Sorry für die suchmaschinenoptimierte Überschrift, aber man sagt das halt so.
Paul Lamere hat ein Tool programmiert, bei dem man einen Lautstärkeverlauf zeichnen kann, und dann sucht das Programm im totalen Archiv (= Internet) nach Musikstücken, die diesem Verlauf entsprechen.
Ich hab mal den ganz einfachen Verlauf von Ravels Bolero eingegeben, eine stetige Lautstärkezunahme. Die ermittelten Musikstücke, soweit ich sie dann auch auf YouTube gefunden habe, entsprachen dem allerdings nicht wirklich. Vielleicht ist das schon zu speziell für Popmusik.
Ich arbeite derzeit an einem Text mit dem Titel „Das totale Archiv“. Eine erste Fassung habe ich einer in der musikakademischen Fachwelt bekannten Zeitschrift für Musik und Ästhetik angeboten; der Text wurde vom Herausgeber als „Medienfaschismus“ abgelehnt. (Er, der Text, wird nun wohl stattdessen in meinem geplanten Sammelband nächstes Jahr erscheinen.)
Gegenstand des Aufsatzes ist die Tatsache, dass alles, was digitalisiert werden kann, digitalisiert werden wird, und irgendwann werden alle Dokumente der Vergangenheit diesen Prozess durchlaufen haben; danach wird nur noch die ständige Gegenwart hinzugefügt. Die Auswirkungen auf Kunst, Wissenschaft und Design beleuchte ich in dem Text.
Heute nacht um 0.05h strahlt DeutschlandRadio Kultur eine Sendung von Florien Neuner über aktuelle Tendenzen der Politisierung in der Neuen Musik aus, worin unter anderen auch ich interviewt werde.
DeutschlandRadio Kultur,
27.9.2011, 00:05 Uhr
Neue Musik
Jenseits von Engagement und Agitprop
Tendenzen der Politisierung in der jüngsten Musik
Von Florian Neuner
In den 60er-/70er-Jahren gab sich die neue Musik von Luigi Nono bis Hans Werner Henze klassenkämpferisch. Nach Jahren der Entpolitisierung schenken einige jüngere Komponisten dem gesellschaftspolitischen Kontext ihres Tuns heute wieder zunehmend Beachtung.
Jeff Yorkes schneidet bekannte US-Kinofilme auf wenige Minuten zusammen und unterlegt sie mit passenden Songs. Hier zB The Shining, wozu John Lennon „we all shine on“ brüllt.
Hier ist sein Vimeo-Kanal mit allerlei sehens- und hörenswerten „Cinemashups“.
Kommentare deaktiviert für Cinemashups| Kategorie: Sonstiges
Adib Fricke kreiert neue Wörter und stellt sie aus.
Ich kann mich wirklich an jedem einzelnen erfreuen. So leicht ist es, etwas Neues in die Welt zu setzen. Und die Deppen rufen gleich: Ja, aber das Prinzip ist nicht neu.
Futurismus: Wissenschaftler der University of California, Berkeley, rekonstruieren mit Hirnstrommessgeräten visuelle Reize im Gehirn.
Imagine tapping into the mind of a coma patient, or watching one’s own dream on YouTube. With a cutting-edge blend of brain imaging and computer simulation, scientists at the University of California, Berkeley, are bringing these futuristic scenarios within reach.
Using functional Magnetic Resonance Imaging (fMRI) and computational models, UC Berkeley researchers have succeeded in decoding and reconstructing people’s dynamic visual experiences – in this case, watching Hollywood movie trailers.
As yet, the technology can only reconstruct movie clips people have already viewed. However, the breakthrough paves the way for reproducing the movies inside our heads that no one else sees, such as dreams and memories, according to researchers.
“This is a major leap toward reconstructing internal imagery,” said Professor Jack Gallant, a UC Berkeley neuroscientist and coauthor of the study published online today (Sept. 22) in the journal Current Biology. “We are opening a window into the movies in our minds.”
Interessant an der Methode ist desweiteren, dass zur Re-Synthese Material aus dem ‚totalen Archiv‘ benutzt wurde, also ein gigantisches Mashup (SpOn):
Die Testpersonen sahen sich neue Filme an, die sich von dem Material des ersten Durchlaufs komplett unterschieden. Allein auf Basis der Daten zur Gehirnaktivität rekonstruierte das Programm die gesehenen Filmszenen. Es griff dazu auf einen Pool aus 18 Millionen Sekunden willkürlich ausgewähltem YouTube-Material zurück und suchte nach Filmszenen, die den zuvor gelernten Hirnaktivitätsmustern am ehesten entsprachen.
Einmal mehr zeigt sich, wie die heutige Quantität an verfügbaren Daten im Netz neue Technologie erst ermöglicht.
Jetzt wäre natürlich auch interessant, was da klanglich rüberkäme.
Björn Gottstein hat einen ganz guten, kurzen Text über den derzeit etwas paradoxen Zustand von Musik auf CDs und als Verlagsnoten einerseits und dem Internet andererseits geschrieben, worin auch ich zitiert werde:
Noten und Aufnahme kann man im Netz kriegen, trotzdem hat die CD und die Verlagsausgabe einen Wert, nämlich einen symbolischen. Was natürlich irgendwie schief ist – man achtet einen Komponisten ob seines renommierten Verlags, bittet ihn dann aber doch, die Partitur einfach als pdf zu schicken; man schaut, was auf CD rausgekommen ist, um es sich dann als Mp3 runterzuladen, oder kauft die CD, um sie dann als Mp3 umzukopieren (ich weiß nicht wie’s anderen geht, aber ich habe keine CDs mehr und fange damit auch nicht wieder an). Da gibt es mindestens in Deutschland einfach ein Defizit an Qualitätsfiltern online, also vor allem Blogs, die das übernehmen.
Gottstein hätte allerdings noch erwähnen können, dass die Lobby-Arbeit von Verlagen nicht nur positiv ist, und dass eine Inverlagnahme in erster Linie nicht die Auszeichnung einer Ästhetik ist, sondern die Auszeichnung der ökonomischen Verwertbarkeit; denn Verlage präferieren zB aus rein wirtschaftlichen Gründen Instrumentalmusik.