Seit einiger Zeit gibt es auf Twitter einen Feed, der täglich ein neues Konzeptmusikstück als ‚Twitterpartitur‘ veröffentlicht. Ich konnte nicht herauskriegen, wer dahintersteckt, aber es sind sehr schöne Beiträge.
Drüben bei The Rambler hat jemand den kompletten MITTWOCH von Karlheinz Stockhausen aus YouTube-Videos zusammengestellt. Passend zum Tag, und was will man heute auch sonst tun, also setzt euch hin und schauet.
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Aphorismen des Tages:
Suitensatz am Grab nicht.
Kanonkünste fungieren als Musica sacra
Jeder Musiker die volle Interpretation, Beweistheorie
Anton Wassiljew vertont aktuelle Nachrichten. Hier hat er algorithmischen Abfall für die Vertonung einer aktuellen Schlagzeile verwendet.
konzept no. 15: ” aktuelle nachrichten“
aktuelle nachrichten vertonen.
Auf Facebook/Twitter pflege ich schon seit längerem die Reihe „imaginäre Musikstücke“, bei denen aktuelle Nachrichtenzeilen und Sonstiges, das gerade herumgeistert, mit einer möglicherweise passenden Besetzung zu einer typischen Neue-Musik-Ankündigung formuliert werden.
Also heute würde das zB heißen:
„Schäuble plant umfangreiches Sparprogramm“
für Flöte, Klarinette und Klavier mit Gitarrenverstärker.
Aber es muss ja nicht nur imaginär sein. Gerade Konzeptkünstler sind ja Macher. Anton hat mich zu einer Variante inspiriert:
Zahlensymbolik heute Ein Satz aus einer aktuellen Tageszeitung, in dem eine Zahl genannt wird. Ein Musikstück mit genau dieser Anzahl an Tönen.
(Alternativ kann die Anzahl mit irgendetwas anderem (Objekte oder Tätigkeiten) realisiert werden.)
Gerade geht ein Video um, bei dem ein ‚Künstler‘ Schreie malt – in dem er gelbe Striche schreiend malt. Auch wenn es angeblich eine Parodie ist, das ist ja heute eh nicht mehr unterscheidbar, ich finde, das ist Gegenwartskunst. Das Bild sieht dann ja auch wirklich scheiße aus, das muss man erst mal so schlecht hinkriegen.
Der Komponist Matthew Shlomowitz hat eine zweite Auflage seiner „Popular Contexts“ für Klavier und Sampler veröffentlicht. Wunderbare minimalistische Verknüpfung von Klavierspiel, Keyboardspiel und szenische Gesten. Man beachte die Coda im letzten Stück.
Popular Contexts Volume 2
1. Weird Uncle
2. See My Logic
3. Racing Cars Have Feelings Too
4. Stand Up For Skateparks
by Matthew Shlomowitz
Performed by Stephane Ginsburgh
Turner Sims Concert Hall, Southampton
12 November 2012
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Aphorismen des Tages:
Bushaltestelle
Reflexzonen
Front
Werkausgabe seiner Standardthemen
Düsseldorf (1901)
Differentialrechnung
Harfe
Nüchterne Empfindlichkeit
Konzertveranstalter Kant
Nicht 127-150
Kommentare deaktiviert für Matthew Shlomowitz: Popular Contexts Volume 2| Kategorie: Museum für moderne Kunst
Stille als ästhetische Qualität (=Musik) ist eine Frage der Inszenierung. Sei es mit der Bezeichnung als Trauermarsch für einen verstorbenen Tauben, sei es als virtuose Notation von Pausen (Schulhoff) oder als strenge zeitliche Form (Cage).
Noch eine Möglichkeit: Als Dokumentation stiller Bewegungen. Kein Witz, 1971 kam die stille Kunst des Pantomimen Marcel Marceau auf Schallplatte heraus.
Label copy for each one: ’1. Silence — 19:00 2. Applause — 1:00.’
Bei den diesjährigen Donaueschinger Musiktagen ging der Karl Sczuka-Preis für Hörspiel an die Produktion „Bodybuilding“ von Serge Baghdassarians und Boris Baltschun. Und das völlig verdient, ein sehr ausgeklügeltes Stück, das um eine Straßenaufnahme in Rio de Janeiro kreist.
Luiz Henrique Yudo übersetzt Wörter der englischen Sprache (eines bestimmten Anfangsbuchstabens in lexikalischer Reihenfolge) in Blindenschrift. Die sogenannte Brailleschrift ist auf drei Linien notiert; diese drei Linien sind dann die Notenlinien, der Ausführende kann den Linien selber Klänge zuordnen (und im Laufe des Stückes ändern).
Das Video erklärt’s am Anfang; dann hören wir 18 Minuten lang Wörter, die mit J beginnen. Schöner Buchstabe.