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N 5∆° $’ h3,s“ – unmögliche GEMA-Titel

Aktuell gibt es den Fall, dass das Frankfurter Klangkünstler-Duo CLUBbleu eine CD aufgenommen hat, deren Titel lauten:

1. N 5∆° $’ h3,s“
2. E H° ¥8’ r!,d“
3. N 5D° µ’ Bs,8“
4. E S° ©r’ 49,eR5“
5. W 5@° 1’ !3,n“
6. A 0° $c’ ¡1,l“
7. L Ïn° 5’ ∑,<†§“ 8. L S° 7ø’ N€,d“ 9. A T®° ∆’ ƒ,F!¢“ 10. N B° 3¥’ 0n,D“ 11. L 5R° ¡’ o,+“ 12. A 4° Ωv’ @7,iç“ 13. G 5P° µ’ 1¿,a√“ 14. E D° øW’ n†,!m3“ 15. N Cr° 0’ $5,În6“

„Unsere Werktitel bestanden aus einem wohl durchdachten System aus GPS-Daten ausgewählter Orte der Stadt Frankfurt/Main sowie Übersetzungen ins Leetspeak.“ schreiben die Künstler. Bei der GEMA hingegen nahm man erst mal eine Formatierungspanne an, und nachdem die Richtigkeit der Titel von den Urhebern bestätigt wurde, hat die GEMA erklärt, dass solche Titel bei ihnen nicht gehen und hat alle 15 Tracks stattdessen mit dem Titel „-“ versehen. Die Künstler sehen hier einen unangemessenen Eingriff in ihre künstlerische Freiheit, gegen den sie protestieren:

“Spiel & Spaß mit der ‪#‎GEMA‬ !!! EDV-Konzeptualismus. Danke, liebe GEMA, für’s Mitkomponieren! Am 16.7.2014 führen wir unsere Komposition „DARK ENERGY – frankfurt album“ urauf, die aus 15 Einzelsätzen besteht, von denen mittlerweile offiziell jeder Satz den Titel „ – “ trägt. Diese äußerst kreativen und genial ausgeklügelten Namen erhielten unsere Kompositionen von der GEMA, die sich weigerte, unsere Werktitel zu übernehmen. Nachdem wir einen panischen Anruf einer überforderten GEMA – Schreibkraft bekamen, die nach Anmeldung unserer Komposition massive Formatierungs-Unfälle befürchtete, teilten wir der GEMA mit, dass die von uns eingereichte Liste genau so, wie sie ist, ihre Richtigkeit hat. Unsere Werktitel bestanden aus einem wohl durchdachten System aus GPS-Daten ausgewählter Orte der Stadt Frankfurt/Main sowie Übersetzungen ins Leetspeak. Die Titel der Einzelsätze hatten einen für uns inhaltlich unerlässlichen Bezug zur Gesamtkomposition. Doch leider ist das anscheinend in höchstem Maße eingeschränkte und absolut veraltete Verarbeitungssystem der GEMA nicht in der Lage, solche Werktitel aufzunehmen! Das bedeutet: Entweder man benutzt seine Computertastatur möglichst ohne die „alt“ – Taste, oder die GEMA beteiligt sich ungefragt am kompositorischen Prozess. Wenn es einen Sinn gemacht hätte, alle Einzelsätze mit „ – “ zu betiteln, liebe GEMA, dann hätten wir das gerne selbst gemacht! Wir betrachten das als eine Form von Zensur und damit verbunden als eine künstlerische Einschränkung, die absolut untragbar ist! Das wäre ja so, als ob ein Verlag sagen würde „Leider können wir Ihre Komposition so nicht abdrucken, weil sie Sonderzeichen enthält, die in unserem Notenprogramm nicht vorhanden sind. Daher haben wir diese durch Pausen ergänzt.“ Da fragen wir uns ernsthaft, wie es sein kann, dass DIE Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte in Deutschland nicht in der Lage ist, uneingeschränkt auf wie auch immer gewählte Werktitel der Künstler einzugehen, die sie selbst vertritt??!! Ganz ehrlich, wir dürfen einem Stück keinen Werktitel wie L Ïn° 5’ ∑,<†§“ geben, aber wenn wir es stattdessen „FICK MICH MIT EINER GABEL IN DEN ARSCH“ genannt hätten, wär’s super gewesen, weil es ins EDV-System passt????!!! Wir nehmen die Ankündigung unserer Uraufführung zum Anlass, öffentlich auf diesen Missstand aufmerksam zu machen! Wer Lust hat auf einen ganzen Abend voller „ – “, ist herzlich eingeladen, am kommenden Mittwoch (16.7.) im historischen museum frankfurt vorbeizuschauen. Konzertbeginn 19:00 Uhr. Live – Electronix, Live-Visualz, Lounge-Atmo & „-“ !”

Vor einigen Jahren hat Alexander Grebtschenko ein Stück mit dem Titel „durchgestrichen“ komponiert, den hat die GEMA damals auch nicht akzeptiert.

Das rührt – mal wieder – an dem grundsätzlichen Problem der GEMA: Dass sie die Musik formalisieren muss. Auf dem Werkanmeldebogen wird beispielsweise nach „Anzahl der selbständig geführten Stimmen“ oder nach „Opuszahl“ gefragt, Kategorien, die irgendwie nicht mehr so ganz einiger gegenwärtiger Musikproduktionen entsprechen. Ich hatte seinerzeit ja an dem Passus über Fremdanteile („Originaltitel von verwendeten Volksweisen oder anderer im Original urheberrechtlich freier Werke sind hier zu nennen. Wurden urheberrechtlich geschützte Werke verwendet, ist generell die Genehmigung der Rechteinhaber der geschützten Werke in Kopie beizufügen. Die immer noch weit verbreitete Ansicht, dass acht oder auch vier Takte ohne Zustimmung benutzt werden dürfen, ist falsch.“) eine ganze Aktion aufgehängt.

Hier scheint das Problem aber schlichtweg in der EDV zu liegen – Sonderzeichen in Musiktiteln sind bei der GEMA nicht vorgesehen. Ob das nun künstlerisch beschneidend / praktikabel ist, die Zwangsumbenennung in der Datenbank, die dann immer mit den eigentlichen Titeln abgeglichen werden muss, wird sich noch zeigen, peinlich ist es jedenfalls für die GEMA schon ein bisschen, dass derlei Zeichen nicht kompatibel sind und dass sie kurzerhand diese ‚kreative‘ Umbenennung vornimmt.

(via couldn’t find a bomb)

Siehe auch Alexander Strauchs Artikel zu dem Fall im Bad Blog.