Auch wenn’s jetzt wahrscheinlich schon jede(r) kennt, dieses Meme ist, ähnlich den Hitler-Untertitelungen, so wunderbar, dass es in die Sammlung gehört:
Mitte November hat Lt. John Pike, ein Officer der UC Davis Police, bei einer Occupy- Kundgebung an der University of California in Davis, etwa ein Dutzend Studenten, die friedlich auf dem Boden saßen, von Kopf bis Fuß mit Pfefferspray behandelt, mit einer Haltung als würde er gerade zu Hause im Wohnzimmer mit Fliegenspray hantieren.
Das Bild zeigt geradezu ikonisch ein Verhältnis von Volk und Staatsmacht. Und so machte der bemerkenswerte Ausdruck des „Pepper Spraying Cop“ bald die Runde und zeigt das Thema als durch die ganze Geschichte gehendes.
Angesichts dieser schönen Crowd-Kreativität kann man eine einfache Theorie des Kunstschönen erstellen: Ein wesentliches Moment von Schönheit in der Kunst ist die Kreativität.
Unlängst hatte ich hier das faszinierende Pendel-Video, und ich hab mal etwas salopp dazugeschrieben, dass das schön, aber ’natürlich‘ keine Kunst sei. Dahinter steckt die alte Frage nach Kunst und Naturschönheit. Ich erinnere etwa an Schopenhauers Diktum:
Inzwischen heißt ein Optimist mich die Augen öffnen und hineinsehn in die Welt, wie sie so schön sei, im Sonnenschein, mit ihren Bergen, Thälern, Ströhmen, Pflanzen, Thieren u.s.f. – Aber ist denn die Welt ein Guckkasten? Zu sehn sind diese Dinge freilich schön; aber sie zu seyn ist ganz etwas Anderes.
(Die Welt als Wille und Vorstellung, Kapitel 46 – Von der Nichtigkeit und dem Leiden des Lebens)
Johann hat in den Kommentaren zurecht bemerkt, dass das Pendelarrangement nicht wirklich der „Natur“ zugerechnet werden kann, und eigentlich dem Verfahren der Minimal Music gleicht. Tatsächlich, es fällt mir erst jetzt wieder ein, gibt es von Steve Reich die „Pendulum Music“ von 1968:
Will sagen: Ich nehme alles zurück!
Auch das vormals gepostete Pendel-Video hat jemand musikalisiert, wenn auch durch die Pentatonik etwas unnötig verkitscht:
I assigned one note in a pentatonic scale to each ball so that the whole group covers 3 octaves (15 balls). I used a pentatonic scale (C,D,F,G,A) so that the notes would sound good together no matter which ones were playing. Each ball has a corresponding octave as well so that the first ball, for example, plays a low C when it swings to the right and C an octave higher when it swings left. So, actually, there are a total of 4 octaves being played. I panned each note correctly left and right in the stereo field so that (if you listen in stereo – preferably with headphones) you can also get a more pronounced sense for the spatial patterns.
The lowest note plays at 51 bpm, the second at 52 bpm on up to 65 bpm. That way each note is (theoretically) in time with its corresponding pendulum. There is a small discrepancy in timing – probably because it’s difficult to start them perfectly together, but it basically works.
Das Blog BOOOOOOOM! ruft zum Re-Enactment von Klassikern der Kunstgeschichte auf.
Kurz vor seinem Tod hat Martin Kippenberger Szenen des Bildes Das Floß der Medusa von Géricault sehr ergreifend nachgestellt und die Fotos dann wiederum gemalt. Das Schicksal der Ertrinkenden ereilte ihn bald darauf: Er starb an seinem Alkoholismus.
Früher habe ich in der Nähe des Straßenstrichs von Berlin gewohnt. Da hat man manchmal im Vorbeigehen einen leibhaftigen Otto Dix sehen können.
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Letztes Jahr habe ich in Esslingen eine Roboterdemonstration durchgeführt (siehe unten) – die Maschinen werden Zukunft nicht nur die Arbeit übernehmen, sondern auch den Arbeitskampf.
Ähnlich das Konzept des OCCU(PI) Bot von Randy Sarafan, der aus aktuellem Anlass über die Wall Street rollt.
Learning from the lessons of the 1%, I set forth to outsource our occupy-related labor to a robotic workforce. Robots obviously have many advantages over their human counterparts. For instance, robots never get tired, they don’t get cold, they don’t sleep, nor eat, don’t require tents, and when armed insurrection becomes necessary, robots are much more morally ambivalent. Additionally, we had a discussion with an unnamed member of the San Francisco police force and they confided in us that the police currently do not have any plan for dealing with robotic occupiers.
For all of those reasons and more, I present to you Occu(pi) Bot; the first in a promising line of tireless, unstoppable, robotic class warriors.
Erik Kessel hat sämtliche Bilder, die auf Flickr an einem Tag hochgeladen wurden, ausgedruckt und im Foam Fotografiemuseum Amsterdam ausgestellt. Ein kleiner Ausschnitt aus dem totalen Archiv.
..damit er dem Typen da hinter uns sagen könnte, dass er von McLuhan keine Ahnung hat.
Marshall McLuhan, der gerne mit seiner Berühmtheit und seinen Slogans („The Medium is the Message“) kokettierte („The Medium is the Massage“), in einem Auftritt in Woody Allens „Annie Hall“.
Der chinesische Konzeptkünstler Mao Tongqiang hat Martin Luther Kings berühmte „I have a dream“-Rede in die heute ausgestorbene altchinesische Tangut-Schrift aus der untergegangenen Westlichen Xi-Xia Dynastie (1038 bis 1227) übersetzt und in 385 Marmorquader meißeln lassen. Es gibt weltweit nur noch 10 Experten, die diese Schrift lesen und schreiben können.
Der Witz daran ist, dass der Künstler eine Rede über die universalen Werte einer modernen Gesellschaft in die Sprache eines untergegangenen Feudalreiches transkribierte, die keinerlei Begriffe für „Freiheit“ hatte.
Ein Prinzip, das man auch in der Musik anwenden könnte: Die unmögliche Transkription. Man stelle sich etwa Stockhausens „Gesang der Jünglinge“ in der Clavichord-Fassung vor.
Es war übrigens sehr schwierig, diese Fotos im Netz zu finden; der Künstler wird vom chinesischen Regime stark unterdrückt.
Marine Hugonnier nimmt alte Tageszeitungen und ersetzt die Fotos mit abstrakter Malerei. Schönes Prinzip, das auch die Avantgarde-Musik endlich mal anwenden könnte – zB ein Werbespot oder ein Radiojingle, ersetzt mit atonalen Klängen. In Feeds. Hören TV habe ich eine Talk Show veranstaltet, aber als „Band“ ein Neue-Musik-Ensemble eingesetzt.