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Kategorie Siege der Aufklärung

Information wants to be free: ein Portal für freie Klassikaufnahmen

Vor einem halben Jahr ging die Meldung um, dass eine Pianistin die Goldberg-Variationen eingespielt und zum freien Gebrauch veröffentlicht hat. Dazu habe ich seinerzeit geschrieben:

Man kann davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren freie Aufnahmen des gesamten Klassikrepertoires veröffentlicht werden.

Dem ist man nun ein Schritt näher, das Projekt Musopen ist eine Website, die freie Aufnahmen urheberrechtlich nicht mehr geschützter Musik, also vor allem der sogenannten klassischen Musik, anbietet.
Es ist egal, ob man das gut oder schlecht findet, es zeigt mal wieder: Information wants to be free. Es gibt immer einen Deppen / einen Helden, der es umsonst macht oder jedenfalls nicht mit Aussicht auf Tantiemen. Für die Menschheit.

Meine nächste Prognose lautet: Diese freien Aufnahmen werden immer besser und hochkarätiger werden. Ich kann mir sogar vorstellen, dass bald die besten Orchester der Welt darin konkurrieren, wer zuerst eine freie Aufnahme der klassischen Evergreens publiziert. Schließlich sind das alles hochsubventionierte Betriebe, die allerbeste Gegenleistung wären daher Produkte, die öffentliches Eigentum sind. Außerdem ist das auch die letzte Konsequenz im gesättigten Klassik-Tonträgermarkt. Und dann ist es eben auch noch so: Es gibt Dinge, mit denen man Geld verdienen kann (Konzerte zum Beispiel), und Dinge, mit denen man kein Geld (mehr) verdienen kann. Tonträger zum Beispiel.

(via die ZEIT)

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Aphorismen des Tages:

Der Theoretiker imaginiert seinen Klassizismus

Das Desiderat genießt Vollkommenheit

Die Utopie sonarer Tonartbereiche

Die rhythmische Gesellschaft

Wille
Quadrat
Anspruch

Regulationssysteme
Stimmen
Penis

Die harmonische Wirklichkeit

Institut für Musik & Ästhetik gegründet

Im Umkreis der Zeitschrift Musik & Ästhetik – aus der ich davon erfahren habe – ist nun das „Institut für Musik und Ästhetik“ gegründet worden, das vor allem eine Internetpräsenz sein will. Man darf gespannt sein, das Exposé liest sich sehr ambitioniert.

Fällig ist der Schritt allenthalben, er wurde ja von ein paar Denkern in den letzten Jahren gründlich durchdrungen, wenn auch gegen manchen Widerstand (das Internet sei das „oberflächlichste Medium“, urteilt Musik & Ästhetik-Herausgeber Mahnkopf im Buch „Musik, Ästhetik, Digitalisierung – eine Kontroverse“, wie überhaupt von ihm verneint wird, dass es sich bei der Digitalisierung um eine Revolution handelt).

http://www.institut-musikundaesthetik.de

Der kulturelle Wandel ist unaufhaltsam und extrem schnell: Globalisierung, Medienrevolution, Expansion der Wissensgesellschaft sind die großen Herausforderungen unserer Zeit. Er betrifft auch die Musik, die am weitesten verbreitete »Kunst«. Die Fragen an das Musikleben und Musikerleben, an das Musikmachen und den Musikgebrauch, auch an die entsprechenden Institutionen werden immer komplexer. Der Wandel ist so tiefgreifend, dass er alle Felder unseres musikalisch-kulturellen Lebens erfasst hat: die musikalische Aufführung, die Medien, die Musikvermittlung, die Musikforschung und die musikalische Öffentlichkeit. Tradiertes und Konventionelles verflüchtigen sich. Umgekehrt wächst der Hunger nach Orientierung. Dies betrifft die »ernste« genauso wie die »populäre« Musik.
Musikalische Gegenwartsforschung findet vereinzelt und wenig gebündelt statt. Das Institut für Musik und Ästhetik will dieser einen institutionellen Rahmen schaffen. Es versteht sich als ein interdisziplinär arbeitender Thinktank nach internationalem Vorbild. Ein Schwerpunkt wird dabei der Aufbau eines im Internet öffentlichen Archivs zur Gegenwartsmusik sein, mit Forschungsberichten, Analysen, Kritiken und Untersuchungen – ein Informationspool für alle Musikinteressierte, nicht nur für die musikalisch Aktiven. Ein anderer Schwerpunkt sind Serviceleistungen in Form von Dramaturgie, Expertisen und einem internetbasierten Musikfeuilleton.

Bemerkenswert sind zB auch diese Ziele:

Im Bereich Medienarbeit bietet sich das Institut für Musik und Ästhetik als Service für Medien und Veranstalter (Orchester, Festivals, Kulturprojekte etc.) an. Zwei Projekte sind dabei vordringlich. Erstens geht es darum, in der an den Wochentagen ausgestrahlten Sendung kulturzeit auf 3SAT für die Musik, die dort praktisch nicht vorkommt, zu werben, durch den Entwurf eines Gesamtkonzepts, Beratertätigkeit und Vermittlung geeigneten Personals. Zweitens geht es darum, im öffentlichen Fernsehen eine monatliche Sendung namens Das musikalische Quartett in der Tradition des Literarischen und Philosophischen Quartetts vorzubereiten. Diese Sendung thematisiert aktuelle und grundsätzliche Themen zur Musik, beispielsweise zur Zukunft der Bayreuther Festspiele, der Donaueschinger Musiktage, zur Rolle der Musikschulen, zur frühkindlichen Musikerziehung, und reagiert auf aktuelle Ereignisse (beispielsweise »Was ist Techno?« nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg, oder »Wer ist Lena?« nach dem Hype um den Eurovision Song Contest). Das Institut entwirft hierfür einen detaillierten Plan und leistet die entsprechende Überzeugungsarbeit.

Nachdem ich 2010 die Neue-Musik-Talkshow Feeds. Hören TV realisiert habe, freut es mich sehr, dass nun auch andere mit der Idee ernst machen wollen.

Lernen 2.0 / Aufruf

Das allerbeste am Internet ist die Verbreitung von Bildung. (Ich weiß, die Kulturpessimisten rufen gleich hinterher: auch die Verbreitung der Anleitungen zum Bombenbauen.) Hier ein Verzeichnis von „500 Free Online Courses from Top Universities“:

http://www.openculture.com/freeonlinecourses

Und die ZEIT schreibt aktuell über Vorlesungen im Netz:

http://www.zeit.de/studium/2012-06/online-studium-dozent/komplettansicht

An der Stelle sei noch mal auf Kluuu hingewiesen, eine Art demokratische Privat-Online-Schule für theoretisch alles, was Menschen so interessiert:

www.kluuuu.com

Höchste Zeit, dass auch Musikwissenschaftler, Musiktheoretiker und wer sonst noch Vorlesungen und Vorträge zur Musik hält das auch fürs Online-Publikum tun. Ich rufe hiermit die Darmstädter Ferienkurse, alle Symposiums-/Kongressveranstalter und sämtliche universitär über Musik Vorlesenden dazu auf, ihre Vorträge zu filmen und ins Netz zu stellen. Der Aufwand ist gering, der Nutzen groß.

Der erste Schritt ist getan

Die Ausdifferenzierung der Gesellschaft: Tanzstile

Eine interessante Infografik über die Entwicklung der Tanzmusik in der westlichen Welt:

http://www.thomson.co.uk/blog/wp-content/uploads/infographic/interactive-music-map/index.html

(via 11k2)

Vgl:
Map of Metal
Ishkur’s Guide to Electronic Music

Siehe auch: Die „Einleitung in die Musiksoziologie“ aus Feeds. Hören TV.

Helmut Qualtinger liest aus „Mein Kampf“

Eine Lesung, die auch heute noch unter die Haut geht. Man ist geneigt, Gottfried Benns These, wonach selbst ein Weltkrieg als Witzobjekt am Stammtisch endet, zu ergänzen: Er beginnt auch dort. Hitlers Buch von 1925 wird am Authentischsten (und Schmerzhaftesten) von einem Kabarettisten gelesen.

Gestern vor 25 Jahren verstorben: Helmut Qualtinger.

daily fake sounds

Einst schäumte Spülmittel, weil die chemische Verbindung mit reinigendem Effekt eben schäumte. Dann entwickelte man viel bessere Spülmittel, die nicht mehr schäumten – mit dem Effekt, dass die Hausfrauen und -männer dieses offensichtlich ineffektive Spülmittel nicht kauften. Also mischten die Spülmittelhersteller in das immer noch viel bessere Spülmittel Zusatzstoffe, die bewirkten, dass das Spülmittel wieder schäumt und von den Hausfrauen und -männern angenommen wird.

Hier ein interessanter Artikel über Sounds, die uns die Wirklichkeit wirklicher erscheinen lassen – obwohl diese Sounds eigentlich gar nicht auftreten würden: Autotürenschlagen, Verbrennungsmotorengeräusche bei Elektroautos, Geldausgabesurren beim Automaten u.a.

http://www.humansinvent.com/#!/889/5-fake-sounds-designed-to-help-humans/

(Die Klimperei bei Stummfilmen war auch in erster Linie dazu da, irgendeine Geräuschkulisse herzustellen, sodass die bewegten Bilder als wirklich empfunden werden.)

Kunst machen und bei Facebook posten!

Semantische Audioanalyse – Tutorial

Ein schön gemachtes Tutorial über semantische Audioanalyse von Jörn Loviscach:

(via sonic system)

Analoger Ikonoklasmus: Streichhölzer zum Verbrennen von Kunstwerken