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Kategorie Kritik der reinen Vernunft

Artur Schnabel über Aktienkurse und Musik

Temperature reports and Stock Exchange quotations can be told in all languages. They cannot be expressed in music.

Aus: Arthur Schnabel, Harvard Lectures 1949, S.101 (Music and the Line of most Resistance)

Wenn er sich da mal nicht getäuscht hat.

Danke für den Tipp, Bernhard!

Karl-Marx-Kreditkarte

Nachtrag zur Dialektik der Aufklärung:
In Karl-Marx-Stadt Chemnitz wurde bei einer Kundenabstimmung Karl Marx als Konterfei für die neue Kreditkarte der Sparkasse ausgewählt.

Aus dem “Kommunistischen Manifest“:

Das Proletariat wird seine politische Herrschaft dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entreißen, alle Produktionsinstrumente in den Händen des Staats, d.h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats, zu zentralisieren und die Masse der Produktionskräfte möglichst rasch zu vermehren. Es kann dies natürlich zunächst nur geschehn vermittelst despotischer Eingriffe in das Eigentumsrecht und in die bürgerlichen Produktionsverhältnisse, durch Maßregeln also, die ökonomisch unzureichend und unhaltbar erscheinen, die aber im Lauf der Bewegung über sich selbst hinaustreiben und als Mittel zur Umwälzung der ganzen Produktionsweise unvermeidlich sind.
Diese Maßregeln werden natürlich je nach den verschiedenen Ländern verschieden sein.
Für die fortgeschrittensten Länder werden jedoch die folgenden ziemlich allgemein in Anwendung kommen können:
[...]
5. Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol.

Weitere Meldungen:
+++ Amnesty International wirbt mit Hitler-Maskottchen +++ European Song Contest wird 2013 von Helmut Lachenmann moderiert +++ Vatikan feiert Friedrich Nietzsches 168. Geburtstag +++ Silvio Berlusconi übernimmt Schirmherrschaft von Anti-Korruptionsliga +++ Bock zum Gärtner gemacht +++

Update: Man muss dazusagen, dass Sparkassen in der Tat nicht ganz vergleichbar sind mit renditeorientierten Banken wie der Deutschen Bank.

(via Autodespair)

Nachtrag zu Wolfgang Rihms 600 000. Geburtstag

Martina Seeber hat einen 5minütigen Radiobeitrag für WDR3 produziert:

rihm-seeber.mp3

… aber nicht alles, was da der Uraufführungslandschaft entspringt, ist frisches Quellwasser. Im Grunde ist das Rihm’sche Biotop eine gigantische Abwasseraufbereitungsanlage. Um den Überblick zu behalten über das System des [...] Self-Recyclings gibt es [...] nun die Plattform www.rihm-plag.de. [...] Ein System von Grafiken und Animationen dokumentiert das Copy&Paste-Imperium…

Früher auf Kulturtechno: Wolfgang Rihm zum 600. Geburtstag

Kultur – wozu?

Die beiden SWR-Orchester sollen fusioniert werden. Schande! Auf Initiative von Manos Tsangaris wurde nun die Website Kultur – Wozu? ins Leben gerufen, ein Portal für Unterstützung und Diskussion. Bitte teilnehmen!

 

Costa Cultura – Fusion der beiden SWR-Orchester

Die Costa Cultura befindet sich in Schieflage und droht in kürzester Zeit zu havarieren.
Die Verantwortlichen manövrieren in zu flachem Gewässer, wahrscheinlich um ihren Familienmitgliedern zu imponieren und ohne sich der allgemeinen Gefahr wirklich bewusst zu sein. Der Schiffsrumpf ist angeschlagen, das Riesenschiff neigt sich schon zur Seite, die beiden Bordkapellen werden angewiesen, sehr bald den Betrieb einzustellen, sich an Deck zu versammeln und ein gemeinsames Rettungsboot zu kapern – auf Kosten der Passagiere?

Die Brücke singt im Chor: Diese Schieflage ist ganz normal, alles im Lot!
Bewahren Sie Ruhe! Befolgen Sie strikt unsere Anweisungen!
Wir werden gerade von Experten beraten.
Die wissen am besten, was zu tun ist.
Wir, die Passagiere und die einfache Besatzung fordern die Verantwortlichen in aller Schärfe auf, endlich die flachen Gewässer zu verlassen und die falschen Berater von Bord zu schicken!
Wir fordern sie auf, endlich die überlebenswichtigen Maßnahmen zur Gewährleistung der Weiterfahrt zu ergreifen und weiteren Schaden von Passagieren und Schiff abzuwenden!

Wir fordern freie Fahrt für die Costa Cultura !

Die beiden SWR-Sinfonieorchester sollen nach Willen der Verantwortlichen fusioniert werden, d.h. mindestens eines würde hierbei abgeschafft.

Dagegen protestieren wir in aller Heftigkeit!
Kultur im Rundfunk verflacht mehr und mehr.
Der Sende-Anteil der neuen Musik ist innerhalb der letzten fünf Jahre von 1,5% auf 0,8% inländischer Produktionen gesunken.
Wir fordern die Verantwortlichen auf, den Fusionierungsplan der beiden SWR-Sinfonieorchester vom Tisch zu nehmen!
Wir fordern nachhaltige Qualität der Rundfunk-Kulturprogramme und andere, neue Konzeptionen!
Bitte leisten Sie Sorge dafür, dass der Kultur-Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nun wirklich wahrgenommen wird!

Mark Andre // Carola Bauckholt // Martin Baumgärtel // Michael Beil // Mara Genschel // Lorenz Grau // Michael Hiemke // Neele Hülcker // Till Kniola // Steffen Krebber // Johannes Kreidler // Nicolas Kuhn // Brigitta Muntendorf // Enno Poppe // Tobias Schick // Manuel Schwierz // Manos Tsangaris // Eleftherios Veniadis // Katharina Vogt

Digital Handcraft. China`s global factory for computers

Video, 28 min., 2008
by Alexandra Weltz, co author Sarah Bormann
digital handcraft is an educational film, a portrait of the process of computer hardware production. It displays the organisation of production in global value chains and investigates the conditions of life and labour for millions of migrant worker in China’s factories, which manufacture the hardware for the immaterial production of the 21st century.
This film takes a look at the flipside of globalised computer production, which is incongruous with the “clean” image the industry usually displays. By interviewing both activists and workers, the film investigates the current situation as well as future possibilities for improving their situation. Furthermore, the film looks at issues surrounding the illegal shipping of computer scrap parts from Germany to developing countries.

Ai Weiwei, Without Fear or Favour (BBC)

Danke für den Tipp, Harry!

Früher auf Kulturtechno: Ai Weiwei: Never Sorry

Worüber kann man sich in der Neuen Musik noch streiten? Über Geld.(#2)

Kürzlich hatte ich hier einen Text mit der gleichen Überschrift, ihn dann aber nach einem Tag wieder vom Netz genommen. Es tut mir leid und kommt hoffentlich nicht wieder vor, aber ich hatte den Eindruck, der Text ist mißverständlich. Darum habe ich ihn teilweise noch mal anders formuliert, jetzt bleibt er aber:

Worüber kann man sich in der Neuen Musik noch streiten? Über Geld.

Mit dem Wechsel der Leitung bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik 2010 wurde ein neues System installiert, der sogenannte Open Space: Räumlichkeiten stehen nahezu unbegrenzt allen zur Verfügung, jeder kann seine Lecture, seine Präsentation, seine Probe oder was auch immer halten im Rahmen des medial Möglichen. Damit ist es offiziell: Nie wieder wird es die „großen“ Diskussionen in Darmstadt geben, denn die Teilnehmer verstreuen sich in alle Windrichtungen. Statt der alljährlichen Diskussion über den ‚Materialstand’ sucht jeder den Raum auf, der ihn am meisten interessiert.

„Wenn das für Sie keine Musik ist, dann nennen Sie es eben anders.“ (John Cage). Dem wäre noch hinzuzufügen: Wenn das für sie keine Neue Musik ist, dann nennen Sie es eben anders.

Jeder kann heute in der Kunst machen, was er will, solange er sich an die Gesetze des Landes und an die Allgemeinen Menschenrechte hält; so hat es den Anschein, und das klingt völlig vernünftig. Zwar habe ich meinen persönlichen Geschmack und finde vieles schlecht, aber mir steht ja gottseidank nicht zu, für andere darüber zu bestimmen. Freilich soll es auch die Musik geben, die ich nicht mag – es lebe die Vielfalt!

Nur lässt sich dann eigentlich gar nicht mehr debattieren. Mit dem simplen Satz „Ok, du machst einfach deins und ich mach meins“ ist jede ästhetische Diskussion im Keim erstickt, oder mit einem beherzten „Lass ihn doch!“. Wer heute noch für „die Neue Musik“ etwas fordert, wünscht oder verwünscht, macht sich eigentlich lächerlich – denn jeder Komponist kann und soll doch machen, was er will, es wird sich schon jemand finden, dem’s gefällt, und letztlich wird die Geschichte entscheiden. Auch in der Digitalisierungsdebatte zwischen Mahnkopf und mir hat sich bald abgezeichnet, dass man einander überhaupt nichts anhaben kann, jeder mache eben seins. Exemplarisch kommentierte Reinhard Oehlschlägel in den MusikTexten (Hervorhebung von mir):

Jeder Komponist hat die Freiheit „Digitale Revolution“ oder irgendetwas sonst qua artifizieller Setzung für seine kompositorische Arbeit allgemein oder für eine bestimme Komposition zu seinem kompositionsästhetischen Fokus zu machen. Hätte Kreidler das im Sinn, hätte er diesen Zusammenhang als an seine Person geknüpfte Kompositionsästhetik dargestellt, die den nächsten Komponisten gerade nicht betreffen muss.

Jeder hat die Freiheit, und verbindlich ist gar nichts!
Es lief in dem Buch bei den Texten zwischen Mahnkopf und mir dann auch darauf hinaus, dass jeder sich selbst darstellte und hoffte, der Leser findet dann einen besser als den anderen. Lauter subjektive Meinungen also, aber keine harten Kriterien, anhand derer man sich wirklich auseinandersetzen kann, keine Diskussion darum, ob das nun Musik sei, ob das fortschrittlich sei, ob das pädagogisch wertvoll sei, ob das zeitgeistig relevant sei, was auch immer für Werte man da anbringen mag – es darf und soll in der Kunst einfach alles geben, Pluralismus ist das einzige Gebot der postmodernen Stunde. Das ist eigentlich auch keine ganz neue Erkenntnis mehr.

Nun wird aber doch noch diskutiert, in Kneipen und Blogs. Und was gibt es für Argumente jenseits des persönlichen Geschmacks?

- Pädagogisch nicht wertvoll genug

-> aber wie lässt sich das bemessen? Und muss Kunst überhaupt der Erziehung dienen? Erziehung zu was? Zu Kommunisten?

- das ist keine Kunst

-> aber wie lässt sich das bemessen? Und ist nicht gerade das die stets neue Herausforderung an die Kunst, den Kunstbegriff zu provozieren?

- nicht fortschrittlich

-> aber wie lässt sich das bemessen? Kompositionstechniken? Aber woran lässt sich das festmachen? Gibt es etwa irgendwo ein Klischee-Verzeichnis, mit dem abgeglichen wird? Wer verwaltet dieses Verzeichnis? Ansonsten: Fortschrittlichkeit könnte vielleicht an technischen Geräten festgemacht werden. Ich neige tatsächlich zu dieser Argumentation. Aber natürlich kommen hier die Konter a) das sei eine oberflächlich-materialistische Argumentation b) Wo sei denn vorn? Des weiteren trüge Fortschritt natürlich die Dialektik der Aufklärung in sich, der Fortschritt impliziere doch auch wieder Rückschritt. Und außerdem: Kunst dürfe alles! Wer will darf auch Fugen schreiben.

- nicht relevant

-> aber wie lässt sich das bemessen? Relevant für wen??

- irgend eine Art von Musik, eine Stilistik oder Thematik, kommt zu kurz

->jetzt kommen wir der Sache schon näher…

- zu teuer

-> das lässt sich bemessen! Es gibt Einkommensstandards, es gibt zu verteilende Geldtöpfe, ohne Geld geht fast nichts und da hört bekanntlich die Freundschaft auf.

->> Hinter all den ästhetischen Debatten steht ein anderes, ganz einfaches, nur meist unausgesprochenes, letztes hartes Kriterium: Geld.

Warum fordert Moritz mehr zugängliche, mehr lebensnahe Kunst, wenn ihm selber doch niemand vorschreibt, was er zu komponieren hat, er sich also tonnenweise lebensnahe Musik schreiben kann? Wieso stimmt Oehlschlägels Aussage, dass jeder Komponist die Freiheit zu irgendwelcher Setzung hat, nicht? – die Sache kostet Geld, viel Geld. Geld, das die Musik nicht selber erwirtschaften kann, das aus anderen Quellen zufließen muss. Darum erst kommen die ganzen Relevanz-Debatten auf. Welche Musik ist die Subventionsgeld-Verbratung wert? Niemals gibt es genug Geld, um den möglichen Pluralismus vollständig abzubilden, auch wenn Festivals so tun als ob. In dieser Welt kann nicht jeder Komponist komponieren, was er will, sofern er nicht mit der Schublade oder mit rein elektronischer Musik Vorlieb nehmen will, und mit dem Urteil der Geschichte. Es gibt in der Postmoderne bei der Kunst kein gut oder schlecht mehr jenseits subjektiver Meinung; jeder hat Recht – nur hat nicht jeder Geld.

Ich fände es wünschenswert (um ein altmodisches, nicht-monetäres Argument anzubringen), dass diese Wahrheit wenn dann auch ausgesprochen wird: Dass ästhetische Debatten heute in Wirklichkeit Gelddebatten sind.

(Das Problem ist dann noch, dass die, die das Geld ausgeben, den Debatten selten zur Verfügung stehen. Darum sind die meisten ästhetischen Diskussionen erst recht Scheindiskussionen.)

P.S. Und nun ist der Leser hoffentlich dazu provoziert, einmal zu überlegen, ob es nicht doch heute noch mehr Werte in der Kunst gibt als Geld.

STOP SOPA

Stoppt Opa!! Verzeihung, Sopa. Verzeihung, man sollte nicht alles durch den Kakao ziehen.

Ganz ernst: Die Leser werden Bescheid wissen über den SOPA-Protest, zum Nachlesen hier:
http://netzpolitik.org/2012/warum-sopa-auch-uns-angeht/

Klavierkatapult

Letztes Jahr sagte mir jemand, es sei doch ein alter Hut, das “Sprengt die Opernhäuser in die Luft!”. Sie wurden aber nicht in die Luft gesprengt.

(via Music of Sound)

Laptop als Instrument – jetzt vollständig online

Die Radiodiskussion “Laptop als Instrument?” (Kulturtechno berichtete) steht nun auch vollständig online, danke Dir, Mathias!