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GEHÖRBILDUNG UND PAMPHLETISMUS

GEHÖRBILDUNG UND PAMPHLETISMUS
Kunst ist nicht Wissenschaft, aber sie kann mit der ihr Sprechkraft auf Wissenschaft verweisen, Pamphlete in Umlauf bringen, wie wichtig Wissenschaft sei. Polemische Rationalität; jede Schallwelle ist eine Beschimpfung, eine Geste über die Idiotiewelt, die nicht nur widerlegt, sondern auch noch überwunden werden muss.
Die Kreativität der Kunst ist nicht irrational, sie erschließt andere Kommunikativsignale, auch sie ist „Rationalisierung des Irrationalen“. Wie viel Zeit verbringt ein Künstler schließlich mit seiner Arbeit, so lange kann man gar nicht spinnert sein. Akribie = Rationalität. Was in der Kunst rasch auftritt, war Schneckentempo auf der Herstellungsseite. Marx‘ Analyse des Entstehungs- und Speichercharakters der Ware ist auch eine ästhetische Theorie. Theorie des Kunstwerks als vielkomplizierteres Arbeitsprodukt, geronnener Ästhetikdenkzeit.

FOLLOW THE SINES

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Kollektive Irrationalität erfährt viel zu viel Toleranz. Privat mag man sich alles Spinnerte ausdenken und tun – wenn jedoch Kollektive, und als solche sind sie immer Politik, einem Jenseitsglauben frönen, sich an den essenzialistischen Wert einer Ethnie oder Nation anheimgeben, Wissenschaft per se anzweifeln bzw. benötigen, ihr ein Entgegengesetztes beizustellen, dann muss das im Namen der Aufklärung, und keine Kritik an ihr reicht heran, dies zu unterlassen, bekämpft werden.
Wenn Gruppen, Massen etwas hochgradig Irrationalem anhängen, dann kommt es zu irrationaler, antimoderner, autoritärer Politik.
In der globalisierten Welt haben die Kategorien „Volk“ oder „Ethnie“ keinen Sinn mehr und sind nicht wünschenswert; Religion muss bekämpft werden wie Analphabetismus, mit Fakten wiederlegt werden wie Verschwörungserzählungen, denn sie ist wissenschaftlich blanker Unsinn. Man sollte kein Einfallstor für gegenaufklärerische „Weisheiten“ einfach so hinnehmen.
Man muss es so deutlich sagen: Wir leben in einer Zeit der Wissenschaftsfeindlichkeit. Umgeben von Spitzenprodukten der Wissenschaft, Taschencomputern, kabellosem Datentransfer, Impfstoffen, Künstlicher Intelligenz, Robotiken, nehmen Menschen alles das allein zum Gebrauch und verneinen die Grundlagen, denen dieser Komfort entspringt. So kommt es zu Klimawandelleugnern, Coronaverhamlosern, Autoritätssympathisanten, Kirchgängern. Gesendet von meinem iPhone.
Wer meint, dem vermeintlich Kalten und Rationalen der Moderne etwas Spirituelles, Ganzheitliches, Anderes, Idealeres entgegengesetzt zu benötigen, kann das privat ausleben, in Meditation und Kartenlegen, in betäubungsmittelgebrauchenden Abenteuern, im Chaos der Zufallsgeneratoren, im Mannigfachen der Liebe.
Aber die Schäden, die der kollektive Irrationalismus verursacht, sind nicht akzeptabel.

Grübelmaschine

Grübelmaschine
Kleine Version
grobe Gedanken und feine Gedanken

JOKES BY GEMINI ABOUT SOUND WAVES

The dubstep producer’s bass was so intense, it caused a Doppler effect in the club. Dancers on one side of the room heard „wub wub wub,“ while those on the other side heard „buw buw buw.“
The sound waves tried to take a break, but they couldn’t stay still—they were always oscillating between work and rest.
A sound wave walked into a bar and asked for a drink. The bartender said, „Sorry, we don’t serve waves here.“
The sound wave replied, „Oh, come on! It’s just a phase!“
A sound wave was feeling really tired. So, it went to bed .
The next morning, it woke up and said, „I had the weirdest dream. I was a particle!“

DIE WELLE 2

DIE WELLE 2
Die Darstellung von Klang als Amplitudenverlauf in der Zeit, in einem kartesianischen Koordinatensystem, abstrahiert die Druck- und Dichteschwankungen in einem elastischen Medium (meistens: Luft), die in biologischem Ohr die Anschauung von Klang bewirken. Das ist schnöde Physik, doch nicht nur, so vibrieren deine Stimmbänder, Sprechen ist Zittern, jeder Laut ist eine rasende Abfolge von laut und leise, Druck und Gegendruck, Auslenkung eines gespannten Mediums. Der vitruvianische Mensch steht in einer Schwingung.

INS LEBEN INSTALLIERT

INS LEBEN INSTALLIERT
Diedrich Diederichsen hat kürzlich bemerkt, dass man jahrzehntelang Ausstellungen machte, die zu klären suchten, wie Malerei immer noch möglich sei. Mittlerweile sagen Künstler: Völlig egal, ich male. Anything goes, aber noch ein bisschen lässiger.
Was dabei noch zu wenig ernst genommen wird: Die beste Vermählung von Kunst und Leben, im Gegensatz zur sozialereignispflichtigen Documenta-Gemeinsam-Koch-Aktion, leistet das Tafelbild. Es steht nicht im Weg, aber es fällt in den Blick, ist da und geht nicht weg, ist in dein Wohnzimmer, also in eine große Zeitmenge deines Lebens installiert und gibt immer Gesprächsstoff mit Gästen.

BLITZABLEITER

BLITZABLEITER
Die Natur ist das Proletariat des 21. Jahrhunderts. Ließ sich die Ausbeutung von Menschen seit den Industriemolochen mindern, dank Vordenkern und nachzüglernder Demokratie (und die Frauen holen das ihrerseits Überfällige endlich nach), ist die Natur ohne Streik, Gewerkschaft und Wahlen der Ausbeutung ausgeliefert.
Doch stattdessen kann sich Natur der rücksichtslosen Gewalt bedienen, keine Moral verwehrt es ihr, Staudämme und Vakzine nur lassen sich ihr entgegenstemmen. Sie macht von ihrem Recht auf Notwehr Gebrauch, immer brutal und mitleidloser. Die französische Revolution dieses Jahrhunderts wird von der Natur ins Werk gesetzt, und bei diesem >Sturm auf die Bastille< wird das Wort „Bastille“ Metapher sein, nicht mehr das Wort „Sturm“.

Auftritt in Berlin, Volksbühne am 28.10.24

Speichert das Date – Am 28.10., 20:00 Uhr trete ich im Roten Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin auf, mit neuen Stücken rund um KI – alle und alles wird verpromptet. Das ganze Wochenende ein cooles Programm zum Hype der Stunde.

Wir laden zum ersten Berliner Artificial Weekend vom FR 25.10. – MO 28.10. @ diaphanes Espace & Roter Salon: Artificial Id(i)ots: Vom Nutzen und Nachteil der künstlichen Intelligenz fürs Schreiben (Leben).
Bitte markiert es und teilt es. Kein AI-Splaining, nur knallharte Anwendungen in Bild, Text und Ton – mit Natalie Deewan,
Mara Genschel, Lütfiye Güzel, Johannes Kreidler, Ok-Hee Jeong,
Hermit Kaiser, Ivy Nuss, Monika Rinck, Zoran Terzic u.a.

https://artificialweekend.com

SEUFZ

SEUFZ
Stöhn, jaul. Es gab in den letzten Jahren viel Grund zum Seufzen, bei allen. Hör mein Seufzen, schau es an, so sieht seine Schallwelle aus, sie seufzt. Aus dem Kurz des Lauts wird die Permanenz des BIldes. Man sieht es nun vor sich und hat es hinter sich. Das ist –– Kunst.

VON HAL ZU HEGEL

Was KI nicht kann: einen guten Song generieren oder ein gutes Bild. Was KI kann: endlos Stunden eines guten Songs generieren, von einem Motiv Millionen guter Bilder. Was KI kann, kann sie nur praktisch unendlich oft (›Diffusion‹), ihr fehlt der Schließmuskel. So hoch die Qualität ist, bei einer Varianz gegen unendlich versinkt es in Hegels »schlechter Unendlichkeit«. Man müsste den Computer, während er sein Lied singt, abschalten. Daisy, Daisy…
Duchamp (immer wieder Duchamp) hatte bereits erkannt, dass er sich bei der Herstellung von Readymades radikal künstlich limitieren muss, ›1 Werk pro Jahr‹. Der Rahmen zwischen Kunstwerk und seinen Doppelgängern wird dicker und dicker, räumlich und zeitlich, die Materialisierung im Museum verlangt nach immer stärkeren Exklusivierungsmechanismen, ähnlich dem Bitcoin, dessen Produktion an einen algorithmisch erzwungenen Stromverbrauch gekoppelt wurde, um seinen Wert hochzuhalten.
Jeder kann durch die Ausstellung gehen, ein paar Fotos machen, und die KI produziert einem vom Gesehenen gleich noch mal beliebig viele Varianten und manche davon werden besser als die Vorlage sein. Die Frage ist nurmehr, was wurde oder wird physisch realisiert und gegen alle Varianten genügend abgeschirmt, so dass der Rezipient ihm überhaupt den Wert beimessen kann, den es hat. Der Gegenwert der Kunst ist ihr physischer (indirekt freilich monetärer) Aufwand, und der wird in die Höhe getrieben werden wie die Turbinen der Kohlekraftwerke, die zur Schürfung von Bitcoins buchstäblich heiße Luft produzieren.
Hinzu kommt, dass nicht nur die physische Exklusivität entscheidet, sondern auch die soziale, die der Künstler zu schaffen imstande ist. Dem Werk geht rabiat ein Netzwerk voraus, soziale Rahmung. Die Arbeit der ästhetischen Rahmensetzung findet allererst im Gespräch und Nichtgespräch statt.