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Online-Archive mit Neuer Musik und Medienkunst

Das Internet wird zum totalen Archiv.
Unlängst hatte ich das Avantgarde-Projekt verlinkt, eine schöne Initiative zur Sammlung rarer Aufnahmen Neuer Musik. Desweiteren ist natürlich das fantastische Ubu-Archiv zu nennen, das immer mehr zum Panoptikum des 20. Jahrhunderts wird.

Hier noch ein paar Archivadressen:

Das GAMA (Gateway to Archives of Media Art)
Wolf Fifth, ein Blog über „Rare vinyl records from the golden era of avantgarde and experimental music“
Public Domain Review, eine Sammlung von allem möglichen, was in öffentlichen Besitz übergegangen ist.
atonality.net ist ein Blog, auf dem unentwegt Neue Musik gepostet wird.
Die YouTube-Kanäle stanchinsky oder NewMusicXX haben bereits hunderte Stücke hochgeladen.
Auf seedy gibt es gelegentlich Links zu geripptem Zeugs.
Mein persönlicher Favorit ist sfsound, eine Internet-Radiostation die rund um die Uhr Neue / experimentelle Musik spielt, und zwar ziemlich gut ausgewählte.

Wahrscheinlich, bis auf das ausgewiesene public-domain-Archiv, wird bei all dem mal wieder kräftig aufs Urheberrecht geschissen das Urheberrecht flexibel gehandhabt. Ich halte es für ausgemacht: Das Internet wird zum totalen Archiv. Also braucht es die Diskussion, was uns das wert ist. Vielleicht eine Kulturflatrate?

Aufräumkunst

Ursus Wehrli, der schon Kunstwerke aufgeräumt hat, räumt nun auch den Alltag auf. Wird als „Humor“ verkauft, finde ich aber gar nicht unbedingt. Jedenfalls versteht der Verlag keinen und pfeift alle zurück, die Werbung für das Buch machen Bilder daraus einbinden, darum nur zwei links zu Seiten, wo noch was davon zu sehen ist:

http://www.klonblog.com/2011/08/29/buch-die-kunst-aufzuraumen-von-ursus-wehrli/

http://www.jeanniejeannie.com/2011/08/29/the-art-of-clean-up-sorting-and-stacking-everyday-objects/

Klavier mit Code spielen

Früher hatte ich hier schon mal das faszinierende Video, in dem Karlheinz Essl ein echtes Klavier spielt – aber am MIDI-Mischpult.
Die nerdigste Form kommt jetzt: Live Code schreiben, welcher ein motorisiertes Klavier ansteuert.

Bemerkenswert daran ist auch, dass es wohl am besten als Video funktioniert, oder man macht im Konzertsaal ein Screening des Bildschirms.
Bleibt natürlich trotzdem etwas mysteriös, denn wer weiß schon was das Code-Zeugs bedeutet. Also, mehr als Konzept genießen denn als traditionelle Musik-Performance. Warum nicht.

(via rukano)

Klaviermusik von Beethoven, taktweise komprimiert

Habe gestern rumexperimentiert:

Von einem Klavierstück Ludwig van Beethovens wird jeder Takt zu einem (1) Akkord zusammengefasst, der sämtliche Töne dieses Takts enthält. Die Akkorde werden schnell hintereinander gespielt (oder bei langsamen Sätzen langsamer).

Hier der dritte Satz der Klaviersonate C-Dur Op.53 „Waldsteinsonate“, taktweise komprimiert. Es spielt Konrad Zuse:

Und hier noch ein Klavierstück von Beethoven, ein sehr bekanntes, ihr dürft raten:

Der/die LiebhaberIn des Beethoven-Schredderns kann sich hier noch den dritten Satz der Appassionata anhören, und die ganz unersättlichen mögen sich bei mir melden, hab noch die Mondscheinsonate, die kleine und die große Pathétique. Verdankt sich natürlich der Tatsache, dass man die Sonaten als Midi-Files im Netz findet.

Update: Auf Nachfrage hier noch die Mondscheinsonate und die Sonate Op.10,1.

Ich sehe erst jetzt beim Blogeintrag-Schreiben, dass das akustisch fast dieselbe Idee ist wie gestern auf Kulturtechno der Pixelhimmel.

Früher auf Kulturtechno: Beethovens “Pathétique” nach Lautstärke sortiert

New Yorks Pixelhimmel

N SKY C .COM ist ein Netzkunstprojekt von Mike Bodge. Die Website zeigt die durchschnittliche Farbe des New Yorker Himmels, alle fünf Minuten aktualisiert. Mal schauen, wie der angekündigte Hurrikan „Irene“ verpixelt wird.

(via Triangulation)

Früher auf Kulturtechno: Pixelkunst

Ernie ist der Welt abhanden gekommen

Rührendes kleines Stück Philosophie in der Sesamstraße:
Ernie und Bert geht der Frage nach, ob er überhaupt hier ist.

(via Ida)

25727 Passwörter


Jörg Piringer
hat aus den veröffentlichten Pron.com-Hacks der Hackergruppe LulzSec die 25727 Passwörter genommen und zu einem Film montiert, pro Frame ein Passwort. Die Geheimcodes der Menschen Männer.
Wieder einmal eine ästhetische Umsetzung des Zeitalters der großen Quantitäten.

(via Nerdcore)

Joanna Bailie – On and Off 2

„Die Kunst der Zukunft wird die Collage sein“, sagte Gottfried Benn vor langer Zeit. Damit war er weitsichtiger, als man erst dachte. Aber wie sollte es anders sein, da sich das Internet zum totalen Archiv ausdehnt?

Es ist darum gar nicht verwunderlich, dass auch in der Kunstmusik immer mehr das Sampeln und zufallsgesteuerte Abspielen von bestehender Musik angewandt werden. Selbst die Berliner Philharmoniker rufen mittlerweile Remix-Wettbewerbe aus.

Hier das Stück „On & Off 2“ der britischen, in Brüssel lebenden Komponistin Joanna Bailie. Es spielt das Ensemble Plus Minus. Bailie hat eine wunderbare minimalistische Art, fest Definiertes und Zufälliges zu verweben und schafft zudem eine sehr schöne Szenografie.

Ich finde, langsam dürfte die Fraktion der Spießerdeppen Ignoranten mal aufhören, bei sowas noch zu rufen, ach, für Radios hat doch schon Cage vor Dezennien komponiert; als ob fürs Klavier nicht auch schon seit Jahrhunderten geschrieben worden wäre! So, wie man nicht fragen kann, was denn nach Monarchie und Demokratie als nächstes kommt, kann man auch nicht fragen, was denn nach dem postmodernen Remix als nächstes kommt. Mashup ist für immer. Kunst geht’s nicht um’s Prinzip, Kunst ist konkret. Ratschlag: Zuhören!

Neue Musik und LIDL (Kunst)

Ende der 60er betrieben die Künstler Jörg Immendorff und Chris Reinecke die Aktionsplattform LIDL. (Der Wikipedia-Artikel heißt „LIDL (Kunst)“.) Der Name war reines Nonsenswort – und wurde vom wirklichen Leben eingeholt, nur ist der Lidl leider keine Aktionskunstplattform, sondern eine ausbeuterische Ladenkette ein Discounter.

Und so geht auch der „Neue Musik„-Begriff, der mal die Kunstmusik des 20.und 21. Jahrhundert meinte, vor die Hunde. Aber möge sich der Freund dieser Musik einfach nichts Böses denken und glauben, die folgenden Kontexte seien ganz im Sinne seiner Passion:

[Nr. 11:]

(via today and tomorrow)

Die Neue Musikzeitung dazu.

Bildbetrachtungshilfe

Schluss mit der stressigen Interaktivität! Wolfgang Stehle zeigt mit seinen Bildbetrachtungshilfen von 2001, wie das Kunstwerk anzuschauen ist und nicht anders.

Es war schon immer so in der Kunst: Das Publikum ist die Skulptur.