Letzten Freitag eröffnete das EarZoom-Festival in Ljubljana (Kulturtechno berichtete); es gab u.a. ein Screening meiner GEMA-Aktion product placements. Hier ein paar Fotos, mit Dank an Nika Autor.
Zitatsammlung „Die 90er“
Charakteristisch für das totale Archiv ist die Suchabfrage. Gespeichert wird ja alles, aber wie ruft man es ab?
Eine beliebte filmische Methode ist es geworden, kurze Ausschnitte aus dem totalen Filmarchiv nach einem bestimmten Thema zusammenzustellen. Mein Lieblingsexemplar ist da immer noch Jay Rosenblatts Prayer, eine Sammlung von Filmaufnahmen mit Menschenmengen, die sich gerade zum Gebet niederknien. Aktuell im Gespräch ist Christian Marclay mit The Clock, in dem lauter Filmausschnitte chronologisch montiert sind, in denen eine Uhr vorkommt. Allerdings finde ich Marclays Erfolg damit fast ein bisschen unverhältnismäßig, wo es im Netz noch viele andere schöne Arbeiten dieser Art gibt, zum Beispiel die folgende: Jemand hat lauter Filmzitate aus den 90ern gesammelt, in denen von den 90ern gesprochen wird. Ganz schön lang her.
(via Nerdcore)
Und hier noch eine sehr schöne Arbeit von Robin Waart: Filmstills mit immer dem gleichen Untertitel. Denkwürdig.
Hier die gesamte Galerie mit bislang 82 Fundstücken.
(via pietmondriaan)
Konzert „Kontrolle und Zufall“ in der Akademie der Künste Berlin
Möchte schon mal hinweisen auf ein, ich denke, sehr schönes Konzert in der Akademie der Künste Berlin am nächsten Freitag, 7.10.:
durchgehend, Foyer
Etudes interactives
Interaktive Installation. Ludger Brümmer, Komposition, Götz Dipper, Idee und Konzept18:00 Konzert, Studio
Johannes Kreidler windowed 1 Version 1 [2006] für Schlagzeug und Zuspielung, Stil 1c [2010/11] für Piccoloflöte, Baritonsaxophon, Vibraphon und Zuspielung
Ulrich Alexander Kreppein Nachtschattenwirbel (Phantasiestücke Nr.2) [2008-10] für Ensemble
Hans-Joachim Hespos t a n E K – elektroAkustische spur und improvisierender kontrabaß [2011] UA18:45 Vortrag, Studio
Jan C. Schmidt Über das Glück des Zufalls: Der kreative Zufall in den Wissenschaften20:00 Konzert, Studio
Iannis Xenakis Anaktoria [1969] für acht Instrumente
John Cage Etudes Boreales [1978] für Klavier und Violoncello
Karlheinz Stockhausen Kontra-Punkte [1952-53] für 10 Instrumente21:00 Konzert, Ausstellungshalle 2
Erhard Grosskopf Streichtrio [2003] für Violine, Viola und Violoncello
Vinko Globokar Correspondences [1969] für vier Solisten22:00 Konzert, Ausstellungshalle 2
Iannis Xenakis Persephassa [1969] für 6 Schlagzeuger>> Mitwirkende
Kammerensemble Neue Musik Berlin
Manuel Nawri, DirigentMatthias Bauer, Kontrabass
Les Femmes Savantes
Sabine Ercklentz, Trompete, Pfeifen
Ute Wassermann, Stimme, Pfeifen
Ana Maria Rodriguez, Live-ElektronikPersephassa
Maria Schneider, Daniel Buess, Matthias Engler, Jürgen Grözinger, Fran Lorkovic, Max Riefer, Schlagzeug,
Leitung Michael WertmüllerTechnische Realisierung: Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste
http://www.adk.de/de/aktuell/veranstaltungen/index.htm?we_objectID=30351
Eisschallplatten
Ivan Abreu presst Musik auf Eis-Schallplatten, vornehmlich Nationalhymnen. Und irgendwann bricht das Eis. Aber wahrscheinlich wäre eine langsame Schmelze schöner gewesen.
Experimentation with Long Play records made out of ice, created using moulds; this process allows the transference of sound information onto a radically unstable material, such as ice, which registers the information from the disc’s grooves and is capable of keeping it for long periods of time. This transformation of the original sound in the vinyl record constitutes the only sound process within the art work.
In this edition for Mexico, it copies a long play titled „Música y voz de la Patria , Himno Nacional (Homeland’s music and voice, National Anthem) „which by its officiality and history, constitutes the sonorous image of the nation: military marches, flag’s theme, national anthem, etc. Sound clichés that constitute signs of the state-nation that are reactivated from within their questioning, and whose feedback is the collective catharsis of the public act that they were originally conceived for.
Elitär vs. Populär
Drüben im Bad Blog of Musick macht Moritz Eggert auf das Blog The Biting Point aufmerksam, worin jemand energisch die Zeitgenössische Klassische Musik (ich hasse diesen Ausdruck wie die Pest, er ist in den USA aber üblich) auffordert, sich zu öffnen.
Hier das Manifest Towards a New Classical Music Culture. Auch Stefan Hetzel setzt sich damit auseinander.
Ich denke dazu passt ganz gut mein „Elitär vs. Populär“-Aufsatz, den ich auf Kulturtechno erstveröffentlichte, der dann in der Schweizer Zeitschrift für Neue Musik Dissonance erschienen ist und jetzt auch auf meiner Website steht:
http://www.kreidler-net.de/theorie/elitaer-populaer.htm
Die Inakzeptanz der modernen Musik ist eines der größten Desaster der Kunstgeschichte.
Jean-Luc GodardIch habe mit den nicht-professionellen Musikern aus meinem Freundeskreis, also vor allem mit Künstlern anderer Sparten und Akademikern, eine kleine (nicht-repräsentative, aber beispielhafte) Umfrage durchgeführt: Was für Musik hört ihr? – Anders gefragt: Wodurch zeichnet sich anspruchsvolle Popmusik aus? Denn Neue Musik hören sie kaum bis gar nicht, aber auch nicht gerade Dieter Bohlen (ich glaube, man kann das unabhängig vom funktionalen Bezug verschiedener Musiken betrachten; es geht überhaupt um’s Kennen und Wertschätzen). Ein erstes Ziel der Ausweitung des Neue-Musik-Radius wäre schließlich, neben der Jugend, diese Gruppe.
(Wenn man Poptheoretiker wie Diedrich Diederichsen liest, bekommt man das Gefühl, U sei das neue E und in House Music steckt mehr Dialektik als Adorno je bei Schönberg entdeckte.)
Fotos von Leuten, die auf irgendwas zeigen
Unlängst hatte ich hier die Sammlungen typischer Lokalzeitungsmotive von Peter Piller, zB die „Bedeutungsflächen“, wenn Leute auf irgendwas zeigen. Max hat in den Kommentaren darauf hingewiesen, dass für diese schöne Idee, wie sich das heute gehört, ein eigenes Blog existiert:
http://www.monochrom.at/zeigerpointer/read.shtml
Außerdem hier eine Galerie mit allerlei Zeigern (via Sixtus):
product placements @EarZoom Ljubljana
Heute abend startet in Ljubljana das EarZoom Festival des IRZU, geleitet von Miha Ciglar.
Das Festival startet um 19h mit Screenings, unter anderem mit der Doku meiner GEMA-Aktion. Anwesenheitspflicht für alle slowenischen Kulturtechno-Leser.
Helmut Qualtinger liest aus „Mein Kampf“
Eine Lesung, die auch heute noch unter die Haut geht. Man ist geneigt, Gottfried Benns These, wonach selbst ein Weltkrieg als Witzobjekt am Stammtisch endet, zu ergänzen: Er beginnt auch dort. Hitlers Buch von 1925 wird am Authentischsten (und Schmerzhaftesten) von einem Kabarettisten gelesen.
Gestern vor 25 Jahren verstorben: Helmut Qualtinger.













