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Fragebogen über mitteilsame Musik

Nächste Woche Freitag (2.12.) gibt’s beim Festival Rainy Days in der Luxemburger Philharmonie, welches heuer “Let’s talk to each other” zum Thema hat, meine Show “Giving Talks”, eine szenische Kompilation der Werke “Fremdarbeit”, “Music for a Solo Western Man”, “Compression Sound Art” und Teile aus “Feeds. Hören TV”. Es spielt das Ensemble Lucilin geleitet von David Reiland, ich selbst werde moderieren, mit Festivalchef Bernhard Günther als Sidekick; es tanzt Manuel Romen, die Klang- und Videoregie betreut Tobias Knobloch.

http://www.rainydays.lu/2011/index.php?id=0212&PHPSESSID=lrh6eaat65et8gll9q332rc7r1

Für das Programmheft sollten die beteiligten Komponisten des Festivals einen Fragebogen ausfüllen; das sind meine Antworten:

Wo würden Sie Ihre Kompositionen auf einer Skala der Mitteilsamkeit von 1 (sie sollten vollkommen rätselhaft bleiben) bis 10 (sie sollten vollkommen selbsterklärend sein) idealerweise sehen wollen?

11 (10 und 1)

Und realistischerweise?

10.1

Welche Stücke anderer Komponisten aus der Vergangenheit oder Gegenwart finden Sie persönlich besonders gelungen im Blick auf ihre verbale Mitteilsamkeit?

Alvin Lucier, I am sitting in a Room
Nicolaus Huber, Harakiri
Bob Ostertag, sooner or later
Martin Schüttler, Leerstand
Trond Reynholdtsen, Unsichtbare Musik
Patrick Frank, The Law of Quality
Lars Petter Hagen, To Zeitblom

Welche verbalen und sonstigen nicht im engeren Sinne ‹rein› musikalischen Mittel setzen Sie am liebsten ein, um einem Publikum etwas mitzuteilen? Gesungene Texte, gesprochene Texte (als Teil der Aufführung), sichtbare Texte (während der Aufführung), Texte im Programmbuch, Einführungsvorträge vor der Aufführung, Gespräche nach der Aufführung, Videos, Websites, Bilder, Objekte, Licht, …?

Vornehmlich Moderation und Video.

Haben Sie manchmal das Gefühl, zugunsten deutlicherer kommunikativer Aspekte einer Komposition bei der ‹rein musikalischen› Qualität oder Wahrnehmbarkeit Abstriche machen zu müssen?

Ja, manchmal, und manchmal macht das gar nichts, und manchmal ist es schade.

Was bedeutet für Sie die Arbeitsteilung oder Rollenvermischung zwischen Komponist, Performer, Textautor, Sprecher/Kommentator, Video-/Filmemacher, Regisseur, …?

Arbeitsteilung ist ein Übel in der Kunst, wenn so etwas wie ein Gesamtkunstwerk angestrebt wird. Funktionaler Einsatz verschiedener Medien hingegen ist gut, wenn es ein Gesamtkonzept und einen Chef gibt.

Welche Reaktionen löst das folgende berühmte Zitat von Theodor W. Adorno (1953/1959) heute bei Ihnen aus?
«Die Schocks des Unverständlichen, welche die künstlerische Technik im Zeitalter der Sinnlosigkeit austeilt, schlagen um. Sie erhellen die sinnlose Welt. Dem opfert sich die neue Musik. Alle Dunkelheit und Schuld hat sie auf sich genommen. […] Keiner will mit ihr etwas zu tun haben, die Individuellen ebenso wenig wie die Kollektiven. Sie verhallt ungehört, ohne Echo. […] Sie ist die wahre Flaschenpost.»

Nun ja, so sinnlos erscheint die Welt heute nicht mehr, im Gegenteil, wir haben gewaltigen Sinnüberschuss und einen Ozean voll Flaschenpost: das Internet.

Wie hat sich die Beziehung zwischen Komponisten und Zuhörern in den letzten Jahrzehnten verändert?

Vielleicht etwas kommunikativer, durch das Internet. Ist aber (noch) nicht allzu verallgemeinerbar.

Wie stellen Sie sich Sie die idealen Hörer Ihrer Musik vor?

„Wenn zwei Sechzehnjährige sich in der Mansarde oder auf einem Waldgang an dem Autor begeistern, den sie entdeckt haben, so ist das wichtiger als die Tagung eines Schriftstellerverbandes oder die Verhandlung einer Akademie.“ (Ernst Jünger)

Gibt es sonst noch etwas, was Sie Ihrem Publikum im Festival rainy days 2011 an dieser Stelle mitteilen möchten?

Sapere aude.

2 Kommentare

  1. mike

    Worüber sich hier die Musik-Akademiker unterhalten… hat die Popkultur schon längst dekonstruiert, tausendmal durchgekaut und wieder veri- und falsifiziert… was sollen die blöden fragen? punkrock alta!

  2. Andreas K

    Hallo Troll,
    kannst du mal präziser werden? Sonst bist du nur so drollig trollig.