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Kategorie Museum für moderne Kunst

Radiogespräch aus der John-Cage Nacht online

Das Radiogespräch zwischen Mark Barden, Martin Schüttler und mir, moderiert von Carolin Naujocks, anlässlich John Cages 100. Geburtstag (Kulturtechno berichtete), hat jemand hochgeladen.

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Aphorismen des Tages:

 

Verehrt die Idee!

Vergeudet mehr Fragen!

Diese brutale Wechselnote

harmonisches Pech

Duett der Hoden

Johann Sebastian Bach (1929-1959)

Form
Augen
Vertonung

Medienkunst, 1973

Medienkunst avant la lettre: Kaum zu glauben, der Film ist von 1973.

‘Three transitions’ von Peter Campus

(via pietmondriaan)

Ablingerization before Ablinger

Peter Ablinger ist unter anderem mit seinem „sprechenden Klavier“ berühmt geworden. Die Technik hat aber durchaus ihre Vorläufer; mir war bislang von Clarence Barlows Experimenten bekannt, auf Facebook wurde ich nun auf diese Aufnahme von 1989 hingewiesen, in der ebenfalls immer wieder gesprochener Text und synchrone Instrumentierung der Sprechmelodie erklingen.

Update: Hab ganz vergessen (danke für den Hinweis, Matthias!), dass Vinko Globokar schon 1973 „Toucher“ geschrieben hat, selbes Prinzip, nur noch nicht so genau mit Tonhöhen. Eine von vielen Aufnahmen auf YouTube:

Früher auf Kulturtechno:
Peter Ablinger, Voices and Piano
Peter Ablinger, Quadraturen

Kreidler @Spahlinger-Gesprächskonzert im DeutschlandRadio

Heute Nacht um 0.05h wird auf DeutschlandRadio Kultur das erste von drei Gesprächskonzerten der Darmstädter Ferienkurse übertragen, bei denen ich mitgewirkt habe.

46. Internationale Ferienkurse für
Neue Musik Darmstadt 2012
Böllenfalltorhalle, Darmstadt
Aufzeichnung vom 21.7.12
Recherche/hören I

Mathias Spahlinger
‚gegen unendlich‘ für Bassklarinette, Posaune, Violoncello und Klavier (zwei Aufführungen)(1995)
Andrew Digby, Posaune
ensemble recherche
Moderation:
Mark Barden, Johannes Kreidler, Martin Schüttler

Das Konzept ist einfach und klar und führt doch hoffentlich nicht nur zu intensiven Höreindrücken, sondern auch zu kontroversen Auseinandersetzungen: An drei Matinee-Vormittagen wird das Freiburger ensemble recherche jeweils ein Werk von Mathias Spahlinger, Brian Ferneyhough und Wolfgang Rihm zweimal zu Gehör bringen. Zwischen beiden Aufführungen befragt das Komponisten-Trio Mark Barden, Johannes Kreidler und Martin Schüttler als Vertreter der jungen Generation die Vätergeneration. Ehrfurcht ist hier fehl am Platz – und auch nicht zu erwarten, wenn man die drei Herren Barden, Kreidler und Schüttler richtig einschätzt, sodass ein Austausch zu erwarten ist, der wirklich in die Tiefe geht, worauf sich freilich Spahlinger, Ferneyhough und Rihm auch darauf einlassen müssen …

http://www.dradio.de/dkultur/vorschau/

Am 20. dann kommt das Gesprächskonzert mit Brian Ferneyhough und am 27. das mit Wolfgang Rihm. Kulturtechno wird noch mal darauf hinweisen.

Anton Wassiljews „Blood on the Dancefloor“

Anton Wassiljew hat eine interessante Ästhetik geschaffen mit Computersprecher und einem Haufen ulkiger Ansagen.

Anton Wassiljew
Blood on the Dancefloor
für Ensemble und Live-Elektronik (2011/12)

Atelier Neue Musik
HfK Bremen
René Gulikers, Ltg.

(via usernamealreadyexists)

John Cage. Der totale Avantgardist

Heute wäre John Cage 4 Minuten und 33 Sekunden alt geworden.

Fürs Feuilleton einer bekannten Berliner Zeitung sollte (u.a.) ich einen Text darüber schreiben, was Cage einem Komponisten heute bedeutet. Das Projekt wurde leider kurzfristig von der Redaktionskonferenz abgesägt, aber egal, dann kommt er eben hier.

 

Der totale Avantgardist

Ausgerechnet zum lapidaren hundertsten Geburtstag wird er gefeiert, er, dessen Werke Titel wie 34’46.776″, 31’57.9864“, 26’1.1499″ oder auch 0’00“ tragen. Was für ein schlechtes Stück wäre sein berühmtestes, wenn es nicht 4 Minuten und 33 Sekunden, sondern 5 Minuten hieße! Wie dem auch sei, die meisten Aufführungen kann man sich gar nicht anhören, die Musik klingt schrecklich staubig und dauert quälend lang. Dabei ist er einer der Größten, auch für mich.

Er war Performer, Konzeptkünstler und Multimediakünstler, als diese Begriffe noch lange nicht existierten. Er war der unschönbergischste Schönbergschüler, überhaupt hatte er praktisch keine musikalischen Vorbilder. Darin ist er mir ein Vorbild. Es ist richtig so, dass seine Musik nicht anhörbar ist, ich bin ihm dankbar für diese Unerträglichkeit, denn trotzdem merke ich: Ich bin eben zu schwach. Sich dumm fühlen ist auch ein Erhabenheitsgefühl. Zufall, Cages Prinzip, kann ja aufgefasst werden als Undurchschaubarkeit aller beteiligten Kräfte. Wären wir nur viel aufmerksamer und viel intelligenter, wir könnten voraussagen, wie der Würfel fällt; wären wir viel geschickter im Wurf, wir könnten ihn beherrschen. Aber so kommt es, dass erst nach Jahren Dieter Schnebel entdeckt, welche Summe die 4 Minuten und 33 Sekunden, die einst als Dauer für das Nicht-Stück erwürfelt wurden, ergeben: 273 Sekunden, just wie der absolute Temperaturnullpunkt bei -273 Grad Celsius. Der Nullpunkt der Musikgeschichte, er hat sich selbst den besten Namen gegeben.

Cage hat das Denken über Musik revolutioniert, als Macher durch und durch, als Bastler, Aufführender und Vortragender. Wahrscheinlich sind es bei aller Radikalität doch die Mischungen, die funktionieren: Er quälte das Publikum und war zugleich der freundlichste Mensch, er war Anarchist und forderte diszipliniertestes Musizieren, das Hauptinstrument des Revolutionärs war, wie bei den Alten, das Klavier, selbst wenn es nicht gespielt wurde – 4’33“ ist ein Klavierstück.

Mittlerweile gibt es von dem stillen Stück über tausend Mitschnitte auf YouTube, von der Blockflötenversion bis zum großen Orchester; Harald Schmidt und Helge Schneider haben es aufgeführt, eine vielbeachtete Facebook-Initiative versuchte, das Werk zu Weihnachten auf Platz eins der Charts zu hieven. Er ist in der Popkultur angekommen. Sein Stück Organ²/ASLSP (as slow as possible) wird seit dem Jahr 2001 in der Halberstadter Sankt-Buchardi-Kirche mit der Dauer von 639 Jahren aufgeführt. Das totale Largo, bei dem jeder Tonwechsel ein Partyanlass ist (auf YouTube zu sehen). Da feiert das Denken ein Fest – nur anhören kann man sich die Musik nicht wirklich.

Originale kann man kopieren, Originalität nicht. Wollte man Cage fortsetzen, hieße das, alles anders zu machen als er, denn noch stiller, noch zufälliger, noch inklusivierender und noch länger zu-lange kann man nicht komponieren. Oder man muss konsequent die neuesten Medien nutzen, so wie Nam June Paik über den anderen Übervater sagte: Das einzige, was Duchamp nicht gemacht hat, waren Videos, darum mache ich Videokunst. Jetzt wäre es also Zeit, das Klavier zu ersetzen.

Luciano Berio, das Gesamtwerk (Playlist)

Die Zentralperspektive bei Stanley Kubrick

Schöner Supercut, nur die Tonspur ist verzichtbar.

(via Nerdcore)

Edgar Varèse, das Gesamtwerk (Playlist)

Alexander Schubert: „Point Ones“ for Ensemble and augmented conductor

Alexander Schubert hat in Darmstadt den Dirigenten abgegriffen.

Nadar Ensemble, Daan Janssens, Ltg.