(via Peter Glaser auf Facebook)
Früher auf Kulturtechno: Unterwassermusik

Ich liebe Memes! Zum Beispiel das hier: Zum Bild von P.J. Fry aus Neatorama, wo selbiger einen eher indifferenten Gesichtsausdruck an den Tag legt, werden die zentralen Fragen der Menschheit abgewägt. Hier eine Kollektion, drüben bei quickmeme gibt’s über 1000.
Drüben bei der Sampledatenbank whosampled.com haben sie zum Launch ihrer App eine hübsche Infografik erstellt.
(via Jäger und Sampler)
Seit einigen Jahren komponiere ich ja auch Stilmelodien, wobei ich es nie unter 50 Stilen mache; außerdem lobe ich mir da Software wie Band in a Box, bei der man aus über 3000 verschiedenen Stilen auswählen kann.
(via Dressed like Machines)
Nicht nur 3D-Drucker werden vielversprechend, wie man in diesem Video sieht ist auch in 2D noch manches neues möglich: zum Beispiel Lautsprecher ausdrucken.
Früher auf Kulturtechno: Lautsprechergemälde
Danke für den Tipp, Anna!
Neue Musik! Wir spielen die Klassik des 20. und 21. Jahrhunderts – im zurzeit einzigen deutschsprachigen Radiosender dieser Sparte. Bei uns hören Sie die klassischen Neuen Komponisten genauso wie zeitgenössische Musikkünstler sowie Werke engagierter Nachwuchstalente.
„Klassik des 20. und 21. Jahrhunderts“ – bei solchen Formulierungen graust’s mir. Aber die Selbstdefinition ist wohl nötig, denn in Wirklichkeit gibt es schon lange in Deutschland das DEGEM-Webradio, hingegen spezialisiert auf elektronische Musik. Wie dem auch sei, die Freunde der, sagen wir doch, Kunstmusik der letzten 100 Jahre kommen hier vielleicht in den Genuss.
Der Guardian macht den Turing-Test: 5 Musikstücke, 4 davon wurden von echten (bedeutenden) Komponisten komponiert, eines vom Computer. Ich lag daneben :(
http://www.guardian.co.uk/science/poll/2012/jul/01/musical-turing-test-audio-clip-computer
Das doofe ist natürlich, dass es das reine Computer-Musikstück nicht gibt; durch Zufallsgeneratoren und Zugriff auf riesige anonyme Daten entsteht zwar ein genuin neues Werk, aber trotzdem hat jemand die Software programmiert und irgendwelche Startparameter gegeben.
Wenigstens wird dadurch deutlich, dass es bei menschlichen Komponisten natürlich auch so ist, dass die Hirnsoftware auch von anderen programmiert ist und Startwerte aus der Welt kommen. Das leere Blatt gibt es nicht.
Das gute ist, dass hier mal Mensch und Maschine in einen produktiven Wettbewerb treten. Man muss die algorithmische Komposition ernst nehmen, genau so ernst wie die Google-Algorithmen.
(via Weltsicht aus der Nische)
Der Freitag berichtet von einem Konzert des London Symphony Orchestra, bei dem ein Werk uraufgeführt wird, das der Computer komponiert hat.
http://www.freitag.de/autoren/the-guardian/bartok-am-laufenden-meter
Michael Harenberg hat im DEGEM Newsletter dazu geschrieben:
Illiac Suite Relaoded
Wie die Wochenzeitschrift „der FREITAG“ in Übersetzung eines Artikels
des englischen GUARDIAN meldet, gibt es offenbar wieder einmal einen
Versuch mit Partitursynthese zu arbeiten. Wie dem Artikel unscharf zu
entnehmen ist, wurde wohl ähnlich wie schon bei Hiller und Isaacson
mit generischen Algorithmen komponiert. Und wie damals hat der
Computer, der hier doch recht modern als „der Ker, der genau weiss was
er willl“ in Erscheinung tritt, mal wieder eigenständig Meisterwerke
komponiert, auf die kein Mensch Einfluss genommen hat! Es sind diese
Erzählungen, die anscheinend in ihrer metaphorischen Umkehrung so
stark sind, dass man sie immer mal wieder aktualisieren kann. Alan
Turing, zu dessen Ehren das Projekt zur Aufführung kommt, hätte
wahrscheinlich wenig Spass daran gehabt. Seinen Turing Test auf
„Mensch versus Maschine“ zu reduzieren, hat mit der Frage nach den
Grenzen der Formalisierbarkeit nur noch wenig zu tun. Dafür werden die
Arbeiten von Xenakis zur algorithmischen Komposition mit einem
Algorithmus für schwedische Kinderlieder gleichgesetzt. Hauptsache der
Computer komponiert und tritt uns, wenn auch als „Kerl“ so doch
immerhin als eigenständiges künstlerisches Subjekt gegenüber, auf
dessen selbsttätige Maschinenhaftigkeit wir unser ästhetisches
Begehren projezieren wenn auch niemals spiegeln können. Dass
ausgerechnet Bartók, Ligeti und Penderecki als Vorlage für eine
musikalische Moderne herhalten müssen, ist dann nur noch eine
zusätzliche Skurillität am Rande, die musikalische Eignung und das
Mass ihrer Wertigkeit ist im Zweifelsfall sowieso immer noch Bach.
Immerhin wird den Stücken des Computers attestiert, dass sie
musikalischer sind, als die einiger „Avantgarde-Komponisten, die in
ihrer eigenen Logik schwelgten, aber praktisch unspielbar seien“. Sehr
schön auch die anschliessende Diskussion der Community. Im Gegensatz
zu zeitgenössischen Werken in den Bereichen Fine Arts, Theater,
Literatur, Performance, etc. kann man mal wieder das
Vermittlungsproblem zeitgenössischer Musik beobachten, deren
Entwicklungen spätestens nach dem 2. Weltkrieg in der Mitte der
bürgerlichen Gesellschaft kaum noch wahrgenommen und reflektiert
wurden, was man an den Reaktionen gut sehen kann. Dazu passt, dass die
„Werke“ statt als endlos Stream im Netz von einem renommierten
Orchester gespielt auf CD erscheinen. Es gibt sie also doch noch, die
so oft totgesagte bürgerliche Musikkultur. Nur wird sie jetzt von
Bartók Algorithmen beliefert, was ja auch eine schöne Form der
Traditionspflege ist.
Michael Harenberg