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Kategorie Kritik der reinen Vernunft

Aktuelle Neologismen

Besonders für die, die gerne mal über „Schubladendenken“ mosern: Sprache ist etwas wunderbares produktives. Den Rest zum begrifflichen Denken bitte bei Hegel nachlesen.
Hier einige Wortvorschläge von demilked:

Urban-Dictionary_01

Urban-Dictionary_02

Urban-Dictionary_03

Urban-Dictionary_07

Urban-Dictionary_08

Urban-Dictionary_10

new-modern-funny-random-words-portmanteaus-18

new-modern-funny-random-words-portmanteaus-27

new-modern-funny-random-words-portmanteaus-02

(via Schlecky)

PS:

(via hgn)

Komponisten über Komponisten – gesammelter Hass

Wertschätzung, Kollegialität, Solidarität und Respekt sind das eine. Ehrlichkeit das andere. Immer raus damit, soll ja gut gegen Krebs sein.

23 Of The Shadiest Insults From Classical Composers

Mendelssohn on Berlioz.

Mendelssohn on Berlioz.

 

http://www.buzzfeed.com/ninamohan/scathing-insults-from-classical-composers#.dwJZBV4Lj

Die Gegenkonferenz von Harvard

Vor zwei Jahren fand in Harvard die Konferenz „New Perspectives on New Music“ statt, bei der, zusammenfassend gesagt, Hannes Seidl die Diesseitigkeit, meiner einer den Neuen Konzeptualismus, Harry Lehmann die Gehaltsästhetische Wende und Michael Rebhahn seinen Vorschlag einer Trennung von Klassischer und Neuer Musik vorgestellt haben.

Jetzt hat dort so etwas wie die >Gegenkonferenz< stattgefunden, in der Claus-Steffen Mahnkopf seine Entourage um sich geschart hat. Diesem Bericht zufolge wurde also nach Kräften auf den Neuen Konzeptualismus eingedroschen.

More than two years in the making, the first part of the part of the conference (formally billed as “New Tendencies of Contemporary Music in Germany”) took place in the spring of 2013 with composers Johannes Kreidler and Hannes Seidl; musicologist Michael Rebhahn; and music philosopher Harry Lehmann invited from Germany to present their work. Of differing artistic and philosophical projects, the four are frequently understood, controversially, as advancing different types of musical postmodernism in historically modernist parts of the German contemporary music scene.
This past weekend saw the opposite, with composers Kai Johannes Polzhofer, Dániel Péter Bíro and Claus-Steffen Mahnkopf; sociologist Ferdinand Zehentreiter; and philosopher Gunnar Hindrichs invited to elaborate an opposing point of view.
[…]
Harvard PhD candidate and German-Austrian composer Kai Johannes Polzhofer followed Bíro’s presentation with an expansive lecture entitled “Music Without Content and Some Other Recent Confusions.” Deeply critical of the underpinnings of German New Conceptualism, Polzhofer’s polemics took aim at political music in Germany that Polzhofer analyzed as qualified to call itself neither politics nor music. Identifying a pattern of careerism in the composers and theorists of the New Conceptualism, Polzhofer argued instead for a radically humanized approach to composition that Polzhofer would position as the foundation of a truly political music able to change the individual and society.

Das hört sich ganz nach einer Wiederauflage der Diskussion von Darmstadt letztes Jahr an, mit dem Unterschied, dass man die andere Seite jetzt draußen ließ und lieber in Abwesenheit verurteilte. Das überrascht nicht, war doch in Darmstadt die Niveaulosigkeit der Argumentation erschreckend – da weiß man sich nur noch durch Abschottung zu retten.

Turner Preis für Bildende Kunst geht an IS

Die Zerstörung antiker Stätten durch die IS ist eine Katastrophe. Ihnen dafür – imaginär – den bedeutendsten Kunstpreis aus Protest geben, das ist wiederum, ja, irgendwie Kunst. Oder zumindest Satire.

The Islamic State wins prestigious Turner Prize for modern art

The Islamic State has sensationally won the prestigious 2015 Turner Prize for its conceptual art piece ‘Smashing Mosul Museum To Pieces: Death To The Infidels.’

“By demolishing priceless 3,000 year old statues with sledge hammers, ISIS is asking: ‘What is art?’, while retextualising normative art as transgressive, daring and counter cultural,” said the chairman of the Turner Prize jury, Sir Nicholas Serota. “I was very moved by their performance.”

http://www.panarabiaenquirer.com/wordpress/islamic-state-wins-prestigious-turner-prize-modern-art/

(via Max auf FB)

Kreidler zu TTIP, Umfrage des Goethe-Instituts

Das Goethe-Institut hat verschiedene Künstler zu ihrer Meinung über das geplante Transatlantische Handelsabkommen TTIP befragt, u.a. mich. Ich denke, alle wissen Bescheid, und es dürfte sich auch herumgesprochen haben, dass die Sache reichlich bedenklich ist. Unzählige Initiativen schlagen Alarm; so auch das Goethe-Institut. Danke.

The ratification of the Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) and the anticipated consequences for the cultural sector cause headlines and controversies in Europe, especially among artists. In the United States, however, TTIP is hardly talked about. We asked German and US musicians and composers about their thoughts.

The German musicians and composers are concerned that the quantitative focus on market share, sales figures and financial value might outweigh quality and diversity if culture is treated as a commercial good within TTIP. This could lead to more power and business for big companies and production firms and threaten the current opportunities, market access and conditions. The United States are a big music market and the country of origin of a comprehensive musical repertoire that is in high demand internationally.

http://www.goethe.de/ins/us/lp/kul/mag/ges/en13808993.htm

ISIS burnstruments

Gestern ging’s rum: ISIS verbrennt Instrumente, die angeblich nicht islamkompatibel sind – Drumsets und Keyboards.

Digitalisierung, gehaltsästhetische Wende, Konzeptmusik, Diesseitigkeit – Lehmanns von den MusikTexten verhinderter Text

Der Text von Harry Lehmann, den die MusikTexte verweigerte abzudrucken, erscheint nun dieser Tage im Bad Blog of Music, in vier Teilen:

http://blogs.nmz.de/badblog/2015/01/29/eulen-wahrscheinlichkeitsrechnung-und-nazivergleiche-teil-1-gastbeitrag-von-harry-lehmann/

Dazu druckt die Februar-Ausgabe der Neuen Musikzeitung eine kürzere Zusammenfassung der Debatte. (hier online)

Seit etwa sieben Jahren gibt es in der Neuen Musik eine Diskussion, an welcher alle einschlägigen deutschsprachigen Musikjournale beteiligt sind und in deren Verlauf sich bislang an die 30 Autoren zu Wort gemeldet haben. Ausgelöst wurde sie durch ein Gedankenexperiment über die möglichen Folgen der Digitalisierung in der Neuen Musik, das ich auf der Frühjahrstagung in Darmstadt 2008 angestellt hatte, welches zwei Jahre später zu dem von Claus-Steffen Mahnkopf initiierten Band „Musik, Ästhetik, Digitalisierung – Eine Kontroverse“ führte.
[…]
Um einen atmosphärischen Eindruck zu vermitteln, wie man in dieser ersten Phase der Debatte auf das Reizwort ‚Digitalisierung‘ reagierte, sei daran erinnert, dass Max Nyffeler in seiner nmz-Kolumne „www.beckmesser.de“ mit der Faschismuskeule vor den „Neofuturisten“ warnte, und zwar mit dem Hinweis, dass die Futuristen von einst als Mussolini-Verehrer endeten; dass Reinhard Oehlschlägel von den „Musik-Texten“ die Aufregung um die Digitalisierung für übertrieben hielt, weil wir uns überhaupt nicht in einem Zeitalter der digitalen „Revolution“ befänden, sondern höchstens von einer digitalen „Evolution“ die Rede sein könne; und Volker Straebel meinte gar, die digitale Revolution wäre schon zu Ende, weil es Stimmen in der elektroakustischen Musik gibt, die von „postdigitaler Musik“ sprechen.

Die offene Form Countrymusik

Nicht dass wir das nicht schon gewusst hätten – die gängige Countrymusik ist inhaltlich austauschbar. Wird in diesem Video bewiesen anhand der aktuell 6 erfolgreichsen Countrystücke, die prompt bereits in der selben Tonart stehen.
Gibt es einen Namen dafür, wenn es eine Collage ist und keiner merkt’s?

(via Schlecky)

Radiosendung über die Diskussionen bei den Darmstädter Ferienkursen 2012 und 2014

Bastian Zimmermann und Christoph Haffter haben ein Radiofeature über die ästhetischen Debatten bei den Darmstädter Ferienkursen 2012 und 2014 gemacht. Die Sendung kam letzte Woche Montag auf SWR2. Darin geht es um die Matineekonzerte 2012, bei denen Mathias Spahlinger, Brian Ferneyhough und Wolfgang Rihm von Mark Barden, Martin Schüttler und Kreidler in die Mangel genommen wurden, und um die Diskussion „New Conceptualism – Dead End or Way Out?“ und mein Musiktheater „Audioguide“ bei den Kursen dieses Jahr.

http://bastianzimmermann.de/assets/radiofeature-die-darmst%c3%a4dter-ferienkurse.mp3

Die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik gelten seit jeher als Brandherd ästhetischer Debatten. Während der Ferienkurse 2012 erhielten drei junge Komponisten – Martin Schüttler, Johannes Kreidler und Mark Barden – die Gelegenheit, ihre musikalische Vätergeneration – Wolfgang Rihm, Brian Ferneyhough und Mathias Spahlinger – diskursiv herauszufordern: Was ist aktuelle Musik im Zeitalter des Internets, wie gewinnt ein musikalisches Kunstwerk gesellschaftliche Relevanz, welche Altlasten der Neuen Musik gilt es abzuwerfen? Auch bei den diesjährigen Ferienkursen wurde mit diesen großen Themen gerungen: Nichts weniger als Die Lage der Neuen Musik, das Konzept als Dekor oder der Neue Konzeptualismus standen in Frage. Ist diese neugewonnene Freude am Disput nichts als eine intelligente Strategie aufstrebender Komponisten, sich im Kunstmarkt zu positionieren oder bringt die Debatte einen realen Umbruch zum Ausdruck, wird in ihr die zeitgenössische Musik wieder einmal neu erfunden? Bastian Zimmermann und Christoph Haffter zeichnen diese Debatten nach und wagen einen Kommentar.

N 5∆° $’ h3,s“ – unmögliche GEMA-Titel

Aktuell gibt es den Fall, dass das Frankfurter Klangkünstler-Duo CLUBbleu eine CD aufgenommen hat, deren Titel lauten:

1. N 5∆° $’ h3,s“
2. E H° ¥8’ r!,d“
3. N 5D° µ’ Bs,8“
4. E S° ©r’ 49,eR5“
5. W 5@° 1’ !3,n“
6. A 0° $c’ ¡1,l“
7. L Ïn° 5’ ∑,<†§“ 8. L S° 7ø’ N€,d“ 9. A T®° ∆’ ƒ,F!¢“ 10. N B° 3¥’ 0n,D“ 11. L 5R° ¡’ o,+“ 12. A 4° Ωv’ @7,iç“ 13. G 5P° µ’ 1¿,a√“ 14. E D° øW’ n†,!m3“ 15. N Cr° 0’ $5,În6“

„Unsere Werktitel bestanden aus einem wohl durchdachten System aus GPS-Daten ausgewählter Orte der Stadt Frankfurt/Main sowie Übersetzungen ins Leetspeak.“ schreiben die Künstler. Bei der GEMA hingegen nahm man erst mal eine Formatierungspanne an, und nachdem die Richtigkeit der Titel von den Urhebern bestätigt wurde, hat die GEMA erklärt, dass solche Titel bei ihnen nicht gehen und hat alle 15 Tracks stattdessen mit dem Titel „-“ versehen. Die Künstler sehen hier einen unangemessenen Eingriff in ihre künstlerische Freiheit, gegen den sie protestieren:

“Spiel & Spaß mit der ‪#‎GEMA‬ !!! EDV-Konzeptualismus. Danke, liebe GEMA, für’s Mitkomponieren! Am 16.7.2014 führen wir unsere Komposition „DARK ENERGY – frankfurt album“ urauf, die aus 15 Einzelsätzen besteht, von denen mittlerweile offiziell jeder Satz den Titel „ – “ trägt. Diese äußerst kreativen und genial ausgeklügelten Namen erhielten unsere Kompositionen von der GEMA, die sich weigerte, unsere Werktitel zu übernehmen. Nachdem wir einen panischen Anruf einer überforderten GEMA – Schreibkraft bekamen, die nach Anmeldung unserer Komposition massive Formatierungs-Unfälle befürchtete, teilten wir der GEMA mit, dass die von uns eingereichte Liste genau so, wie sie ist, ihre Richtigkeit hat. Unsere Werktitel bestanden aus einem wohl durchdachten System aus GPS-Daten ausgewählter Orte der Stadt Frankfurt/Main sowie Übersetzungen ins Leetspeak. Die Titel der Einzelsätze hatten einen für uns inhaltlich unerlässlichen Bezug zur Gesamtkomposition. Doch leider ist das anscheinend in höchstem Maße eingeschränkte und absolut veraltete Verarbeitungssystem der GEMA nicht in der Lage, solche Werktitel aufzunehmen! Das bedeutet: Entweder man benutzt seine Computertastatur möglichst ohne die „alt“ – Taste, oder die GEMA beteiligt sich ungefragt am kompositorischen Prozess. Wenn es einen Sinn gemacht hätte, alle Einzelsätze mit „ – “ zu betiteln, liebe GEMA, dann hätten wir das gerne selbst gemacht! Wir betrachten das als eine Form von Zensur und damit verbunden als eine künstlerische Einschränkung, die absolut untragbar ist! Das wäre ja so, als ob ein Verlag sagen würde „Leider können wir Ihre Komposition so nicht abdrucken, weil sie Sonderzeichen enthält, die in unserem Notenprogramm nicht vorhanden sind. Daher haben wir diese durch Pausen ergänzt.“ Da fragen wir uns ernsthaft, wie es sein kann, dass DIE Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte in Deutschland nicht in der Lage ist, uneingeschränkt auf wie auch immer gewählte Werktitel der Künstler einzugehen, die sie selbst vertritt??!! Ganz ehrlich, wir dürfen einem Stück keinen Werktitel wie L Ïn° 5’ ∑,<†§“ geben, aber wenn wir es stattdessen „FICK MICH MIT EINER GABEL IN DEN ARSCH“ genannt hätten, wär’s super gewesen, weil es ins EDV-System passt????!!! Wir nehmen die Ankündigung unserer Uraufführung zum Anlass, öffentlich auf diesen Missstand aufmerksam zu machen! Wer Lust hat auf einen ganzen Abend voller „ – “, ist herzlich eingeladen, am kommenden Mittwoch (16.7.) im historischen museum frankfurt vorbeizuschauen. Konzertbeginn 19:00 Uhr. Live – Electronix, Live-Visualz, Lounge-Atmo & „-“ !”

Vor einigen Jahren hat Alexander Grebtschenko ein Stück mit dem Titel „durchgestrichen“ komponiert, den hat die GEMA damals auch nicht akzeptiert.

Das rührt – mal wieder – an dem grundsätzlichen Problem der GEMA: Dass sie die Musik formalisieren muss. Auf dem Werkanmeldebogen wird beispielsweise nach „Anzahl der selbständig geführten Stimmen“ oder nach „Opuszahl“ gefragt, Kategorien, die irgendwie nicht mehr so ganz einiger gegenwärtiger Musikproduktionen entsprechen. Ich hatte seinerzeit ja an dem Passus über Fremdanteile („Originaltitel von verwendeten Volksweisen oder anderer im Original urheberrechtlich freier Werke sind hier zu nennen. Wurden urheberrechtlich geschützte Werke verwendet, ist generell die Genehmigung der Rechteinhaber der geschützten Werke in Kopie beizufügen. Die immer noch weit verbreitete Ansicht, dass acht oder auch vier Takte ohne Zustimmung benutzt werden dürfen, ist falsch.“) eine ganze Aktion aufgehängt.

Hier scheint das Problem aber schlichtweg in der EDV zu liegen – Sonderzeichen in Musiktiteln sind bei der GEMA nicht vorgesehen. Ob das nun künstlerisch beschneidend / praktikabel ist, die Zwangsumbenennung in der Datenbank, die dann immer mit den eigentlichen Titeln abgeglichen werden muss, wird sich noch zeigen, peinlich ist es jedenfalls für die GEMA schon ein bisschen, dass derlei Zeichen nicht kompatibel sind und dass sie kurzerhand diese ‚kreative‘ Umbenennung vornimmt.

(via couldn’t find a bomb)

Siehe auch Alexander Strauchs Artikel zu dem Fall im Bad Blog.