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Kategorie Siege der Aufklärung

Tageslink: Zum Papier der Musikindustrie

Die TAZ schreibt über das Positionspapier zur Kulturflatrate, das die Musikindustrie letzte Woche veröffentlichte. Als Aufmacher bringen sie meine GEMA-Aktion:

http://www.taz.de/1/netz/netzoekonomie/artikel/1/musikindustrie-gegen-kulturflatrate/

Dazu kann ich bemerken:

Letzten Herbst war ich zu einem Panel eingeladen, bei dem auch der Chef von Sony Music Deutschland zugegen war. Da wurde völlig klar: Das ist ein Industrieller, der Geschäfte machen will, und wird noch den letzten Cent aus CD-Verkäufen holen wollen. Darum verteufelt er die Kulturflatrate. Das ist genauso logisch, wie alle anderen Unternehmen in dieser Welt Rendite erwirtschaften wollen. Warum mag man dann die Musikindustrie nicht? Weil man mal geglaubt hat und sie selber immer noch so tut, als möge sie Musik, als sei sie ein wesentlicher Kulturträger usw. Aber einem wie dem Typen auf dem Panel ist Musik gänzlich egal, er produziert eine Ware und das könnten auch Waschmaschinen sein.

Ich glaube dass die Tonträgerindustrie schlicht aussterben wird (das live-Geschäft bleibt ein Geschäft, und dafür kann die GEMA weiterexistieren). iTunes ist kein wirkliches Geschäft, das ist nur das Alibi von Apple, um mit Medien-Hardware seinen gigantischen Umsatz zu machen. Ich empfinde das nur insofern schade, als dann kaum noch neue klassische Produktionen gemacht werden können; aber gottseidank ist ja schon praktisch die gesamte Musikgeschichte eingespielt worden.

Zur Kulturflatrate: Ich würde mir ein Stiftungswesen wünschen. Es wäre eine Katastrophe, wenn man von jedem die monatliche Flatrate kassierte und dann das ganze Internet immer abscannen müsste, um dem Konsumverhalten entsprechend die Künstler zu entlohnen. Stattdessen wäre ein Modell wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk wünschenswert. Natürlich wird da auch haufenweise Schrott produziert, aber um der guten Sendungen in DeutschlandRadio Kultur, um des Engagements für Musikfestivals willen und wegen vieler Arte-Sendungen und der Harald-Schmidt-Show ist es die Sache wert. (Über Reformen der öffentlich-rechtlichen wird man sich unterhalten, aber ich verteidige sie schon aus Prinzip: In dieser Welt darf nicht alles privatisiert und merkantilisiert werden.)

Sigmund Freud und Joseph Roth gehören nun allen!

Die beiden Herren sind 70 Jahre tot, endlich hat die Urheberrechterei ein Ende und alle Welt kann sie (theoretisch) lesen. Allerdings finde ich leider noch nicht wirklich eines der einschlägigen Bücher im Netz. Hätte jetzt wirklich gedacht, dass zumindest Bücher wie die Traumdeutung am 1.1.10 um 0.00h ans Netz gingen. Jetzt aber los!

Mehr dazu von Peter Mühlbauer bei Telepolis.

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Geldscheine als Flugblätter

Da bekommt die Luhmannsche Theorie vom Geld als Medium noch eine Facette:

Anti-government activists are not allowed to express themselves in Iranian media, so theses activists have taken their expressions to another high circulation mass-medium, banknotes. The Central Bank of Iran has tried to take these banknotes out of circulation, but there are just too many of them, and gave up. For the activists’ people it’s a way of saying “We are here, and the green movement is going on”.

(via Nerdcore)

Did you know? P.s.: Filme, die man besser ohne Ton ansieht #4

Vielleicht kennt das ja schon jeder – ein Film in dem u.a. statistische Werte von China, Indien und USA verglichen werden. An dem Film wird einem (neben dem Inhaltlichen) klar, dass Details einfach wichtig sind. Jeder weiß, dass China und Indien ein Drittel der Erdbevölkerung ausmachen. Aber frappierender ist die Aussage: Die intelligentesten 20% der Chinesen sind so viele wie die gesamte US-Bevölkerung.

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Petition für Open Access

Die Open-Access-Bewegung, also die Initiative für kostenlosen (Netz-)Zugang aller Menschen zu wissenschaftlichen Publikationen, hat meine volle Unterstützung, darum auch die nun gestartete Online-Petition, selbst wenn ich immer noch nicht verstehe, wie die als relevant angesehen werden kann, wenn da ein und dieselbe Person mit verschiedenen Emailadressen ja mehrmals petieren kann.

(via Netzpolitik)

Endlich frei!

Schöne Satire zum Fall der Mauer. Ich denke ja nicht so gerne an den 9.11.1989, weil ich da mit Blinddarm im Krankenhaus lag. Ähnliches wird hier beschrieben.

(via Spreeblick)

Fremdarbeit @MotorFM UPDATE

Heute, Donnerstag 5.11. um 16h Update: 19h kommt auf RadioArty, der Show vom prima Yaneq ein Bericht über Fremdarbeit:

http://www.motorfm.de/programm/radio-arty/

(Am Samstag um 16h wird’s wiederholt.)

Staatspop

Mitte Juli habe ich in einem Kommentar im Bad Blog of Musick (der aber leider von drei Idioten völlig kaputtkommentiert wird) geschrieben, dass auch noch die Popmusik subventioniert werden wird. Und siehe da, was headlined die Süddeutsche?

Dieter Gorny, Cheflobbyist der Musikindustrie, fordert staatliche Unterstützung für die Popmusik. Längst lechzen auch Künstler nach „Pop mit Staatsknete“.

Ich werte das als positiv! Zumindest verbinde ich die Hoffnung an derlei, dass mehr über Qualität nachgedacht werden wird.

N.B.: Martin Hufner bemängelt den Artikel.

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Tageslink

Kevin Kelly ist einer der weisesten Analysten der Digitalen Revolution, das beweist er wieder mal mit dem Text „Besser als kostenlos“, den’s jetzt auch auf deutsch gibt. Es geht um die Frage, wie im Netz Geld verdient werden kann.

http://bewegliche-lettern.de/2009/08/kevin-kelly-besser-als-kostenlos-better-than-free/#more-389

Archiv

Ein Aspekt der Digitalisierung, den ich für kaum überschätzbar halte, ist das Archivarische. In meinen Texten komme ich immer wieder auf die Auswirkungen zu sprechen.

An dieser Stelle möchte ich aber einfach mal ein „fantastic!“ ausrufen; auf Archival Sound Recordings heißt es:

Explore 44,500 selected recordings of music, spoken word, and human and natural environments.

Es ist ein Projekt der British Library. Sie veröffentlicht Tausende Aufnahmen die vor 1959 gemacht wurden und deren Komponisten länger als 70 Jahre tot sind. Das sind die britischen Bestimmungen für Leistungsschutzrecht (50 Jahre) und Urheberrecht (70 Jahre nach Tod). Jetzt kommt allerdings die schlechte Nachricht: Die selben Bestimmungen gelten auch in Deutschland (in „Feeds“ nächstes Jahr werde ich haufenweise Aufnahmen von vor 1959 einsetzen), nicht aber in anderen Ländern, darum hat die Website fast alle Aufnahmen für Nicht-UK-Länder unterbunden. Merde! Wir brauchen internationale Standards im digitalen Zeitalter.

Also, leider kann ich jetzt keine Chopin-Balladen von Claudio Arrau gespielt anhören (es sei denn hier). Dafür aber Aufnahmen australischer Ureinwohner von 1898.

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