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product placements @ Radio Circulo

Das spanische Radio Circulo bringt heute ab 13h eine Sendung, in der es auch um mein Stück / die Aktion dazu geht. Escuchar!

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20 Vertrauensgüter

Das Musiktheater-Projekt „20 Vertrauensgüter“ von Hannah Groninger, Gerd Knappe und meiner Kleinigkeit, über das ich schon gebloggt habe (damals noch mit Arbeitstitel „Nachkommunikation“), hat nun eine Internetpräsenz. Bislang nur das Nötigste drauf, aber das wird dann mehr.

http://www.vertrauensgueter.de

Kreativtechnik

Schlechte Musik ist zur Zeit inspirierender als gute Musik. Die schlechte aktiviert einen, es besser zu machen. So gerade bei meinem Stück für Klavier und mp3-Player, wofür ich alle Ragtimes von Scott Joplin höre. Ist ja nettes Zeug, aber eigentlich nervt’s nach 3 Minuten. Aktiviert mich, es besser zu machen.

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Compression Sound Art @ MotorFM

Heute zwischen 17 und 17.30h bin ich live im Studio von MotorFM-Radio, wo es im Interview um Compression Sound Art geht. Stream.

Tageslinks

Compression Sound Art

Compression Sound Art

Kommentierte Klänge – Hören zum Mitlesen: Musikalische Zip-Files.

Sämtliche Symphonien Beethovens in einer einzigen Sekunde, komplette Filme in einer halben Sekunde, alle Songs der Beatles in einer Zehntelsekunde – Zeit ist relativ! In der Ära der komprimierten Datensätze, zu Milliarden durch die Glasfaser kopiert, kommuniziert der postmoderne Mensch nur die kurzen Metadaten: Links und Icons, Tweets und RSS-Feeds. Während wir ein leises Kühlerrauschen vernehmen, werden Millionen Rechenvorgänge für uns getätigt.

Die heiligsten Kühe sind kleine Zahlenpäckchen. Großes Kulturgut (Beethoven), Schlachtrösser der Musikindustrie (Beatles), dicke Literaturschinken (Proust), die Schriften der Weltreligionen, sie alle sind heute Daten auf einem winzigen Chip, ihre Icons nur ein paar Pixel nebeneinander. Es gibt nichts mehr allein und neutral, alles hat seine Beschreibung und seinen wandelnden Kontext. Und ein Icon, eine Zusammenfassung genügen für’s Vokabular des Informationsmenschen, wie die französischen Philosophen schon länger wissen: Das Zeichen wird wichtiger als das Bezeichnete, den Rest kann man sich denken bzw. schenken („Filesharing“) oder bei Bedarf einsehen, in der großen Bibliothek da hinterm Ortsschild Google.

Komprimierung. Mp3 ist die neue Bescheidenheit, alle rücken näher zusammen, dann haben alle Platz; es gibt halt so viel! Daten werden gerafft, codiert, verschlüsselt – auch illegale Technologie (DVD-Rip-Code), illegal anwesende Körper (Einwanderer) und 130 000 wahrscheinlich nicht so legal bezogene Songs werden zum Klang entschärft, als Beweismittel untauglich (Gruß Herrn Gorny und Herrn Schäuble!), während sich die Milliardenverluste der Banker zum Ballerspielsound entladen lassen. Score.

In Kürze Gewürze. Am Ende des Lebens läuft nochmal der ganze Film ab, innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde, aber vielleicht ist auch das, was uns wie das eigentliche, lange Leben vorkommt nur eine ausgedehnte Sekunde: Bestenfalls sind wir Eintagsfliegen für die anderen Sternenwesen. Doch was sich alles in einer Sekunde abspielen kann, welche Romane und Dramen in jedem Augenaufschlag passieren und was alles Dämonisches in dem einzigen Wort „Reich“ steckt, wenn Hitler es ausspricht.

Gimme more, one more time! Zudröhnen mit der Wiederholungsschleife, jetzt geht’s viel effizienter, der Refrain des Digitalen kommt in höherem Takt, mehr ist mehr! Ein happy Häppchen-Happening!! Adorno sagte einst, Musik, die schon bekannt ist, solle man schneller spielen. Hier sind sie nun, die neuen Tempi, hier ist die Ästhetik der großen Zahl. Beethoven instrumentalisiert, Stille Nacht instrumentiert.

Aber geben wir uns mit dem Klang auch Mühe, es muss nicht alles digital entwertet sein. Beispielsweise wurde noch nicht die Ostermesse des Papstes auf einer hochwertigen Latexhaut als Membran ausgegeben (mit Noppen als Hochtöner). Oder wieviele Menschen ließen im Irak ihr Leben für eine halbe Sekunde Sound. Halleluja! Weitgereiste Ofenrohre, riesige Mühe für einen einzigen kurzen Klang, diesen Luxus bekommt der, der’s glaubt. Schenken wir Glauben? Sonst ist alle Musik neutral. Aber noch der Mp3-Code, der perfide Computervirus der die Musikindustrie wegrafft, kann selbst hörbar gemacht werden. Klang ist Code und Code ist Klang.

Das Psychogramm des digitalen Menschen ist seine Playlist, die Linkliste sein Hallo. Es sind die Mischungen, die interessant sind, destilliertes Wasser schmeckt nicht. „Ohne die Vermischung der Geister kann keine Liebe entstehen.“ (Ferdinand Santanelli, „Geheime Philosophie oder magisch-magnetische Heilkunde“, Neapel 1723). Jedes „Re-Entry“ (Luhmann) ist ein Fest, denn im Digitalen gehen viele Söhne verloren. Mash-Up ist Flirt, Liebe, Leben. Feiern wir nun einen polymetrischen Tanz in Hyperintervallen.

Playlist:

  • Sämtliche Symphonien Beethovens, abgespielt in einer Sekunde.
  • Sämtlich Songs der Beatles, abgespielt in einer Zehntelsekunde.
  • Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Hörbuch abgespielt in einer Sekunde (Hommage à Monty Python’s Flying Circus, Episode 31).
  • 130 000 Songs, abgespielt in vier Sekunden.
  • Tonspur von Rambo 3, abgespielt in einer Drittelsekunde.
  • Tonspur eines kompletten Pornofilms, abgespielt in einer Drittelsekunde.
  • Tonspur von Und täglich grüßt das Murmeltier, komprimiert auf einen Beat.
  • Britney Spears: Baby one more time, abgespielt zehn Mal in einer Sekunde.
  • Britney Spears: Gimme more, abgespielt 400 Mal in einer Sekunde.
  • Ein hoher Ton, abgespielt durch den Kehlkopf eines illegalen Einwanderers.
  • Der Mp3-Codec, als Wellenform ausgelesen
  • Die Aktienkurse tausender Banken, melodisiert für Computerspiele.
  • Der Papst, abgespielt auf einem Kondom als Membran.
  • Die Bibel (als Hörbuch), abgespielt in einer Drittelsekunde.
  • Der Koran (als Hörbuch), abgespielt in einer Drittelsekunde.
  • Die Tora (als Hörbuch), abgespielt in einer Drittelsekunde.
  • Das Gesamtwerk Nietzsches (als Hörbuch), abgespielt in einer Drittelsekunde.
  • Alle vier vorigen zusammen.
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Urteilskraft, abgespielt 22 000 Mal in einer Sekunde (nur für Fledermäuse hörbar).
  • Aufnahme einer Explosion, so viele Mikrosekunden lang abgespielt wie es Tote im Irakkrieg gibt (1.4.09).
  • Hitler spricht das Wort Reich, zwölf Mal langsamer abgespielt.
  • Der Code zum illegalen Rippen von DVDs, als Wellenform ausgelesen.
  • Die Aufnahme eines Ofenrohrs, das 1972 von Neuseeland aus Alaska importiert wurde, wo man es mit einem Benzinmotor 574 mal pro Sekunde in Schwingung versetzte; die Aufnahme davon wurde 2003 mit einer gehackten Software auf einem alten Ataricomputer manipuliert und gefiltert.
  • Ein Klang über dessen Enstehung niemand je etwas erfahren wird.
  • Ein völlig neutraler Ton ohne jede Bedeutung.
  • Compression Sound Art, abgespielt 3000 Mal pro Sekunde.
  • Mit Dank an Martin Schüttler.

    Johannes Kreidler, Mai 2009

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    CU later

    Konzert in Köln lief prima, besten Dank an Diogo am Klavier und Michael an der Kölsch-Tequila-Bar!

    Bin dann mal weg auf der „Pfingsttagung“ in Reichenow, da halte ich einen Vortrag über „musikalische Aktionskunst“. Montag abend kommt dann hoffentlich endlich das neue Stück auf YouTube. Kulturtechno wird berichten.

    Kreidler @ Köln

    Bin heute und morgen in Köln, wo ich auf Einladung von Michael Beil an der Musikhochschule (heute 15.30h) im Elektronischen Studio ein Seminar über das Klavierstück 5 halte; selbiges Stück wird morgen abend (19.30h) dann in der Hochschule (Konzertsaal) aufgeführt. Anwesenheitspflicht, sonst gibt’s keinen Schein!

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    Ideen

    Um klar zu machen, was ich von der Urheber-Vorstellung halte, Folgendes: Ich hatte noch nie die Sorge, dass mir jemand eine Idee klaut. Realisiere ich sie nicht, macht’s jemand anderes, und dann ist auch gut. „Im Innern ist’s getan.“ Siehe Goethe.

    Zum Beispiel habe ich die Idee meiner GEMA-Aktion schon mindestens ein halbes Jahr davor herumposaunt (Beleg), aber hat sie mir etwa jemand weggeschnappt? Aus zwei Gründen nicht:

    1. Die Idee kam alles andere als vom heiteren Himmel, sie ist Produkt eines jahrelangen Denk- und Arbeitsprozesses im Zusammenhang mit Sampling und Remix; den Vorsprung kann jemand anderes einfach nicht direkt aufholen, es wird nichts. (Darum ist auch ein ReadyMade von Duchamp überhaupt nicht leicht nachzuahmen.)

    2. Man muss es ja auch durchziehen, Fähigkeit zur Realisierung haben und schlichtweg den Mumm. Daran hapert’s grassierend, denn nach der GEMA-Aktion, genau so wie nach „Call Wolfgang“ oder den vertonten Aktienkursen habe ich haufenweise Mails bekommen von Leuten die sagten, die Idee hätten sie auch schon so in etwa gehabt, aber konnten sie nicht umsetzen.

    Um Ideen sorge ich mich letztlich deshalb nicht, weil ich einigermaßen konstant immer neue habe. Es gibt ja auch reine Konzeptkünstler, die verbringen praktisch den ganzen Tag nur damit, Ideen zu entwickeln; auch das kann man professionalisieren, genau wie Werbeagenturen und Gagschreiber. Originale kann man kopieren, Originalität nicht.

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    Die SZ zum Ensemble-Modern – Konzert

    Wo immer das (in der Tat von mir nicht gemochte) Label „Junge Komponisten“ draufsteht, sehen Kritiker die Gelegenheit zur Belehrung. Angeblich ist dieser Ton für speziell diesen Kritiker besonders typisch, jedenfalls hatte die SZ ja schon bei meiner GEMA-Aktion nur rumrüffeln können.

    Zu seiner Meinung, mein Stil sei nichts Neues: Doch, ist er, zumindest ich kenne wirklich nichts vergleichbares außer Cage – wohlgemerkt: im Neue Musik – Kontext – , und Cage ist ästhetisch aber doch komplett anders.

    Nun ja, vergleichsweise komme ich ja am besten weg und irgend was scheint ja doch dran zu sein an meinem Stück, wie auch immer. Read yourself und darunter ein Foto vom Münchner Konzert (Danke, Chikage!)

    http://www.sueddeutsche.de/g5938E/2889182/Die-Meister-werdens-richten.html

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