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Kategorie Kritik der reinen Vernunft

Jedes illegale mp3 installiert Kommunismus

(via Slavoj Zizek)

Super-Stempel auf 1000 Jahre alten Noten

Gratulation an das British Museum für diese archivalische Glanzleistung. #jackass

Warum Antragskonzepte Bullshit sind

Komponistinnen und Instrumentalisten und wahrscheinlich Künstlerinnen aller Sparten kennen das: Es müssen Förderanträge geschrieben werden.

Eigentlich könnte es ganz simpel sein. Komponistin Y schreibt:

„Ich habe eine künstlerische Vision, dafür brauche ich XXXXX €, anhand bisheriger Arbeiten sehen Sie, was für ein toller Hecht ich bin, bitte vertrauen Sie mir also und geben mir die Kohle, ich gebe mein Bestes, dass dann wieder was tolles draus wird.“

Ist das arrogant, selbstbezogen? Nein, das ist die Wahrheit künstlerischer Produktion. Und darum soll es doch letztlich gehen, dass da was tolles rauskommt am Ende.

Sowieso: Es fehlen die künstlerischen Visionen. Und daran sind nicht unbedingt die Künstlerinnen schuld –

Die Wahrheit der Antragsstellerei ist wiederum eine andere. Da nämlich soll fast immer erst mal ein Konzept des neu zu schreibenden Werks eingereicht werden.

Aber erstens kann nicht jedes noch gar nicht geschriebene Musikstück schon oder überhaupt jemals auf ein Konzept heruntergebrochen werden (es ist ja nun beileibe und Gottseidank nicht so, anders als Rainer Nonnenmann behauptet, dass jetzt überall Konzeptmusik am Start wäre), zweitens selbst wenn, dann ist bereits das Entwickeln eines Konzepts harte Arbeit (ich weiß, wovon ich spreche), die macht man vielleicht mal, aber durchaus auch nicht ohne Finanzierung, drittens liegt es in der Natur des künstlerischen Prozesses, dass sich im Lauf der Arbeit das Werk womöglich diametral ändert, und darum fragt (viertens) später auch eh keiner, ob jenes Ursprungskonzept denn auch wirklich 1:1 umgesetzt wurde; ich hab mich noch nie an ein Konzept gehalten, das anfänglich für einen Antrag geschrieben wurde. Tatsächlich läuft es so: Man schreibt für den Antrag irgendein Konzept was sich catchy anhört, Monate später kommt günstigenfalls die Zusage und noch viel später fängt man mit der eigentlichen Arbeit an und dann hat man ganz andere Ideen, und die realisiert man dann. Fünftens: Kühne Konzepte erweisen sich erst in der Realisation, auf dem Papier kommt man damit gar nicht durch – ich halte es für äußerst unwahrscheinlich, dass ich für product placements oder Minusbolero irgendwo per Antrag reüssiert hätte. Sowas geht nur mit künstlerischem Blanko-Kredit.

Darum wäre es viel sinnvoller, nein, das einzig Sinnvolle, wenn man als Referenz bisherige Arbeiten einreicht (wird ja meistens auch verlangt), und allein auf deren Basis, anhand dieser Vorarbeit entscheidet die Jury über die Vergabe. In der Regel schafft jemand, der schon mal gute Arbeit geleistet hat auch wieder eine gute Arbeit. Versaut sie es dann, wird es halt in Zukunft schwerer für sie, und einmalig ist es schade um die Mittel. Aber auch ein vorab präsentiertes Konzept muss sich ja erst in der Realisierung bewähren.

Der einzig problematische Punkt daran ist, dass eine bestimmte Fördersumme im Antrag taxiert werden muss, das heißt, man muss zumindest schon mal wissen, was die wie-auch-immer-sich-realisierende Vision wohl kosten wird. Hier ist auch etwas logistische ‚Visionsfähgkeit‘ und Anbindung an einen konkreten materiellen Rahmen geboten. Das ist aber freilich möglich mit gewisser Erfahrung. Darüber hinaus jedenfalls sollte ein Verfahren des Vertrauens installiert werden, statt dass diese ärgerliche, absurde Vorab-Konzepterei waltet, die praxisfern, unnötig und innovationsfeindlich ist.

Mir geht das schon länger durch den Kopf, habe auch in meiner Lecture in Darmstadt 2012 kurz darauf hingewiesen, dass der Neue Konzeptualismus durchaus an solchen Institutionsstrukturen – at its worst – ersichtlich wird (Video, finde jetzt leider nicht die genaue Stelle); jetzt komm ich mal expressis verbis darauf, weil Martin Grütter das Ganze sehr treffend beschrieben hat – alles was ich hier schreibe sind nur meine 2 Cent hierzu:

http://www.mozartzuvielenoten.de/2015/09/konzepte-sind-mist/

Why improvised music is so boring

by Diego Chamy (concept, performance), with Jean-Luc-Guionnet (alto saxophone) and Seijiro Murayama (percussion). Previously performed with Mathias Pontévia (percussion) and Nusch Werchowska (objects) at alberto ukebana, Berlin, November 18, 2008, and with Christof Kurzmann (laptop) and Seijiro Murayama (percussion) during the „Nine Lives“ concert series at Ausland, Berlin, July 10, 2009.

Description of the action:

The program indicates an improvisation by three musicians/performers, but I do not appear on stage until after the others have played for some time. I tell the audience that before coming to the theater I had received an unusual email from a friend I had invited to the performance. In this email, which I read out loud, my friend says that he’s fed up with improvised music and asks me to give him a good reason to come to the concert. He also proposes that I ask the audience why improvised music is so boring. I tell the audience I have accepted my friend’s proposal and have prepared a list of questions to ask them. As I present these questions, it becomes clear that they are all rhetorical in nature. The two musicians continue playing throughout. After my last question, a member of the audience suggests that I sing a song, which I proceed to do. (In fact, I had planned to sing a song after asking these questions, and it is purely coincidental that an audience member makes this request.)

Some ideas:

A rhetorical question is not so much a question as a device used to assert or deny something. In this performance I don’t look for interesting answers from the audience. If this were my intention I would have chosen other types of questions (or I would have let the audience ask their own questions). The point here is not whether „improvised music“ is boring or not. The point is the mixture of confusion and disappointment generated by someone making this statement and „hiding“ it in the form of a question. Another interesting aspect to these questions is the stupidity carried within their generalizations. One can speak about John’s music, Peter’s music, and so on, but „improvised music,“ insofar as it is a generalization, doesn’t help us think creatively. Nonetheless, in their stupidity, I find the raw use of generalizations and the flagrant use of rhetorical questions somehow interesting. The same goes for the „comparison“ I make between the music being performed on stage and the song I sing at the end of the video.

Extra information:

I performed this action three times. The first two times, the musicians I worked with didn’t know what I was going to do. (I only asked them if I could speak while they played, and they agreed.) The third time (presented here) was a reenactment of the first two actions: the musicians (Jean-Luc and Seijiro Murayama) understood my concept and kindly agreed to play the role of „musicians,“ trying genuinely to play their own music and see if it was possible to achieve the tension that was present during the first two performances. To reinforce this act, I asked Seijiro to throw a chair at me immediately after the performance while the audience was clapping. Seijiro did not (or could not) perform this action, but in the video it’s possible to see the tension generated after the audience claps: Seijiro remains seated on stage, looking troubled, knowing that he has to throw his chair at me. For some reason he doesn’t do it.

In the video:

Diego Chamy (concept)
Jean Luc Guionnet (alto saxophone)
Seijiro Murayama (percussion)

Performed at the INSTAL Festival, Tramway, Glasgow, U.K. November 12, 2010.

(via mediateletipos)

Zitate vs. Frage

“Die gesamte Neue Musik seit Beginn des 20. Jahrhunderts kann als eine systematische Erweiterung des Materials betrachtet werden. Das war logisch und unvermeidlich, ist aber kein Garant für große Musik oder überzeugende Werke.”
( Claus-Steffen Mahnkopf – Musik & Ästhetik 01/2014 )

„Doch die bloße Nutzung der Digitaltechnologie garantierte nicht automatisch auch künstlerisch gelungene Projekte.“
( Rainer Nonnenmann – MusikTexte 135 )

„Das Tonband, Werkzeug der Nachkriegsmoderne, war ein Erbe aus dem Krieg der Nazis, und die Computersysteme, die heute die Drohnen steuern, werden vermutlich in zehn Jahren die Avantgarde zu Neuem inspirieren. Der Glaube, Netz und Computer seien Garanten für das Entstehen einer neuen Kunst, erscheint vor diesem Hintergrund skurril.“
( Max Nyffeler – NMZ 2/2014 )

„Die von vielen jungen Komponisten favorisierten audiovisuellen Aufnahme-, Speicher-, Produktions- und Wiedergabemedien garantieren allein noch keinen substantiellen Gegenwarts- und Weltbezug von Musik.“
( Rainer Nonnenmann – MusikTexte 145 )

Frage: Wer hat behauptet, dass es eine solche Garantie gebe?

Aktuelle Neologismen

Besonders für die, die gerne mal über „Schubladendenken“ mosern: Sprache ist etwas wunderbares produktives. Den Rest zum begrifflichen Denken bitte bei Hegel nachlesen.
Hier einige Wortvorschläge von demilked:

Urban-Dictionary_01

Urban-Dictionary_02

Urban-Dictionary_03

Urban-Dictionary_07

Urban-Dictionary_08

Urban-Dictionary_10

new-modern-funny-random-words-portmanteaus-18

new-modern-funny-random-words-portmanteaus-27

new-modern-funny-random-words-portmanteaus-02

(via Schlecky)

PS:

(via hgn)

Komponisten über Komponisten – gesammelter Hass

Wertschätzung, Kollegialität, Solidarität und Respekt sind das eine. Ehrlichkeit das andere. Immer raus damit, soll ja gut gegen Krebs sein.

23 Of The Shadiest Insults From Classical Composers

Mendelssohn on Berlioz.

Mendelssohn on Berlioz.

 

http://www.buzzfeed.com/ninamohan/scathing-insults-from-classical-composers#.dwJZBV4Lj

Die Gegenkonferenz von Harvard

Vor zwei Jahren fand in Harvard die Konferenz „New Perspectives on New Music“ statt, bei der, zusammenfassend gesagt, Hannes Seidl die Diesseitigkeit, meiner einer den Neuen Konzeptualismus, Harry Lehmann die Gehaltsästhetische Wende und Michael Rebhahn seinen Vorschlag einer Trennung von Klassischer und Neuer Musik vorgestellt haben.

Jetzt hat dort so etwas wie die >Gegenkonferenz< stattgefunden, in der Claus-Steffen Mahnkopf seine Entourage um sich geschart hat. Diesem Bericht zufolge wurde also nach Kräften auf den Neuen Konzeptualismus eingedroschen.

More than two years in the making, the first part of the part of the conference (formally billed as “New Tendencies of Contemporary Music in Germany”) took place in the spring of 2013 with composers Johannes Kreidler and Hannes Seidl; musicologist Michael Rebhahn; and music philosopher Harry Lehmann invited from Germany to present their work. Of differing artistic and philosophical projects, the four are frequently understood, controversially, as advancing different types of musical postmodernism in historically modernist parts of the German contemporary music scene.
This past weekend saw the opposite, with composers Kai Johannes Polzhofer, Dániel Péter Bíro and Claus-Steffen Mahnkopf; sociologist Ferdinand Zehentreiter; and philosopher Gunnar Hindrichs invited to elaborate an opposing point of view.
[…]
Harvard PhD candidate and German-Austrian composer Kai Johannes Polzhofer followed Bíro’s presentation with an expansive lecture entitled “Music Without Content and Some Other Recent Confusions.” Deeply critical of the underpinnings of German New Conceptualism, Polzhofer’s polemics took aim at political music in Germany that Polzhofer analyzed as qualified to call itself neither politics nor music. Identifying a pattern of careerism in the composers and theorists of the New Conceptualism, Polzhofer argued instead for a radically humanized approach to composition that Polzhofer would position as the foundation of a truly political music able to change the individual and society.

Das hört sich ganz nach einer Wiederauflage der Diskussion von Darmstadt letztes Jahr an, mit dem Unterschied, dass man die andere Seite jetzt draußen ließ und lieber in Abwesenheit verurteilte. Das überrascht nicht, war doch in Darmstadt die Niveaulosigkeit der Argumentation erschreckend – da weiß man sich nur noch durch Abschottung zu retten.

Turner Preis für Bildende Kunst geht an IS

Die Zerstörung antiker Stätten durch die IS ist eine Katastrophe. Ihnen dafür – imaginär – den bedeutendsten Kunstpreis aus Protest geben, das ist wiederum, ja, irgendwie Kunst. Oder zumindest Satire.

The Islamic State wins prestigious Turner Prize for modern art

The Islamic State has sensationally won the prestigious 2015 Turner Prize for its conceptual art piece ‘Smashing Mosul Museum To Pieces: Death To The Infidels.’

“By demolishing priceless 3,000 year old statues with sledge hammers, ISIS is asking: ‘What is art?’, while retextualising normative art as transgressive, daring and counter cultural,” said the chairman of the Turner Prize jury, Sir Nicholas Serota. “I was very moved by their performance.”

http://www.panarabiaenquirer.com/wordpress/islamic-state-wins-prestigious-turner-prize-modern-art/

(via Max auf FB)

Kreidler zu TTIP, Umfrage des Goethe-Instituts

Das Goethe-Institut hat verschiedene Künstler zu ihrer Meinung über das geplante Transatlantische Handelsabkommen TTIP befragt, u.a. mich. Ich denke, alle wissen Bescheid, und es dürfte sich auch herumgesprochen haben, dass die Sache reichlich bedenklich ist. Unzählige Initiativen schlagen Alarm; so auch das Goethe-Institut. Danke.

The ratification of the Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) and the anticipated consequences for the cultural sector cause headlines and controversies in Europe, especially among artists. In the United States, however, TTIP is hardly talked about. We asked German and US musicians and composers about their thoughts.

The German musicians and composers are concerned that the quantitative focus on market share, sales figures and financial value might outweigh quality and diversity if culture is treated as a commercial good within TTIP. This could lead to more power and business for big companies and production firms and threaten the current opportunities, market access and conditions. The United States are a big music market and the country of origin of a comprehensive musical repertoire that is in high demand internationally.

http://www.goethe.de/ins/us/lp/kul/mag/ges/en13808993.htm