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Tageslink: Rezension von „Musik, Ästhetik, Digitalisierung – Eine Kontroverse“

Paul Hübner schreibt über das Buch „Musik, Ästhetik, Digitalisierung – Eine Kontroverse“, von Harry Lehmann, Claus-Steffen Mahnkopf und mir, erschienen im Wolke-Verlag letztes Jahr.

http://magazin.klassik.com/reviews/reviews.cfm?task=review&REID=12248&RECID=18662

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„Narayana’s Cows“ von Tom Johnson

Ein schönes Beispiel für die gehaltsästhetische Wende ist Tom Johnson’s „Narayana’s Cows“. Johnson hat ein mathematisches Problem in Musik umgesetzt. Ultraalgorithmisch, zugleich ganz aus der Lebenswelt!

Six or eight years ago one of us (T.J.) found a German edition of a little book on the history of mathematics by a Ukranian scholar named Andrej Grigorewitsch Konforowitsch. The book was full of curious information, but I was particularly struck by the following, which Konforowitsch attributed to Narayana, an Indian mathematician in the 14th century:

A cow produces one calf every year. Beginning in its fourth year, each calf produces one calf at the beginning of each year. How many cows and calves are there altogether after 20 years?

In working this out, T.J. came to know a unique numerical sequence, and a year or so later I found a way to translate this into a composition called Narayana’s Cows. It begins with the original cow and her first calf: long-short. The second year she has another calf: long-short-short. The third year: long-short-short-short. Then in the fourth year, the first calf also becomes a mother and the herd grows from four to six: long-short-short-short-long-short. The music continues like this, though it doesn’t go all the way to the 20th year, because by the 17th year there are already 872 cows and calves and 15 minutes of music.

Noch mehr dazu hier.

Johnson hat das in ein zweistimmiges Musikstück gesetzt. Ein Moderator erklärt jeden Zwischenschritt. Mit der Zeit erzeugt diese Melodik, oktavierend gespielt, einen ziemlichen Sog, ja, man mag fast mitpfeifen! Und dennoch, so man diese Unterscheidung machen will: Das kann nur Neue Musik sein, kein Popmusiker würde so etwas ersinnen.

Witzig ist auch, dass Johnson, in alter Kunst-der-Fuge-Tradition, keine Instrumentation vorgegeben hat. Hier verschiedene Interpretationen:

Oder in griechisch, mit Kuhanimation:

Und ein kurzer Ausschnitt aus der E-Gitarren / Keyboard / Blockflöten – Version:

Ich habe das Stück letztes Jahr bei der „Night of the Unexpected“ im Rahmen der Gaueamus Music Week gesehen, mit ziemlich großem Ensemble, war eine prima Sache; (in Deutschland ist so ein Stück wohl kaum vorstellbar). Die Schlusspointe, so es denn eine ist, verstehe ich allerdings nicht.

Klavier mit iPad-Dock

Da hat mein russischer Klavierlehrer damals Augen gemacht, als ich den Laptop auf den Flügel stellte. Höchste Zeit, dass Steinwey & Sons auch eine iPad-Station integrieren.

Ja, is nur ein Clavinova!

(via gizmodo)

Strafe muss sein: Fagott spielen!!

IKEA instructions for Stonehenge

A Geek is born

Konzerthaus – Empfehlung

Mein alter Freund Arno Lücker, inzwischen Dramaturg am Konzerthaus Berlin, wies mich auf Lucia Ronchettis neues Musiktheater „Lezioni di Tenebra“ (Uraufführung) hin. Die Premiere ist am 24.02. um 20 Uhr im Werner-Otto-Saal, weitere Vorstellungen folgen am 25., 26. und 27. Februar. Arno schreibt, dass dieses Musiktheaterprojekt schon von der Zuschauerperspektive sehr ungewöhnlich sein soll. Eine Art barockes (die Oper bezieht sich auf Francesco Cavallis „Il Giasone“ von 1649) und avantgardistisches Riesenmarionettentheater zugleich. Das Ganze dauert wohl auch nur knapp mehr als eine Stunde – und ist, richtig: empfehlenswert!

Hunderte Touristenfotos übereinandergeschichtet

Die Schweizer Künstlerin Corinne Vionnet hat Touristenfotos bekannter Motive aus dem Netz gefischt und übereinandergeschichtet. Resultat sind geisterhafte Bilder.

(via Dangerous Minds)

Semantische Audioanalyse – Tutorial

Ein schön gemachtes Tutorial über semantische Audioanalyse von Jörn Loviscach:

(via sonic system)

Ein paar Gedanken über Guttengate

Überall ereifert man sich nun, den Abschreiberbaron von und zu Googleberg entlarvt zu haben, auch ich konnte mich der Häme nicht so ganz enthalten. Klar ist aber, dass wir alle in der Copy&Paste-Kultur leben, meiner einer redet ja seit Jahr und Tag davon, Kopieren sei eine Kulturtechnik usw. und ich habe in einer öffentlichen Aktion bei der GEMA den absurden Fall geschaffen, dass für ein 33sekündiges Musikstück 70.200 Formulare zur Anmeldung notwendig waren.

Ich bin absolut dafür, fremdes Material zu verwenden. (Dazu ein schöner Text von Bert Brecht.) Ich bin gegen 70.200 Formulare, ich bin gegen urheberrechtlichen Schutz bis 70 Jahre nach dem Tod des „geistigen Eigentümers“. Aber zumindest soll die Haltung des Remixers kenntlich sein, und meinetwegen, irgendwie, die Zitate auch, wie das eben möglich ist; in der Kunst sehe ich das wesentlich libertärer, in der Wissenschaft sollte wohl schon eine Form von Korrektheit bzw. Redlichkeit vorhanden sein.

Bei der heutzutage verfügbaren Informationsmenge ist es durchaus gegeben, dass eine Doktorarbeit reines Mash-Up ist, Textkorpus von 100 Seiten und Fußnoten/Literaturliste 1000 Seiten. Auch die Tatsache, dass eine Dissertation etwas „Neues“ allem Zitierten hinzuzufügen habe, stellt sich neu, wenn allein schon das Zusammenkarren von Tausenden Zitaten eine Arbeit und Leistung darstellt, die die Wissenschaft weiterbringt. Wenn erst mal alles digital ist, wird man vielleicht einfachere Formen des Zitierens in der Art von Hyperlinks oder Metadaten praktizieren können. Ich fände es gut, wenn „Guttengate“ auch in diese Richtung eine öffentliche Debatte losträte.

Ähnlich wie im Fall Helene Hegemann vermischen sich bei Guttengate leider zwei Dinge: Da hat jemand viele Neider oder ist einfach manchen mißliebig, und dann passiert demjenigen etwas mehr oder weniger moralisch Verwerfliches. In beiden Fällen ist dieses Malheur, dass beim „Abschreiben“ erwischt wurde; jetzt jagt man das Kopieren und Einfügen in eine Ecke von Annodazumal, als ob Unschuldige dastünden, die alles Recht zum Steinewerfen hätten, und dahinter nicht ein generelles Problem steckte: die Allverfügbarkeit von Informationen heute.

Ich mochte zu Guttenberg noch nie leiden. Früher wohnte ich fast neben dem Verteidigungsministerium, und prompt stand er mal neben mir an der Ampel. Er sieht aus wie ein wiedergeborener Monokelträger (Adel gehört endgültig abgeschafft!), outet sich als AC/DC-Fan (wahrscheinlich sind alle AC/DC-Fans CSU-Wähler) und gibt den Schwiegermutterliebling mit verzeihlichem Mangel an Gefühl für die Haargeldosierung. Es ist irgendwie auch typisch für Leute wie ihn, dass er in so ein Fettnäpfchen tritt – Kavaliersdelikte werden von „Kavalieren“ begangen. Unter seinem Kommando kämpfen und sterben Wehrmachtssoldaten deutsche Soldaten in einem von den USA bzw. den Öllobbyisten losgetretenen Krieg in Afghanistan. Er ist Teil einer Art Kaste in der Politik, und er ist in einer größtenteils bescheuerten Partei. Fort mit Politikern wie ihm! Aber andere Gründe halte ich für zwingender als seinen nebenher mit möglichst wenig Aufwand zusammengeklaubten Doktor, ob mit oder ohne Abschreiben, den er halt für die Karriere brauchte. Der jetzige Fall fügt sich nur ins Gesamtbild: Sein vom Wahlvolk verliehenes „summa cum laude“ entbehrt entsprechender Leistungen.

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