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Portrait meines Großvaters Robert Kreidler (1902-1985) mit Schallwellen

Stolz ist das falsche Wort – ich bin einfach ein bisschen froh, dass er (und seine Frau, meine zu früh verstorbene Großmutter) entschiedene Nazigegner waren.
Aus ihrer Meinung über das Regime machten beide öffentlich keinen Hehl, und im Krieg versteckte die Großmutter zu Hause einen Deserteur.
Wahrscheinlich bewahrte sie vor der Verhaftung nur der Umstand, dass sie in einem sehr abgeschiedenen ländlichen Gebiet im Schwarzwald mit dessen spezieller
familiär-sozialer Struktur lebten. Jedoch wurde er, zweifellos als Maßregelung, trotz fortgeschrittem Alter schon 1940 als Soldat eingezogen. 1947
kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück, mit nur noch 3 Zähnen. Sein Leben lang blieb er in freundschaftlichem Kontakt mit dem französischen Bauern,
auf dessen Betrieb er 1945-47 arbeiten musste. Später habe ich meinen Vater gefragt, warum dessen Eltern eigentlich Nazigegner waren – das war im
historischen Kontext ja nicht selbstverständlich. Mein Vater konnte es nicht sagen. In Erinnerung habe ich ein Bild vom Opa, den ich als
kleines Kind noch kennenlernte, >komponiert< , nach Vorlage eines Fotos, das mein Vater von ihm Mitte der 1960er Jahre schoss.

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