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Kategorie Museum für moderne Kunst

Messe mit oder ohne Pausen

Diese Messe aus der Renaissance kann mit oder ohne Pausen gesungen werden. Finde frei verfügbar leider keine Vergleichsaufnahmen.

Das am meisten gefeierte Werk von Moulu ist die Missa Alma redemptoris mater, die bereits zu Beginn der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts von August Wilhelm Ambros, einem Pionier im Bereich der Musikwissenschaft, entdeckt wurde. Danach wurde das Werk in den Standardwerken zur Geschichte der Renaissancemusik des späten 20. Jahrhunderts von Gustave Reese und Howard Mayer Brown aufgeführt. Der Grund, weshalb einem sonst unbekannten Komponisten derartige Aufmerksamkeit gewidmet wird, ist der Kanon, der dieser Messvertonung zugrunde liegt. („Kanon“ bezieht sich hierbei allgemein auf formale Regeln, die ein Stück bestimmen, und nicht auf die engere Bedeutung, die der Ausdruck erst später annahm, der zufolge zwei Stimmen mit denselben Notenfolgen erklingen.) Zu Beginn des Stückes findet sich die lateinische Anweisung „Tolle moras, placido maneant suspiria cantu“ (wörtlich: „hebt die Pausen auf, lasst den Atem des Lieds ruhig fortdauern“). In manchen Quellen ist diese Anweisung auch in der Umgangssprache notiert: „Si vous voulez avoir messe de cours / Chantes sans pauses en souspirant de cours“ („Wenn Sie eine kurze Messe wollen / Singen Sie ohne Pausen und atmen Sie kurz“). Es bedeutet dies, dass die Messe sowohl mit den Pausen von der Länge einer Semibrevis (oder eines größeren Notenwerts) gesungen werden kann oder auch ohne diese Pausen: der polyphone Satz ist so angelegt, dass beides passt. Obwohl von dieser Technik auch anderswo Gebrauch gemacht wird, ist die Missa Alma redemptoris mater doch im gesamten Renaissance-Repertoire mit Abstand das beste Beispiel dafür. (Zu den anderen Stücken dieser Art gehören eine kanonische Motette, die ebenfalls von Moulu ist und—neben einem anderen ebensolchen Stück von Costanzo Porta—in einem Traktat über Musik aus dem frühen 17. Jahrhundert von Lodovico Zacconi besprochen wird, eine fantasia con e senza pause von dem in England lebenden Flamen Philip van Wilder sowie eine Vertonung der Marianischen Antiphon Regina caeli von Pierre de Manchicourt (ca.1510–1564), in der die zweithöchste Stimme sich aus der höchsten ableitet, indem die Pausen weggelassen werden. Manchicourts Motette ist von dem Brabant Ensemble auf Hyperion CDA67604 aufgenommen worden.) Moulus Messe reiht sich also in eine lange Tradition musikalischer Kompositionen ein, denen mathematische Einschränkungen, oft beträchtlicher Komplexität, zugrunde liegen. Die Existenz solcher Stücke hebt die enge Verbindung von Mathematik und Musik im spätmittelalterlichen Denken hervor: die Sänger, die solche komplexen Werke aufführten, waren hochspezialisierte Profis, die oft direkten Kontakt mit dem Komponisten hatten und den Herausforderungen kryptischer Notation durchaus gewachsen waren. Um 1520 jedoch, als Moulu tätig war und die neue Technik des Notendrucks es ermöglichte, ein viel größeres Publikum für musikalische Kompositionen als jemals zuvor zu erreichen, konnte man nicht mehr davon ausgehen, dass alle potentiellen Empfänger seiner Musik den Kanon auch richtig verstehen und ausführen würden.

Die Probleme, die sich bei Moulus Kanon auftun, werden in den Quellen der Messe aus dem 16. Jahrhundert deutlich (deren Anzahl sich auf beeindruckende 15 Exemplare beläuft, wenn man diejenigen in musiktheoretischen Traktaten oder auch in Sammlungen von zweistimmigen Werken mitzählt, wo jeweils nur Auszüge des Werks abgedruckt sind). Zwar ist es in einer modernen Partitur notwendig, die beiden Versionen völlig separat zu notieren, doch erlaubt die im 16. Jahrhundert übliche Praxis, der zufolge die Stimmen einzeln standen (entweder in separaten Stimmbüchern oder in großen Chorbüchern, wo jede Stimme in einem Block in einer Ecke der Doppelseite notiert wurde), beide Versionen gleichzeitig zu notieren. Die Sänger ignorieren dann einfach die längeren Pausen, wenn sie die kurze Version singen. Da die Anzahl solcher Pausen aber nicht in jeder Stimme gleich ist, müssen manche Stimmen (je nach Version) enden, bevor sie die letzte Note erreicht haben, damit sie zusammen mit ihren Kollegen die Schlusskadenz singen können. Die Stellen, an denen dies auftritt, sind durch ein sogenanntes signum congruentiae (wörtlich: Kongruenz-Zeichen) markiert, das ähnlich aussieht, wie die „dal-segno“-Symbole, die später benutzt wurden. Diese Praxis sorgte offenbar für ein beträchtliches Maß an Verwirrung. Teilweise lässt sich dies durch Moulus Einfallsreichtum erklären, mit dem er seine Praxis variierte—manchmal müssen gewisse Teile in der kurzen Version ausgelassen werden, manchmal in der langen Version, und in keiner Quelle wird angegeben, was genau verlangt ist. Für weitere Schwierigkeiten sorgte der Herausgeber der ältesten gedruckten Quelle (Rom 1522), in der dieser und mehrere andere Aspekte der Messe falsch wiedergegeben wurden, was dann von denen korrigiert werden musste, die auf diese Ausgabe angewiesen waren. Auf diese Weise nahm Moulus Messe im Laufe des Jahrhunderts mehrere verschiedene Formen an. Manche Kopisten waren beispielsweise der Ansicht, dass das zweifache Wesen des Werks über die Fähigkeiten ihrer Ausführenden hinausging. So kopierten sie entsprechende Quellen, wo die Messe nur in ihrer „kurzen“ Version, ohne die Pausen, notiert ist. Bei einem solchen Exemplar kann gezeigt werden, dass es von einer vollständigen Fassung kopiert wurde, was zusammen mit der Auslassung des dritten Agnus Dei—wo die Struktur von vier auf fünf Stimmen erweitert wird—deutliche Hinweise darauf gibt, wie der Kopist die Fähigkeiten seines Chors einschätzte.

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Visionäres Spätwerk des Malers, vermutlich 1510-1512 in seiner Werkstatt in ’s-Hertogenbosch entstanden.

Die Hintergrundlandschaft steht vermutlich in Beziehung zu Berichten aus der Neuen Welt über ein 1509 von Niederländern entdecktes „Valles silicio“ im heutigen Kalifornien.

Barocke Stillleben (NSFW)

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