.
Wie dem auch sei, es zeigt sich erneut, dass der Wunsch nach GEMA-Reformen immer lauter wird.
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Compression Sound Art
Compression Sound Art
Kommentierte Klänge – Hören zum Mitlesen: Musikalische Zip-Files.
Sämtliche Symphonien Beethovens in einer einzigen Sekunde, komplette Filme in einer halben Sekunde, alle Songs der Beatles in einer Zehntelsekunde – Zeit ist relativ! In der Ära der komprimierten Datensätze, zu Milliarden durch die Glasfaser kopiert, kommuniziert der postmoderne Mensch nur die kurzen Metadaten: Links und Icons, Tweets und RSS-Feeds. Während wir ein leises Kühlerrauschen vernehmen, werden Millionen Rechenvorgänge für uns getätigt.
Die heiligsten Kühe sind kleine Zahlenpäckchen. Großes Kulturgut (Beethoven), Schlachtrösser der Musikindustrie (Beatles), dicke Literaturschinken (Proust), die Schriften der Weltreligionen, sie alle sind heute Daten auf einem winzigen Chip, ihre Icons nur ein paar Pixel nebeneinander. Es gibt nichts mehr allein und neutral, alles hat seine Beschreibung und seinen wandelnden Kontext. Und ein Icon, eine Zusammenfassung genügen für’s Vokabular des Informationsmenschen, wie die französischen Philosophen schon länger wissen: Das Zeichen wird wichtiger als das Bezeichnete, den Rest kann man sich denken bzw. schenken („Filesharing“) oder bei Bedarf einsehen, in der großen Bibliothek da hinterm Ortsschild Google.
Komprimierung. Mp3 ist die neue Bescheidenheit, alle rücken näher zusammen, dann haben alle Platz; es gibt halt so viel! Daten werden gerafft, codiert, verschlüsselt – auch illegale Technologie (DVD-Rip-Code), illegal anwesende Körper (Einwanderer) und 130 000 wahrscheinlich nicht so legal bezogene Songs werden zum Klang entschärft, als Beweismittel untauglich (Gruß Herrn Gorny und Herrn Schäuble!), während sich die Milliardenverluste der Banker zum Ballerspielsound entladen lassen. Score.
In Kürze Gewürze. Am Ende des Lebens läuft nochmal der ganze Film ab, innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde, aber vielleicht ist auch das, was uns wie das eigentliche, lange Leben vorkommt nur eine ausgedehnte Sekunde: Bestenfalls sind wir Eintagsfliegen für die anderen Sternenwesen. Doch was sich alles in einer Sekunde abspielen kann, welche Romane und Dramen in jedem Augenaufschlag passieren und was alles Dämonisches in dem einzigen Wort „Reich“ steckt, wenn Hitler es ausspricht.
Gimme more, one more time! Zudröhnen mit der Wiederholungsschleife, jetzt geht’s viel effizienter, der Refrain des Digitalen kommt in höherem Takt, mehr ist mehr! Ein happy Häppchen-Happening!! Adorno sagte einst, Musik, die schon bekannt ist, solle man schneller spielen. Hier sind sie nun, die neuen Tempi, hier ist die Ästhetik der großen Zahl. Beethoven instrumentalisiert, Stille Nacht instrumentiert.
Aber geben wir uns mit dem Klang auch Mühe, es muss nicht alles digital entwertet sein. Beispielsweise wurde noch nicht die Ostermesse des Papstes auf einer hochwertigen Latexhaut als Membran ausgegeben (mit Noppen als Hochtöner). Oder wieviele Menschen ließen im Irak ihr Leben für eine halbe Sekunde Sound. Halleluja! Weitgereiste Ofenrohre, riesige Mühe für einen einzigen kurzen Klang, diesen Luxus bekommt der, der’s glaubt. Schenken wir Glauben? Sonst ist alle Musik neutral. Aber noch der Mp3-Code, der perfide Computervirus der die Musikindustrie wegrafft, kann selbst hörbar gemacht werden. Klang ist Code und Code ist Klang.
Das Psychogramm des digitalen Menschen ist seine Playlist, die Linkliste sein Hallo. Es sind die Mischungen, die interessant sind, destilliertes Wasser schmeckt nicht. „Ohne die Vermischung der Geister kann keine Liebe entstehen.“ (Ferdinand Santanelli, „Geheime Philosophie oder magisch-magnetische Heilkunde“, Neapel 1723). Jedes „Re-Entry“ (Luhmann) ist ein Fest, denn im Digitalen gehen viele Söhne verloren. Mash-Up ist Flirt, Liebe, Leben. Feiern wir nun einen polymetrischen Tanz in Hyperintervallen.
Playlist:
Mit Dank an Martin Schüttler.
Johannes Kreidler, Mai 2009
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